Freitag, 27. Januar 2012

Hörtest: Crippled Black Phoenix - (Mankind) The Crafty Ape

So kann's gehen: Das Album erscheint und der Sänger ist schon raus. Ein Wermutstropfen, dass Joe Volk nicht mal mehr auf der kommenden Tour dabei sein wird. Trösten kann man sich mit "(Mankind) The Crafty Ape". Das allerdings auch nur bedingt, denn kuschelig geht's hier nicht zu. Dafür komplex, düster und vielschichtig. 

Ja Mensch, die Menschheit, dieser listige Affe. Hat sich einfach über Millionen Jahre vom keulenschwingenden Neandertaler zum Social-Network-Junkie mit Koffein-Injektion und Laptop-Schutzschild (wer in letzter Zeit bei Starbucks war, weiß, wovon die  Rede ist) entwickelt. Komponiert Symphonien und Oratorien, verwendet aber mindestens genausoviel Zeit auf das Ersinnen und Erfinden von Waffen unvorstellbarer Zerstörungskraft, mit denen wir uns nicht bloß einmal vernichten könnten. Allein schon der Titel lädt zu philosophischen Diskursen ein, die bitter nötig sind, wenn man sich so umschaut.

Wo Punkrock-Bands sich angesichts dieses Themas Aktivismus auf die Fahnen schreiben würden, gehen Crippled Black Phoenix auf Platte allerdings introvertierter vor (auch wenn die Message nicht weniger dringlich ist, wie Ihr im Video unten sehen könnt). Irgendwie wabert ein Konzept über diese Doppel-CD, allerdings eher unaufdringlich und hintergründig. Bei den ersten Hördurchläufen wird sich das einem nicht notwendigerweise erschließen, zuviel gibt es hier zu entdecken.

Der pessimistisch klingende Quasi-Opener "The Heart of Every Country" etwa. Bis der Gesang einsetzt, sind schon mal über drei Minuten vergangen, dräuendes Klavier und dunkler Bass setzen sich gegen klagende E-Gitarre und diese Stimmengewirr durch, das einem anarchistisch veranlagten Gregorianischen Chor auf Acid gleicht. Willkommen im Planetarium, auf geht's zu den Sternen. Justin Greaves und seine Sidekicks wildern in Prog-Gefilden, kommen aber ohne Selbstzweck-Gegniedel und Gefrickel aus. Dabei ist ihnen egal, ob Gitarrenriffs bluesig, metallisch oder post-irgendwas klingen. Und immer wieder dieses bedeutungsschwangere Klavier, dass sich schwer atmend auf die Gleise legt, auf denen der konstant voranrollende Soundbastard kreist. Wie lang ein Song dauert, ist da egal - Hauptsache, es ist alles gesagt oder besser gesagt gesungen.

Manchmal herrscht auch einfach Stille, aber das ist nicht der einzige Grund, warum man dieses Band wohl eher nicht im Radio hören wird. Es ist ein Album, das will, dass man sich mit ihm beschäftigt, dass man es nicht bloß als Hintergrundbeschallung im Auto hört. Eine klare Antithese auch zum Shuffle-Modus. Das Doppelalbum lebt. Lange lebe das Doppelalbum.

"(Mankind) The Crafty Ape" erscheint am 27. Januar via Cool Green Records. Bei Visions online kann man sich Auszüge anhören. Mehr unter http://www.crippledblackphoenix.co.uk/

Hier gibt es noch das leicht verstörende Video zu "Laying Traps" zu sehen:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen