Sonntag, 1. April 2012

Sonntags-Matinée: MxPx – Plans Within Plans (+ DVD-Tipp „Both Ends Burning“)

Schon bei den ersten Klängen von „Plans Within Plans“ möchte man sich das Skateboard schnappen und losbrettern, im Pogo-Pit schwitzen und von der Bühne diven, um sich auf Händen tragen zu lassen. Genau das macht dieses Album mit einem. Pop-Punk, den man guten Gewissens hören kann.

Das Beste, was mal jemand über MxPx zu mir gesagt hat, war: „Die klingen, als ob sie sich kräftig bei Blink 182 bedient haben.“ Ironie des Schicksals: Beide Bands wurden zeitgleich gegründet, MxPx gelten in der Szene als ehrliche Rock’n’Roll-Arbeiter, während Blink durch ihren Mega-Mainstreamerfolg inzwischen eher den Ruf von gesättigten Rockstars haben. Und während diverse Muckerkollegen lobende Worte über MxPx und ihre Bedeutung für die Musikwelt verlieren (siehe DVD-Kritik), stehen sie mit ihren rund 2,5 Millionen verkauften Platten im Gegensatz zu Blink (rund 20 Mio. verkaufte Tonträger) eher bescheiden da. Aber das macht nichts. Denn MxPx brauchen sich nicht vergleichen – und das tun sie auch nicht. Kommen wir also zum Wesentlichen: der Musik.

Ohne Umschweife kommt „Aces“ zum Punkt, ein straighter Kracher, der die Metapher des Glücksspiels aufs Leben münzt: „Just deal the cards/and hope that you get aces.“ MxPx gehören zu den Bands, die eher persönliche Texte schreiben und weniger die große Politik im Auge haben. Nachdenkliche, aber auch spaßige Lyrics packen sie in einen Power-Trio-Sound, der wuchtig produziert ist und sich auf vier Säulen stützt: Da sind die Drums von Yuri Ruley, die zum Beispiel in „Nothing Left“ klingen, als möchten sie sich ständig selbst überholen. Da ist der prägnante Vielspieler-Bass von Matt Herrera, der „The Times“ so knackig einläutet, diese Ich-bin-bei-mir-angekommen-Hymne. Herrera prägt den Bandsound natürlich auch mit seiner Stimme, die zwischen dezent aggressiv und selbstbewusst souverän pendelt. Und zum Vierten hätten wir da die Riffs, die – logo – nicht innovativ oder verschnörkelt daherkommen, dafür aber jede Menge Spielfreude und Goodtime-Feeling ausstrahlen, schüttelt sich Tom Wisniewski aus dem Ärmel – und das mit Elan, Drive und lockerem Handgelenk.

„Plans Within Plans“ dreht sich ums auf die Schnauze fallen, ums wieder Aufstehen, ums Durchhalten und ums Überleben. „Ihr habt mir durch eine harte Zeit geholfen“ werden Fans vielleicht in ein paar Jahren über Songs wie „Stay On Your Feet“ sagen. Oder „Volltreffer, genau so hab ich mich auch schon gefühlt“ über „Best Of Times“. Die Songs wirken frisch und ehrlich, „Far Away“ klingt fast nach Social D auf Speed, aber auch in die Momente, wo das Trio auf die Bremse tritt, krachen genussvoll aufs Trommelfell („When It Comes To You“). MxPx haben mittlerweile 20 Jahre auf dem Buckel. Nicht jede Band, die das von sich sagen kann, ist da noch in der Verfassung, über die volle Plattenlänge so zu überzeugen.

„Plans Within Plans“ von MxPx erscheint am 3. April via Flix Records. Mehr: www.mxpx.com
Hier noch das Video zur aktuellen Single "Far Away":




DVD-Tipp: MxPx - „Both Ends Burning“


Eine Kerze, die an beiden Seiten brennt, ist schneller durch. MxPx brennen für ihre Musik – um das Erlöschen ihrer Flamme muss man sich aber keine Sorgen machen. Die im Dezember erschienene Doku "Both Ends Burning" (Regie: Bryan Buchelt) zeigt die Band auf der Bühne, im Privaten, auf gemeinsamer Tour und im indonesischen Dschungel. Rund drei Jahre war die Kamera dabei und hat auch die Konflikte eingefangen, die entstehen, wenn man sich rund um die Uhr der Pelle hockt.  Entstanden ist ein Porträt einer Band, die wegweisend für viele andere Bands war. Ob The Descendents, Against Me!, Simple Plan oder A Day To Remember: Muckerkollegen äußern sich sehr positiv über MxPx, die trotzdem nie kommerziell so erfolgreich waren wie manche Soundalikes. Doch der Antrieb ist ohnehin ein anderer: Wenn Mike mit der Akustik-Gitarre im Tourbus an neuen Songs feilt, wenn die Drei dann zusammen im Proberaum oder auf der Bühne stehen, hat man schnell den Eindruck: Die wollen nur spielen. Hoffentlich noch länger.

Einen Trailer zur Doku gibt's hier:

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