Dienstag, 6. März 2012

The Young and the Hopeful: Ruby Shock im Grenzland zwischen Stoner und Rockabilly

Heute startet Tinnitus Attacks eine neue Rubrik: Sie nennt sich "The Young and The Hopeful". Darin soll es um Bands gehen, die noch nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Dieses Blog will Musiker unterstützen, die Herzblut und Zeit investieren, aber ohne Label dastehen oder noch am Anfang sind. 

Den Anfang machen heute drei Männer und eine Frau, die staubtrockene Stonerklänge und rasante Rockabilly-Elemente verbinden.

Darf ich vorstellen: Ruby Shock. Sie kommen aus Stuttgart, sind ungesigned, aber talentiert und hoffnungsvoll. Ruby Shock, das sind Maddalena (voc), Stevie (drums), Dennis (bass) und Migger (git). Derzeit arbeitet das Quartett an seinem dritten Album. Wir schauen derweil mal auf die aktuelle Scheibe, die auf den Namen "Love Me, Love My Dogs!" hört und 2009/2010 entstanden ist.

Die Platte: 
Die Queens of the Stone Age entführen ein wahrhaftiges Rrrrriot-Girl entführen und laden in der Wüste zu einer wüsten Rockabilly-Party. So oder ähnlich klingen Ruby Shock. Das Quartett mischt Stoner-Riffs á la Josh Homme mit dem exaltierten Gesang von Frontfrau Maddalena. Dazu gesellen sich ein knackiger Bass und die Drums, die zwischen lässig und druckvoll pendeln. Und immer wieder mischen sich da Surfsounds ins Gesamtbild.

Stoner meets Rockabilly: Ruby Shock rocken
 eigenständig.                             Foto: pr
Die abgehackten Riffs des Openers "Don't believe" spielen unverhohlen mit QOTSA-Rhythmik, dann nimmt das Stück Fahrt auf. Bei "Same old song" ist es umgekehrt: Da steht ein klassischer Rock'n'Roll-Intro am Anfang, später ziehen sie Licks aus dem Hut, die nach Wüste und Mathmoslampe klingen. Das robotige "Rebel of Dance" setzt auf Kontraste im Tempo und man kann sich richtig vorstellen, wie das Stück live zündet. Überhaupt: Ruby Shock auf Platte, das ist der Soundtrack für lange Fahrten auf langgezogenen geraden Straßen, aber auch wenn man sie noch nicht auf der Bühne gesehen hat, kann man sich vorstellen, dass diese krawallige Mischung bestens aufgeht. Etwas relaxter geht's da in "At night" zu, bevor wir Zeugen eines Duells werden in "Nothing Counts". Das klingt nach Spaghetti-Western und das Revue-Girl hat sich das Mikro geschnappt. Die ganze Platte steckt voller interessanter Details, ist nie zu verspielt, immer straight, aber nie zu einfach. Mal flirren die Gitarren, wenn sie Gesang wären, wären sie Kopfstimme, mal braten sie voluminös. Wuchtig und akzentuiert die Drums, satt und wollig der Bass. Und über allem thront immer wieder Maddalena, diese aufgedrehte Schwester im Geiste von Patricia Day (Horrorpops), mit ihrer tremolierenden Stimme.

Die Geschichte:
Ruby Shock existieren seit in dieser Besetzung seit 2007. Vor Ruby Shock gab es "Laconic Star", die von von Madda und Migger gegründet wurden. Die Band war mit zwei Videoclips beim damals noch existenten Viva 2 vertreten und war unter anderem als Support für die Foo Fighters und Him auf Tour. "Obwohl der große Durchbruch offensichtlich nicht stattgefunden hat, sprechen uns noch heute viele Leute auf Laconic Star an", sagt Dennis Wohlbold, der sehr angetan vom Sound der Band war und sich um den Posten des Bassisten bei Laconic Star beworben hatte. Er selbst hatte vorher bei Symphorce gespielt, einer Powermetalband um Cede Dupont (Freedom Call, Downspirit), Andy B. Franck (Brainstorm), Markus Pohl (Mystic Prophecy).
Zunächst machte die Band unter dem Namen Laconic Star weiter, aber es kristallisierte sich ein anderer Stil heraus. "Um Laconic Star Fans nicht vor den Kopf zu stoßen, entschlossen wir uns zur Umbenennung in Ruby Shock", erinnert sich Dennis Wohlbold.

Das Debüt "Stony way" nahm die Band 2008 auf, und der Titel sollte Programm bleiben. Auch nach dem zweiten und noch aktuellen Album "Love Me, love my dogs" ist kein Label in Sicht. "Heutzutage kriegst Du als Band nicht mal mehr eine Proforma-Standard-Absage, wie das früher wenigstens noch der Fall war - egal ob das Label Dein Zeug anghört hat oder nicht", sagt ein etwas frustriert klingender Dennis Wohlbold. Weder die Kontakte durch Symphorce noch die Kontakte durch Laconic Star brächten die Band voran, sagt der Bassist. Dennis Wohlbold: "Entweder "existieren" die Leute an den entsprechenden Positionen nicht mehr, oder sie können mit dem Sound von Ruby nichts anfangen. Klar... Symphorce war Powermetal, Laconic Star war Mainstream... Wie passt da der saugeil rotzige Sound von Ruby Shock ins Konzept? Es ist stilistisch halt einfach was komplett Anderes." Die Geschichte der Band zeigt, wie unberechenbar das Musikbusiness bisweilen sein kann - und dass man immer wieder neu um einen Status kämpfen muss, den man schon einmal erreicht hat.

Die Perspektive: 
So bleibt der Band im Moment nichts anderes übrig, als ihre CDs über die bandeigene Internetseite www.ruby-shock.com zu verscherbeln und zu versuchen, so viele Konzerte wie möglich zu spielen. Doch es gibt trotzdem Pläne für ein neues Album: "Momentan stecken wir in der Songwriting-Phase zum nächsten Album, wir hoffen, dass wir in der zweiten Hälfte  dieses Jahres mit den Aufnahmen beginnen können. Einen Titel dafür gibt es allerdings noch nicht", verrät Dennis Wohlbold.

Man darf gespannt sein. Es wäre der Band zu wünschen, dass sie eine Plattenfirma findet, die sie pusht, fördert und fordert. Der Soundmix der Stuttgarter ist ungewöhnlich, eigenständig und extrem livetauglich.

Mehr Infos auch unter http://www.facebook.com/RubyShock. Mehr Videos gibt's auf Youtube. Unten seht Ihr noch ein Live-Video zu "At Night". Und hier noch ein paare Tourdaten:


17. März: Stuttgart-Botnang, Bürgerhaus/Cafe Intus + Mars Mellow
24. März: Schwalbach, Rockclub
14. April: Suttgart-Neugereut, JuHa (Deadcity Punx Birthday-Party)
09. April: Wittenberg, Stadtfest
03. August: Traben-Trabach, Lott-Festival



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen