Freitag, 24. Februar 2012

Hörtest: Retisonic - Robots Fucking

Mucke mit Muckis und Köpfchen: Retisonic klingen auf Robots Fucking nach organisiertem Chaos, Spontaneität und Adrenalin. Posthardcore? Vielleicht. Die haben sich aber auch noch ganz andere Sachen reingepfiffen, könnte man meinen. "Come Waste My Time" singen sie in "Necropolitan". Zeitverschwendung ist diese Platte nicht - im Gegenteil. 

Erster Song, erster Eindruck: Die neue Them Crooked Vultures? Das legt sich aber nach ein paar Sekunden, eine Gemeinsamkeit gibt es jedoch. Roh und ungeschliffen klingt auch diese Platte hier, und das macht sie zu einem verdammt spaßigen Vergnügen. Ganz klarter Fall: Wir haben es hier mit einem Trio zu tun, das nicht lange rummacht, Gitarre und Bass einstöpselt, den Bodentreter malträtiert und loslegt. Die Drums von Joe Gorelick treiben den Kahn vorwärts, während Jason Farrell irre Sachen mit seiner Gitarre anstellt und der Bass von Jim Kimball knackige Impulse setzt. Schon kurios: Das mag Post-Hardcore sein, hat aber was von einer Röntgenaufnahme: Dieser Sound kommt zwar intelligent, muskelstrotzend und breitbeinig daher wie das im Hadrcore eben üblich ist, aber es scheinen die Grundlagen guter Musik durch, eine Rock'n'Roll-Kante, wie sie auch die Obits auf der Bühne entfesseln. Und: Man fragt sich, ob sich die Gods of Blitz (Gott hab sie selig) sich sowas reingetan haben. Retisonic könnten die bösen großen Brüder von ihnen sein. Man höre nur mal "High On Denial".

Da sind diese Melodien, die so schlicht sind, dass sich mancher Hobbygitarrero fragen wird, warum er selber nicht draufgekommen ist. Zum Beispiel das Gitarrenlick im Titelsong. Ohnehin, der Song "Robots Fucking": Klingt irgendwie, als hätte man die Beach Boys 40 Tage in die Wüste geschickt statt sie am Sandstrand spielen zu lassen. Da haben sie dann ein Queens-of-the-Stone-Age-Konzert gesehen und sich ein paar Substanzen einverleibt. Als Hymne mit prägnantem Basslauf  setzt sich "Don't Let It Complicate Your Mind" in den Gehörgängen fest, "Called To Say" wächst und setzt sich nach etwas mehr als einer Minute richtig in Gang. Intelligent, aber nicht verkopft, und gleichzeitig urwüchsig rock'n'rollig: Retisonic beherrschen diesen Spaghat.

Kein Wunder, wenn man sich anschaut, wer da am Werk ist. Jason Farrell (Swiz, Sweetbelly Freakdown, Bluetip), Jim Kimball (J. Majesty, Vs. Antelope) und Joe Gorlick (Garden Variety) waren bereits mit großen Bands wie Nada Surf, Fugazi und Jets To Brazil auf Tour. Es ist zehn Jahre her, dass ihre Debüt-EP "Lean Beat" erschien, 2003 kam der erste Longplayer "Return To Me". Kreative Durststrecke und finanzielle Engpässe haben sie hinter sich, davon zeugte bereits 2006 die EP "Levittown". Es dauerte trotzdem nochmal ein paar Jahre, bis endlich "Robots Fucking" fertig war. Jetzt noch 'ne Tour und alle sind glücklich.

"Robots Fucking" von Retisonic erscheint am Freitag, 24. Februar, via Arctic Rodeo Recordings. Hier gibt's zwei Songs zu hören und ein Video zu sehen. Offizielle Seite: www.retisonic.com

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen