Sonntag, 5. Februar 2012

Sonntags-Matinée: Chimes of Freedom - The Songs of Bob Dylan Honoring 50 Years of Amnesty International

1962. Das Jahr, in dem sich Amnesty International als weltweite Bewegung formiert. Und das Jahr, in dem Bob Dylan sein Debütalbum veröffentlicht. Ein halbes Jahrhundert Einsatz für Menschenrechte und politischen Protest: nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen Bob Dylan und Amnesty International. Jetzt gibt's die Songs des Folk-Giganten dutzendfach gecovert und auf 4 CDs verteilt. Dabei zeigt sich, wie grenzenlos Dylans musikalischer Einfluss ist.

Es ist schon ein lustiges Ding mit Robert Allen Zimmermann, besser bekannt als Bob Dylan. Die einen behaupten, er könne gar nicht singen, die anderen lieben ihn für seine nölig-kratzige Stimj. Die einen zählen seine missglückten Auftritte, die anderen sinken andächtig auf die Knie, wenn der Pate des Protestsongs die Bühne betritt. Fakt ist: Dylan ist einer der wichtigsten Songwriter aller Zeiten. Auch wenn niemand mehr die xte Coverversion von "Blowin' in the Wind" mehr hören will - gerade die alternative Musikszene kann ein Lied davon singen, dass Dylans Einfluss allgegenwärtig ist. Ob Hot Water Music-Fronter Chuck Ragan ohne Dylan mit Akustikgitarre und Mundharmonika auf der Bühne stehen würde? Oder Rage Against The Machine: Die machten auch nichts anderes als Bob Dylan, nur mit einem zweiten Hendrix namens Tom Morello an der E-Gitarre. Und was macht Morello auf seinen Soloalben als "Nightwatchman"? Protestsongs auf der Akustikgitarre. Nur zwei Beispiele für Musiker, die deutlich zeigen, welchen Wurzeln sie huldigen.

Auf Bob Dylan können sich alle einigen. Und darum versammeln sich auf "Chimes of Freedom" Musiker aus den verschiedensten Ecken der Popkultur - von Jazz bis (Punk-)Rock, von Hip-Hop bis Soul - und covern die Songs des mittlerweile 70-Jährigen. Das funktioniert manchmal perfekt, manchmal verheben sich die Musiker allerdings auch an den Songperlen.

Zu den herausragenden Momenten der Compilation mit ihren 73 Songs (digital sind es noch drei Stücke mehr) muss man das großartige "Forever Young" zählen: Dafür hat sich Pete Seeger (92 Jahre alt) mit einem Kinderchor zusammen ans Mikro gestellt. Seeger und Dylan kennen sich, die Legende will es, dass der Ältere dem Jüngeren den Strom abdrehen wollte, als Dylan erstmals zur E-Gitarre griff. Aus dem Country-Dunstkreis begeistert auch Kris Kristofferson, der "Quinn The Eskimo (The Mighty Quinn)" mit einer beinah an Johnny Cash heranreichenden Intensität covert. Apropos: Johnny Cash gibt es auch zu hören, zusammen mit den Avett Brothers - Montagetechnik macht's möglich, dass "One Too Many Mornings" hier ertönt (im Orginal ein Duett von Cash und Dylan).

Auch die Punkrock-Fraktion darf sich freuen: Wie Bad Religion "It's All Over Now, Baby Blue" plattwalzen und mit mehrstimmigen Gesängen aufpumpen, das ist so over the top, dass es schon wieder gut ist. Flogging Molly enttäuschen da fast ein wenig mit ihrer Version von "The Times They Are A-Changin'". Nur, weil es klingt, als hätte man die Tonspur der "Drunken Lullabies" drübergelegt, wird es eben nicht automatisch folkig und leider auch nicht überragend, sondern lediglich solide. The Gaslight Anthem begeistern dafür mit ihrer introvertierten Version von "Changing of The Guards", das zeigt, wie nahe diese Band dem All American Songbook eigentlich steht. My Chemical Romance schroten "Desolation Row" hier in einer Liveversion gnadenlos nieder (den Song in der MCR-Version kennt man ja schon vom Watchmen-Soundtrack) und sehen dabei wirklich gut aus. Ähnlich souverän bewegen sich Rise Against ("Ballad of Hollis Brown") und die Silversun Pickups ("Not Dark Yet") auf dem Dylan-Terrain. Und natürlich ist auch Tom Morello mit dabei. "Blind Willie McTell" lebt von der düsteren Stimmung, die der Saitenzauberer hier verbreitet. Der Komplettheit halber seien an Tinnitus Attacks-relevanten Musikern Billy Bragg, Queens of the Stone Age, Pete Townshend, My Morning Jacket, Elvis Costello und Patti Smith erwähnt, die allesamt okaye bis aufregende Beiträge eingespielt haben.

Am Rande erwähnt: Wer auf Miley Cyrus, Kesha und Seal oder eine völlig schlimme Hip-Hip-Version von "Subterranean Homesick Blues" verzichten will, kann ja einfach die Skip-Taste betätigen. Die schmucke 4-CD-Box lohnt sich, weil sie über weite Strecken überzeugt. Und macht Lust, mal wieder die alten Dylan-Schoten rauszukramen, um zu hören, wie das jetzt nochmal im Original war.

Chimes of Freedom ist am 3. Februar erschienen. Konzipiert und zusammengestellt von Jeff Ayeroff und Julie Yannatta, die auch für "Instant Karma: The Amnesty International Campaign to save Darfur" verantwortlich zeichneten. Anhören und kaufen oder downloaden (der Erlös kommt Amnesty zugute) kann man die CD unter www.amnestyusa.org/chimesDort findet man auch Infos, wie man sich bei Amnesty International engagieren kann. 


Hier noch das Video zu "The Times They Are A-Changing" in der Flogging Molly-Version.  


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