Freitag, 9. März 2012

Hörtest: Wild Evel & The Trashbones - Tales from the Cave

Wer sie einmal live gesehen hat, der ist ihnen mit Haut und Haaren verfallen. Dabei sind die Zutaten denkbar simpel. Was machen Wild Evel & The Trashbones besser als die anderen - und was macht sie zu einer der besten Bands zwischen hier und dem Ende der Welt? Manche nennen es Mojo, andere Charisma - klar ist nur eins: Von diesen Höhlenmenschen lässt man sich gerne eines mit der 60ies-Keule überbraten.

Das Leben kann so einfach sein: "I wanna take you out - oh yeah / I wanna scream and shout - oh yeah / I wanna hold you tight - oh yeah / I wanna make you mine - oh yeah". Mehr Text brauchen die Österreicher um den exzentrischen Frontmann Wild Evel nicht, um die Menschen vor der Bühne in zuckendes Klatschfutter zu verwandeln (wie vergangenen Oktober in Winterthur, siehe Konzertbericht). Kein Wunder: Auf der Bühne legt Evel, der Chef von The (Incredible) Staggers, schon mal die Farfisa-Orgel um, der er mit drei Fingern herrlich plärrende Sixties-Sounds entlockt - wenn er nicht gerade über die Bretter tobt wie ein verschollen geglaubter Ramones-Bruder. Berni Trashbone versohlt derweil das Drumkit nach allen Regeln der Kunst, während Powl Howl und Murphy Morphine die Gitarren zu fuzzigen Höchstleistungen peitschen und Max Trashbone dem Bass dröhnende Donnerschläge entlockt. Es ist ein Schauspiel, das man manch anderem Musiker empfehlen möchte, auf dass dieser den Begriff "Energie" neu entdecken möge.

Jetzt haben Wild Evel, der nebenher an der Akademie der bildenden Künste in Wien Malerei studiert und für die Artworks der Band oft selber verantwortlich zeichnet, und seine Mitstreiter (die von The Roadrunners stammen) erstmals ihre Songs in Longplayer-Format versammelt. Bisher mussten Fans sich die Songs auf Vinyl-Singles zusammensuchen (was seinen Reiz hat), jetzt gibt's 17 ungehobelte 60ies-Garagenrock-Perlen am Stück. Ein arschcooles Aha-Erlebnis für alle, die mit Garagenrock, Surfsounds, Schellenkranz, Zombies, B-Movies, Screaming Lord Sutch und Rocky Horror-Flair etwas anfangen können.

Wild Evel & The Trashbones 2011 in Winterthur.
                                                         Foto: Tinnitus Attacks
Auch wenn das alles nicht neu ist: Wie Wild Evel and the Trashbones sich am Kulturkanon der 60er bedienen und daraus eine eigenständige Mixtur destillieren, die punkig-roh und aufmüpfig daherkommt - ganz großes Tennis. "Let's go right now" klingt wie eine Mischung aus Blues Brothers ("Everybody needs somebody") und The Who ("My Generation“), beim „Mobumbu Hop“ dürfte sich Surf-King Dick Dale geschmeichelt fühlen, während Pulp Fiction-Fans ein Déjà Vu erleben und wie die Mundharmonika bei „I Wanna Be Your Caveman“ jubiliert, das muss man auch erstmal komponieren. Wild Evel singt dazu nicht einfach, er näselt, heult, krächzt und gröhlt sich durch 37 Minuten durchgeknallter Unterhaltung. Neben massig Eigenkompositionen gibt es auch zwei Covers, nämlich „Where You Gonna Go“ (Art Guy) und „Black Cat“ (The Sheapes). Schönes Detail am Rande: Als Gastmusiker ist unter anderem Buddy Grabner am Saxophon zu hören, der früher beim britischen Schockrocker Screaming Lord Sutch (gestorben 1999) spielte. Rockabillys und Rockabellas werden diese Platte ebenso lieben wie Mods, 60ies-Freaks, aber auch musikalisch offene Punkrocker. 
Mit der kurz-knackigen Prägnanz der Drei-Akkorde-Punks sind die Songs nämlich ebenfalls gesegnet. 
Da muss dann eben die Repeat-Taste ran.

„Tales from the Cave“ ist am 17. Februar bei Wohnzimmer Records erschjnen. Als CD und als LP erhältlich via Soundflat Records. Hier gibt’s noch das Video zu „Let's go right now“ zu sehen. Einen Auftritt von Wild Evel bei „Willkommen Österreich“ könnt Ihr unter diesem Link sehen. Mehr zur Band auf der offiziellen Internetseite

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