Mittwoch, 28. März 2012

The Young and The Hopeful: The Sweet Escape mögen's mächtig



Seit Kurzem gibt es bei Tinnitus Attacks eine neue Rubrik: Sie nennt sich "The Young and The Hopeful". Darin soll es um Bands gehen, die noch nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Dieses Blog will Musiker unterstützen, die Herzblut und Zeit investieren, aber ohne Label dastehen oder noch am Anfang sind. Heute mit vier jungen Männern aus den USA, die ihre Amps ordentlich qualmen lassen.

Manchmal muss es einfach Breitwand-Sound sein. Als mich ein früherer Arbeitskollege in den USA auf Fall Out Boy brachte, war ich begeistert, "From Under The Cork Tree" war etwas Neues und Großartiges für meine Ohren. Diesen Bonus haben die Amis mit "Infinity On High" dann verspielt. Ab da hab ich mich ausgeklinkt.

Dann sind mir "The Sweet Escape" aus Port St. Lucie, Florida, über den Weg gelaufen. Was soll ich sagen? Das ist gut. Das ist sogar richtig gut. Dabei sind die vier Jungs blutjung, den Fotos nach zu urteilen. Dass viele Mädchen auf die gutaussehenden Burschen fliegen dürften, keine Frage. Aber Dennis Walsh (Vocals/Guitar), Bryan Jackson (Guitar), John Rivas (Bass), Chase Chenault (Drums) machen ihre Sache einfach gut. Da wären auf der Haben-Seite zu verbuchen: Gute Melodien, die trotz einer gehörigen Portion Pathos nicht kitschig-bombastig wirken. Ein Händchen für clevere Rhythmuswechsel, die die Songs nicht langweilig werden lassen. Hier macht jeder eine gute Figur, vor allem fallen aber die drückend fetten Gitarren auf. "Das hat man heute so", hätte man vor ein paar Jahren gesagt, wenn es sich bei Gitarren um Mode-Accesoires gehandelt hätte. Aber wo Nu-Metal-Überbleibsel wie Linkin Park oder Limp Bizkit heute eher peinlich wirken, sind The Sweet Escape einfach mit Herz bei der Sache. Der Gesang ist ungekünstelt und geht völlig in Ordnung, die Drums treiben die Songs an und der Bassist ist auch nicht nur alibihalber vorhanden. In manchen Momenten erinnert der Mix an Blink 182, wenn die das Gas rausnehmen, dann wieder an die bereits erwähnten Fall Out Boy, auch das Bittersüße von Jimmy Eat World haben sie verinnerlicht, die vier Musiker, die noch ohne Plattenvertrag dastehen - aber das könnte sich bald ändern.

Auf ihrem Youtube-Kanal verkünden sie selbstbewusst: "You'll be seeing a lot from us in the near future." Die Zahlen bestätigen das: Die Zahl der Facebook-Fans ist innerhalb weniger Wochen von rund 1000 auf über 5000 angewachsen. Die EP "The Endeavour" ist via iTunes erhältlich, eigentlich schon seit August 2011. Trotzdem stehen The Sweet Escpae noch ziemlich am Anfang, behelfen sich auf Youtube mit Montagen von Live-Fotos, mit denen sie Songs unterlegen, oder dem einfachen Standbild-Clip. Aber es wäre gut möglich, dass die Jungs noch Furore machen.

Die vier Songs der EP im Überblick:

"Don't Think Twice" beginnt mit melancholischen Akkorden, die zuerst clean sind, dann kann man sich vorstellen, wie der Gitarristenfuß den Bodentreter trifft und auf Overdrive schaltet. Der Song nimmt Fahrt auf und mündet in einen collageradiokompatiblen Refrain, der Lust auf Kickboard-Rasereien im Sommer macht. Ein wahrhaftiger Hit. Wetten, mit etwas Airplay würde sowas durch die Decke gehen?

Dann brät uns "Dear Jane (As Sweet As You)" gleich die Riffkeule über. Gallopierend, stakkato, donnernd - die Gitarren leisten ganze Arbeit, auch hier wieder ein einprägsamer Refrain und die variabel gehaltenen Strophen. So macht man das. Woher nehmen die Jungs die Souveränität für sowas?

Ebenfalls nicht von schlechten Eltern ist das getragene "Ready Or Not" mit seinem Sonnenaufgang-Feeling. In "Keep Scoutin' Kid" begegnen uns wieder die cleanen Gitarren, der Song klingt nach seinem mächtigen Midtempo-Hymnenflair langsam aus. Alle Songs dauern jeweils über vier Minuten. Spaß am Spiel haben sie, das hört man.

Wer sich selber ein Bild von den Songs machen möchte: Via Facebook kann man die EP hören.

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