Mittwoch, 31. August 2011

Tom Waits präsentiert Titelsong von "Bad as me"

Schräg, schräger, Tom Waits: Keiner ist so herrlich kauzig wie der Kalifornier mit der Bell-Krächz-Grummel-Stimme. Im Oktober erscheint sein neues Album. Jetzt gibt es die Single und den Titelsong "Bad as me" in voller Länge zum Hören (siehe unten). Klingt, als könnten wir uns wieder auf ein einzigartig schrulliges Album gefasst machen. Aber bei aller Verquerheit tönt das sehr hörbar.

Update: Hier ist die CD-Kritik dazu.

Tom Waits - Bad As Me by antirecords

Erster Song von "Sing in Japanese": Me First And The Gimme Gimmes streamen "Hero"

Was für Quatschköpfe. Me First and The Gimme Gimmes streamen via Altpress einen ersten Song ihrer neuen EP "Sing in Japanese", die hierzulande am 16. September veröffentlicht wird (Cover und Tracklist haben wir ja schon hier gebloggt). Wie nicht anders zu erwarten, haben Spike Slawson, Fat Mike und Co. eine ulkig verpunkte Nummer aus dem Kai-Band-Song "Hero" gemacht.
Damit Ihr Orginal und Hommage vergleichen könnt, gibt's hier das Video zu "Hero" der Japaner zu sehen.

Ach ja: Eine kleine Tour in Japan gibt es dazu natürlich auch.
Hier die Daten.
09/14/11 Tokyo, Japan at Shibuya O-West
09/15/11 Nagoya, Japan at Club Quattro
09/16/11 Osaka , Japan at Muse
09/18/11 Yokohama, Japan at Yokohama Stadium w/ Hi Standard, Sublime with Rome

Dienstag, 30. August 2011

Blitzen Trappers neues Album "American Goldwing" im Stream - und ein neues Video

Mein Country-Jahr geht weiter. Blitzen Trappers neue Platte "American Goldwing" streamt in voller Länge bei Paste Magazine - für die nächsten zwei Wochen. Mehr retro geht wohl gar nicht, aber für mich ist retro kein Schimpfwort, wenn die Songs so cool sind. Tom Pettys Geist schwebt in manchen Momenten über allem, das klingt alles so dermaßen amerikanisch, dass jeden Moment Lynyrd Skynyrd durch die Tür schauen müssten. Trotzdem kriegen die Amis die Kurve, die Platte hat was.

Update:

Das Video zu "Love The Way You Walk Away" gibt es jetzt ebenfalls zu sehen.

Montag, 29. August 2011

Noch mehr Genie: Beirut in der SZene-Kritik

Mit "The Rip Tide" haben Beirut dem an Highlights ohnehin nicht armen Jahr einen weiteren heißen Anwärter auf eine Top-Ten-Platte 2011 in meiner subjektiven Liste hinzugefügt. Zach Condons Jukebox liefert den Soundtrack für schwüle Sommertage, ist aber auch in regnerischen Nächten und grauen Tagen geeignet. Ein makelloses Album.

Vergangene Woche gab es hier den Hörtest dazu, am Samstag, 27. August, ist eine Rezi von mir auch auf der "SZene am Wochenende"-Seite erschienen. Weil die Platte immer noch rauf und runter läuft bei mir, will ich Euch das nicht vorenthalten.


Gelb-schwarz und gut: Reclam Edition geht in die zweite Runde

Im Frühjahr haben wir hier die erste Ausgabe der Reclam Musik Edition besprochen. Best of-CDs von Johnny Cash, Bob Dylan, Miles Davis, Simon & Garfunkel und Santana hatten den Anfang gemacht. Jetzt folgt der zweite Teil mit Lou Reed, Leonard Cohen, Rory Gallagher, Falco, Whitney Houston und Willie Nelson. Seit Freitag sind die gelb-schwarzen CDs in Handel erhältlich. Ich ganz persönlich finde, Falco und Whitney Houston fallen etwas aus der Reihe und passen nicht so sehr zum intellektuellen Anstrich der Reihe. Diesen Aspekt habe ich in meiner Besprechung näher erläutert.

In der Wochenend-Beilage der Schwäbischen Zeitung am Samstag, 27. August, ist eine ausführliche Rezension dazu von mir auf der Seite "SZene am Wochenende" erschienen. Nebenan findet Ihr den Artikel.

Ich bin wirklich gespannt auf die dritte Welle der Reclam Edition. Hier meine subjektive Top Five der Wunschkandidaten, die relevant genug für die Reclam Edition wären und auch gut ins Programm passen würden:

1.) Joy Division
2.) Tom Waits
3.) Led Zeppelin
4.) The Who
5.) Tom Petty





Sonntag, 28. August 2011

Sonntags-Matinée: Glen Campbell - Ghost on the Canvas

Was ist los? Werden wir älter und Country deshalb hörbarer? Oder werden die Country-Sänger cooler je älter sie werden? Die Realität spielt sich wohl irgendwo dazwischen ab. Glen Campbells „Ghost on the Canvas“ ist ohnehin ein Ausnahmefall. Um die Songs zu verstehen, muss man die Geschichte dazu kennen.

Dieses Album ist das letzte, das man je von dem 75-Jährigen hören wird. Bei Glen Campbell wurde Alzheimer diagnostiziert, wie im Juni bekannt wurde. Mit dieser Platte und einer Abschiedstour im Herbst (Termine werden noch bekannt gegeben) beendet der Mann seine Karriere. Da wirkt der Titel „Ghost on the Canvas“ („Geist auf dem Gemälde“) und das Plattencover, auf dem alles um ihn herum ins neblig Trübe gleitet, fast wie eine düsterer Blick in die Zukunft. Viele Musiker zollen dem Country-Sänger auf seinem letzten Werk Tribut: So gibt es unter anderem Songs aus der Feder Paul Westerberg (früher Sänger der Replacements) und Jakob Dylan (Sohn von Bob Dylan) zu hören. Viele verschiedene Musiker greifen auf „Ghost on the Canvas“ zum Instrument: Surf-King Dick Dale („Miserlou“), Rockabilly-Held Brian Setzer oder Chris Isaak und gar die komplette Dandy Warhols-Riege sind dabei. Viel Namedropping, aber wer ist dieser Glen Campbell eigentlich?

Nur mal so zur Einordnung: Glen Campbell ist nicht irgendein Redneck mit einer Gitarre. Er ist derjenige, der Songklassiker wie „Wichita Lineman“ (das Jimmy Webb für ihn schrieb und Johnny Cash später covern sollte) oder „Rhinestone Cowboy“ zu verantworten hat. Als Studio-Gitarrist gehörte er zur „Wrecking Crew“, die ihren Sound auf zahlreichen Alben der 60er und 70er Jahre verewigt haben. Für Frank Sinatra, Simon & Garfunkel, Phil Spector und den King höchstpersönlich, Elvis Presley, war die Crew im Studio. 1964 ging Campbell mit den Beach Boys auf Tour, griff für sie zu Mikro und Bass, und spielte Gitarre auf dem heute noch legendären Album „Pet Sounds“. Ach ja: In der Urprungsversion von „True Grit“, dessen Remake die Coen-Brüder ja dieses Jahr als famos inszenierten Western in die Kinos brachten, trat Glen Campbell an der Seite von John Wayne auf. Zugegeben: Wer sich ältere Videos von ihm bei Youtube zu Gemüte führt, wird das möglicherweise zu glatt und schmalzig finden. Ähnlich wie Schnulzensänger Pat Boone hat Glen Campbell eine Platte mit Coverversionen von Songs „angesagter“ Künstler aufgenommen, darunter Tom Petty, die Foo Fighters und Green Day. In seiner Fernsehshow „The Glen Campbell Goodtime Hour“ traten neben Ray Charles auch Johnny Cash, Willie Nelson oder Merle Haggard auf. Unnötig zu erwähnen, dass er zahlreiche Grammys gewann und tonnenweise Alben verkauft hat. Wie die meisten in diesem Business hatte auch er seine Absturz-Phase, als sich Alben nicht mehr verkauften, trösteten die Drogen, aber auch Campbell berappelte sich wieder. Campbell ist so einer, mit dem vielleicht auch Bela B. mal gerne was aufnehmen würde (nachdem er schon mit Lee Hazlewood im Studio war). Soviel zur historischen Legitimation.

Die Aufs und Abs läuten auch das Album ein: „I’ve tried and I have failed Lord/I’ve won and I have lost/I’ve lived and I have loved Lord/some times at such a cost“ heißt es da zu den ersten gezupften Tönen auf der Akustischen in "A better Place", aber es ist kein verbitterter Blick zurück: „One thing I know/the world’s been good to me.“ Das kurze Video dazu gibt es unten zu sehen. Und in den ersten Momenten dieses sentimentalen Openers, der ein Leben auf den Punkt zu bringen scheint, hat Glen Campbells Stimme fast die brüchig-intime Intensität des späten Johnny Cash. So kontemplativ und melancholisch wie auf dessen „American Recordings“ geht es hier allerdings nicht zu. Der Titelsong „Ghost on the Canvas“ versammelt Streicherschmelz und geschmeidige Melodien. Ach ja: Sollte ich jemals in einer Shopping-Mall vor Zombies Zuflucht suchen, soll bitte dieses Lied über die Lautsprecheranlage schallen. Song wie „A Thousand Lifetimes“ oder „It’s Your Amazing Grace“ wirken wie Danksagungen, wie Liebesgrüße eines Menschen, der Angst hat, sich vielleicht schon bald nicht mehr zu erinnern.

Dann das herausragende „In My Arms“: Da bekommt Campbell die schon erwähnte Unterstützung von Chris Isaak, Dick Dale und Brian Setzer. Das hört man dem Song sofort an. Der Anfangsbeat klingt klar nach Dale, der Erfinder des Surfsounds steuert auch ein großartiges Solo bei, Brian Setzer zieht ebenfalls alle Register. Mit Lap Steel Guitar gibt’s stellenweise sogar Hawaii-Feeling. Das müsste eigentlich auch Rockabilly-Afficionados gut reinlaufen. „Strong“ mit den Dandy Warhols fährt wieder geballte Streicher auf und klingt wie eine Kampfansage an die Krankheit. Beim abschließenden „There’s no Me without You“ sind Billy Corgan (Smashing Pumpkins) Rick Nielsen (Cheap Trick) und nochmal Brian Setzer dabei. Orchestraler Bombast trifft auf Gitarrenzaubereien. Der letzte Akkord erklingt in Dur. Trotzdem lässt einen die Platte irgendwie mit einem wehmütigen Gefühl zurück. Abschiede sind niemals einfach.

"Ghost on the Canvas" von Glen Campbell erscheint am 2. September bei Surfdog Records. Mehr unter http://surfdog.com/glencampbellshow/index.html

Samstag, 27. August 2011

Ausgegraben: Anvil bei Conan O'Brien

Click Here To Watch The Video

Heute gibt es keinen aktuellen Anlass, heute gibt es einfach puren Metal. Die Ober-Sympathen Anvil waren im Oktober 2009 bei Conan O'Brien zu Gast, kurz nachdem die Doku "The Story of Anvil" ihnen neuen Rückenwind verliehen hatte. Dort spielten sie den Titelsong des Klassiker-Albums "Metal on Metal". Diese verspielte Euphorie, mit der Lips da von der Bühne stürmt, um näher an den Fans zu sein, muss man einfach lieben.

Meine Gedanken zur neuen Platte "Juggernaut of Justice" könnt Ihr hier und hier nachlesen.

Freitag, 26. August 2011

Hardcore-Legende CIV kommt auf Europa-Tour

Abgehen: CIV auf der Warped Tour. Foto: CC
 "It was back in the day back when things were way different/when the youth of today and the early seven seconds/ taught me some of lifes most valuable lessons". So heißt es im Titelsong von The Hold Steadys Rock'n'Roll-Feger "Stay Positive". Jetzt gibt es die Chance, sich zumindest von einem Teil der Youth of Today die Ohren versohlen zu lassen. CIV haben sich für eine Europa-Tour wieder zusammengefunden, die erste seit elf Jahren. Das ist wirklich erstaunlich, schließlich ist es nicht so, als ob Hardcore-Legende Walter Schreifels untätig ist. Er gründete CIV 1994 mit ein paar alten Kumpels. "Mit ihrer Mischung aus Pop-Punk und treibenden Hardcore Beats war man zwar seiner Zeit weit voraus, trotzdem werden CIV durch MTV Airplay und ungebrochenem Kultstatus in Szenekreisen schon schnell weit mehr als nur ein Nebenprojekt alteingesessener Hardcore-Veteranen. Schließlich folgt nur sechs Jahre später (im Jahr 2000) das überraschende Aus der Band", heißt es in einer Pressemitteilung von Cardiac Communication.

2009 erschien eine komplette Retrospektive namens „Solid Bond: The Complete Discography“. Dann tat sich die Allstar Band von Anthony Civarelli, Walter Schreifels und Sammy Siegler zu einem Re-Union Konzert zusammen, das euphorische Reaktionen erntete.

Die früheren Mitglieder von hochgelobten Bands wie Gorilla Biscuits, Rival Schools, Youth Of Today, Quicksand und Glassjaw kommen Ende September mit dem neuen Gitarristen Charlie Garriga auf Tour und werden auf vier exklusiven Europashows alte Klassiker wie „Can’t Wait One Minute More“ auspacken. Dazu gibt's unten das Video.

Hier die Termine:
28.09. DE - Köln - Underground
29.09. BE - Antwerpen - Trix
30.09. DE - Leipzig - Conne Island
01.10. IT - Pinarella di Cervia  – Rockplanet


Infos & VVK beim Tourveranstalter Creative Talents.

Donnerstag, 25. August 2011

Josh T. Pearson sagt "Sorry With a Song"

Josh T. Pearson.
Foto: Greg Hughes
Josh T. Pearson hat mit "Last of The Country Gentlemen" eins der verdammt nochmal wichtigsten Alben des Jahres vorgelegt. Jetzt gibt es seine beiden Songs "Sorry with a Song" und "Country Dumb" (macht Sinn, die Stücke sind ja auch sonst so kurz...) in großartigen Fassungen. "Sorry with a song" kommt am 3. Oktober in einer neuen Version als Single raus. Die in der Union Chapel mitgenschnittene Live-Version von "Country Dumb" ist die B-Seite.

Ein limitiertes, nur auf Vinyl erhältliches Album namens "The King is Dead – Live at the Union Chapel" gibt es ab 12. September über Indie-Läden.

Genießt den Abend mit diesem depressiven Zeitlupen-Country.

Josh T. Pearson - Sorry With A Song b/w Country Dumb (Extended Version - Live At The Union Chapel) by Mute UK

Ryan Adams ist "Lucky Now"

Ryan Adams in Aktion.
                  Foto: 6tee-zeven
Lang nichts mehr gehört von Ryan Adams. Zugegebenermaßen, ich hab ihn nach "Gold" etwas aus den Augen bzw. aus den Ohren verloren. Jetzt bin ich bei Stereogum zufällig über ein neues Stück von ihm gestolpert. "Lucky Now" klingt ziemlich gut und wird auf dem neuen Album "Ashes & Fire" stehen. Das soll voraussichtlich am 11. Oktober erscheinen.

Der Song mischt akustische Elemente und leicht twangige Gitarren mit einem veträumten Piano-Thema und macht richtig Lust auf ein Album des Mannes, der zu "Gold"-Zeiten schon als der neue Bob Dylan gehandelt wurde. Nun ja. Diesen Titel hat man auch Adam Green im Hype-Fieber verliehen. Warum muss eigentlich jeder Songwriter der neue Bob Dylan sein, wenn er gut ist? Egal. Hier könnt Ihr "Lucky Now" hören.

Lucky Now by ryanadams

Mittwoch, 24. August 2011

Tom Waits mit neuem Album "Bad as me"



Tom Waits erfreut uns mit neuen Songs.
                                                        Foto: Jesse Dylan
Für sein neues Album "Bad as me" hat sich Tom Waits etwas Besonderes einfallen lassen: Eine private Listening Party, die man live über seine Internetseite mitverfolgen konnte (siehe Video). Neben Hörfetzen (klingt wie immer großartig) des neuen Albums des Oberkauzes gibt es philosophosche Betrachtungen über...ach, schaut's Euch doch einfach an. Das neue Album "Bad as me" erscheint am 24. Oktober bei Anti Records. Die gleichnamige Single gibt es schon als Download. 
Das neue Album enthält 13 neue Songs, eine Deluxe-Version wird drei zusätzliche Stücke enthalten. Zudem gibt es dabei ein 40-seitiges Buch mit den Texten und Fotos, die der Chefgrummler selbst geschossen hat. Die Vinyl-Ausgabe kommt 180 Gramm schwer und mit beigelegter CD und 12-Seiten-Buch ums Eck. Vorbestellen kann man jetzt schon unter  http://www.tomwaitsstore.com/

Update: Die CD-Kritik dazu gibt's hier.

Flogging Molly kommen auf Herbsttour



Contra die miese fiese Herbst-Tristesse: Meine allerliebsten Irish-Folk-Punkrocker Folgging Molly kommen im Herbst auf Tour im deutschsprachigen Raum. Nach ihrem großartigen Auftritt beim Southside freu ich mich schon auf weitere schweißtreibende Club-Gigs. Neun Auftritte stehen insgesamt an. Im Gepäck haben Dave King & Co. ihr aktuelles Album "Speed of Darkness", das in Dublin und Detroit unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise entstanden ist. Oben könnt Ihr einen aktuellen Tourtrailer sehen.

Hier die Termine:
Kommen auf Tour: Flogging Molly
                                               Foto: CC

15.11. AT – Wien – Gasometer
16.11. DE – München – Tonhalle
17.11. CH – Zürich – Komplex

18.11. DE – Saarbrücken – Garage

19.11. DE – Oberhausen – Turbinenhalle

22.11. DE – Berlin – Astra

23.11. DE – Hamburg – Große Freiheit

24.11. DE – Köln – E-Werk

25.11. DE – Stuttgart – LKA Longhorn
 
Tickets gibt es seit heute beim Veranstalter Creative Talent.
Jedes deutsche Ticket beinhaltet einen Gutschein von Bol.de, mit dem das aktuelle Album „Speed Of Darkness“ vergünstigt erworben werden kann.

Hörtest: Beirut – The Rip Tide

Als ob man einen alten, zugestellten Dachboden aufgeräumt hat: Es ist nicht mehr ganz so voll, aber trotzdem noch so gemütlich wie früher.

Keine Sorge: Wer an Beirut die musikalische Vielfalt liebt, die prachtvollen Blechbläser, die barocke Instrumentierung – der wird auch „The Rip Tide“ in sein Herz schließen. Wenn Mastermind Zach Condon aufräumt, sind eben nur noch sieben Musiker an Bord statt elf. Lassen wir uns vom Opener „A Candle’s Fire“ auf die Tanzfläche ziehen, wiegen wir uns im Takt zur Mariachi-Kapelle, die ihren satten Sound erschallen lässt. Geben wir uns dem lupenreinen Pop in „Santa Fe“ hin, der Ode an Condons Heimatstadt.

Wenn man Alben wie dieses hört, wird einem schlagartig klar, dass es die Musikindustrie einen großen Fehler macht, wenn sie ihr Glück in Singles und Downloads sucht – das Albumformat lebt, weil Künstler wie Zach Condon es mit Relevanz füllen. Da hängt „East Harlem“ direkt am Song davor, nur um vom noch intimeren „Goshen“ geerdet zu werden. Während „East Harlem“ wieder diese Wohlfühl-Bläser hat, kommen sie bei „Goshen“ erst gegen Ende, davor tragen Pinao und Condons Stimme den Song auf einem Samtkissen nach Hause. Apropos nach Hause: Zum ersten Mal ist das Album nicht das Resultat der Eindrücke, die der Maestro von Reisen in Länder wie Frankreich oder Mexiko mitgenommen hat. Die Songs hat Condon in New York, Albuquerque und Santa Fe komponiert, nur auf Ukulele oder Piano. Im Studio hat er sie dann mit der Band und dem instrumentalen Vollklang angereichert.

Und immer wieder diese Stimme. Man meint, jeden Zentimeter, den der junge Visionär gereist ist, in diesen Schwingungen zu hören, so ruhig, so erfahren und dabei so unverbraucht klingt das. Viele handeln „The Rip Tide“ schon jetzt als bisher bestes Album des Folk-Kollektivs. Das spielt im Grunde gar keine Rolle. Man möchte einfach nur in einer Nussschale über den Ozean treiben, wenn man den fernwehmütigen Titelsong hört, man spürt heißen Wüstenwind und kühle Regenschauer. Diese Musik kann das, mit ihrer tänzelnden Ukulele und dem hier und da aufflackernden Harmonium, mit dem manchmal meditativen Wiederholen von Textzeilen wie in „The Peacock“ oder den getupften Walzerrythmen wie in „Cuixmala“.

Bei aller Selbstfindung, die Zach Condon mit diesem Album betreibt: Die schönen Dinge hat er auf dem Dachboden gelassen. Man nimmt immer noch gerne Platz und genießt diese seltsam vertraute und unbeschreiblich anheimelnde Umgebung.

„The Rip Tide“ von Beirut erscheint am Freitag, 26. August, bei Pompeii Records. Wer nicht warten will: Auf NPR kann man das Album derzeit noch im Stream hören. Mehr unter http://beirutband.com/

Dienstag, 23. August 2011

Nachgereicht: NoFX in der Lindauer Zeitung

Vielleicht habt Ihr es schon gelesen, aber es waren ja auch viele da, die vielleicht nicht unbedingt die Lindauer Zeitung lesen, auch, weil etliche Kfz-Kennzeichen auf längere Anfahrtswege schließen ließen und man viel Schweizerdeutsch gehört hat.

Jedenfalls gab es nicht nur hier auf Tinnitus Attacks, sondern auch in der LZ einen Artikel von mir über das leider etwas missglückte Konzert von NoFX bei den Punkrock Holidays des Club Vaudeville. Nebenstehend findet Ihr meinen Beitrag aus der LZ.

Ach ja, Fun Fact: Die rothaarige Pin-Up-Braut, mit der Fat Mike den Zaun entlang geschlendert ist, heißt Goddess Soma (ist auch auf einem Foto in meiner Bildergalerie zu sehen). Vorsicht: Wer die Dame googeln will, braucht starke Nerven. Und sollte das nicht im Büro tun.

Video zu "Calamity Song": The Decemberists verbeugen sich vor David Foster Wallace



Mit "The King is Dead" haben The Decemberists ihren Sound 2011 wieder etwas ausgedünnt und mehr auf puren Folk gesetzt. Jetzt gibt es das Video zum "Calamity Song" zu sehen. Wie NPR berichtet, huldigt der Clip dabei dem unfassbaren Literatur-Meilenstein "Unendlicher Spaß" ("Infinite Jest") des US-Schriftstellers David Foster Wallace, der 2008 den Freitod wählte. Ich bin bei diesem 1648-Seiten-Wälzer noch recht am Anfang (Seite 20 oder so), und es ist schon ein derber Brocken. Die Handlung ist genial und komplex, aber nicht in ein paar Sätzen zusammenzufassen. Wikipedia hat's mal versucht.

Im Video findet ein Nuklear-Krieg auf dem Tennisfeld statt. Colin Meloy wird von NPR dazu so zitiert: " And I had this funny idea that a good video for the song would be a re-creation of the Enfield Tennis Academy's round of Eschaton — basically, a global thermonuclear crisis re-created on a tennis court — that's played about a third of the way into the book." Regie führte Michael Schur, laut NPR ein Comedy-Veteran von The Office (US-Original, nach dessen Vorbild Stromberg entstanden ist) und Saturday Night Live.

Es ist übrigens das erste Tennisspiel, bei dem ich nicht eingeschlafen bin.

Montag, 22. August 2011

Frank Turner mit Video zur B-Seite "Sailor's Boots"

Frank Turner im Club Vaudeville.
                           Foto: Daniel Drescher
Er ist der Mega-Sympath unter den Punkrock-Barden: Frank Turner. Jetzt hat der NME das Video zu "Sailor's Boots" online gestellt, das Ihr dort sehen könnt. Der Song ist die B-Seite der Single "If Ever I Stray", und da passt es nur, dass auch dieses Video am Strand gedreht wurde. Der Text ist bemerkenswert und dreht sich darum, dass Turner sich selber als Seeman sieht, hätte er in vergangenen Jahrhunderten gelebt.

Eine Konzertkritik von Turners Auftritt im Club Vaudeville findet Ihr hier, die Rezi zum aktuellen Album "England Keep My Bones" an dieser Stelle.

Rock am See: Der Zeitplan steht


Rock am See im Panoramablick.               Foto: Koko Entertainment
 Der Timetable steht: Für das Rock am See Festival sind jetzt die Zeiten bekannt, zu denen die Bands am 27. August auf die Bühne gehen. 
So sieht das aus:



11.00 Uhr                                          Einlass


13.00 Uhr – 13.40 Uhr         YOUNG REBEL SET

14.00 Uhr – 14.40 Uhr            ROYAL REPUBLIC

15.00 Uhr – 16.00 Uhr            BONAPARTE

16.20 Uhr – 17.20 Uhr       JOHNOSSI

17.50 Uhr – 19.00 Uhr      THE SUBWAYS

19.30 Uhr – 20.50 Uhr          EDITORS

21.30 Uhr – 23.00 Uhr      SEEED



Zudem teilt Veranstalter Koko Entertainment mit, dass die SBB nach dem Festival einen Sonderzug nach Engen einsetzen wird. Zusätzlich zu den normalen Verbindungen fährt eine Bahn (der "Seehas") um 0:40 Uhr in Konstanz los und stoppt an allen Haltepunkten der Strecke. Rückreisemöglichkeiten nach Engen, Singen, Radolfzell, Allensbach,Hegne und weiteren Unterwegsbahnhöfen auf der Strecke gibt es also ab Hauptbahnhof Konstanz um 23:22 Uhr, um 00:01 Uhr und um 00:40 Uhr. Zudemverkehren nach der Veranstaltung laut regulärem Fahrplan zahlreiche Züge in die Schweiz.


Wer sich schon mal warmtanzen will: Der Kulturladen Konstanz bietet am Freitag, 26. August, ab 21.30 Uhr eine Warm-Up-Party an. Dabei treten auf: Die Ska-Punkrocker Yakuzi, die Stuttgarter Stoner-Formation Bombwhateva. Danach legen "Cody & Janelove" bei der Rockparty auf. Mit Ticket fürs Festival hat man freien Eintritt.

Sonntag, 21. August 2011

Tinnitus Attacks hat heute hitzefrei

Liebe Leser,

ich geb mir heute hitzefrei. Wegen zu hoher Temperaturen fällt die Sonntags-Matinée aus. Aber da Ihr eh gerade alle im Freibad seid oder zumindest nicht am Rechner sitzt, macht Euch das hoffentlich nichts aus. Mein fauler Tipp: Lest doch einfach ein paar alte Posts. Unter "Plattensammlung" und "Konzertkritik" gibt's bestimmt ein paar Sachen, die Ihr noch nicht gelesen habt.
Morgen geht's hier mit News, Videos und Rezis weiter. Und nächsten Sonntag gibt's dann auch wieder eine Matinée.

Zum Trost und weil es das Thema auf den Punkt bringt, hier noch das passende Video zum Tag (Copyright bei tape.tv, bezogen von Youtube).


Samstag, 20. August 2011

Konzertkritik: NoFX in Lindau

NoFX.
Support: The Flatliners, Strung Out.
Punkrock Holidays, Club Vaudeville, Lindau, 19. August.
Text und Fotos: Daniel Drescher

Die Bierbecher-Szene: Fat Mike von NoFX
Das waren wohl ein paar Becher zuviel: Wegen ein paar Nasen, die die Bühne mit Bierbechern bombardieren, ist Fat Mike gleich zu Beginn des NoFX-Auftritts in Lindau verstimmt. Er versucht's auf die deutliche Art, droht, weniger Songs für jeden Becher, der ihn trifft, zu spielen. Als das nicht funktioniert, bittet er höflich, den Blödsinn zu unterlassen. Den Werfern - sind sie betrunken, übermütig, beschränkt? - ist es egal. Immer wieder fliegen Becher im hohen Bogen auf die Bühne, manche sind halbvoll, Bierfontänen spritzen über Fat Mike und seine Band. Fat Mike, der Labelboss von Fat Wreck Chords und Initiator der "Rock Against Bush"-Kampagne,  ist sauer: "Thanks for ruining my evening". Seid ihr jetzt zufrieden? Die Becherwürfe werden bis zum Ende des Konzerts nicht aufhören. Dafür streichen NoFX kurzerhand ein paar Songs von ihrer Setlist, Linolium verpasst. Dankeschön. Um 21.48 Uhr stürmen Fat Mike, El Hefe, Eric Melvin und Erik Sandin von der Bühne. "Encore" rufen die Fans. Nichts zu machen. Die Bühne bleibt leer. Aber auch, weil die Stadt Lindau angeordnet hat, dass um 22 Uhr Ende sein muss. Trotzdem: Für NoFX ist der Auftritt ein Debakel, El Hefe twittert ausführlich dazu, erzählt, dass er "Arsch treten wollte". Auch NoFX-Manager Kent Jamieson meldet sich zu Wort und twittert ein Bild von Mike und Eric Melvin, die später noch mit der akustischen Gitarre ein paar Songs für die Fans spielen. Jamieson: "Mel and Mike play for asshole crowd by bus after worst show ever. Thanks to asshole crowd." Hier könnt Ihr das Bild sehen.

Tja, schade drum. NoFX mögen in ihren Live-Plattentiteln tiefstapeln ("They've actually gotten worse live"), sie sind eine Wucht. Ihr simpler, aber effizient gespielter Melo-Punkrock haut einem die Luft aus den Lungen, lässt einen spaßige oder politische Parolen mitgrölen und gehört mit zum Besten, was je aufgenommen wurde. Songs wie das seinem Namen alle Ehre machende "Blasphemy", das sägende "Seeing Double at The Triple Rock" oder das reggae-artige "Eat The Meek" zaubern einem ein breites Grinsen aufs Gesicht, egal, wie schlecht gelaunt man gerade sein mag.

Nah an den Fans: Jason Cruz, Strung Out.
Davor hämmern Strung Out, die ja ebenfalls bei Fat Wreck Chords unter Vertrag sind, den Fans ihre straighten Punkrock-Granaten um die Ohren. Sänger Jason Cruz fordert die Menge auf, sich zu bewegen, weil die Sommerhitze scheinbar etwas lähmend wirkt. Immerhin: Kurze Regen-Intermezzi trüben die Stimmung kaum. Glück für den Club Vaudeville: Das angekündigte Unwetter bleibt aus. Die Idee, ein Open Air mit eigener Bühne neben dem Club zu machen, ist gut. Punkrock Holidays im besten Sinne.


Großartig: Chris Cresswell, The Flatliners.
Die Überraschung des Abends sind The Flatliners (auch bei Fat Wreck Chords). Einer, der mit ihnen auf Tour ist, sagt über sie: "The best Punkrock since Against Me!" Und siehe da: Chris Cresswell könnte glatt als der jüngere Zwillingsbruder von Against Me!-Sänger Tom Gabel durchgehen. Ähnlich charismatisch und hingebungsvoll ist er auch: Solch überbordende Frontmann-Qualitäten hat längst nicht jeder Sänger.

Mehr Fotos findet Ihr auf der Facebook-Seite von Tinnitus Attacks



Freitag, 19. August 2011

Hörtest: Atlas Losing Grip – State of Unrest

Skateboard abgestaubt, Iron Maiden-Shirt angezogen: Atlas Losing Grip beschwören mit „State of Unrest“ den melodischen Skate Punk der 90er. Zu dem Sound legt man sich doch liebend gerne auf die Fresse. Dann sieht es wenigstens episch aus, wenn jemand gerade zufällig mit der Cam draufhält. Don’t try this in your Wohnzimmer.

Atlas, das waren nicht nur diese Dinger im Erdkunde-Unterricht, die heute putzig überholt aussehen, wenn man die GUS-Staaten darin findet. Nein, Atlas ist in der griechischen Mythologie der Titan, der das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trägt. Dem alten Knaben scheint es nicht besonders zu gehen, wenn er den Grip verliert, wie im Bandnamen angedeutet. Kein Wunder, er muss ’ne Menge wuchten: „We carried the weight of the world on our shoulders“ heißt es in der ersten Zeile des Openers „Logic“, einer Hymne für Dawkins-Fans: Es ist egal, ob Gott den Menschen oder der Mensch Gott erschaffen hat, heißt es da, Nietzsches „Gott ist tot“-Zitat ist der Aufschrei im Refrain und die logische Forderung lautet: „Trade your prayer of salvation/for a logical solution!“ Da könnt Ihr gleich NoFX-Chef Fat Mike auf Eurer Skate-Tour abholen, der hat Spaß an sowas. Auch in „All In A Days Work“ kriegt die organisierte Religion eins auf den Sack, „Do What Thou Wilt Shall Be the Whole of the Law“ wird da das satanistische Credo zitiert. Kein Wunder: Hier ist eine Band am Start, deren Sänger Rodrigo Alfara früher mal bei den ebenfalls nicht unbeliebten Satanic Surfers das Mikro malträtierte. Dessen Stimme sorgt für Wiedererkennungswet, erinnert extrem an das Timbre eines Tim McIlrath (Rise Against) und passt bestens zum wuchtigen Sound der Band. Diese dicke Wand aus Gitarren, Bass und Schlagzeug hat Produzent Jason Livermore in Szene gesetzt, der auch schon für No Use For A Name und andere übliche Verdächtige am Mischpult saß. Die Platte springt einem direkt ins Gesicht mit ihrem Schmackes-Schallgrenzen-Mix.

Und wie das immer so ist bei dieser Art von Bands: Da schwingt auch eine gehörige Metalkante mit. Man höre nur mal „Contemplation“ mit seinen zweistimmigen Gitarrenleads. Schaut mal, Sum 41: So könntet Ihr klingen, wenn Ihr Euch Eier wachsen lassen würdet und die auf „All Killer, No Filler“ angedeutete Metal-Obsession nicht nur Verkaufsargument wäre. Diese Platte hat alles, was sich der Punkrock-Fan wünscht: Melodische Gitarrenschlachten, Hardcore-Momente, Shouts wie von einer Straßengang und deutliche Ansagen: „You can’t break me“ geht das dann, oder „I rise above“, oder auch „Rise on up from the underground“. Plakativ, ja. Peinlich, nein.
Eine echte Überraschung, so ein Punkrock-Juwel aus Schweden. Nicht weltbewegend, aber lecker.

„State of Unrest“ ist bereits am 27. Mai bei Black Star Foundation Records erschienen. Offizielle Webpräsenz: www.atlaslosinggrip.se

Donnerstag, 18. August 2011

Primus mit erstem Song "Tragedy's A'Comin" vom neuen Album

Irre: Primus.                                     Foto: Starkult
Elf Jahre ist das letzte Album ("Antipop", 1999) der kalifornischen Avantgarde-Rocker Primus her. Nun steht uns am 9. September Green Naugahyde ins Haus - und es scheint, als hätte die Zeit Les Claypool & Co. kein Stück von ihrer charakteristischen Kauzigkeit gekostet. Den ersten Höreindruck "Tragedy's A'Comin" kann man bei Spin online hören. Das klingt durchgeknallt wie eh und jeh, mit dem typischen Slap-Bass und irgendwie hat man den Eindruck einer Party, die sich sagt, wenn die Tragödie unaufhaltsam ist, können wir ja auch noch ein bisschen feiern.



Das Plattencover.    Foto: Star
"Green Naugahyde" haben Primus in Les Claypools eigenem Studio, der "Rancho Relaxo", aufgenommen. Mit an Bord sind auch Larry LaLonde (Gitarre) und Jay Lane (Drums). Zum Split zwischendurch sagt Claypool: "Auch früher schon haben mich die Leute gefragt, wie lange Primus weitermachen und ich hab immer gesagt "Bis es keinen Spaß mehr macht. Am Ende war es eben kein Spaß mehr und wir hörten auf. Ich glaube, sich so lange hinzusetzen und es gären zu lassen oder wie auch immer man das nennen will hat dafür gesorgt, dass es wieder Spaß macht."


Das hört man.

The Head and the Heart mit neuem Video zu "Cats and Dogs"



Die Folk-Darlings The Head and The Heart präsentieren auf Youtube ihr neues Video zum Opener "Cats and Dogs" ihres selbstbetitelten Debütalbums (Rezi dazu hier). Eine zweiminütige Revue, die zeigt, dass sich die Band durchaus mit Humor sieht. Da gibt es Verweise auf den obligatorischen Hipster-Bart, da wird geboxt und der Drehort zum Ballsaal verwandelt und am Ende regnet es Silberschnipsel. Ach ja: Wer ist die verpixelte Gestalt? Man wird sehen.
Merke: Videos, die nur die Band beim Musikmachen zeigen, müssen nicht zwangsläufig langweilig sein. Ach ja: Auch die gruselige Schafsmaske vom Cover des Albums taucht auf.
Unten findet Ihr noch ein Widget von der Internetseite der Band, mit dem man sich zwei Songs ("Down in The Valley" und "Lost in My Mind") gratis herunterladen kann - im Tausch gegen eine E-Mail-Adresse.


Mittwoch, 17. August 2011

Hörtest: Justin Sane - Gas Land Terror 7''

Schon gehört? Seven Inch ist die neue Maxi. Vorteil: viel größeres Artwork, schöneres Feeling und: Vinyl hält ewig. Das heißt, dass man sich Justin Sanes neue Protest-Songs auch in 100 Jahren noch wird anhören können. Ein schöner Gedanke. 

Déjà vu: Acht Jahre nach Anti-Flags modernem Punkrock-Meisterwerk "The Terror State" schreit Justin Sane seinen Frust nochmal heraus: "Oh you're a turncoat and you're a thief/cold blooded killer how do you sleep?" lautet die erste Zeile in "Gas Land Terror", dem Song auf der A-Seite von Justin Sanes neuer Seven Inch. Das klingt vertraut. Inzwischen ist George W. Bush Geschichte, aber daran, dass die Geschichtsschreibung seine Amtszeit nicht gerade als Ära des Fortschritts und des Humanismus in Erinnerung behalten wird, besteht wohl kaum Zweifel. Insofern bleibt derartiges Onprangering legitim. Justin Sane zeigt seine Wut über Missstände deutlich, beschwört Bilder von "ivory towers made of steel and concrete", in denen unmoralische Deals gemacht werden, es geht gegen Bänker und die Wall Street - Feindbilder, die nichts von ihrer Aktualität eingebüßt haben und für Sane eine Art von Terrorismus darstellen. Mit ihrer Meinung haben Anti-Flag noch nie hinter dem Berg gehalten. Das haben sie mit Musiker-Kollegen wie Rise Against oder auch den politisierten NoFX gemeinsam.

Auf der B-Seite gibt's ein Remake: "For Pat (2011)" kennt man schon vom 2002 erschienen Solo-Album "Life, Love and The Pursuit of Justice". Neun Jahre später kommt der Song im schlichten Akustik-Gewand daher, ohne Verzerrung, quasi die Lagerfeuer-Variante. Stimmlich legt Justin Sane sogar noch eine Schippe in punkto Angepisstheit drauf. Dieser Abgesang auf Unehrlichkeit und sinnlose Statussymbole kommt zu einer überraschend einfachen Erkenntnis, die man - frei nach Ton Steine Scherben - als Parole an jede Wand sprühen sollte (wäre das nicht illegal): "That's not the way it has to fuckin' be."
Wenn alle das so sehen würden.

Und so klingt der Titelsong:

Justin Sane (of Anti-Flag) - Gas Land Terror by Flix_Records

"Gas Land Terror" erscheint am 9. September bei Flix Records. Kaufen kann man die Seven Inch mit den beiden bisher unveröffentlichten Songs direkt bei http://www.flix-records.com. Oder schickt einfach eine  E-Mail info@flix-records.com
Bestellungen aus dem UK an ashesrecords@hotmail.com
 
Über die anstehende Solo-Tour könnt Ihr auf meinem Blog hier etwas lesen.

Against Me! covern The Clash's "Janie Jones"

Für die Musiksparte des AV Club haben Against Me! sich den The Clash-Smasher "Janie Jones" vorgeknöpft. Der AV Club hat eine Liste mit 25 Songs zusammengestellt und lässt Musiker diese covern. Was gecovert ist, wird gestrichen. "AV Undercover" präsentiert die Gainesville-Punks in Proberaum-Atmo. Eigentlich bräuchten diese Berserker gar nicht mehr live auftreten. Es würde völlig ausreichen, wenn sie uns immer live vor Ort zugucken lassen, wenn sie in einem engen Proberaum abrocken. Soviel Energie, soviel Spirit, soviel Emotion ist selten. Und Tom Gabels Gesichtsausdruck ist einfach unbezahlbar. In der Reihe haben sich auch schon ...Trail of Dead, Titus Andronicus, The Low Anthem und viele andere kreativ betätigt - wie man auch an den Signaturen an der Wand des Rundraums sehen kann. Kurios: Der Song klingt nicht komplett nach The Clash, aber auch nicht 100 Prozent nach Against Me! Sehr verwirrend, aber auf eine gute Art.


Against Me! covers The Clash

Dienstag, 16. August 2011

Große Nachfrage: Broilers spielen zusätzliche Konzerte

Stylish: die Broilers.
                   Foto: Erik Weiss
Da geht wohl gerade jemand durch die Decke: Die Broilers haben fünf zusätzliche Auftritte in ihre "Elcome To Santa Muerte"-Tour eingebaut, weil die Nachfrage so groß war.  So gibt es eine zweiten Gig in Leipzig.

Hier die fünf zusätzlichen Termine: 

23.10.2011: Leipzig, Conne Island (Zusatzkonzert)
27.12.2011: Herford, X
28.12.2011: Würzburg, Posthalle
29.12.2011: Saarbrücken, Garage
30.12.2011: Stuttgart, LKA-Longhorn

Der Vorverkauf läuft seit heute. Tickets für die „Welcome to Santa Muerte“-Tour kosten 22,00 Euro (plus Gebühren) und sind bei www.broilers.de und allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Die Hardtickets mit einem speziellen „Santa Muerte“-Aufkleber gibt es exklusiv nur im bandeigenen Online-Shop unter www.broilers.de.

Hier die regulären und bisher bereits bestätigten Tourdaten: 
(*plus Special Guest: The King Blues)
13.10.2011: CH-Solothurn, Kofmehl*
14.10.2011: CH-Zürich, Dynamo*
15.10.2011: Neu-Isenburg, Hugenottenhalle*
16.10.2011: Lindau, Club Vaudeville
18.10.2011: Karlsruhe, Substage*
19.10.2011: Nürnberg, Löwensaal*
20.10.2011: A-Wien, Arena*
21.10.2011: A-Linz, Posthof*
22.10.2011: Leipzig, Haus Auensee*
23.10.2011: Leipzig, Conne Island (Zusatzkonzert)*
26.10.2011: Hamburg, Grosse Freiheit 36 (Zusatzkonzert)*
27.10.2011: Münster, Skaters Palace*
28.10.2011: Hannover, Capitol*
29.10.2011: Berlin, Huxleys*
30.10.2011: Magdeburg, Factory*
31.10.2011: München, Tonhalle*
16.12.2011: Dortmund, Westfalenhallen 3a
17.12.2011: Erfurt, Thüringenhalle
27.12.2011: Herford, X
28.12.2011: Würzburg, Posthalle
29.12.2011: Saarbrücken, Garage
30.12.2011: Stuttgart, LKA-Longhorn

Jeff Mangum mit Songs von Neutral Milk Hotel

Jeff Mangum (rechts) bei
einem Auftritt im
Oktober 2008.
   Foto: Hugh Twyman
Da haben die Indie-Jünger von Pitchfork ja etwas Großartiges ausgegraben: Das Musik-Blog Katuwapitiya aus Toronto hat zu einer Konzertkritik über einen Solo-Aufritt von Jeff Mangum (Mastermind der zu Grabe getragenen Neutral Milk Hotel) zwei Songmitschnitte veröffentlicht (siehe unten, mit Eurem Rechner stimmt alles, es ist ohne Bewegtbild). Zu hören sind "A Baby For Pree" vom ersten Album "On Avery Island" und der Titelsong des bejubelten Referenzwerks "In The Aeroplane Over The Sea".

Während des Konzerts, das am Wochenende in der Trinity St. Pauls Church in Toronto war, fragte ein Fan, wann man mit neuem Material rechnen könne, schreibt Katuwapitiya. Jeffs vage Antwort sei gewesen: Wenn sein Herz bereit dafür sei. Da kann man der Hoffnung des kanadischen Blogs nur zustimmen: dass das bald sein möge.

Neutral Milk Hotel haben nur zwei reguläre Alben veröffentlicht, aber ihr Status und ihr Ruf in der Indie-Szene sind trotzdem so etwas wie Legende. Fürs Erste trösten wir uns mit diesen Songs.




Montag, 15. August 2011

The Gaslight Anthem mit Demo-Song auf Benefiz-Sampler "Unity"

Die von mir innig und heiß geliebten The Gaslight Anthem haben einen Demo-Song aus dem Jahr 2008 für einen Benefiz-Sampler zugunsten der Opfer der japanischen Tsunami-Katastrophe zur Verfügung gestellt. "Our Father's Sons" heißt der Song, der bereits die entspanntere Gangart der neueren Songs andeutet und jene Lügen straft, die Gaslight Anthem vorwerfen, mit den Jahren zu Sell-Outs zu mutieren. Eben: Von den Vibes her ähnlich wie "Blues Jeans And White T-Shirts", aber wie jeder Song der New Jersey-Granden berührend und gelungen. Und am Schluss, blitzt da etwa "Great Expectations" durch? Weiter unten könnt Ihr den Song hören.

Den Sampler "Unity: a benefit for the children of the Japanese tsunami desaster" , auf dem auch Songs von Bands wie  Funeral For a Friend oder Moneen vertreten sind, kann man sich an dieser Stelle für acht Dollar herunterladen.


Imelda May rockt und swingt bei Conan O'Brien

Irischer Rockabilly zum Frühstück: Die in Dublin geborene Sängerin Imelda May hat vergangene Woche bei Conan O'Brien ein Gastspiel gegeben und ihren Song "Mayhem" vom gleichnamigen Album präsentiert. Die Platte erschien im Herbst 2010 und ging auf Platz eins der irischen Charts - ihr dritte Veröffentlichung in Folge, die das schaffte. Unten seht Ihr das Video dazu. Das ist nicht furchtbar spektakulär, aber die betont lässige Show und das coole Retro-Styling haben schon was. Wobei sich die Kings of Nuthin' vielleicht darüber totlachen könnten - oder sie doch lieber mit auf den Pub Crawl nehmen würden...

Sonntag, 14. August 2011

Sonntags-Matinée: Hot Water Music - The Fire The Steel The Tread / Up To Nothing EP

Vorbemerkung: Thematisch passend zur Woche mit den gefühlt meisten Posts zu Hot Water Music und Chuck Ragan: eine Seven Inch mit zwei neuen Songs besprechen, die man schon kennt. Ist aber einfach zu gut, um es zu lassen. 

Stilvoll: Weißes Vinyl. Foto: Drescher
Zwei wie Pech und Schwefel: Diese beiden Donnerkeile bekommt man nur schwer wieder aus dem Gehörgang und noch schwerer aus dem Gedächtnis. Besser könnten die Vorboten für das neue Album, das nächstes Jahr über uns hereinbrechen soll, nicht sein. Hot Water Music haben im Laufe der Zeit kaum einmal Durchschnitt abgeliefert, jedes Album schloss man auf seine eigene Art ins Herz, das Ungehobelte von "No Division", das Ungestüme von "Caution", das Komplexe von "A Flight and a Crash", um nur ein paar zu nennen. Jetzt also frisches Material, dem man durchaus die Solo-Präsenz von Chuck Ragan anhört. "The Fire, The Steel, The Tread" beginnt mit einem dräuenden Gitarrenriff, dann mischt Ragans markante Stimme mit, beschwörend kommen die Zeilen "Come on come on/gotta trust in something strong gotta keep them wheels on turning". Der Bass pulst, das Stück nimmt Fahrt auf, bleibt aber im groovigen Midtempo. Eine bedrohliche Stimmung schwingt mit, ein Song wie eine Vorahnung.

Dann die B-Seite: "Up To Nothing". Schneller, melodisch ganz entfernt ein bisschen wie "Trusty Chords", aber nur im Refrain. Es gibt ein kurzes Solo, Punkrock-Feeling und Passagen in denen nur Bass und Drum den Gesang begleiten, bevor die Gitarren wieder einsetzen.

Klar, zwei Songs sind nicht die Welt. Aber ein großartiges Vorzeichen. Einziger Schönheitsfehler: Wo ist der Download-Code?

Die "The Fire The Steel The Tread / Up To Nothing EP" von Hot Water Music ist am 2. August beim bandeigenen Label erschienen. Erhältlich am Merchstand auf der laufenden Tour oder über die Internetseite von Hot Water Music.

Samstag, 13. August 2011

Workshop für Musiker mit Sideonedummy-Manager Mirko Gläser

Mirko Gläser.     Foto: CC
"It's a long way to the top if you wanna Rock'n'Roll": Wer kennt ihn nicht, den Song von AC/DC, der die Wahrheit übers Musikmachen auf den Punkt bringt. Wer ganz nach oben will, kann sich auf kleine Erfolgserlebnisse, Rückschläge und Frustrationen, Probenraum-Marathon und Catering-Katastrophen gefasst machen. Wie kommt man an den Punkt, wo man nicht mehr bei Onkel Haralds Geburtstag oder in der Stadthalle auftreten muss, sondern die prestigeträchtigeren Bühnen entern kann? Antworten auf solche Fragen gibt Mirko Gläser, der deutsche Labelmanager von (u.a.) The Gaslight Anthem und Flogging Molly. Bei einer Workshop-Reihe vermittelt der Mann, der seit neun Jahren das kalifornische Label Sideonedummy Records in Deutschland vertritt, praxiserprobte Kreativ-Tipps rund um die Themen Promotion/Management und informiert darüber, wie sich aufstrebende Künstler (aber auch manch "etablierte" Band) in Krisenzeiten gut selbst promoten können. So geht es unter anderem um den Aufbau eines Kreativ-Netzwerkes, aber auch um die Frage, wie Künstler sich auch ohne Label, Verlag und Booking-Agentur selber vermarkten können.

"Das auf Respekt, Restriktionen und Relevanz basierende 3R Modell wird uns zeigen, wie wichtig eine geradlinige Botschaft für das Image einer Band ist und der trojanischen Marketingansatz beweisen, wie kleine Bands auch ohne große Budgets ihre Reichweite vervielfachen und neue Fans gewinnen können", heißt es in einer Pressenotiz des Veranstalters. Neben seiner Tätigkeit für Sideonedummy ist Mirko Gläser Gründungsmitglied der Werbeagentur Cardiac Communication aus Münster, die für Marken wie Titus, Eastpak, Vans usw. arbeitet.

Die Seminare finden im Rahmen von Kulturfestivals (Bremer Viertelfest, Hamburger Reeperbahnfest) sowie der Solo-Tournee des Anti-Flag Frontmannes Justin Sane statt, auf der die Konzert-Eintrittskarte automatisch zum kostenlosen Besuch des Workshops berechtigt (vorherige Anmeldung auf den Seiten der örtlichen Veranstalter erforderlich). Mehr Infos zum Workshop unter http://www.sideonedummy.de/

Hier die Termine:

Mirko Gläsers Workshop-Seminar
"Von RRR bis Troja: Ideen gegen die Krise im Musik-Bereich"
03.09. DE - Bremen - Viertelfest
09.09. CH - Basel - Sommercasino *
10.09. DE - Frankfurt - Das Feinstaub
*11.09. DE - Stuttgart - Zwölfzehn *12.09. DE - München - Kafe Marat *15.09. DE - Hannover - Bei Chez Heinz *16.09. DE - Hamburg - Grüner Jäger *18.09. DE - Bonn - Bla *24.09. DE - Hamburg - Reeperbahnfestival-Campus
* mit Justin Sane

Freitag, 12. August 2011

Chuck Ragan: So klingt "Meet You in The Middle"

Chuck Ragan und Band.      Foto: CC
Einen Post weiter unten steht die Konzertkritik zu Hot Water Music, jetzt gibt's wieder was zu Chuck Ragan. Die neue Single "Meet You In The Middle" vom kommenden Album "Covering Ground" kann man auf americansongwriter.com hören. Dem American Songwriter verrät der Mann mit der charakteristischen Stimme auch einige Details über den Song, dass er auf einer gemeinsamen Tour mit The Gaslight Anthem entstanden ist zum Beispiel. Da ist es nur logisch, dass Brian Fallon Background-Vocals besteuert und der Song auch auf der Revival-Tour im Herbst zu hören sein soll. Der Song ist übrigens auch Teil eines Vier-Song-Samplers, den man sich via Sideonedummy runterladen kann. Auf den derzeitigen Konzerten von Hot Water Music liegen Poster zur Revival Tour am Merch-Stand aus, die einen Download-Code enthalten. Neben "Meet You in The Middle" sind Songs von Brian Fallon, Dave Hause und Dan Adriano ím Paket enthalten. Nicht nur deshalb lohnt es sich, die Band live zu sehen.

Hier nochmals die Tourdaten zu Hot Water Music und zur Revivaltour:

HOT WATER MUSIC
12.08. AT – Bildein – Picture On Festival
17.08. AT – Steyer – Röda
18.08. CH – Winterthur - Musikfestwochen
19.08. DE - Lüdinghausen - Area4 Festival
19.08. DE - Münster - Green Hell Recordstore (nachmittägliche Instore Show - Eintritt frei!)
20.08. DE – Schweinfurt – Stattbahnhof
21.08. DE – Leipzig – Highfield Festival

REVIVAL TOUR
(mit Chuck Ragan, Brian Fallon, Dave Hause & Dan Adriano)
05.10. DE – Hamburg – Grünspan
06.10. DE – Berlin – Postbahnhof
07.10. AT – Wien – Arena
08.10. DE – München – Backstage
09.10. CH – Zürich – Dynamo
11.10. DE – Wiesbaden – Ringkirche
12.10. DE – Köln – Live Music Hall
13.10. DE – Münster – Skaters Palace

Donnerstag, 11. August 2011

Konzertkritik: Hot Water Music in Lindau

Hot Water Music
Support: Car Drive Anthem, Make Do and Mend
Club Vaudeville, Lindau, 10. August. 
Text und Fotos: Daniel Drescher

Chris Wollard.           Foto: Drescher
Für Nostalgie sind Hot Water Music eigentlich noch zu relevant. Trotzdem hängt einem der Gedanke nach: "Dass ich das noch erleben darf." Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Chuck Ragan, Chris Wollard, Jason Black und George Rebelo wieder gemeinsam auf Tour sind. Zwischenzeitlich lagen Hot Water Music auf Eis, Chuck Ragan hatte sein Solo-Projekt, Wollard, Black und Rebelo gründeten mit Todd Rockhill The Draft, Rebelo saß zuletzt noch für Against Me! am Schlagzeug. Wenn Bands Schaffenspausen ankündigen, muss man nicht unbedingt Hoffnung haben, dass nochmal was geht. Und wenn man sieht, dass Punkbands wie Alexisonfire sich trennen, weil der Frontmann solo mehr Spaß hat, gleich zweimal. Aber Hot Water Music sitzen fest im Sattel. Chuck Ragans Solo-Album, das im September erscheint, und die Revival-Tour, auf der sich Reibeisen-Chuck mit Brian Fallon und anderen Kollegen akustisch betätigt, sind Nebenprojekte, die auch am Merch-Stand präsent sind, aber sie rütteln scheinbar nicht an Hot Water Music. Zum Glück.


Chuck Ragan.    Foto: Drescher
Denn spieltechnisch und songschreiberisch sind die vier Männer mit ihrem Gebräu aus Post-Hardcore und Punkrock immer noch über alle Zweifel erhaben. Wuchtig der Einstieg mit "A Flight And A Crash", und dann mit "Giver" groovig nachgelegt. Chuck Ragan erkennt man (also mir ging es zumindest so) auf den ersten Blick gar nicht, so ganz ohne Bart sieht er eher nach Youngster aus als nach gestandenem Frontmann. Was Ragan im Gesicht fehlt, sieht man dafür im Publikum umso häufiger: Der Bart ist tatsächlich die neue Iro, wie die Visions mal vermutete. Gerne kombiniert mit Band-Shirts, die eine gewisse Nähe zu Vorbildern wie Hot Water Music nicht verleugnen: Muff Potter etwa, oder auch Touché Amoré. Aber das ist ja auch ok, bleibt alles in der Familie. Dass die Vorbands genauso gut ins Programm passen, hat man da bereits erlebt: Die Schweizer "Car Drive Anthem" liefern solide gestrickte Songs, handwerklich unantastbare Fähigkeiten und zornige Vocals. Es muss wirklich viele bärtige Männer Ende 20 geben, die eine Menge Aggressionen haben. Cool, wenn Musik daraus wird. "Make Do and Mend" aus Boston dürften schon ein bisschen älter sein, sind aber die Gewinner des Abends. James Carroll ist ein überaus charismatischer Frontmann und kommt sehr sympathisch und grundehrlich rüber. Ein wenig wirkt die Band wie der böse Zwilling von Jimmy Eat World, mehr Krach, weniger Pop, und natürlich klingen auch Hot Water Music etwas durch.

Hot Water Music in Lindau.             Foto: Drescher
Zurück zum Headliner HWM: Melodisch und mitsingbar wird's bei "Trusty Chords", diesem treibenden Energieriegel von "Caution". Die Gainesville-Mucker lärmen sich durch ihren Backkatalog, spielen ihre Stärken - ausgefeilte Gitarrenarbeit und heiser-bellende Vocals - voll aus. Auch die beiden Songs der neuen Seven Inch "The Fire, The Steel, The Tread" und "Up To Nothing" kommen zum Zug und sind keinen Deut schwächer als Klassiker der Marke "Poison" oder das bejubelte "Wayfaerer". Wenn man etwas kritisieren kann, dann, dass Hot Water Music ihr Programm fast eine Spur zu routiniert durchziehen. Song, Song, kurze Ansage, nächster Song. Leute, Ihr habt den geilsten Job der Welt. Sagt das mal Eurem Gesicht. Nichts für ungut, Ihr bleibt großartig. Aber das Publikum - mehrere hundert Fans sind da - sieht es auch in etwa so: "Bisschen lahm", hört man da an einer Ecke, ein Moshpit bildet sich erst im letzten Drittel des Sets. Da, wo einem auch "Remedy" um die Ohren fliegt, das Rezept gegens Stillstehen. Nach einer guten Stunde ist Schluss, für eine Zugabe kommen Ragan und Co. nochmal auf die Bühne: "Hard to know", die Hymne, deren Schlüsselsatz viele tätowierte Unterarme ziert: "Live your heart and never follow".

Was für ein schönes Schlusswort.

Mehr Fotos gibt es hier.




Die Ärzte verraten Donald Duck: "Wir arbeiten an einem neuen Album"

Das Heftcover. Foto: Ehapa
Alles andere als eine Ente - auch wenn die berühmteste Ente der Welt das Interview führt: Die Ärzte sind im Studio und arbeiten an einem neuen Album. Das erzählt Bela B. im Gespräch mit Donald Duck (ja, richtig gelesen). Weil das Mickey Maus Magazin (wie berichtet) am 29. August 60. Geburtstag feiert, gibt es ein "Lifestyle"-Magazin namens "Donald", in dem die Ärzte Rede und Antwort stehen. Man schöpfe aus den meisten Songs, die die Ärzte je für ein Album geschrieben haben. "Bisher hatten wir immer so um die 30 bis 35 Stücke, von denen wir auswählten", sagt Bela. Diesmal seien es 42.Wie das neue Album klingen wird, verraten Die Ärzte nicht, Rod deutet aber ein Duett mit Gundel Gaukeley an...

Auch sonst gibt es interessante Neuigkeiten: Farin outet sich als Mickey Maus-Heft-Fan während seiner Kinderjahre. Bela spricht über seine Bildung durch Comics: "Durch Comics weiß ich erst, dass Menschen fliegen können, Radioaktivität Superkräfte verleiht (...)".

Das äußerst lesenswerte Interview gibt's in "Donald - das Lifestylemagazin aus Entenhausen".
Das Heft ist heute im Ehapa Verlag erschienen und für fünf Euro im Zeitschriftenhandel erhältlich.

Mittwoch, 10. August 2011

Blitzen Trapper bieten neuen Song zum Download an

Was ist denn zur Zeit los? Dieses Folk-Revival lässt uns Musik gut finden, bei der wir früher schreiend davon gelaufen wären (oder zumindest gelästert hätten, dass Coluntry uncool sei) und darauf verwiesen hätten, dass es ja gar keine maximal verzerrten Gitarren gibt. Und dann kommen Blitzen Trapper auch noch an und verschenken via Souncloud den zweiten Song von ihrem neuen Album "Goldwing", das am 16. September erscheint (zum Download einfach auf den Pfeil in der rechten Symbolleiste klicken). Aber mir soll's recht sein. Gute Musik ist halt gute Musik. Das nennt sich dann bei Blitzen Trapper "Love The Way You Walk Away" und kommt auf äußerst leichtfüßigen Sohlen daher. Kürzlich konnte man sich bereits den Titeltrack downloaden.

Zum Album selbst sagt die Band, man lasse ganz deutlich die Einflüsse Gitarrenrock und Country sichtbar werden, gemischt mit "glimmers of our usual space-aging technology and pawn shop Casios".

Hier kommt der Song, einen Trailer zum Album findet Ihr darunter.

Blitzen Trapper - Love The Way You Walk Away by subpop

Dienstag, 9. August 2011

Beirut streamen "The Rip Tide" auf NPR

Zach Condon bei einem Konzert 2007.    Foto: Tamara
Beirut sind unfassbar. Dieses schwankende Soundgebräu aus federleichter Ukulele, vollmundigen Bläsern und sympathischem Pathos gehört zum Kreativsten und Eigenständigsten, was die Indie-Szene zu bieten hat. Jetzt kann man sich das kommende Album "The Rip Tide" auf NPR schon mal in voller Länge anhören, bevor es am 26. August in den Läden steht.

Neben den schon von der Seven Inch "East Harlem" bekannten Songs "East Harlem" und "Goshen" gibt es Lieder von unfassbarer Schönheit zu hören, etwa das Titelstück. Das atmet denselben umarmenden Spirit wie bei Get Well Soon, die Sonnenuntergangsromantik von Devotchka, aber vor allem den genialen Geist von Beirut-Mastermind Zach Condon.

Ja, ich weiß, heute morgen hab ich noch getönt, ich mag es nicht, wenn man Alben schon vorab hört. Aber in dem Fall mag ich es. Weil "East Harlem" schon seit Tagen rauf und runter bei mir läuft und ich ganz ganz dringend auf Nachschub gewartet habe. Unfassbar.

Hier könnt Ihr schon mal "East Harlem" hören:
Beirut - East Harlem by Revolver USA

The Horrible Crowes: Snippets vom gesamten Debüt-Album "Elsie"

Kaum ein Album wird derzeit mit so viel Spannung erwartet wie das Debüt "Elsie" von The Horrible Crowes, der Band von Brian Fallon (The Gaslight Anthem) und Ian Perkins. Jetzt kann man via amazon.com jeweils 30 Sekunden der Songs hören.

Ein oberflächlicher Eindruck, der nicht unbedingt ein stimmiges Bild des Albums ergeben muss. Ihr könnt mir ja verraten, wie es klingt. Aber diesmal bin ich raus, wenn es ums vorab Reinhören geht. Spoiler-Alarm und so.
Ich finde es ja grundsätzlich eh charmanter, wenn ein Album ohne große Vorankündigung rauskommt, wie etwa "Consolers of the Lonely" von The Raconteurs 2008. Und bei den Horrible Crowes bin ich so gespannt auf das Resultat, dass ich mich einfach darauf freue, das Album (erscheint am 9. September)  in seiner Gesamtheit unterm Kopfhörer zu genießen - das will ich mir nicht mit ein paar Snippets kaputtmachen.

Zumal es ja bereits die Vorab-Eindrücke "Black Betty and the Moon" und "Behold The Hurricane" (was ja auch in der rechten Blogspalte zu hören ist) gab.

Das reicht mir.