Sonntag, 18. März 2012

Sonntags-Matinée: Dry The River - Shallow Bed

Pathos muss ja nichts Schlechtes sein: Die UK-Folk-Senkrechtstarter von Dry The River gönnen sich eine doppelte Portion davon und fahren gut damit. Der Soundtrack zu den Leiden des jungen Mannes anno 2012.

Der NME hatte Recht. Vergangenes Jahr im März beim Durchblättern auf einer ansonsten ereignislosen Zugfahrt fiel mir diese Band auf, die das britische Musikmagazin in großen Tönen zum "Next Big Thing" ausrief. Nun ist das immer so eine Sache. Hypes sind oft genauso schnell rum wie sie gekommen sind. Dry The River sind anders - und sollten nicht alleine, weil sie bei Sony Music unter Vertrag sind, richtig einschlagen, wenn es nicht mit dem Teufel zugeht. Die Band kommt aus verschiedenen musikalischen Ecken, hat Erfahrung mit Metal, Hardcore, Klassik - und braut doch ein ganz eigenes Gemisch. Sie sind keine Epigonen, sie haben genug eigene Ideen, die fünf Briten, die bereits EPs und einzelne Songs veröffentlicht haben und nun endlich ihr Full-Length-Debüt auf die Menschheit loslassen.

Kitsch könnte man ihnen vorwerfen, so zartschmelzend wie die Violine von William Harvey auf "Shallow Bed" klingt. Weinerlich könnte man die Stimme von Peter Liddle finden. Aber sie kommen damit durch. Weil ihre Songs einfach groß sind. Und zwar im doppelten Sinne - großartig und großflächig voluminös produziert, von Peter Katis, der auch schon für The National an den Reglern saß. Dry The River scheuen den Bombast nicht, den viele Indie-Folker meilenweit umschiffen. Im Gegenteil, sie suchen ihn gezielt und malen damit ausufernde Gemälde, die vom Kontrast leben. Einerseits diese mehrstimmigen Gesänge, die - logisch - an Fleet Foxes und Mumford & Sons erinnern. Andererseits diese Rock'n'Roll-Verliebtheit, die sie im Mini-Drama "New Ceremony" zelebrieren, wo wehmütig das Ende einer Liebe seziert wird: "I know it's gotta stop, love, but I don't know how". Auf einmal sind die Zweifel da, keiner weiß, woher sie kommen. Inbrünstig werfen sie sich in das stampfende "The Chambers & The Walves", zögerlich wagen sie sich in den "Bible Belt" vor, am Ende begeben sie sich in die "Lions Den" und türmen ihre Soundgewalt so hoch auf, dass man vor einer monolithischen Wand steht, die dann ausfranst - und nach ein paar Minuten Stille legen sie mit dem hidden track "Family" doch nochmal nach.

Die Pferde im Booklet (die auch schon als 3-D-Poster in England für Aufsehen sorgten) kommen nicht von ungefähr: Hier klingt alles ungezähmt, freiheitsliebend und nach vorne strebend. Da kommt noch mehr.
Bitte viel mehr.

"Shallow Bed" von Dry The River ist am 2. März bei Rca Int. (Sony Music) erschienen. Mehr unter www.drytheriver.net

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