Sonntag, 29. Januar 2012

Sonntags-Matinée: Matt Pryor - May Day

Solisten haben Hochkonjunktur. Jetzt bekommen wir es mit dem zweiten Album-Alleingang von Matt Pryor zu tun. Den kennt man sonst von The Get Up Kids. Schon lustig: Im Januar erscheint jetzt ein Album, das im Mai 2011 aufgenommen wurde - und seine maximale Wirkung in den Sommermonaten erzielen dürfte.

Nichts gegen Ragan, Turner und Co., aber es ist schon schön, dass Matt Pryor auf "May Day" nicht das erfolgversprechende Rezept Countryfolk nachkocht. Klar, irgendwie ist es ja immer ein bisschen von beidem, wenn man sich mit der akustischen Gitarre auf den Barhocker setzt und seine Gedanken preis gibt. Aber mit dem Nachfolger von Pryors Solodebüt "Confidence Man" (2008) werden eher Anhänger sonnig-fluffiger Klänge glücklich als die Punkrock-Fraktion. Wenn Matt Pryor die Saiten zupft, tauchen Bilder von blauem Himmel, der sich in Wellen spiegelt, vor dem inneren Auge auf. Hier dürften auch Fans von Surfer-Gitarrero Jack Johnson glücklich werden.

Allerdings setzt Matt Pryor nicht auf Easy Listening. Der Opener "Don't let The Bastards Get You Down" ist eine gutgelaunte Kampfansage, "The Lies Are Keeping Me Here" hätte so auch auf dem letzten Decemberists-Album stehen können. Aber dann sind da ja auch Songs wie "Polish The Broken Glass", das klingt, als seien The Cure seitlich in die Fleet Foxes gerast. Oder das fast schon morbide tönende "I Was a Witness" mit seinem westernhaften Gitarrentwang und Stereo-Streichern, die von der linken zur rechten Box und wieder zurückwabern. Es geht um zerbrochene Liebe, die erstaunlich positiv vertont ist, das mit Banjo und Mundharmonika winkt. Immer wieder werden die Songs auch von Piano-Figuren getragen, das treffend "Your New Favorite" betitelte ist so eines. Und im Mittelpunkt immer wieder Matt Pryors Stimme, von der man sich wünschen würde, dass sie einem bei einem Bier im Pub Lebensweisheiten erzählt. Vielleicht könnte sie einem auch was zum Thema Ritzen sagen, zumindest legt "You Won't Get Any Blood From Me" nahe, dass hier jemand jemanden kannte, der sich selbst wehgetan hat. Matt Pryors Gesang wirkt immer wieder wie von weit her schallend, mal sind die Songs minimalistisch und setzen auf Gitarre, mal werden sie von der Bass-Drum vorangetrieben. Allesamt will man sie nicht mehr missen, wenn man sie mal gehört hat. Gerade auch "What My Tired Eyes Would View", das mit seinem Banjo vs. Gitarre-Ansatz und zirpenden Grillen am Ende eines rundum schönen Albums steht.

Sympathisch übrigens auch der basisdemokratische Ansatz: Die Finanzierung des Albums sicherte Pryor via Fanunterstützung im Internet, auch beim Artwork durften sich seine Supporter einbringen. Dafür will er sich mit Wohnzimmerkonzerten revanchieren. Man kann sich vorstellen, dass die Songs da perfekt funktionieren. Setz Dich, nimm Dir einen Keks, fühl Dich wie zuhause, Matt. Und spiel unsere New Favorite Songs.

"May Day" von Matt Pryor ist am 27. Januar auf Arctic Rodeo Recordings erschienen.

Hier gibt's noch "Your New Favorite" zu hören, unter dem Youtubekanal mattpryorsongs findet Ihr zwei weitere Songs.



Und hier noch ein Video von ifyoumakeit: Matt Pryor performt "Where Do We Go From Here" live.


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