Samstag, 21. Mai 2011

Tinnitus Attacks macht zwei Wochen Urlaub

Auch Blogger brauchen mal Pause: Tinnitus Attacks macht ab heute Urlaub. Um neue Musik aufzutreiben, Inspiration zu sammeln, durchzuatmen. Twitter ist der Herzschlag unserer Zeit. In den nächsten zwei Wochen wird er langsamer schlagen.

Ab Montag, 6. Juni, gibt's hier wieder die amtliche Vollbedienung (cool, diese Formulierung wollte ich schon immer mal verwenden).

Ich verabschiede mich mit einem thematisch passenden Video in die Ferien. Vermessen? Angemessen? Egal.

Keep your stereo clean.

Freitag, 20. Mai 2011

The Joy Formidable randalieren bei Conan O'Brien

Zerstörung in Blond: Ritzy Bryan hinterlässt mit The Joy Formidable
bei Conan O'Brien offene Münder.          Screenshot: Daniel Drescher

The Who waren berüchtigt dafür. ...Trail of Dead haben es getan. Green Day auch. Die Rede ist von "Stage Rage", dem exzessiven Zertrümmern von Musikinstrumenten und Bühnenausstattung.
Was die Art-Indierocker The Joy Formidable bei Conan O'Brien kürzlich abgeliefert haben, war zwar die domestizierte Version davon, aber trotzdem irgendwie niedlich in aller gewollten Provokant...äh...heit? Das Trio mit der blonden Zwillingsschwester von Karen O, Ritzy Bryan, an Gitarre und Gesang pustet einen Klangorkan aus den Boxen, dass Conan O'Brien die Tolle wegfliegt - nur dass die Kamera nicht draufgehalten hat. Leider. Viel Spaß mit diesem perfekten Ausklang der Woche! Ach ja: Hier geht's zum Video.

Liebesleid in Szenen: The Gaslight Anthem-Video zu "Bring it On" hat Premiere

Eine Beziehung in Trümmern und was aus einem wird: Für ihr neues Video zu "Bring it On" haben sich die New Jersey-Punkrocker The Gaslight Anthem eine traurige Geschichte einfallen lassen. Das Lied handelt genau davon, vom Auseinanderbrechen, von entdeckten Briefen, der Sprachlosigkeit, die einen überkommt, dem Trotz, der sich in der Magengegend breit macht - "Bring it On" eben. Die Bilder vom Videodreh hatten wir ja schon vor einigen Wochen hier präsentiert, gestern nun hatte der Clip auf Spin online Premiere (hier klicken).

Die Hauptrolle spielt Dave Hause von der Punkband Loved Ones, mit denen The Gaslight Anthem befreundet sind. Das Video ist perfekt geworden. Es illustriert die Szenen einer hässlichen Trennung, zeigt, wie die Zeit gefühlt stehenbleibt, wie das Paar vor zertepperten Tellern wie den Scherben der Beziehung steht und wer mit dem Chaos zu tun hat. Man muss echt ein paar Mal schlucken, weil die Szenen so nachvollziehbar und und emotional gemacht sind. Parallel zur Handlung sieht man immer wieder stilvolle Shots der Band in einer verlassenen Halle. Sehr schön gemacht. Schade, dass es kein Musikfernsehen mehr gibt, wo es den Clip zu sehen geben könnte (von gotv mal abgesehen).

"Bring it On" ist eines der nicht rar gesäten Highlights auf "American Slang", dem 2010-er Album der Band aus New Brunswick. Meine Besprechung aus der Schwäbischen Zeitung gibt es nebenan nochmal zu lesen. Gaslight-Sänger Brian Fallon bereitet derzeit auch das Debüt seines Side-Projekts "The Horrible Crowes" vor, das im September erscheinen soll.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Southside: Der Zeitplan steht

Der Zeitplan steht: Wer wissen will, welche Pflicht-Bands sich Konkurrenz machen, sollte auf der Internetseite des Southside-Festivals den Timetable anschauen. Seit heute ist der Plan online. Den psychedelischen Twin-Peaks-Rock von Warpaint oder die besoffene Folkpunk-Party von Flogging Molly? Verdammt, nur eine halbe Stunde I Am Kloot gucken, weil dann die Foo Fighters anfangen. Uff, The Kills haben keine Konkurrenz. Mehr dazu hier. Das mit dem persönlichen Timetable hat aber zumindest bei mir noch nicht so richtig funktioniert.

Alles bloß das nicht: Bitte keine
Schlammwüste mehr wie 2010.
                        Foto: Daniel Drescher
Das Festivalteam bietet dieses Jahr zum ersten Mal auch eine App an. Mehr Infos unter www.southside.de. "Als Besitzer eines Smartphones kann man nun auf praktische Funktionen zugreifen wie den Timetable, Künstlerübersicht, Arealpläne und allgemeine Infos. Zudem lässt sich ein persönlicher Timetable zusammenstellen, Infos können auf facebook geteilt werden und neueste News erreichen den Benutzer über den Newsticker. Die Funktion, sein eigenes Camp per GPS-Peilung markieren zu können, wird in bälde verfügbar sein." Das schreiben die Veranstalter in einer Pressemitteilung. Fraglich ist, ob die App den gedruckten Festivalplaner ersetzen kann. Zum einen, weil viele Festivalgänger es mal genießen, nicht ständig erreichbar sein zu müssen. Und weil kein Mensch genug Akku für ein Wochenende hat. Aber mal sehen. Erfahrungswerte. 



Mittwoch, 18. Mai 2011

Hören Sie das: Wintersleep auf Daytrotter

Noch mehr wohltönende Daytrotter-Sessions: Auch die kanadischen Indierocker von Wintersleep gibt es jetzt auf der liebevollsten Download-Seite zu hören (hier entlang). Drei Songs vom letztjährigen Album "New Inheritors" gibt es zum gratis Herunterladen, genauso gespenstisch und dräuend wie man das will.

Paul Murphy von
Wintersleep.
             Foto: Chase Photos
Es war ja schon kurios: Auf "Welcome To The Night Sky" (2009) klangen die sechs Musiker stellenweise noch nach REM auf Steroiden, abwechslungsreich und unberechenbar. Und dann die Wende: Passend zum Sound erklärten sich die Mucker auf dem 2010er-Silberling zu den "Neuen Erben". Und den Songs nach zu urteilen, wollen sie Interpol beerben. Macht aber nix, wie sagte ein weiser Mann einst: "There's always room for one more".

In diesem Sinne: Hören wir ihnen zu und freuen uns über die verträumt-seltsame Stimmung von "Baltic", die sich auch auf dem Soundtrack zu "Vanilla Sky" gut gemacht hätte (kurz abgeschweift: als der letztens auf Kabel1 kam, fiel mir auf, wie unglaublich genial der Film war - nachdem ich ihn zehn Jahre nicht gesehen hatte, glatt vergessen). Lassen wir uns von "Experience The Jewel" zum Kopfzucken bringen. Und von "Echolocation" farbige Flecken auf die Netzhaut brennen.

Epigonen? Zur Hölle, drauf geschissen. Ohne Wintersleep würde etwas fehlen. 

Me First And The Gimme Gimmes und die Nippon-EP

Jetzt ist es raus: Die nächste Veröffentlichung von Me First And The Gimme Gimmes wird sich vor japanischer Popmusik verbeugen. Nachdem Fat Mike (NoFX-Mastermind, Labelchef von Fat Wreck Chords) bei Twitter bereits einen Hinweis gepostet hat, der nicht wirklich subtil oder viral ist (siehe Video), ist jetzt ein erster Eindruck aus dem Studio zu sehen, den das Label ins Netz gestellt hat (hier klicken).

Es wird also eine Cover-EP mit japanischen Popsongs. Darauf werden unter anderem Takuryo Yoshida's "Kekkon Shiyoyo", Kai Band's "Hero" and Tulip's "Kokoro No Tabi" (das aus dem Video) zu hören sein. Muss man nicht kennen die Namen - höchstens, man heißt Quentin Tarantino. Um die Texte auf japanisch singen zu können, schrieb ein Kumpel von Fat Mike die Texte in Lautsprache nieder, Spike Slawson (Swining Utters) hörte sich die Songs an und versuchte einfach die Textzeilen sauber zu intonieren. Ob es dabei zu grandiosen Versprechern kommt, dass aus "Liebe" auf einmal "Kühe" oder so wird, wie ja klischeemäßig immer angenommen wird? Mal schauen.  Japanische Studiogäste verstanden zumindest den Text, wie Alt Press berichtet. Ein Titel für die EP steht noch nicht fest.

Die Punk-Cover-Band hat noch mehr in der Richung vor: Nachdem sich die letzte EP "Down Under" mit australischer Mucke beschäftigte, sollen laut Spike Slawson noch Spanische, Deutsche und Fanzösische Klänge folgen.

Dienstag, 17. Mai 2011

Statt vieler Worte: Bilder vom Bandwettbewerb

Elias Groß, Gitarrist von Manarun.                       Foto: Daniel Drescher
Bilder sagen mehr als Tausend Worte.

Aber in dem Fall ist das eine lahme Ausrede. Ich bin schlichtweg nicht dazu gekommen, den angekündigten ausführlichen Nachbericht zum Southside-Bandcontest der SZ zu schreiben. Nur soviel: Es war richtig cool.
Die Fotos will ich Euch aber nicht vorenthalten. Auf Facebook gibt's das Bilder-Album zu sehen. Hier geht's lang.

Hören Sie das: Josh T. Pearson bei Daytrotter

Eine Grabesstimme, eine Gitarre - das war's: Mit diesen simplen Mitteln schafft der amerikanische Songwriter Josh T. Pearson Musik, die düster und wuchtig, verletzlich und verzweifelt tönt. Wenn Blues blau ist, was ist das hier dann? Ebenholzfarben, tiefschwarz, Erdöl-finster. Wem der Name noch nichts sagt, dem sei meine Plattenkritik aus der Schwäbischen Zeitung vom 15. März 2011 empfohlen (siehe nebenan).

Jetzt gibt es eine Daytrotter-Session des bärtigen Barden als Gratis-Download (hier entlang). Wer von Daytrotter noch nichts gehört hat, liest sich am Besten meinen Blog-Eintrag darüber durch. Bei Daytrotter spielt Pearson seine Songs in kürzeren Versionen. Während auf dem Album fast alles um die zehn Minuten dauert, gibt's die Stücke "Woman When I've Raised Hell", "Sweetheart I ain't your Christ", "Country Dumb" und "Sorry with a Song" hier im handlichen Vier-Minuten-Format. Mit einer Ausnahme: "Sorry..." dauert doch rund zehn Minuten, weil der Gitarrist und Sänger ein Cover von "By the Rivers of Babylon" dranhängt. Erstaunlich: Selbst dieser totgenudelte, penetrante Gute-Laune-Smasher, den noch jede besoffene Bierzelt-Kapelle kaputt gekriegt hat, klingt in Pearsons Händen ganz und gar nach Hoffnungslosigkeit. Sehr schön.

Montag, 16. Mai 2011

Neue Bands fürs Southside bestätigt

Punks und Hutträger willkommen: das Southside anno 2008.
                                                                              Foto: Drescher
Eben sind neue Bands für das Southside-Festival bestätigt: Kaizers Orchestra, British Seapower, Sick Puppies, Everything Everything, Letlive, Wakey Wakey und Eveline ergänzen das Line-Up. Weil der Timetable noch nicht steht, und die Veranstalter von "einigen der letzten Lücken" sprechen, die man mit der neuen Welle von Bands schließe, kann man davon ausgehen, dass noch ein paar Last-Minute-Bands dazustoßen. Rund vier Wochen sind noch Zeit.

Und noch was aus der Sparte "Demokratie meets Rock'n'Roll": Fans der Indie-Rocker Kashmir ausgedacht können heute ab 14 Uhr auf www.southside.de über die Setlist, die die Band auf dem Festival spielen soll, abstimmen. Die Aktion läuft bis zum 1. Juni.

Up Close and Personal: Frank Turner im Studio

Noch knapp drei Wochen - dann wissen wir endlich, ob "England Keep My Bones" der sehnsüchtig erwartete Geniestreich von Frank Turner ist, der sich mit Vorab-Eindrücken wie der Single "I Am Disappeared" und "Peggy Sang The Blues" andeutet. Einblicke in die Aufnahmen verschafft jetzt ein zehnminütiges Video auf Youtube. So erfährt man in dem Kurzfilm von Ben Morse, dass sich das Album auch mit Fragen der englischen Nationalität und Kultur beschäftigt, die den Briten sehr beschäftigen.
Aber seht selbst.

Ist eh schöner, Frank Turners Akzent im Orginal zu hören.

Sonntag, 15. Mai 2011

Sonntags-Matinée: Folk der die Herzen wärmt

Eine neue Lieblingsband. Wenn man kuscheligen Folk mag, mehrstimmigen Gesang, Pianoklänge und Schellenkränze. Kunden, die das gekauft haben, stehen auch auf: Fleet Foxes und Mumford & Sons. Auch wenn The Head and The Heart eigentlich keine Vergleiche brauchen - sie aber auch gar nicht scheuen müssen.

Vielleicht ist die Welt gar nicht so schlecht. Zumindest hat das Schicksal - oder der Zufall - sechs Musiker bei einer Open Mic Night zusammengeführt. Und dieses Sextett spielt dermaßen herzerwärmenden Folk, dass Frühlingstage noch sonniger sind und Herbsttage noch wolkenverhangener. Zwischen stürmischer Euphorie und getragener Melancholie pendeln die zehn Songs des Debütalbums, ohne Kitsch, aber mit jeder Menge Köpfchen und Herz. Wie der Name eben sagt.

Charity Rose Thielen (Gesang, Violine, Percussion), Chris Zasche (Bass), Josiah Johnson /Gesang, Gitarre, Percussion), Jonathan Russell (Vocals, Gitarre, Percussion), Kenny Hensley (Piano), Tyler Williams (Drums) hören scheinbar auch gerne mal die Beatles, zumindest klingt "Ghosts" mit seinem nach vorne gehenden Beat stark nach den Fab Four. Auch wenn das Album mit "Heaven Go Easy on Me" ausklingt, und der Rhythmus Erinnerungen an "Hey Jude" aufkommen lässt, könnte man auf diesen Gedanken kommen. "All things must end, darling" heißt es da. Darum dreht sich vieles auf der Platte: Abschied, Loslassen, Vermissen. Der "Winter Song" gehört künftig auf jedes Mixtape für die kürzeren Tage. Zu einer Picking-Gitarre gesellt sich nach und nach auch die Stimmy von Charity Rose Thielen, so verletzlich und anheimelnd. Man würde sich nicht wundern, dieses Stück Musik auf dem Soundtrack einer Regiearbeit von Scrubs-Krankenhausclown Zach Braff ("Garden State") zu entdecken. Eine The Smiths'sche Depri-Attitüde prägt "Honey Come Home", wo die schaurigschöne Zeile "I just wanna die with the one I love beside me" aufhorchen lässt. "Oh God I love my vices/but they're taking me to places/that I never thought I'd go" heißt es kurz darauf. Ein Bekenntnis zu Makeln, wie es ehrlicher und unsentimentaler nicht sein könnte.

Makellos hingegen die Musik: "Down in the Valley" mit seinem im Drum-Rhythmus stampfenden und sich emporschwingenden Piano. "Lost in My Mind", das mit seinen "Wooo-hooos" an einen rollenden Zug erinnert und im Text passenderweise die "engines running" hat. Alles Songperlen, die man nie mehr hergeben möchte. Muss man ja auch gar nicht. Begrüßen wir The Head and The Heart. Bleibt doch einfach.

Das gleichnamige Debüt von The Head and The Heart ist am 22. April erschienen bei Cooperative Music, im Vertrieb von Universal. Höreindrücke gibt's unter www.myspace.com/theheadandtheheart

Manarun dürfen zum Southside

Gewinner: Manarun fahren zum Southside.                         Foto: Drescher
Reggae-Klänge fürs Southside: Die Gewinner des Bandwettbewerbs der Schwäbischen Zeitung heißen Manarun. Die Aulendorfer setzten sich gegen vier Konkurrenten durch und konnten die Mehrheit des Publikums und die Jury für sich begeistern.

Zwar hatte die Acht-Mann-und-Frau-Band die eigentlich undankbare Aufgabe, die Bandbattle zu eröffnen - geschadet hat das aber offensichtlich nicht. Mit ihrem Mix aus Reggae, Hip-Hop und und Ska-Elementen brachten sie innerhalb weniger Minuten den Saal zum Tanzen.

Neverhad lieferten eine solide Performance ab, besonders die akkuraten Twin-Guitar-Soli waren souverän und bemerkenswert.

Rigna Folk entfesselten mit ihrem flächigen Sci-Fi-Gitarrensound einen wahren Soundsturm, waren aber wohl für die Masse zu künstlerisch.

Stereogain wirkten mit ihrem deutsch-englischen Gesang und den schrappigen Crossover-Gitarren etwas unentschlossen und irgendwie deplatziert.

Biberach, 23 Uhr - die Frisur sitzt: The Latin Loosers boten eine betont coole Show mit einem schweißtreibenden Mix aus Rockabilly und Punk-Riffs.

Ein ausführlicher Bericht folgt.

Samstag, 14. Mai 2011

Murder by Death arbeiten an neuen Songs

Ok, die Blogger-Panne. Aber sonst war Freitag, der 13. gestern echt nicht so unheilbringend wie erwartet. Ganz im Gegenteil: Murder by Death haben angekündigt, am Donnerstag die Arbeit an neuen Songs aufgenommen zu haben. Die vier Musiker aus Bloomington, Indiana, haben erst vergangenes Jahr mit "Good Morning, Magpie" wieder gezeigt, wie düster und staubig counryesker Indie-Rock klingen kann. Man denkt ja immer, dass sich zu dieser Musik halbverfaulte Zombie-Cowboys einen letzten Whiskey an der Bar bestellen, bevor sie sich auf einer sonnenverbrannten Straße zum Duell die Hirne in den Sand pusten. Und nach dem nicht ganz so überragenden "Red of Tooth and Claw" (2008) war "Good Morning, Magpie" so überraschend großartig, dass ich mir die Platte auf CD und Vinyl holen musste.


Adam Turla mit Murder by
Death 2007 im Atomic Café
in München.        Foto. Ich
Sehr cool: Die Band verschickt die Platten selbst, wer per Kreditkarte zahlt, bekommt eine Mail mit dem Betreff "Your payment to Adam Turla" (Sänger und Gitarrist der Band). Man stelle sich vor, Metallica wären so DIY: Dann stünde da "Your payment to James Hetfield". Undenkbar. 
Murder by Death sind vor allem live beängstigend intensiv. Ich hab die Band vergangenes Jahr in München im Ampere gesehen und 2007 ebenfalls in München im Atomic Café. Da ist mir der nebenstehende Schnappschuss gelungen. Auch da zeigte sich, wie Indie die Vier sind: Ich geh zum Merch-Stand, dahinter steht die bezaubernde Cellistin Sarah Balliet. Ich: "I can't decide which T-Shirt to buy." Sie: "Well, let's see...what color do you mainly wear?" Sie schaut mich an: "Black? Ok, that kind of narrows it down."
Ganz großer Fanboy-Moment! Kann bitte jede Band so unkompliziert und nah dran sein?

Amanda Palmer vs. die holländische Ordnungsmacht

Amanda Palmer, stilvoll in
s/w. Foto: Beth Hommel
She fought the law - and the law won: Amanda Palmer, Dresden Dolls-Pianistin, Sängerin und Gemahlin von Neil Gaiman, ist in Holland mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Über Twitter hatte sie einen öffentlichen Auftritt in Amsterdam angekündigt.Sie bezeichnete ihr Platzkonzert als "Ninja Gig", weil er in keinem offiziellen Veranstaltungskalender auftauchte.

Das war dann wohl auch das Problem: Die Polizei beendete den Spontan-Gig und buchtete die Sängerin ein. Sie stand mit einer Ukulele auf einem öffentlichen Platz in der holländischen Hauptstadt. "Everybody avoid the cops and the royal families and head towards the monument." hatte sie ihren Fans kurz vor dem Gig über Twitter noch mitgeteilt. Nach kurzer Zeit in der Zelle kam sie gegen ein Bußgeld wieder auf freien Fuß und feierte mit Fans, die vor der Polizeistation ausgeharrt hatten, ihre Freiheit. Verrückt.

Und wie das immer so ist: Irgendjemand hat eine Kamera oder ein Handy dabei. Hier geht's zu einem grandiosen Foto, das Amanda Palmer Auge in Auge mit dem Gesetz zeigt. Ein kurzes Video von der Szene gibt's auf Youtube (hier entlang).


Amanda Palmer hat erst vor wenigen Tagen die Platte "Nighty Night" veröffentlicht, ein Gemeinschaftsprojekt mit ihrem Ehemann Neil Gaiman, Songwriter Ben Folds und Damian Kulash von OK Go. Hier geht's zum Hörtest dazu.

Update: Wie Amanda Palmer die Situation wahrgenommen hat, lest Ihr auf ihrem Blog.

Freitag, 13. Mai 2011

Morgen gilt's: Southside-Bandwettbewerb der SZ

Doc's und Tape: Muss man im
Gepäck haben beim Southside.
                                   Foto: Drescher
Wer soll es sein? Welche Band wollt Ihr beim Southside-Festival sehen? Neverhad (Alternative Rock aus Isny), Rigna Folk (Art Rock aus Ulm), Stereogain (Indie Rock aus Tuttlingen), Latin Loosers (Rock'n'Roll aus Waldshut) oder Manarun (Reggae aus Oberschwaben)? Am Samstag, 14. Mai,  fällt die Entscheidung im Abdera in Biberach. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass um 19 Uhr. Jury und Publikum küren den Sieger, der dann auf dem Festival in Neuhausen ob Eck auf der Bühne steht. Der Eintritt kostet drei Euro.

Fans, unterstützt Eure Bands! Deine Stimme zählt. Jetzt aber echt mal.

Offline, online, was denn nun?

Störung mal wieder: Blogger.com
zickt.                     Foto: Wikipedia
Endlich wieder online: Die letzten 24 Stunden ging nix auf Blogger, Googles Plattform für Internet-Tagebücher.
Das Ärgerliche: Man konnte nicht nur nichts Neues veröffentlichen - auch alles, was seit gestern Abend online ging, ist vorerst im Nirwana verschwunden. Man arbeite an der Wiederherstellung, heißt es.

Meine Posts über The Kills und ihre Mini-Doku zum neuen Album "Blood Pressures" und Amanda Palmers unangenehme Begegnung mit der Polizei in Amsterdam sind fürs erste futsch. Naja. Geistige Notiz: Immer alles auch auf dem Desktop speichern.

Ok, das nächste Update folgt. Stay tuned.

Update: Inzwischen sind die beiden Posts wieder online. Danke Google! Ich hatte echt Angst, dass ein Abend Arbeit beim Teufel ist.

Donnerstag, 12. Mai 2011

Mini-Doku: The Kills im Bilde

Ja, The Kills sind Lieblinge. Nicht nur von mir. Jamie Hince und Alison Mosshart haben mit "Blood Pressures" eines der Highlights 2011 vorgelegt (Hörtest gibt's hier). Nun kann man sich in einer elfminütigen Doku Eindrücke verschaffen, wie das Album entstanden ist. Die atemberaubendste Frontfrau der Gegenwart und der coole Johnny Cash-Widergänger (in punkto Optik, man beachte die Tolle!) sprechen darüber, dass sie ein Album machen wollten, auf dem viel passiert, sie reden über kreative Durststrecken, wenn man für 20 Sekunden Musik Stunden braucht, und über die Single "Satellite".


Die Mini-Doku zeigt auch, wie intensiv die Musik der beiden wirkt. Da sitzen sie, Alison haucht ihre Texte, Jamie zupft auf einer verschärften Jazz-Gitarre.
Sehenswert, aber definitiv.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Blackmail fahren Achterbahn in der "Night School"

Und noch ein Video: Auch Blackmail haben eine neue Single raus und präsentieren uns viaYoutube den dazugehörigen Clip. "Night School" ist ein federleichter Ohrwurm mit träumerischen Pianotönen und einer entrückten Atmosphäre. Genauso losgelöst gibt sich das in Schwarzweiß gehaltene Video: Man fühlt sich, als säße man jedem Bandmitglied in einem Fahrgeschäft gegenüber, dann tauchen Gesichter auf, die man nicht kennt. Und Blackmail haben sich Musiker wie Bernd Begemann in die Achterbahn mitgenommen, auch von Tusq, Escpado und Mia sind Mucker dabei.



Blackmail waren ja mit ihrer neuen Platte "Anima Now!" vergangenen Sonntag Thema in meiner Sonntags-Matinée. Für die Szene-Seite der Schwäbischen Zeitung hab ich das Album am vergangenen Dienstag besprochen. Der Vollständigkeit halber hier nun auch die Rezension aus der SZ.

Live kann man Blackmail bei diesen Terminen erleben:

13.05. Lyss (CH), Kulturfabrik
14.05. Laufen (CH), Biomill
17.05. Berlin, Magnet
18.05. München, 59:1
19.05. Köln, Luxor
20.05. Hamburg, Molotow
21.05. Koblenz, Dreams

Dienstag, 10. Mai 2011

Frank Turner mit Video zu "Peggy Sang The Blues"

Frank Turner 2009
in Berlin.
Foto: Thomas Huntke

Kann die Vorfreude noch größer werden? Langsam ist es ja kaum mehr auszuhalten, bis uns Frank Turner am 3. Juni mit seinem neuen Album "England Keep My Bones" beschenkt. Jetzt gibt es wieder was Neues: das Video zu "Peggy Sang The Blues". Den Song konnte man ja schon vor ein paar Wochen hören (Blog-Eintrag dazu hier). Heute hat der Clip unter anderem auf Visions online Premiere gefeiert (hier entlang). Und was sehen wir? Einen Schwarzweiß-Clip, der den britischen Punkrock-Weltbürger und seine Band zeigt. Verdammt, das macht noch mehr Lust, aber auf die Live-Auftritte. Zum Glück gibt es hier einen: Am 20. Juni ist Frank Turner wie schon berichtet zu Gast im Club Vaudeville. Pflichttermin.

Montag, 9. Mai 2011

Art Brut mit neuem Video "Lost Weekend"

Wochenenden scheinen es Art Brut angetan zu haben. Auf ihrem Debüt fand sich ein gutes und ein schlechtes Wochenende im Song. Die erste Single "Lost Weekend" vom kommenden Album "Brillant! Tragic!" (VÖ: 20. Mai) gibt es jetzt mit Video auf Youtube zu bestaunen. Und zum Staunen gibt es etwas: Eddie Argos lernt singen? Kann nicht sein. Gut, war klar, dass sich die britischen Indie-Spinner für Album Nummer vier was Neues einfallen lassen müssen. Die Masche war bei "Art Brut vs. Satan" schon etwas ermüdet. Aber das? Nicht zu erwarten, zumal das schon im Netz kursierende "Unprofessional Wrestling" typischer klang. Im Video zu "Lost Weekend" (Regie: Alex Di Campi) präsentiert sich die Band umgeben von fast schon Lynchesken Damen, die seltsame Dinge tun. Richtig heiß auf das Album macht mich das noch nicht. Trotzdem wollte ich Euch das nicht vorenthalten.

Sonntag, 8. Mai 2011

Sonntags-Matinée: Operation Reboot geglückt

Im Film nennt man das Reboot: Alles auf Null, die Geschichte nochmal von vorn und mit neuem Hauptdarsteller erzählen. Batman hat das gut getan, Chris Nolan hat den überkandidelten Buntman zum Dunklen Ritter geerdet. Blackmail geht es ähnlich: Der Neustart ist geglückt. Und überzeugt mit 13 Songs, die nichts vermissen lassen, was die Band ausmacht. Im Gegenteil, sie fügen sogar neue Facetten zum Klangkosmos der Koblenzer hinzu.

Es war ja nicht so, dass "Tempo Tempo" schlecht war oder Blackmail auf Platte erneuerungsbedürftig. Nur live, da hatte sich schon abgezeichnet, dass die Musikehe der Ebelhäuser-Brüder und Sänger Aydo Abay bald vor dem Scheidungsrichter enden würde. Beim Konzert am 18. Oktober 2008 im Kulturladen in Konstanz erlebte ich Arbeitskollegen auf der Bühne, die Dienst nach Vorschrift machen. Keine Spur von  Buddies, die Freude am gemeinsamen Rocken haben, so sah es aus. Chemie oder Kommunikation Fehlanzeige. Knappe acht Wochen später trennte sich die Band von ihrem Sänger Aydo Abay.

Manche Band kommt nicht über den Verlust des Aushängeschilds Sänger hinweg. Die Gods of Blitz versanken nicht nur für mich nach dem Ausstieg von Sebastian Barusta Gäbel in der Bedeutungslosigkeit, auch live konnte sein Nachfolger Nico Kozik nicht überzeugen. Oder meine Lieblingsstoner, die Spiritual Beggars: Ohne Sänger Spice sind sie einfach nur noch mittelmäßig. Man stelle sich vor, Motörhead müssten ohne Lemmy auskommen.

Blackmail haben es geschafft. Mathias Reetz passt so blendend zur Band, dass niemand trauern muss. "Resonant Wave" eröffnet den Songreigen und kommt so selbstbewusst aus den Boxen gebollert, dass einem der Kaffee aus dem Gesicht fällt. "Start again/So I will pick you up" singt der "Neue" passenderweise in seiner ersten Textzeile. Der Trick ist, dass Mathias Reetz stimmlich nicht so furchtbar weit weg von Aydo Abay, aber keine platte Kopie ist. Im Interview mit dem Dortmunder Musikmagazin Visions sagte Kurt Ebelhäuser kürzlich, Blackmail seien nicht mehr so motzig und negativ wie früher. Das hört man auch der Platte an. So etwas Positives wie "Whys of Your Ways", "Telescope" oder "Rocket Soul" ist neu, steht dem Quartett aber gut zu Gesicht. Luftig und bedächtig kommt "Night School" daher, das mächtige "Monographic Doll" kontrastiert wummernde Drums mit cleveren Breaks und ausgefeilten Basslinien. "Santa Rosalia" klingt wie der dunkle Zwilling von Simon & Garfunkels "Scarborough Fair".

Detail für Genauhinhörer: Was ist denn bei "Rocket Soul" bei Zählerstand 00:09 los? Klingt wie ein Schnittfehler oder sowas.

Ihr habt uns gefehlt, Blackmail. Gut, dass Ihr wieder da seid. Und nichts verlernt habt. Im Gegenteil.

Anima Now! von Blackmail ist am 29. April erschienen bei 45 Records, im Vertrieb von Soulfood. Die limitierte Edition enthält drei Bonustracks. Mehr zu Blackmail auf der offiziellen Internetseite http://www.blackmail-music.com/ oder auf Myspace: www.myspace.com/thisisblackmail

Samstag, 7. Mai 2011

Craig Finns Solo-Auftritt


Craig Finn mit The Hold Steady beim Southside 2010.
                                                           Foto: Daniel Drescher
Was war noch? Ach ja, Craig Finn, cool weil so sympathisch uncooler Sänger der Rock-Apologeten The Hold Steady, gibt's jetzt auch solo. Zumindest hat er für die Serie "Wits" des Senders Minnesota Public Radio ein paar Songs live gespielt. Dort war er gemeinsam mit Spin-Journalist Chuck Klosterman, dem Autor irritierend guter Bücher wie "Killing Yourself To Live". Die Nummern habe noch niemand bisher gehört, sagt Craig Finn, der als Verfasser der literarischsten Texte der heutigen Rockszene gilt. Mit Akustikgitarre und unterstützt von Bass, Vibraphon und Pedal Steel, singt uns Craig Finn drei Lieder, die den flauschigsten Nerd aller Zeiten in Hochform zeigen. Hier kann man sich die Show anschauen.

Ein Interview, das ich mit The Hold Steady-Gitarrist Tab Kubler geführt habe, gibt's in diesem Blog-Eintrag zu lesen. Da kann man sich die ganze Band auch im Konzert anschauen. 

Freitag, 6. Mai 2011

The Weakerthans arbeiten an neuen Songs

Manchmal braucht es nur einen Satz, um ein Lächeln auf das Gesicht eines Indie-Nerds zu zaubern. In diesem Fall lauten die magischen Worte: "Don't expect anything soon, but we're all in Winnipeg right now throwing around some new songs at each other." Getwittert haben ihn The Weakerthans heute. Das ist die beste Nachricht des Tages. Ein neues Album der Winnipeg-Ikonen quasi in Griffweite - ok, vielleicht dauert es ja tatsächlich noch etwas. Das letzte Album "Reunion Tour" liegt immerhin schon ein paar Jahre zurück. Wer sich die Zeit bis zum neuen Album vertreiben will, hat ein paar Möglichkeiten: Entweder man hört/schaut man sich die aktuelle Live-CD/DVD "Live At The Burton Cummings Theatre" an (meine Rezension dazu gibt's hier). Oder man schaut sich die Doku "We're the Weakerthans, We're from Winnipeg" an, die es seit 11. April bei iTunes gibt. Einen Trailer dazu kann man hier anschauen. Oder, und bis dahin wissen wir sicher schon mehr, man schaut sich die guteste Band der Welt einfach live an.
The Weakerthans 2007 im Burton Cummings Theatre.
                                                          Foto: Bussche/Wikipedia
25.06. Rotterdam - Rotown
26.06. Amsterdam - Bitterzoet
28.06. Hamburg - Grünspan
29.06. Berlin - Lido
30.06. Bielefeld - Kamp
01.07. Dornstadt - Obstwiesenfestival
02.07. Duisburg - Traumzeitfestival
03.07. Feldkirch - Poolbar

Donnerstag, 5. Mai 2011

Hörtest: 8in8 - Nighty Night

Willkommen zum literarischen Quartett. Man nehme drei Teile Musik und einen Teil Schriftstellerei - heraus kommt eines der kuriosesten Experimente des Musikjahres. Spontane Songskizzen von schrulliger Schönheit. Ist ja auch kein Wunder, bei der Besetzung.

Amanda Palmer (Dresden Dolls, Evelyn Evelyn), Ben Folds, Damian Kulash (OK Go) und Neil Gaiman (Autor von u.a. Coraline und American Gods): Allein die Konstellation ist ja schon so genial unwirklich. Die vier Verrückten haben sich zusammengetan, um in acht Stunden acht Songs aufzunehmen (siehe Blog-Eintrag hier). Die Idee entstand bei einem Symposium des Berklee College of Music in Boston. Zum Glück hatte Amanda Palmer diesen Gedanken. Die Szene wäre sonst um ein paar schöne, schräge und ungewöhnliche Songfragmente ärmer.

Der Opener "Nikola Tesla" lebt ganz von der herrlich kurzatmigen Stimme Amanda Palmers, die sich überschlägt, überbetont und so theatralisch wirkt wie sich Theater kaum zu sein traut. Frau Palmer auch am Piano, da weiß man wieder, warum man die Dresden Dolls so toll findet. Die Idee, den Erfinder zum Mittelpunkt überbordender Liebeslyrik zu machen, ist genial. Nicht minder geistreich "Because The Origami" mit Ben Folds am Piano, in dem ein Elternpaar (Amanda Palmer und Ben Folds in diesem Song) die Versuche aneinanderreiht, dem Kind ein Hobby schmackhaft zu machen. "One Tiny Thing" fällt da direkt etwas ab, weil zu gewöhnlich. "Twelve Line Song" (aka "The Squirrel Song") müsste eigentlich am Ende der Platte stehen, denn man kann sich die Nummer gut vorstellen als Bühnenmusik, wenn alle Theaterschauspieler nochmal vor den Vorhang treten und sich verbeugen. "I'll Be My Mirror" erinnert an die ungeschlagene Phoebe Buffay ("Friends") - wenn sie Songs schreiben könnte. Und dann mündet die Platte in den Auftritt des Fantastik-Meisters: Das marschierende "The Problem With Saints" klingt, als würde Severus Snape zum Mikro greifen und sich von einem Angetrunkenen am Piano begleiten lassen. Aber es ist Neil Gaiman himself (Amanda Palmers Ehemann übrigens), der hier ein verqueres Szenario entwirft, von Jeanne D'Arc, die eine zweite Chance will, um ein neues Heer zusammenzustellen. Und wie schwierig das eben ist, wenn Heilige so unter sich sind. Bei 1:36 gibt es ein  grandios vertupftes Klaviersolo, dem völlig schnurz ist, ob ein schräger Ton dabei ist.

Es sind solche Projekte, die die Musikwelt ihrer Oberflächlichkeit und ihrer Berechenbarkeit berauben. Und das ist verdammt gut so. Bitte mehr von "8in8", der Band, die acht Songs in acht Stunden aufnehmen wollte. Es sind dann nur sechs Stücke geworden und sie haben 12 Stunden gebraucht. Aber das ist ja wohl Korinthenkackerei.

Die Songs kann man für einen Dollar (oder mehr, wer mag) an dieser Stelle herunterladen.

Mittwoch, 4. Mai 2011

The Thermals mal ganz entspannt

Hutch Harris. Foto: Drescher


Die Thermals sind wie Nutella, Guinness und Sonnenschein: Man kann nie genug davon bekommen. Und weil das grandiose Power-Trio seine Europa-Tour (meine Konzertkritik hier) gerade hinter sich hat und erst im Juli wieder in unseren Breitengraden aufkreuzen wird, muss man ja die Zeit irgendwie überbrücken. Gut, das es die Jungs von Laundromatinee gibt. Die haben sich die Thermals gekrallt und sie "Your Love Is So Strong" und "I Don't Believe You" vom aktuellen Album "Personal Life" spielen lassen - und mit der Kamera draufgehalten. Rausgekommen sind zwei Clips, in denen der Sound der Indie-Größe mal etwas zurückgelehnter wirkt, nicht so drängend und hektisch wie sonst - und seltsamerweise trotzdem toll ist. Hier geht's zur Session, die auf My Old Kentucky Blog zu sehen ist. Per Link kommt von der Seite auch noch zu einer älteren Session, wo man "Now We Can See" anschauen kann.

Live-Termine:

29. Juli - Großefehn, Omas Teich Festival
30. Juli - Dortmund, Juicy Beats Festival
5. August - Freising, Prima Leben Und Stereo Festival
7. August - Stuttgart, Universum
8. August - Heidelberg, Halle01
13. August - Feldkirch (Österreich), Poolbar Festival

Dienstag, 3. Mai 2011

Düster und großartig: Rigna Folk verbeugen sich vor der Nacht

Eigenständig und dunkel: Rigna Folk.                                        Foto: pr
Wenn Filmemacher eine düstere Atmosphäre schaffen wollen, haben es ihnen zwei Stilmittel in der Regel besonders angetan: Regen und Nacht. Die Ulmer Artrock-Band Rigna Folk fühlt sich zu beidem hingezogen - und beschwört mit ihren Songs die Atmosphäre des Film Noir. Bald könnte die Band beim Southside Festival auf der Bühne stehen.

Der Musik liegt ein Konzept zugrunde, das sich um das "Regenvolk" (das heißt Rigna Folk auf isländisch) dreht. Das Regenvolk besiedelt eine Parallelwelt, in der es ständig regnet. Eine weitere Konstante: Der Zeitgeist der 1930er-Jahre und eine neue politische Richtung, die Technokratie, herrschen dort. Die Welt besteht nur noch aus einer großen Stadt namens Astropolis. Ähnlich wie bei den US-Progressive-Rockern von Coheed and Cambria ist das Story-Konzept der Fixpunkt, um den sich die Musik und auch die Videos drehen. Rigna Folk, das sind Viktor Nordir (Gitarre, Gesang), Jens Schalle (Gitarre, Synth), Chriss Fakler (E-Bass) und Vlad Müller (Drums).


Jetzt hat sich das Quartett für den Bandwettbewerb der Schwäbischen Zeitung qualifiziert: Am Samstag, 14. Mai, steht die Band im Abdera in Biberach auf der Bühne (nähere Infos folgen) und kämpft mit den Bands Stereogain, Manarun, Neverhad und den Latin Loosers um einen Auftritt auf dem Southside Festival in Neuhausen ob Eck. Am Ende entscheidet das Publikum, wen es am Southside sehen will.

Seit März 2011 gibt es neues Material der Band: Die drei Songs umfassende Nox EP und ein dazugehöriges Video. Und was uns die Ulmer da bieten, klingt großartig. Unfassbar, wie da vier junge Kreativköpfe mit musikalischen Mitteln exakt das vertonen, was ihr Konzept ist: Nacht - so auch der lateinische Name des Titelsongs - und eben den Regen. Denn "Nox" klingt vor allem danach: Man muss nicht mal die Augen schließen, um sich in einem Auto auf einer nächtlichen Straße zu wähnen, während die Scheibenwischer mühsam den Regen von der Frontseite schieben. Die Gitarren flirren, dazu gesellt sich ein federleichtes Schlagzeug, Synth und Bass und der klagende Gesang. "Pablum" kombiniert Akustik-Gitarre uns Synthie-Sound auf elegante Weise und gemahnt trotz aller Reduziertheit gar an die Klanglandschaften von Blackmail. Ein klackernder Bass eröffnet "Nex", das allein von seinem Duell von Samples wie aus einem Filmdialog und den Instrumenten lebt.  Meist sagt man ja "Diese Band klingt wie diese und jene Band". Rigna Folk klingen nach Rigna Folk. In einer Zeit, in der alles schon mal da war und alles wiederkommt, eine ziemliche Leistung.

Nacht ("Nox") und Tod ("Nex") liegen nahe beieinander, nicht nur wortmäßig.Diese Band hat begriffen, warum es "Schlafes Bruder" heißt. Gebt solch goßartigen Musikern Preise, nicht den Knallchargen, die bei den Witz-Veranstaltungen wie Echo oder Comet auf der Bühne stehen!

Den Titeltrack der Nox EP kann man sich an dieser Stelle downloaden. Zum Videoclip geht es hier entlang.

Für das Video zu "Nox" zeichnet Sänger und Gitarrist Viktor Nordir verantwortlich. Tinnitus Attacks hat sich mit ihm unterhalten. Das Interview gibt es hier (oder einfach runterscrollen).

"Wir sind Träumer und Nachtschwärmer": Viktor Nordir von Rigna Folk im Interview

Viktor Nordir, Sänger und Gitarrist von Rigna Folk.                                Foto: pr

Rigna Folk sind eine der vielversprechendsten Bands des Landes. Im Interview mit Tinnitus Attacks-Blogger Daniel Drescher spricht Sänger und Gitarrist Viktor Nordir über die Musik, Einflüsse und Ziele.

Tinnitus Attacks: Wie entsteht ein Song bei Euch? Was kommt zuerst, Text oder Riffs/Musik?
Viktor Nordir: Musik und Melodien kommen sehr oft zuerst. Bei rifflastigen Songs machen die Riffs den Kern. Texte entstehen mitten im Kreativprozess, Instrumentalstücke aus Jams.

Tinnitus Attacks: Kannst Du ein bisschen von Dir erzählen? Wie alt bist Du, was machst Du beruflich? Und vor allem: Was sind Deine Lieblingsfilme und -bücher?
Viktor Nordir: Ich bin 23 und studiere Digital Media an der Hochschule Ulm. Meine Lieblingsbücher sind "1984" von George Orwell” und "Brave New World" von Aldous Huxley. Zu meinen Film-Favoriten zählen: Donnie Darko (der Soundtrack vor allem), China Town, Laura, Koyaanisqatsi und Sunset Blvd. 

Tinnitus Attacks: Kann man Dich als Frontmann oder Mastermind bezeichnen? Du scheinst Die Band immerhin stilistisch sehr zu prägen.
Viktor Nordir: Ich habe die Band 2008 gegründet, aber die Bezeichung Frontmann/Mastermind mag ich nicht, da ich die Teamarbeit sehr schätze. Früher war ich der alleinige Songwriter, aktuell gibt es immer mehr Kollektivkompositionen. Visuelles Erscheinungsbild und Pressearbeit sind meine Bereiche. Die Veranstaltungstechnik und Recording, Fahrzeugverleih/Orga und finanzielle Aspekte machen Chris, Jens und Vlad.

Tinnitus Attacks: Was macht Ihr alle neben der Musik?
Viktor Nordir: Jens Schalle (Gitarrist und Synth-Spieler) arbeitet in der Medientechnik. Vlad Müller (Drummer) studiert Medieninformatik. Und Chriss Fakler, unser Bassist, arbeitet im Sozialen Bereich.

Tinnitus Attacks: Ist es Euer Ziel, mal von der Musik leben zu können? Was bedeutet Euch Erfolg?
Viktor Nordir: Aus der unbehaglichen kommerziellen Perspektive: Wir machen Nischenmusik in einer Zeit des Internets. Gut für uns. Unsere Zielgruppe ist in einem Unterbereich von Indiemusik anzusiedeln. Genau diese Leute zu erreichen, bedarf es viel Eigenregie, Zeit und externer Promounterstützung. Die Promo und Marketing-Geschichte könnte man erst dann wirkungsvoll umsetzen. Eine richtig Breite Masse zu erreichen (aufgrund der speziellen Musik), als eine deutsche Band, ist utopisch. Es gab vereinzelt Äußerungen, das sich durch unser Alleinstellungsmerkmal große Vorteile ergeben, allerdings ausschließlich in der Indie/Prog-Sparte. Zu den Berufen: Es ist noch sehr viel Luft nach oben zeitlich. Mit externer Hilfe könnte man neben Studium und Beruf die Zielgruppe erreichen, bis zu 50 bis 80 Konzerte im Jahr spielen. Vor Augen führen wir uns immer wieder die Einstürzenden Neubauten und aktuell Get Well Soon, die ihre Nischenmusik zum Beruf gemacht haben. Wobei diese Künstler eher Kirchenmäuse sind.

Aus der künstlerische Perspektive, die uns so viel lieber ist: Unser Antrieb ist die Fantasie.Wir sind Träumer und nutzen jede Gelegenheit dazu, unsere Visionen und Ideen Realität werden zu lassen, denn wir können es. Wir haben das Glück, in Bereichen zu studieren und zu arbeiten, mit denen wir die Musik kombinieren und bereichern können. Wir legen großen Wert auf unsere Erfahrung und die Menschen, die uns unterstützen, denn nur zusammen mit der wachsenden Fangemeinde wächst auch Rigna Folk.


Tinnitus Attacks: Ihr bezieht Euch auf die 30er Jahre, die ja nicht gerade als positives Jahrzehnt in die Geschichtsbücher eingangen sind. Wieso die 30er? Habt Ihr Angst, dass Euch Leute, die sich nicht so sehr mit Euch beschäftigen, in eine bestimmte Ecke rücken?
Viktor Nordir: Bei uns geht um den Zeitgeist in den USA und dabei beziehen wir uns auf die Atmosphäre der amerikanischen Filme, die Kleidung der Menschen und die verschlossenen Charaktere. Die Technokratische Partei, die im Hintergrund eine wachsende Bedrohung versinnbildlicht, ist zurückzuführen auf George Orwells Roman "1984". Uns geht es um genau diese verstörende Atmosphäre in einer düsteren Welt. Das ist vor allem die Thematik des Konzeptalbums “Astropolis”.

Tinnitus Attacks: Was für ein Verhältnis hast Du zur Nacht? Eure Songs klingen sehr nach Nacht.
Viktor Nordir: Das Geheimnisvolle ist es wohl, was man seit der Kindheit mit der Nacht assoziiert. Das Unbekannte ist immer interessanter als das Bekannte. Ungewissheit ist meiner Ansicht nach ein großer Antrieb der Fantasie. Uns gefällt es, fiktive Geschichten zu erzählen, und nicht über das Leben wie es ist zu berichten. Nacht regt zum Träumen an. Das Leben lebt man tagsüber. Doch in der Nacht kommt dieser Zauber, diese Ruhe, dieses Unbehagliche... Wir sind in der Band allesamt Nachtschwärmer

Tinnitus Attacks: Welche Musiker inspirieren Dich/Euch?
Viktor Nordir: Pink Floyd, Radiohead, Sigur Rós, Depeche Mode, Nine Inch Nails, Mogwai und Porcupine Tree - diese Bands sind die definitive Schnittmenge unserer Band.

Tinnitus Attacks: Wird das Konzept immer Teil von Rigna Folk sein?
Viktor Nordir: Definitiv. Es wird wachsen, sich weiterentwickeln, mit Geschichten bereichert werden... Das ist unser Ding.

Mehr: www.rignafolk.de und www.myspace.com/rignafolk

Montag, 2. Mai 2011

Müder Montagmorgen? Nicht mit den Mad Caddies

Erst vergangene Woche haben die Skapunkrocker Mad Caddies einen äußerst sehenswerten Live-Auftitt von 2009 über Twitter verbreitet (hier der Blog-Eintrag dazu). Nun haben sie nochmal nachgelegt. Auf Youtube kann man einen 45-minütigen Gig von 2001 bewundern, wo die Band auf dem Bizarre Festival aufgetreten ist (wow, das gab's damals noch).

Genau das richtige für einen müden Montagmorgen.

Sonntag, 1. Mai 2011

Sonntags-Matinée: Schönheit hat viele Stimmen

Deine Stimme zählt. Wenn das wahr ist, könnten die Fleet Foxes die Realität verändern. Lebt Ihre Musik doch seit dem Debüt von ihrem mehrstimmigen Gesang. Und irgendwo verändert diese Musik die Realität auch. Sie lässt einen alles andere vergessen.

Ganz unschuldig sind die Fleet Foxes nicht am Folk-Revival, das uns zeigt, wie wichtig dieses Blockhüten-Feeling in einer von Smartphones dominierten Welt ist. Mit ihrem choral wirkenden Gesang haben sie etwas Eigenes geschaffen, was sie selbst als "baroque harmonic pop jam" bezeichnen. Ihr Debüt verzückte 2008 die Indie-Szene. Jetzt also der Hilflosigkeits-Blues. So hilflos klingt das aber ganz und gar nicht. "Montezuma" eröffnet den Reigen, und sofort ist das Gefühl wieder da. Weite, klare Luft, Schneegestöber, Sonnenlicht - man kann es förmlich fühlen. Kurios: Ich habe diese Gedanken, surfe auf die offizielle Seite der Band und sehe genau das als Video-Hintergrund. Die Seattle-Hippies machen Musik, die so vom gestern geprägt ist mit ihren Anklängen an Crosby, Stills, Nash & Young, und doch so perfekt zum heute passt. Eben, weil niemand ständig erreichbar sein und sein Leben im Rhythmus der Twitter-Updates leben will. "Bedouin Dress" könnte auch im Radio laufen - wenn man in den 60ern in einem chromblitzenden Chevy durch die Straßen rollt. "Sim Sala Bim" bringt einen mit den Gitarren zum Lächeln, das überragende "Battery Kinzie" haut einen völlig aus den Socken. Danke, dass wir das hören dürfen. "All the way home"? Ja, passt. Die Fleet Foxes hören ist, als ob man nach hause kommt - und der heiße Tee steht schon bereit. Und so geht das immer weiter, man könnte jeden Song einzeln aufzählen, wenn man die Anspieltipps aufreihen wollte. Jeder Song eine Offenbarung. Klar, im Kern ist das Pop. Hier geht es mal nicht um Abgründe, um Zerrissenheit, um die klassischen Rock'n'Roll-Themen. Muss es aber auch gar nicht immer. Bei den Fleet Foxes reicht es, dass sie Schönheit in Klänge fließen lassen. Für solche Musik wurde Vinyl geschaffen: um die Zeit zu überdauern, weil sie zeitlos ist.

"Helplessness Blues" von den Fleet Foxes ist am 29. April erschienen bei Cooperative Music, im Vertrieb von Universal. Hören kann man die Platte im Stream an dieser Stelle.