Montag, 23. Januar 2012

Interview: Hello Piedpiper im Gespräch mit Tinnitus Attacks

Fabio Bacchet ist ein Teil der Indie-Band "Stereo Inn". Vergangenes Jahr hat er sein Solo-Debüt unter dem Namen "Hello Piedpiper" veröffentlicht. Dann war er mit dem Anti-Flag-Sänger und -Gitarrist Justin Sane auf dessen Solo-Akustiktour unterwegs und hat sich viele Freunde gemacht. Höchste Zeit, ein paar Fragen an den Singer/Songwriter loszuwerden. 

Tinnitus Attacks: Du warst letztes Jahr mit Justin Sane auf Tour. Inwiefern hat Dich diese Tour weitergebracht?

Fabio beim Solo-Auftritt in Stuttgart. Foto: Daniel Drescher
Fabio Bacchet: Ich bin mit Justin und Mirko (Gläser,- Anm. d. Red), der sehr gute Bandworkshops gegeben hat, 10 Tage lang durch Deutschland gefahren und hatte eine sehr gute Zeit. Die Tour hat mich auf zweierlei Weisen weitergebracht. Auf der menschlichen Seite kann ich sehr froh sein, mit diesen zwei Super Typen unterwegs gewesen zu sein, denn es war sehr angenehm und vom ersten Moment an sehr freundschaftlich. Ich hatte Justin ja zuvor noch nie getroffen und es hätte sein können, dass da jetzt jemand ankommt und wir überhaupt nicht auf einer Wellenlänge sind. Das genaue Gegenteil war der Fall. Ich fühlte mich die ganze Zeit als gleichwertiges Mitglied dieser Tour, obwohl ich ja nur der Support war. Ich habe in Gesprächen sehr viel von Justin und Mirko  gelernt und mir wurden des öfteren die Augen geöffnet. Wir haben uns oft und lange unterhalten. Das war wirklich toll. Ganz unabhängig davon war es toll, mit vielen Leute zu sprechen, die ich sonst nicht getroffen hätte. Musikalisch war es für mich natürlich auch sehr gut, diese Tour mitzuspielen. Ich hatte vorher zwar schon öfter mal live gespielt. Aber jeden Abend vor 80 bis 100 Leuten in verschiedenen Städten aufzutreten ist natürlich was anderes als in Köln und Umgebung vor Menschen, die man eigentlich alle kennt. Ich denke, es hat mich auf der Bühne etwas wachsen lassen und mich routinierter gemacht. Mit Tinnitus Attacks wäre ich ohne die Tour auch nicht in Verbindung gekommen ;-) und insgesamt hab ich viele Leute aus der Musikszene getroffen und auch hier und da neue Kontakte geknüpft.

Tinnitus Attacks: Auf den ersten Blick seid Ihr gegensätzlich: Justin der sozialkritisch-plakative Punkrocker mit Akustikgitarre, Du eher der melancholische Typ, der Botschaften vielleicht subtiler verpackt. Was sind Parallelen zwischen Euch?

Fabio Bacchet: Genau das hab ich auch gedacht, als ich das Angebot für die Tour bekommen habe. Gegensätzlich. Und es stimmt, Justin sagt direkt heraus, was er sagen will, und ich verstecke, was ich sagen möchte, des öfteren mal in meinen Texten. Parallelen findet man in einigen Inhalten der Songs. Justin sagt gerne, was ihm nicht passt, und das tue ich auch in vielen Songs. Ich denke, dass wir beide Beobachter sind, wobei Justin insgesamt wohl etwas aktiver in seinem politischen Engagement ist als ich. Wir haben außerdem festgestellt, dass wir gleiche Einflüsse teilen und einigermaßen gleich ticken.

Und nochmal Stuttgart.
                         Foto: Melanie Braith
Tinnitus Attacks: Du hast auch schon für Bill Callahan eröffnet, der in den wichtigen Musik-Polls 2011 ziemlich weit vorne gelandet ist. Was geht einem durch den Kopf an so einem Abend?

Fabio Bacchet: Ja, was geht einem da durch den Kopf? Mir ging natürlich durch den Kopf, dass ich noch nie vor so vielen Menschen gespielt hatte und dass der musikalische Anspruch dieser Mensch ziemlich hoch ist. Ich hoffte natürlich, dass ich diesem gerecht werden könne und ich war vor dem Konzert wirklich ziemlich aufgeregt, habe die Songs x Mal wiederholt, bin Texte durchgegangen usw. Es ging aber zum Glück alles gut und ich habe nach der Show gutes Feedback  bekommen.

Tinnitus Attacks: Was für Einflüsse sind Dir wichtig?

Fabio Bacchet: Eigentlich sind ALLE Einflüsse wichtig, ob sie nun gut oder schlecht, inspirierend oder langweilig sind. Ob es musikalische Einflüsse sind oder nicht. Wirklich wichtig ist, dass es überhaupt irgendwelche Einflüsse gibt, da man ja sonst so etwas wie ein Zombie ohne Gehirn wäre. Musikalisch sind es zu viele als das ich sie jetzt alle aufzählen könnte. Es ist eine Mischung aus alten Folk/Country/Pop Künstlern wie Simon & Garfunkel, den Beatles oder die anderen üblichen Verdächtigen und neuer Musik, die ich finde. Momentan finde ich zum Beispiel The Middle East, Timber Timbre und Erland & the Carnival ganz ganz groß.

Tinnitus Attacks: Seit wann machst du Musik? Lebst Du davon? Was machst Du sonst?

Fabio Bacchet:  Ich mache eigentlich schon Musik so lange ich denken kann, habe in einigen Bands gespielt, dort in den ersten Jahren Bass gespielt und später nur gesungen, bis ich dann so vor sieben bis acht Jahren die Gitarre und das Songschreiben für mich entdeckt habe. Leben kann ich davon leider nicht. Es wäre natürlich toll, aber das ist heutzutage vor allem in Deutschland nicht so wirklich einfach. Ich bin Student und halte mich mit verschiedenen Jobs über Wasser. Das klappt ganz gut - und der ein oder andere Euro bleibt nach Konzerten manchmal auch übrig.

Tinnitus Attacks: Inwiefern unterscheidet sich Dein Soloprojekt von Deiner Hauptband Stereo Inn?

Fabio Bacchet: Der Unterschied könnte darin liegen, dass ich es alleine schaffen muss, Songs zu transportieren und mich mit HPP nicht auf meine wunderbaren Bandkollegen wie bei Stereo Inn verlassen kann. Ich muss zwar weniger arrangieren, muss dabei aber genau darauf achten, wie ich Sachen zusammensetze, damit sie auch funktionieren. Das ist in einer Band schon etwas einfacher. Insgesamt würde ich sagen, das Hello Piedpiper etwas ruhiger und ernster ist, obwohl die letzten Songs von Stereo Inn auch in diese Richtung gehen.

Tinnitus Attacks: Was willst Du mit Deiner Musik bewirken?

Fabio Bacchet:  Mir ist sehr wichtig, dass die Musik, die ich mache, mir selbst gut gefällt. Etwas zu bewirken ist dabei nicht unbedingt das Ziel, aber oft eine Art Mitbringsel. Ich schreibe meine Texte so, dass ich selbst davon überzeugt bin und die Worte sich gut in das Lied einfügen. Ich freue mich aber natürlich darüber, wenn ich mit meinen Texten eine Art Denkanstoß geben kann. Ich möchte bewirken, dass die Leute zuhören. Toll ist es auch, wenn man merkt, dass man Menschen mit Musik etwas Gutes tun kann. Wenn mir jemand sagt, die Musik habe ihm/ihr den Tag gerettet, oder sehr beruhigend wirkt, dann ist das eine ganz besondere Belohnung.

Tinnitus Attacks: Wann wurde Musik für Dich so wichtig, dass Du selber zur Gitarre gegriffen hast?

Fabio Bacchet: Ganz so romantisch ist das leider nicht gelaufen, Daniel. Ich habe nicht zuhause gesessen und gedacht, dass mir Musik jetzt so wichtig ist, dass ich jetzt anfangen muss Gitarre zu spielen. Es hat sich so abgespielt, dass ich zu der Zeit sehr viel Skateboard gefahren bin und mir eines Tages den Fuß gebrochen habe. Ich habe also sozusagen aus Langeweile angefangen Songs zu schreiben. Das hat sich so gut angefühlt, dass ich seit dem nicht mehr damit aufgehört habe. Es ist allerdings schon immer so gewesen, dass ich selbst Musik erschaffen wollte. Ich habe als Kind einmal ein Casio Keyboard von meinen Eltern zu Weihnachten geschenkt bekommen und kann mich daran erinnern, eine Art Song geschrieben zu haben. Vor mir lag ein Schiffbaukasten eines Flugzeugträgers und ich habe dessen Namen - U.S.S. Taranava - mit verschiedenen  Akkorden wiederholt.


Tinnitus Attacks: Wo willst Du hin? 

Fabio Bacchet: Der Weg ist das Ziel.

Mehr: Auf der offiziellen Homepage gibt's u.a. Tourdaten und ein paar Songs zum Gratis-Download. 

Eine Rezension von Hello Piedpipers "Birdsongs = Warsounds" findet Ihr hier, den Konzertbericht von Justin Sanes Solo-Tour hier
Ach ja: Tinnitus Attacks gibt's auch auf Facebook. Liken und auf dem Laufenden bleiben! 

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