Samstag, 30. April 2011

Depri-Folk fürs Auge: Josh T. Pearson unplugged

Mit "Last Of The Country Gentlemen" hat er ein monumentales Depri-Folk-Meisterwerk und eine der besten Platten des Jahres vorgelegt (meine Rezi könnt Ihr hier lesen): Der amerikanische Prediger-Sohn Josh T. Pearson. Jetzt gibt es ein cooles Video, das den bärtigen Songwriter unplugged (gut, das ist er eh meistens) zeigt. Auf der Seite des italienischen Rolling Stone kann man das Video anschauen (hier entlang). "Woman When I've Raised Hell" gibt es zu hören. Und immer bleibt die Frage, wo man so viel Verzweiflung und so viel Gefühl hernimmt. Aber vermutlich kommt es gar nicht auf die Antwort an, sondern aufs Zuhören.

Freitag, 29. April 2011

Titus Andronicus huldigen New Jersey

Titus Andronicus haben mit "The Monitor" eines der Highlights 2010 abgeliefert. Ihr stampfender Pubrock mische Vibes von Springsteen und Nirvana, hat mal jemand sehr treffend geschrieben.

Jetzt gibt es den Videoclip zu "No Future Part Three - Escape From No Future" vom aktuellen Album zu sehen. Patrick Stickles, Frontmann der Band aus New Jersey, sagt im Intro, der Bundesstaat sei mehr als Sopranos und Jersey Shore. Dann tritt er den Beweis an. Was dann kommt, muss man selbst gesehen haben. Eins jedenfalls ist klar: Es weckt den Wunsch, mit so coolen Typen Party zu machen. Enjoy!

Der Barde mit der Gitarre: Frank Turner im Stream

Man muss ihn einfach lieben: Frank Turner, "International Crime Fighter, skinny half-arsed Englisch country singer", wie er sich bei Twitter beschreibt. Im Grunde ist der Brite ununterbrochen auf Tour. Vor wenigen Stunden stand er in der Knitting Factory in Brooklyn auf der Bühne. Das Konzert wurde live im Internet übertragen. Und weil 4 Uhr in der Früh etwas sehr früh ist, um einen Live-Stream zu schauen, gibt's den Auftritt an dieser Stelle als Aufzeichnung. Freuen wir uns über ein Konzert das eine Stunde und 40 Minuten dauert. Wer weiß: Wenn man das Konzert heute taktisch klug guckt, entgeht man vielleicht dem Royal Wedding Hype.

Frank Turner in der Knitting Factory in Brooklyn.
                                                          Screenshot: Drescher
Frank Turner ist bestens aufgelegt, etwas Jetlag-geplagt, aber gut bei Stimme und mitreißend wie immer. Ach ja: Er steht ganz allein mit seiner Gitarre auf der Bühne. Und er kann das. Neben Songs von "Love, Ire and Song" und "Poetry of the Deed" gibt es natürlich auch Stücke vom kommenden Album "England Keep My Bones". Die Rock'n'Roll-Hymne "I still believe" etwa, mit ihrem so treffenden Text: "Who'd have thought that after all something as simple as Rock'n'Roll would save us all". Ich für meinen Teil kann das unterschreiben. Auch die erste Vorab-Single "I Am Disappeared" klingt live exzellent.

Wer Frank Türner im Süden der Republi erleben will: Am 20. Juni kommt er nach Lindau in den Club Vaudeville (hier geht's zum Blog-Eintrag dazu, wo man sich auch die neue Single "Peggy Sang The Blues" anhören kann).

Donnerstag, 28. April 2011

...Trail of Dead beschwören die toten Seelen

Ihr Album "Tao of the Dead" gehört zum Spannendsten und Besten, was 2011 bisher zu bieten hatte: ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead enttäuschen auch diesmal nicht, wie man ja bereits in meiner Rezension (hier) lesen konnte.

Jetzt legen Sie das Video zu "Summer Of All Dead Souls" vor. Ein schwarzweißer Trip, der mit stummfilmartigen Zwischentiteln, reichlich Hokuspokus und einer Dame namens Lucy aufwartet. Gruselig, wenn sie in den Spiegel schaut und hinter ihr die fahlen Geisterschatten erscheinen... Und dann ist da ja noch der dunkle Anhänger. Zu den Klängen des peitschenden Gitarrensturms werden wir Zeuge einer Seance, die aus dem Ruder läuft. Und natürlich dürfen auch diverse Verweise auf das Steampunk-Universum der amerikanischen Indie-Institution nicht fehlen. Auch die großartige Kunst von Sänger und Gitarrist Conrad Keely ist wieder im Bilde. So macht Videos schauen Spaß.

Amanda Palmer und die Turbo-Band

Man kennt ihn als Autor düsterer Werke wie "Coraline" oder "American Gods": Neil Gaiman. Für die Live-Sessions des amerikanischen Spin Magazine stand er bereits mit seiner Frau Amanda Palmer (Dresden Dolls) auf der Bühne. Jetzt hat eben jene ein ambitioniertes Experiment gestartet: Bei der "Rethink Music Conference" im Berklee College of Music in Boston kam sie mit der Idee um die Ecke zu testen, wie schnell man Songs schreiben, aufnehmen und veröffentlichen könnte. Das ist keine drei Tage her. Sie ging mit Neil Gaiman, Songwriter Ben Folds und Damian Kulash von OK Go ins Studio und nahm in acht Stunden die Songs auf. Das Ganze wurde live aufgezeichnet und gesendet. Das Resultat: "8in8", so der Bandname, und das Album "Nighty Night".

Amanda Palmer bei einem Auftritt 2008.
                                                               Foto: Desha Metschke
Mehr Details und einen ersten Höreindruck in Form des Songs "One Tiny Thing" hat Spin online hier, das komplette Album kann man sich an dieser Stelle verabreichen. Und wie der geniale Mr. Gaiman das Ganze auf seinem Blog verarbeitet hat, ist ebenfalls lesenswert: Hier lang.

Klingt weltklasse, Musik, die in manchen Momenten großartig zur düsteren Werkreihe "Sandmann" von Neil Gaiman passen würde. Fazit: Braucht man.

Mittwoch, 27. April 2011

Anvil wollen's wissen: Neuer Song "FukenEh!" auf Youtube

Neuigkeiten von Anvil, den grundguten Kanada-Metallern: Es gibt einen ersten Höreindruck vom neuen Album "Juggernaut of Justice", das am 10. Mai erscheint. Das Metal-Trio hat den Track "FukenEh!" auf Youtube online gestellt (siehe Video weiter unten). Wie das britische Musikmagazin NME online berichtet, haben Steve "Lips" Kudlow, Robb Reiner und Glenn "Five" Gyorffy den Nachfolger ihres 2007er-Eisens "This is Thirteen" mit Produzent Bob Marlette im 606-Studio von Foo Fighters-Boss Dave Grohl aufgenommen.

Der Song klingt fantastisch. Simpel, direkt und ohne Schnörkel, mit einem wuchtigen Sound versehen, ballert der Song einem die Füllungen aus der Kauleiste. Wer wie ich mit Metal aufgewachsen ist, freut sich wie ein Kind, wenn er mal wieder Luftgitarre spielen darf.

Anvil sind die tragischen Helden des Heavy Metal: In der Doku "The Story of Anvil" beleuchtete Regisseur Sacha Gervasi 2009 die Geschichte der Band. Denn obwohl Szenegrößen wie Lars Ulrich (Metallica) oder Lemmy (Motörhead) voll des Lobs für die Speedster aus Kanada waren, schafften es Lips und sein langjähriger Freund Robb Reiner nie an die Spitze wie etwa die, von denen das Lob kam. Der Film zeigt den knallharten Alltag zweier Träumer, die so fest an ihrem Traum halten, dass nicht nur ihre Freundschaft schier daran zu zerbrechen droht. Der Film sorgte für jede Menge positive Publicity und ließ Anvil auch für viele interessant werden, die nicht typischerweise Metalfans sind - gerade, weil die Band so menschlich und verletzlich wirkt.

Hoffentlich geht "Juggernaut of Justice" durch die Decke. Ist es naiv, daran zu glauben? Dann bin ich gerne naiv.

Frank Turner mit neuer Single und Süd-Konzert

Frank Turner vergangenes Jahr
in Winterthur.     Foto: Drescher
Der sympathische Frank Turner direkt vor unserer Haustür? Danke, Musik-Gott. Am Montag, 20. Juni, kommt der britische Campfire-Punkrocker in den Lindauer Club Vaudeville. Im Gepack hat er sein Album "England Keep My Bones", das am 7. Juni erscheint. Frank Turners Auftritte sind gutgelaunte Punkrock-Parties, bei denen das Bier vor Freude etxra heftig schäumt.

Inzwischen gibt es auch neue Eindrücke vom kommenden Album: Die Single "Peggy Sang The Blues" gibt es bei Spin online als Stream (hier entlang). Der Song macht mit seinem groovenden Beat richtig Laune und Appetit auf das Album, das ein richtiger Kracher werden könnte. Nicht, dass die Vorgänger schwach waren, im Gegenteil. Aber wenn die Anzeichen stimmen, wird die neue Scheibe dem an Mitsing-Hymnen reichen Repertoire noch einige Live-Granaten hinzufügen. Bereits vor ein paar Wochen konnte man "I Am Disappeared" hören, einen Song, der mit jedem Hören besser wird (hier hab ich über den Song gebloggt).

"Peggy Sang The Blues" ist Frank Turners Großmutter gewidmet, die ihm laut Spin dabei geholfen hat, eine positive und individualistische Einstellung zu entwickeln. Das zeige sich auch im Mantra des Songs: "It doesn't matter where you come from, it matters where you go." Turner sagte Spin, eine negative Eigenschaft seiner Heimat sei die Fokussierung auf soziale Herkunft. Man darf annehmen, dass er am Freitag nicht vor dem Fernseher sitzen und sich den Hype Royale des Jahres einverleiben wird.

"Sie war total großartig", schwärmt Frank Turner bei Spin online über seine verstorbene Großmutter. Sie habe ihn mit Whiskey und Poker in Berührung gebracht, als er zehn war. Wer jetzt stutzt: Geschadet hat es ihm nicht. Frank Turner ist einer der wichtigsten Punkrock-Barden der Gegenwart.
Wie cool, dass er uns auch im Süden einen Besuch abstattet.

Dienstag, 26. April 2011

Mad Caddies live und in Farbe - und ein Griff in die Mottenkiste

Zeitreise mit Soundtrack: Es gibt Momente, da gräbt man in seinem Plattenschrank Alben aus, die man lange nicht gehört hat - und ist augenblicklich wieder da, wo man die Band entdeckt, erlebt und lieben gelernt hat. So ging es mir dieser Tage mit den Mad Caddies. Die kalifornischen Ska-Punkrocker waren in den vergangenen Jahren ja öfter im ClubVaudeville in Lindau zu Gast, wo ich sie auch mehrmals gesehen hab. Einmal mit den leider nicht mehr unter uns weilenden dänischen Mod-Rockern The Movement (denen mal noch ein eigener Post gewidmet wird), die eine der coolsten Bands überhaupt waren.

Dieser Tage also die "Live in Toronto" rausgezogen und geil gefunden. Dann die Idee: Die sind doch sicher bei Twitter. Was macht der Freund, den man aus den Augen verloren hat. Ich folge. Und prompt der Treffer: Die Band hat einen Link zu einem Auftritt auf dem Area4 Festival 2009 gepostet. Bei Youtube kann man sich die brillant aussehende und klingende Chose anschauen, hier geht's zum Video. Mein Gott, was für eine Hitfabrik. Melodische Kracher am Fließband - aber ohne Ermüdungseffekt.

Die Mad Caddies haben für mich auch deshalb einen riesigen Wert, weil sie eine der ersten Bands waren, über die ich für die Schwäbische Zeitung geschrieben hab. Als die Band Mitte November 2004 im Club Vaudeville zu Gast war, hab ich darüber geschrieben und meine ersten Erfahrungen als Musik-Journalist gemacht. Sieben Jahre ist das her, unfassbar. Nun blogge ich die vermutlich veraltetste Konzertkritik im Netz. Sentimental, aber egal. Erschienen am 15. November 2004 in der Lindauer Zeitung. Siehe nebenan.

Mehr Im Netz auf der offiziellen Seite www.madcaddies.com und auf Myspace: www.myspace.com/mad_caddies

The Low Anthem-Konzert auf NPR

Die amerikanischen Indie-Folk-Genies The Low Anthem beglücken uns mit einem rund 20-minütigen Live-Set, das man auf der US-Musikplattform NPR hören kann. Hier geht’s zur Session, die man auch herunterladen kann, wenn man sich registriert. Dass die Musiker mit „Smart Flesh“ eines der eindringlichsten und intensivsten Alben des noch jungen Jahres 2011 vorgelegt haben, ist längst kein Geheimnis mehr (Rezension aus meiner Reihe Sonntags-Matinée gibt’s hier). Ihre Musik ist so tröstlich, so tiefgründig und so grundgut, dass man sie nie mehr aus den Ohren verlieren will.

Das Minikonzert zeigt die Band in Hochform, die reichhaltige Instrumentierung des Albums findet ihren Weg auch auf die Bühne. Klarinette, singende Säge und vieles mehr ist zu hören. Man hört oft Leute sagen, die Musik hätte sie gerettet. Bei dieser Band kann man das nur unterschreiben.

Die Setlist sieht so aus:
„Ghost Woman Blues“
„Matter of Time“
 „Hey All You Hippies“
„Boeing 737“
 „Love and Altar“

Sonntag, 24. April 2011

Blackmail lassen in "Anima Now!" reinhören

Eigentlich finde ich es charmanter, wenn Bands ihre Alben ohne große Vorwarnung raushauen, so wie es The Raconteurs 2008 mit ihrem Zweitling "Consolers Of The Lonely" gemacht haben. Blackmail gehen momentan einen anderen Weg: Seit vergangener Woche gibt es jeden Tag einen Song vom neuen Album "Anima Now!" zu hören, das am Freitag dann in den Läden steht. Hier kommt Ihr zur Internetseite der Band, wo die Songs bereitstehen.

Ich habe bewusst abgewartet, bis etwas mehr als die Hälfte zu hören ist, um einen konkreten Eindruck zu bekommen. Fazit bisher: Blackmail haben den Sängerwechsel unbeschadet überstanden. Matthias Reetz passt mit seinem Organ so gut zum Gitarrensound der Ebelhäuser-Brüder, dass man seinen Vorgänger Aydo Abay nicht wirklich vermisst. Die Songs klingen flächiger, luftiger als auf dem jüngsten Album "Tempo Tempo" von 2008. "Resonant Wave" zeigt die Band in Hochform, der Song ist ein Statement, nach dem Motto "So klingen wir, und das ist unser neuer Sänger". Auch die bereits bekannte Single Deborah (Video hab ich hier ja bereits gebloggt) mit ihrem hymnischen Refrain klingt großartig. Besonders sticht auch "Night School" heraus, ein Song wie geschaffen zur Untermalung von nächtlichen Busfahrten - berauscht auf der Rückbank.

Wie das Ganze live funktioniert, kann man bei den folgenden Tourterminen erleben. Prognose: Souverän.

06.05. Dortmund - FZW
07.05. Luzern - Schüür
13.05. Lyss - Kulturfabrik
14.05. Laufen - Biomill
17.05. Berlin - Magnet
18.05. München - 59 to 1
19.05. Köln - Luxor
20.05. Hamburg - Molotow
21.05. Koblenz - Dreams

Sonntags-Matinée: Der Soundtrack zur Auferstehung

Ganz schön lebendig klingt dieser Friedhof. Aber auch düster, bluesig und so schwer wie zentnerweise Friedhofserde. Wenn Tote wieder auferstehen, dann haben sie vielleicht Graveyards "Hisingen Blues" gehört. 

Das kommt also dabei raus, wenn Fastfood-Ketten in ihren Gratismagazinen über Musik schreiben: Im Heftchen einer großen Burger-Bräterei heißt es in der Rezension über diese Platte, die Band zitiere in ihrer Individualität viele andere Bands. Hä? Geht sowas? Weiter schreibt der Autor, die schwedische Rockband klinge uramerikanisch. Äh, nein. Was hier aus den Boxen strömt, tönt dermaßen nach den britischen Institutionen Led Zeppelin und Black Sabbath, dass 70er-Rock-Fans ihre helle Freude haben dürften. Zep meets Sabbath, da war doch mal was? Den australischen Rockern Wolfmother wurde dieser Sound auch attestiert, aber die haben sich mit ihrem Zweitling "Cosmic Egg" bekanntlich weitgehend selbst demontiert. Eine musikalische Druckwelle vom Ausmaß des Wolfmother-Debüts ist "Graveyard" nicht, aber die Schweden gehen auch ein wenig anders an die Sache heran, haben eher öfter den Blues als die dicke Rockhose an.

Mit dem Opener "Ain't Fit For Living" erwachen gleich Assoziationen an Robert Plant, stimmlich ist Joakim Nilsson da sehr nah dran. "No Good, Mr. Holden" schreibt augenzwinkernd die Legende vom "Backward Masking" fort, den unterschwelligen teuflischen Botschaften, die man nur beim rückwärts Abspielen hören soll. Apropos Satanisch: Bei Black Sabbath war es noch der Gehörnte himself, der den Menschen seine Hilfe anbot wie in "N.I.B." Das ist heute anders: Im Titelstück der Platte beschwört das Quartett den Stifter des Heavy Metals gleich mal selbst: "Oh Lucifer, Come Take My Hand". Ohne Deibel geht im Rock halt nix. Dabei haben die Musiker Hilfe von unten gar nicht nötig. Wer so unfassbar coole Songitel wie "Uncomfortably Numb" (Anspielung auf Pink Floyd) und "Ungrateful Are The Dead" (erklärt sich selbst) hat, spielt ganz weit vorne. Und dann stimmt eben auch noch die Songqualität. Ob treibend wie in "Buying Truth" oder bluesend wie bei "The Siren", alles passt wie der Deckel auf den Sarg. Herausragend: Das Instrumental "Longing", das mit seinem Morricone-mäßigen Pfeifen klingt wie der Soundtrack zu einem staubtrockenen Western, bei dem am Ende alle in der Holzkiste ein Stockwerk tiefer liegen.

Produziert hat das Ganze Don Alsterberg, der auch schon für The International Noise Conspiracy an den Reglern saß. Der Sound ist warm, transparent, aber auch voluminös und wuchtig. Im Booklet heißt es: "Vedervärdiga öro de ofördärvade". In einem Internetforum übersetzt ein User das mit "Die Abscheulichen sind die Unverfälschten." Da hat man es gerne abscheulich. Schweden bleibt guter Boden für großartigen Rock'n'Roll.

Graveyard, "Hisingen Blues" ist erschienen bei Nuclear Blast, im Vertrieb von Warner. Das Digi-Pack enthält den Bonustrack "Cooking Brew".
Mehr: www.myspace.com/graveyardsongs oder auf der offiziellen Bandpage www.facebook.com/graveyardofficial

Samstag, 23. April 2011

The Head and the Heart bei Conan O'Brien

Vor zwei Wochen haben wir sie an dieser Stelle vorgestellt, gestern ist das Album erschienen, vorgestern waren The Head and the Heart beim abgedrehtesten Talkmaster der USA zu Gast: Conan O'Brien. Dort spielte die Band "Lost In My Mind" live, und wie. Da stehen sechs Musiker - fünf Männer, eine Frau - auf der Bühne und lassen mit ihrem leichtfüßigen Folk die Frage aufkommen, wozu es viel mehr als Gitarre, Drums, Schlagzeug und Klavier braucht. Diese Musik hat etwas von einem Refugium: Wenn man sie hört, ist man weit weg von allem anderen, es ist vertonte Schönheit, in Noten gefasste Harmonie. Hier geht's zum Clip.
Händchen für gute Musik: Conan O'Brien.
                                                                 Screenshot: Drescher

Hübsches Detail: Am Ende des Auftritts schüttelt Conan O'Brien den Musikern die Hände, als er zur bezaubernden Charity Rose Thielen kommt, gibt er einen katerhaften Schnurrlaut von sich, die Sängerin, die heute ihre Violine zuhause gelassen hat, muss lachen. Während die Kamera schon ausblendet, fällt Conan ein, dass er den Schlagzeuger ganz vergessen hat, und schüttelt ihm auch noch die Hand.
Sowas nennt man dann wohl "charmed".

Freitag, 22. April 2011

Der frühe Vogel fängt den Stream...teilweise

Ein stockender Live-Stream, eine nervtötende Moderatorin, dann die Erlösung: Das mit dem Social Distortion-Clip hat ja nicht so besonders funktioniert. Pünktlich um 5.38 aufgestanden, Computer hochgefahren, Seite geöffnet, passt. Der Stream lädt und läuft. Der erste Blick fällt auf eine wartende Menge, die vor einer Bühne mit Leinwand steht. Fans, die sich unterhalten, trinken, ihre Handys checken. Perfekt soweit. Ein irrwitziges Gefühl, über Internet mit anderen verbunden zu sein, obwohl man Tausende Meilen weit weg ist. Dann kann's ja losgehen.

Extrablatt: Mike Ness als Gangster im "Machine Gun Blues".
                                                                     Screenshot: Drescher
Bis der Stream stockt. Als es wieder geht, befragt eine aufgebrezelte Mikrohalterin Fans, ob sie schon mal Sex zur Musik von Social D hatten. Ah ja. Das interessiert einen natürlich brennen.

Dann irgendwann nach 6 Uhr früh - hier hat sich einiges verschoben - startet der Clip, der den kraftvollen "Machine Gun Blues" illustriert. Sehr geil gefilmt, 50er-Jahre-Sound im Intro, lässige Charaktere - ein richtiger Kurzfilm ist es geworden. Bevor der Song richtig losgeht, wieder das Stocken. Ob der Server unter der Last vieler Fans zusammenbricht? Ich bekomme jedenfalls gerade noch das Ende vom Lied mit. Das erzähle ich hier aber nicht. Das wäre sonst, als verriete man einem Star Wars-Neuling, dass Darth Vader Lukes Vater ist. Oder so.

So, ich geh wieder ins Bett. Den Live-Auftritt schau ich mir später an, wenn der Stream ruckelfrei aufgezeichnet im Netz steht. Dann muss auch der "Machine Gun Blues" nochmal sein.

P.S.: Den fast achtminütigen Clip jetzt in voller Länge gesehen. Sieht gut aus. Banküberfall, Schießerei, Gangster-Chic - man merkt, dass die Band Spaß am Schauspielern hat. Und nebenbei sieht man, mit welchem Look der verunglückte John-Dillinger-Streifen "Public Enemies" um Klassen besser gewesen wäre. Seht selbst.

Donnerstag, 21. April 2011

Video-Premiere im Stream: Social Distortion haben den "Machine Gun Blues"

Roll Out The Red Carpet: Orange-County-Punklegende Social Distortion feiert die Premiere ihres Videoclips "Machine Gun Blues" Rolling Stone online zufolge in der kommenden Nacht mit einer coolen Idee: Ab 11.15 pm ET (wenn ich mich nicht sehr verrechnet hab, müsste das 5.15 Uhr morgens hierzulande sein) gibt es die Erstaustrahlung im Stream auf www.rollingstone.com zu sehen. Den Clip selbst soll es um 11.45 pm ET zu sehen geben. Das Beste: Danach spielt die Band einen einstündiges Set mit alten und neuen Songs.

Ein Bild älteren Datums: Social Distortion bei einem Auftritt
im Jahr 205 in Köln.                                       Foto: Sten Rüdrich
"Machine Gun Blues" ist die erste Single vom aktuellen Album "Hard Times And Nursery Rhymes", dessen Rezension aus meiner Feder es hier zu lesen gibt. Social D-Frontmann Mike Ness ist im Video als Gangster zu sehen. Das passt. "I'm a guitar gangster without a tune", singt der Erfinder der Coolness in "Nickels & Dimes" vom 2005er Album "Sex, Love & Rock'n'Roll". Johnny Cash würde sich vielleicht ein bisschen freuen, wenn er sehen könnte, dass er Punkrocker mit seinem Outlaw-Image infiziert hat.

Ok, 5.15 Uhr ist eine unchristliche Zeit. Aber da lohnt sich früh aufstehen endlich mal.


P.S.: Ach ja, Wikipedia will, dass ich Euch wegen des verwendeten Bildes die Lizenzbedingungen mitteile. Das ist mit der Nennung dieses Links getan: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/legalcode

Musik trifft Literatur: Biffy Clyro und Mark Z. Danielewski treten zusammen auf

Die Verbindung liegt nahe. Wer schon gute Musik hört, wird in der Regel auch nicht gerade Konsalik oder Pilcher lesen. Das amerikanische Musikmagazin Spin bringt aus diesem Grund Bands und Autoren zusammen: Bei Live-Sessions zeigen Musiker und Schreiber, wie sich ihre Arbeit gegenseitig beeinflusst. "Liner Notes Series" nennt sich das Ganze, in der sich auch schon Nick Hornby und Ben Folds oder Amanda Palmer und Neil Gaiman zusammengetan haben.

Mark Danielewski bei einer Lesung
2006 in New York.
Foto: David Shankbone
Die schottische Rockband Biffy Clyro hat dafür mit Mark Z. Danielewski die Bühne geteilt, dem Autor des als bahnbrechend geltenden Buches "House of Leaves". Man kennt sich: Das aktuelle Album "Only Revolutions" hat den Titel vom aktuellen Roman des amerikanischen Schriftstellers geliehen.

Aus diesem Buch lesen Simon Neil und Mark Danielewski, die laut Spin seit einigen Jahren befreundet sind. Und dann sind da noch die Songs: "God and Satan" und "The Captain" gibt es zu hören und zu sehen, in Unplugged-Versionen mit akustischer Gitarre.

Hier geht es zur Spin-Seite, wo man sich das Ganze anschauen kann.

Mittwoch, 20. April 2011

Unterwegs auf den Festivals: The Strokes auf Tour

Die Strokes bei einem Auftritt 2006.
                                        Foto: MrMatt
Die schlechte Nachricht: In Deutschland ist bisher wohl kein Auftritt geplant. Es sei denn, ich hätte echt was verpasst. Aber immerhin: The Strokes werden europaweit bei einigen Festivals zu sehen sein. Jetzt sind die Tourdaten raus. Und die lesen sich so:

29.06. Hove Festival, Norwegen
01.07. Peace & Love Festival, Schweden
02.07. Roskilde Festival, Dänemark
03.07. Heineken Opener Festival, Polen
08.07. Oxegen Festival, Irland
12.07. Flipaut Festival, Italien
15.07. Benicassim Festival, Spanien
16.07. Super Bock, Super Rock, Portugal
21.07. Paleo Festival Nyon, Schweiz
27.08. Reading Festival, UK
28.08. Leeds Festival, UK

Tröstlich: Auf Audio Perv gibt es einen einstündigen Mitschnitt vom Auftritt der New Yorker Indie-Helden, der beim Coachella-Festival am vergangenen Wochenende aufgezeichnet wurde. Hier kann man sich den Gig - stylish in Schwarzweiß gefilmt - zu Gemüte führen. Man muss es positiv sehen: Am Bildschirm sitzt man quasi immer in der ersten Reihe. Naja. 

Hören Sie das: The Pains Of Being Pure At Heart bei Daytrotter

"The only thing I feel for this band is pure and boundless love. Thank you Daytrotter." So kommentiert ein Internetsurfer die Vier-Song-Session von The Pains of Being Pure at Heart, die es bei Daytrotter (eine Lobrede meinerseits auf die Seite gibt es hier) zum Herunterladen gibt. Hier geht's direkt zur Session. 

Eine Daytrotter-Session, die man hören
muss: The Pains Of Being Pure At
Heart.                  Foto: Pavla Kopecna
Und in der Tat: Was uns die Indierocker aus New York da kredenzen, muss man einfach lieben. Stürmisch, simpel, poppig, unbeschwert und fernab jeglicher Ironie klingen die Songs der Band. Manchmal glaubt man, Zeuge einer rockinfizierten Begegnung von The Cure und Death Cab For Cutie zu sein. Und dabei hat die 2007 gegründete Band gerade mal ihr zweites Album "Belong " draußen. Bei Daytrotter spielen sie unter anderem den Titeltrack des aktuellen Albums. 

Wenn Donnie Darko diesen Song (der sich perfekt auf dem Soundtrack des verspulten Kultfilms machen würde)  gehört hätte, wäre er vielleicht etwas positiver drauf gewesen. Das bleibt nun uns überlassen. 

Dienstag, 19. April 2011

Mumford & Sons sprechen übers zweite Album

Neuigkeiten von den Folk-Helden von der Insel: Mumford & Sons sprachen in einem Video des Rolling Stone, das man auf NME online sehen kann, über ihr neues Album, das bis Ende des Jahres aufgenommen sein soll. Sie seien keine Band, die sich für ein Jahr ins Studio zurückzieht, so Marcus Mumford. Das neue Album entstehe derzeit aus Ideen von Soundchecks und Songs, die man mit der Zeit geschrieben hätte, so die Band im Video-Interview. Die Band verstehe sich als Live-Band und es sei die beste Vorbereitung, die Songs live zu testen.

Bekommt bald einen Nachfolger:
Das Debüt von Mumford & Sons.
Mit "Sigh no more" war dem britischen Quartett 2009 aus dem Stand ein Debüt von Weltformat gelungen. Der Song "Little Lion Man" wurde zum Tanzflächen-Hit, vor allem die Zeile "I really fucked it up this time" lässt sich extrem gut mitbrüllen. Nicht umsonst landete das Album in den Bestenlisten vieler Musikmagazine: Der melancholische Folk zwischen Stampfhammern und Trauermomenten ist intensiv, live-tauglich hoch zehn und sehr eigenständig.

Album Nummer zwei wird zeigen, ob die Euphorie ein zweites Album trägt. Aber eigentlich sind sich da alle ziemlich sicher.

Montag, 18. April 2011

Encore: The Kills geben Conan O'Brien eine Zugabe

Klar, man könnte was darüber schreiben, dass Blink 182 ihren Auftritt beim Southside für dieses Jahr gecancelt haben, 2012 aber auftreten werden. Sie arbeiten an einer neuen Platte und brauchen länger als geplant dafür. Als Ersatz sind bereits Incubus verpflichtet. Das vermeldeten die Veranstalter heute.
Aber auch wenn ich Platten von beiden Bands im Regal hab, nehme ich diese Neuigkeit eher nur zur Kenntnis. Meine Headliner sind andere. Und was will man da bloggen, außer die Nachricht zu vermelden?
Hinter der Bühne: The Kills bei Conan O'Brien.
                                                                Screenshot: Drescher

Viel wichtiger ist, dass The Kills nicht absagen. Conan O'Brien würde mir vermutlich zustimmen: Nach ihrem Auftritt in seiner Show vergangene Woche gab das rockbare Duo noch eine Backstage-Zugabe: Jamie Hince und Alison Mosshart spielten "Pull A U" vom Debütalbum "Keep On Your Mean Side". Sehr cool, wie die angezerrte Gitarre und der stoische Beat sich mit den Vocals fetzen. Definitiv sehenswert, hier geht's zum Clip.

Don't Shut 'Em Down: Flogging Molly mit neuem Video

Kunst statt Kommerz: Längst gelten Videoclips nicht mehr nur als Verkaufshilfe für Single-Auskopplungen. Gut, es gäbe ohnehin kaum noch Musiksender, die meinen Musikgeschmack bedienen (vom großartigen GoTV mal abgesehen). Die bewegten Bilder haben sich jedenfalls zu einer eigenen Kunstform entwickelt, und gottlob setzen Bands aus Indie oder Punk nicht auf Videos, in denen Horden knapp beschürzter Mädels ihre sekundären Geschlechtsmerkmale in die Kamera halten (ja, sowas gibt's leider noch).

Zur Sache: Die Irish Folk Punks Flogging Molly haben vergangene Woche ihr neues Video "Don't Shut 'Em Down" veröffentlicht. Und das ist nicht weniger als ein Statement: "Save Our Jobs" liest sich die große Headline, die hinter den Musikern prangt. Zeitungsartikel blitzen auf, Krisenmeldungen, es geht um den Verlust des Berufs, die Bedrohung der Existenz. Und die Forderung, die auch aus einem Michael-Moore-Film stammen könnte: "Don't Shut 'Em Down". Visuell gelungen, der Sound überrascht: Der Vorbote des am 27. Mai erscheinenden neuen Albums "Speed Of Darkness" ist kein bandtypischer Folkpunk-Kracher, sondern überrascht mit seinem Bassintro und dem straighten Rhythmus. Die ersten Höreindrücke lassen darauf schließen, dass die Band ihren Sound nach dem bereits offener wirkenden "Float" nochmals verändert hat - ohne allerdings die Wurzeln zu verleugnen. Warum auch? Flogging Molly sind mit die wichtigsten Vertreter des Irish Folk Punk. Neben den raubeinigen Kollegen Dropkick Murphys (Hörtest von "Going Out in Style" hier) wirken Flogging Molly wie die belesenen Romantiker.

Übrigens: Wer die Band besser kennenlernen will, sollte sich die Band-Doku "Whiskey On A Sunday" zu Gemüte führen. Warum, lest Ihr im nebenstehenden Artikel, den ich 2006 geschrieben habe. Erschienen am 18. Juli auf der Szene-Seite der Schwäbischen Zeitung.

Sonntag, 17. April 2011

Sonntags-Matinée: Bekifft in der Wüste

Songs, so benebelt wie Homers Treffen mit dem roten Kojoten. Riffs, so tonnenschwer wie eine Horde Mammuts. Sound, so wegweisend für den Rock wie Newtons Apfel-Anekdote für die Physik. Die Geburtsstunde: Willkommen in der Welt von Queens Of The Stone Age.

Manche Bands suchen ein Leben lang nach ihrem Sound. Die Queens Of The Stone Age hatten da einen Vorteil: Gitarrist und Sänger Josh Homme hatte bereits bei den legendären Wüstenrockern von Kuyss gelernt, wie man Riffs so hoch wie Riesenkakteen stapelt, viel mehr brauchte es nicht. Unfassbar, wie ausgeprägt die QOTSA-Trademarks auf dem '98er-Debüt bereits sind. Seit Kurzem liegt das Debüt nun ein einer Neuauflage mit Bonustracks vor.

Der Opener "Regular John" nimmt die Großtat "Go With The Flow" vom makellosen "Songs For The Deaf" (2002) vorweg, treibende Rhythmen, straighte Riffs und Josh Hommes Kopfstimme geben die Richtung vor. "Avon" zeigt allen Möchtegern-Alternative-Metallern, wie heavy geht und schiebt sich groovend durch die Hirnwindungen. Zu "If Only" möchte man einfach nur tanzen und den Schellenkranz schwenken. Und auch der Rest fällt nicht ab: Warum können Bässe nicht immer so schön dominant sein wie bei "You Can't Quit Me"? Warum können Instrumentals nicht immer so fesselnd sein wie "Hispanic Impressions"? Und "I Was A Teenage Handmodel" mit seinen Bongos, den abgedrehten Sounds - von Pissoir bis Space-Soundkulisse - lässt die Frage aufkommen, was die Herrschaften sich eigentlich so verabreichen, bevor es ans Aufnehmen geht.

Der neu gemasterte Re-Release ist um drei Bonustracks reicher: "The Bronze" beginnt sphärisch-schwebend beginnt und entwickelt sich zu einer Gitarrenorgie mit vertracktem Rhythmus. Das unfassbar cool betitelte Instrumental "These Aren't The Droids You're Looking For" hätte sich auch Han Solo auf seinen iPod gezogen. Und das ebenfalls ohne Gesang auskommende "Spiders and Vingaroons" haut einen genauso um wie ein zu heftiges Sonnenbad in der Wüste.

P.S.: Bei Conan O'Brien hat die Band jüngst "If Only" gespielt. Hier geht's zum Video.

Samstag, 16. April 2011

The Kills akustisch und bei Conan O'Brien

Akustisch können sie auch: The Kills. Screenshot: Drescher
Sie tragen ihren Namen schon zu Recht: The Kills sind killer. Dass sie nicht nur bluesig-dreckig rocken können, sondern auch mit akustischer Gitarre eine gute Figur machen, beweist ein Video auf dem Musicblog Yourstru.ly. Dort kann man sehen, wie Jamie Hince und Alison Mosshart den Song "Baby Says" vom neuen Album "Blood Pressures" (Rezension gibt's hier) spielen. Intime Atmopshäre, guter Song.

Etwas rauer geht's bei Conan O'Brien zu: In dessen Latenight-Show spielte das Duo jüngst "Satellite" (ebenfalls von "Blood Pressures"). "We're thrilled they're with us tonight", sagt der Mann mit der coolsten Tolle im TV. Er hat so Recht.

Auf Spin online gibt's die beiden Clips.

Freitag, 15. April 2011

Steady rollin', again: Two Gallants endlich wieder auf Tour

Diese Nachricht rettet den Tag, den Sommer, uns alle: Two Gallants gibt es wieder. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich in den vergangenen Wochen auf der Internetseite des Indie-Alt.Country-Duos war, um zu schauen, was es Neues gibt. Nun hat Visions online am Mittwoch verkündet, dass Adam Stephens und Tyson Vogel wieder gemeinsam auf Tour gehen werden.

Das ist ein weiterer Mosaikstein im großartigen Musik-Jahr 2011. Ihr Album "What The Toll Tells" gehört zu den besten Alben der vergangenen zehn Jahre, mischte Country-Klänge mit Punkrock-Feeling, kam waidwund und zerschossen daher, fragend und zweifelnd, wehmütig und sonnenverbrannt. 2006 bei meinem ersten Southside spielten die beiden Musiker im Zelt, es war ein Geheimtipp, das Zelt kaum voll, der Auftritt aber so intensiv und wahrhaftig, dass ich heute noch die Gänsehaut spüren kann, die sich in meinen Ohren bildete.

Mehr kann ich gar nicht schreiben - ich muss gleich Tickets bestellen. Steady rollin' - wieder, sagt man dazu wohl.

Hier die Tourdaten:

6. Juli: Zürich (CH) - Abart
7. Juli: Düdingen (CH) - Bad Bonn
12. Juli: Hannover - Cafe Glocksee
13. Juli: Münster - Gleis 22
14. Juli: Amsterdam - Paradiso

Donnerstag, 14. April 2011

Live on Letterman: Foo Fighters im Beatles-Look

Ja, durchaus. Ich hype die Foo Fighters hier gerade etwas. Auf Welt online hat ein Nutzer unter einen Artikel über die Band kürzlich kommentiert, man solle doch so unnütze Bands nicht hypen, weil das eh den Eindruck erwecke, Journalisten seien von Plattenfirmen gekauft.

Also ich bin nicht gekauft. Ich finde die Foo Fighters einfach abartig gut. Das Album hab ich auch gekauft, man hat mich nicht bestochen, insofern ist meine Meinung subjektiv, aber ehrlich.

Die Foos im Beatles-Look.                   Screenshot: Drescher
Bei "Live on Letterman" hat die Band nun ein 111-minütiges Set gespielt - in akribisch genau nachgestellter Beatles-Optik, weil es sich um dieselbe Bühne im New Yorker Ed Sullivan Theatre handelte, auf der die Pilzköpfe 1964 zum ersten Mal im US-Fernsehen autraten. Spin online präsentiert das Konzert an dieser Stelle. Wie Spin online schreibt, hat Dave Grohl Anfang der 90er in einer Beatles-Coverband gespielt - unter anderem zusammen mit Mitgliedern von Sonic Youth und den Afghan Wigs. Anzüge und Schwarzweiß-Optik dominieren und erinnern auf skurrile Weise sogar leicht an das Nirvana-Video "In Bloom". Die Foo Fighters spielen das neue starke Album "Wasting Light" (meine Besprechung in der Schwäbischen Zeitung gibt's hier) am Stück durch, danach kommen Klassiker wie "Monkey Wrench" und "Everlong" dran.

Man will nur noch niederknien. Wenn da das Rocken nicht so schwerfiele.

Von Bierbrauern empfohlen: The Hold Steady im Konzert

The Hold Steady beim Southside 2010.            Foto: Drescher
Man braucht kein grenzenloser Idealist zu sein, um es seltsam zu finden, wenn Musiker sich mit großen Marken einlassen. Aber diesmal passt die Verbindung wenigstens: Heineken präsentiert auf Youtube eine Reihe von zehn Videos, die die New Yorker Rock-Literaten The Hold Steady bei einem großartigen Konzert zeigen. Vagrant Records hat die Clips jetzt zugänglich gemacht. Hier gibt's die Aufnahmen, die vergangenes Jahr bei einem Konzert in der Music Hall in Williamsburg entstanden. Neben den betörend schönen Songs gibt es auch ein paar dokumentarische Eindrücke: Am Beginn einiger Videos reden der begnadete Texter und Sänger Craig Finn sowie Gitarrencrack Tad Kubler über Punkrock, über das Gefühl, Bands zu lieben, die einen fast elitären Fankreis haben, über die Freude am Liveauftritt und mehr. Es gibt einiges vom aktuellen Album "Heaven is whenever" zu hören und zu sehen, aber auch Songs älteren Datums wie "Stuck between stations". Die Bild- und Tonqualität ist berauschend. Und warum passt jetzt die Verbindung? Naja, so literarisch die Texte von The Hold Steady sein mögen, ihr Sound hat auch etwas von einem überschäumenden Bier, dieser unbändige Drive, diese Pubrock-Vibes, diese Launigkeit.

Ich hatte vergangenes Jahr die Ehre, Gitarrist und Co-Bandleader Tad Kubler telefonisch für die SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung zu interviewen. Den Artikel findet ihr nebenan, erschienen am 16. Juni 2010. Das Gespräch fand im Vorfeld des Southside 2010 statt, wo der Auftritt der Band mein persönliches Highlight war. Zum Glück hatte ich eine Digicam griffbereit, um den grundsympathischen Nerd-Gott Craig Finn in Aktion am Mikro zu fotografieren. Niemand kann so wunderbar abspacken. Den gelungensten Schnappschuss davon seht ihr oben.

Mittwoch, 13. April 2011

Hörtest reloaded: Foo Fighters' Neue in der SZ

Ein Tag war Pause, aber ich muss nochmal auf sie zu sprechen kommen: Die Foo Fighters. Weil kaum eine andere Scheibe derzeit derartig rauf und runter läuft, weil "Wasting Light" wirklich und wahrhaftig an die Großtat "The Colour and the Shape" rankommt und weil ich finde, dass das alle wissen müssen, gibt's Nachschlag.

Für die Szene-Seite der Schwäbischen Zeitung hab ich dieses Monsterteil von Album im größeren Rahmen besprochen, gestern (Dienstag, 12. April) ist der Artikel erschienen.

Wenn Dave Grohl und seine Vier beim Southside "Bridge is Burning" als Opener bringen, wird es genau jene vierzig Sekunden dauern, von denen in meinem Artikel die Rede ist. Dann haben sie die Menge in der Tasche. Ich werde einer davon sein. Was für eine Aussicht.

Dienstag, 12. April 2011

Konzertkritik: The Thermals in Aarau

The Thermals.
Support: The Coathangers.
Kiff, Aarau (CH), 11. April 2011 
Text und Fotos: Daniel Drescher 

Adern wie Stromkabel:
Hutch Harris in Aktion.
Die Adern am Hals von Hutch Harris treten so deutlich hervor wie Starkstromkabel unter einer Tapete. „Say you're wasting away/say you're wasting your days/I don't believe you“, spuckt er ins Mikro, das er später mit dem Handtuch abtrocknen wird. Sie müssen raus, die Gefühle, die Gedanken, die Textfetzen, die wirken, wie an einem verregneten Nachmittag im Diner auf die Serviette gekritzelt. Der erste Song, den Harris mit einem seiner besten Gitarrenriffs eröffnet, reißt sie gleich alle mit, die tanzwütigen Indie-Miezen, die extrovertierten Solo-Tänzer, die tapsigen Nerd-Mitwipper. Der urige Holzboden im Aarauer Kiff muss einiges aushalten.

Puls der Band:
Bassistin Kathy Foster
Es ist dieses Abrupte, was die Thermals dermaßen formidabel macht. Und unverwechselbar: Hutch Harris' Stimme würde man noch mit zugetackerten Ohren aus Tausenden heraushören, sie klingt derartig eindringlich, gehetzt, aufgewühlt. Es braucht eben nicht mehr als Gitarre, Bass und Schlagzeug, wenn die Substanz stimmt. Die Songs sind minimalistisch reduziert und so gut. Kathy Foster übernimmt mit ihrem Linkshänder-Bass gerne mal die Führung, besonders bei den pulsierenden Songs des aktuellen Albums „Personal Life“. Dabei wirbelt sie ihre Locken durch die Luft, lässt wüste Feedback-Orgien aus ihrem Instrument quellen und wirkt immer wieder wie der Mittelpunkt der Band. Wobei: Frontmann-Getue hat hier eh keiner nötig. Drummer Westin Glass macht ebenso den Anheizer, wenn er das Publikum zum Klatschen oder Mitsingen auffordert.

Immer auf den Punkt:
Westin Glass an den Drums
Stichwort Mitsingen: Kaum eine Band bringt es fertig, „Ooooohoooohoooo“s unprätentiöser klingen zu lassen. Ob bei der ungeschönten Zivilisationskritik „Now we can see“ oder der doppelbödigen Liebeserklärung „Your Love Is So Strong“, platt klingt dieses klassische Punk-Stilmittel hier nicht. Überhaupt sind die Thermals die Punkrocker unter den Indie-Musikern. Kurz und prägnant, immer auf den Punkt – so lieben die Fans das. Die Setlist lässt wenige Wünsche offen, alle Phasen werden gewürdigt. Nach dem fulminanten Auftakt gibt es „It's Trivia“ und „Brace And Break“ vom Debüt „More parts per million“, mit „Returning To The Fold“ dann die erste Verschnaufpause. Mit die meisten Songs stammen von „Personal Life“, dem introvertiertesten Album der Band. Funktioniert live aber einwandfrei, kein Wunder bei solchen Textzeilen: „You Only Exist To Be Replaced“. Hier analysiert jemand Beziehungen nicht, sie werden seziert. Vom furiosen Zweitling „Fuckin' A“ kommt der andere Großteil der Songs zum Zug. Das Album gilt vielen als der kreative Höhepunkt, bevor die Thermals mit „The Body The Blood The Machine“ etwas zahmer, aber nicht schlechter wurden.

Sie reißen ihre Songs schneller als auf Platte runter, kaum einer dauert ohnehin länger als drei Minuten. Nach 20 Songs, nach etwas mehr als einer Stunde ist Schluss. Der Vorhang schließt sich, die „Zugabe“-Rufe verhallen ungehört. Und was ist mit „No Culture Icons“ oder „God And Country“? Man kann nicht alles haben. Man hat trotzdem das Gefühl, eine der relevantesten Indie-Bands gesehen zu haben.

Überdreht: Die Coathangers spielen
Punkrock wie er beabsichtigt war.
Ach ja: Die Coathangers machen vorher ihren Job als Anheizer gut, haben aber mit dem klassischen Vorband-Syndrom zu kämpfen: Kaum jemand vor der Bühne. „You're a tough crowd“, konstatiert Schlagzeugerin Stephanie Luke. Der Sound der vier tätowierten Punkbräute ist kaputt und überdreht, völlig chaotische Keyboardeffekte drängen sich zwischen den unbekümmerten Gesang. Einsatz verpasst, Note schief? Egal. Punkrock. Klingt ein bisschen wie die „5.6.7.8's“ aus Tarantinos Kill Bill – wenn die sich immer brav 77er-Punkbands reingezogen hätten. Kathy Foster und Westin Glass von den Thermals tanzen dabei in der ersten Reihe. Die meisten waren wohl eher wegen dieser zwei und ihrem Starkstrom-Vokalisten gekommen. 

Mehr Fotos findet Ihr auf der Facebook-Seite von Tinntus Attacks.

Setlist The Thermals: 

I Don't Believe You
It's Trivia
Brace And Break
Returning To The Fold
We Were Sick
Our Trip
Every Stitch
Not Like Any Other Feeling
Never Listen To Me
Here's Your Future
I Might Need You To Kill
A Stare Like Yours
End To Begin
Power Lies
Your Love Is So Strong
Back To Gray
How We Know
Overgrown, Overblown
Now We Can See
Pillar Of Salt

Montag, 11. April 2011

Videos en masse: Foo Fighters live in Sydney

Unsere täglichen Foo Fighters gib uns heute: Eigentlich hätten Live-Auftritte der Foo Fighters bei David Letterman und Saturday Night Live hier landen sollen. Aber leider der übliche Hinweis: "Content nicht in Deiner Region" und so weiter.

Aber dafür werden wir entschädigt mit riesigen Clips von einem Konzert, das die Band Anfang des Monats im Hafen von Sydney gegeben hat. Hier findet Ihr die Videos. Neben den Songs vom großartigen neuen Album, das ich an dieser Stelle besprochen habe, gibt es auch Klassiker zu sehen/hören.

Ob es auch mal wieder was anderes als Foo Fighters gibt? Ja. Morgen. Vielleicht.

Sonntag, 10. April 2011

Garagen-Tour, Tag eins: Impressionen der Foo Fighters

Das nennt man dann wohl "back with a vengeance": Erst knallen die Foo Fighters uns mit "Wasting Light" ihr stärkstes und härtestes Album seit ichweißnichtwann vor den Latz, dazu gibt es eine Doku namens "Back and Forth", die man in 3D bestaunen kann (wenn man das Glück hat, dass sie in einem der wenigen Kinos in D-Land läuft) und passend zum Garagen-Flair ihrer neuen Scheibe spielen sie derzeit in den USA eine Reihe von Konzerten - in den Garagen ihrer Fans. Impressionen vom Tag eines ihrer Garagentour haben sie jetzt ins Netz gestellt (siehe Video unten). Wie großartig das sein muss - Dave Grohl und Co. bei Dir zuhause. Ihr Gastgeber John ist geplättet wie man es selbst wäre, stößt euphorisch aus: "If there's a better Rock'n'Roll band in the world - FUCK, there isn't." Derart geschmeichelt, hat Grohl die humorige, ihn auf Tour mitzunehmen und diese Ansage künftig vor jeder Show anstimmen zu lassen. Das hat etwas. 

Mich begleiten die Foo Fighters jetzt seit ihrem Debüt 1995. Das Video zu "Big me" fand ich spaßig, als die dann "Monkey Wrench" vom 97er-Brocken "The Colour and the Shape" raushauten, wusste ich: Die wollen nicht nur spielen. Die meinen's ernst. Ich musste mir die Single ins Regal stellen, bevor ich das Album hatte, das immer noch zu den Platten für die einsame Insel gehört. Wichtig ist mir jedes Album der Band. Nur mit "Echoes..." wurde ich nie richtig warm. Umso schöner, dass "Wasting Light" ein derartiger Geniestreich ist. 
Dieser Post ist hiermit beendet. Ich muss mir die Platte nochmal anhören. Schönen Sonntag. 

P.S.: Die Sonntagsmatinée entfällt heute. Hört einfach "Wasting Light". Immer und immer wieder. 

Samstag, 9. April 2011

Kopf + Herz = Neuentdeckung

Subpop kann sich nicht irren: The Head and the Heart heißt eine Neuentdeckung, die mit ihrem gemächlichen Folk die Herzen wärmen wird. Gerade einmal eineinhalb Jahre spielt das Sextett zusammen, hat sich aber bereits einen starken Ruf erspielt.

Am 22. April erscheint das Debüt der Band, die sich bei einer Open Mic Night gefunden hat, endlich auch hierzulande. Die Band ist bei Subpop unter Vertrag, dem Label, das man mit Namen wie Modest Mouse, den Thermals oder Low verbindet. Hier gibt es mehr Infos zur Band.

Auf der Myspace-Seite der Band kann man sich die Songs "Down in the valley" und "No one to let you down" herunterladen. Während "Down..." ein bisschen tönt wie Ryan Adams zu "Gold"-Zeiten und mit Piano und Akustikgitarre der perfekte Soundtrack für einen dösigen Mittag in der Hängematte ist, während die Sonne einem den Schädel versengt, klingt "No one to let you down" nach Herbstlaub, Mondschein und Zweisamkeit.

Einen Blick auf die Band im Video kann man auf der Internetseite des großartigen Vinyl-Wertschätzungstags Record Store Day erhaschen: Dort gibt es den Clip zu "Rivers and Roads" zu bestaunen.
Wer bei diesem Harmoniegesang keine weichen Knie bekommt, sollte sich mal die Ohren durchspülen lassen.

Freitag, 8. April 2011

The Low Anthem: Video zu "Boeing 737"

Die Indie-Folkrocker The Low Anthem illustrieren ihren Song "Boeing 737": Auf Spin online kann man den skurrilen Clip sehen, der wie eine Mischung aus "Where the wild things are" und Kostümfilm wirkt. Die Band jagt im Wald Seiltänzern im Vogelkostüm hinterher und ist selbst wie fahrendes Zirkusvolk verkleidet.

In "Boeing 737" bezieht sich die Band auf den französischen Artisten Philippe Petit, der 1974 auf einem Drahtseil zwischen den Zwillingstürmen des World Trade Center spazieren ging. Auch in Colum McCanns Buch "Die große Welt" geht es um diesen atemberaubenden Moment der Geschichte. Ich bin erst auf Seite 54, aber dieses Stück Literatur gehört jetzt schon zu meinen Top Five Büchern.

"Boeing 737" ist auf dem aktuellen Album von The Low Anthem zu hören, "Smart Flesh" heißt es und zählt für mich schon jetzt zu den Platten für die Topliste des Jahres. Wer die Besprechung auf Tinnitus Attacks noch nicht gelesen hat: Hier geht's lang.

Donnerstag, 7. April 2011

Guter Verlag, gute Musik - gute Kombination

Wer kennt sie nicht, die dünnen Heftchen in Bienenfarben? Goethes Faust, Schillers Tell - Meilensteine der Literatur sind im Reclam-Verlag erschienen, erschwinglich für Schüler. Gut, sonderlich beliebt waren die spartanisch aufgemachten Bücher nicht. Ich meine mich zu erinnern, dass ich "Maria Stuart" nie gelesen habe. Improvisationstalent rettete die Klausur dazu in den 2er-Bereich...

Aber egal.

Seit Kurzem gibt es nun die Reclam Musik Edition. Das Prinzip ist ähnlich: Große Namen, die typische Optik, zur Musik gibt's noch den Lerneffekt.

Eine ausführliche Besprechung von mir ist auf der Szene-Seite in der Schwäbischen Zeitung am Dienstag, 5. April, erschienen. Mehr dazu im nebenstehenden Artikel.

Mittwoch, 6. April 2011

Visuelles Experiment: Death Cab For Cutie mit neuem Video

Dabei sein, wenn Musiker einen Videoclip drehen? Geht normalerweise nur, wenn Komparsen gesucht werden und man großes Glück hat. Death Cab For Cutie gehen einen anderen Weg: Gestern konnte man im Internet live mitverfolgen, wie das Video zur Vorab-Single "You Are A Tourist" entstand. Die Band ließ das Video in einem Take aufzeichnen und übertrug es währenddessen ins Internet. Hier kann man das Resultat sehen. Falls der Content in Deinem Land nicht verfügbar ist (lieben wir nicht alle diesen Hinweis?), gibt es an dieser Stelle wenigstens den Song.
Das Video ist beeindruckend. Was im Internet zu sehen war, dauerte runde 15 Minuten, Techniker wuseln umher, alles führt zum eigentlichen Video hin. 

Erscheint am 27. Mai: Die Neue von DCFC.
Der Clip selbst zeigt viele LED-Lichter, Ballerina-Showgirls, Frauen im Schaukasten und die Band. Geprägt ist das Video von den langen Steady-Cam-Fahrten, die auch das Video zu "This Too Shall Pass" von OK Go so genießbar gemacht haben (und bei dem man sich immer gefragt hat, ob das wohl auch in einem Take geklappt hat). Kein Zufall: Tim Nackashi, der nicht nur für OK Go, sondern auch für Radiohead oder Elvis Costello gedreht hat, hat das Video gemeinsam mit Aaron Stewart-Ahn entworfen. 

"You Are A tourist" ist der Vorbote des kommenden Albums "Codes And Keys", das die Indierocker am 27. Mai veröffentlichen werden.


Update: Auf Rolling Stone online gibt es das Video in voller Länge zu sehen.

Error, Error: Die Zwangspause scheint beendet

Brille: hilft nix.              Foto: wikipedia
Es tut mir leid. Eigentlich hätte gestern Abend und heute morgen etwas Neues auf Tinnitus Attacks stehen sollen. Aber manchmal spielt das Netz nicht mit. Etwa, wenn der Internet-Anbieter irgendwelche DNS-Server umstellt, man weder per Mail noch per Telefon zum Kundenservice durchdringt und Erinnerungen an das Testbild hochkommen, das früher öfter mal über die Mattscheibe flimmerte.

Inzwischen scheinen die Probleme behoben und ich hoffe, Euch wieder ohne Störungen mit Subjektivem aus der Welt der guten Musik zu behelligen.

Weiterrocken.
Daniel

Dienstag, 5. April 2011

Fotos vom Videodreh: The Gaslight Anthem bebildern "Bring it on"

Erfreuliche Nachrichten aus New Jersey: Die begnadeten Punkrocker The Gaslight Anthem haben gerade das Video zu "Bring it on" abgedreht. Auf der Internetseite der Band aus New Brunswick gibt es die Fotos vom Shoot. Dieser Song gehört zu den starken Momenten des aktuellen Albums "American Slang" (meine Rezi von der Szene-Seite vom 29. Juni in der Schwäbischen Zeitung findet Ihr nebenan). Das haben die vier auch vergangenes Jahr in München bewiesen, wo die Band in der Tonhalle ein Wahnsinns-Set heruntergerissen hat - und einer der besten Songs war eben dieser. Gutes Händchen auch bei der Wahl der Vorband an jenem Abend: Chuck Ragan ist nicht nur mit Hot Water Music eine  Wucht, auch solo kann der Mann alles. Wie "Bring it on" live wirkt, hat man übrigens auch vergangene Woche bei Jimmy Kimmel gesehen (siehe Video).

Und dann sind da noch die Horrible Crows, das Nebenprojekt von Sänger Jimi Fallon und Ian Perkins. Die sollen ja laut Fallon klingen, als ob Tom Waits, the National, the Afghan Whigs, Bon Iver und Nick Cave mit Percy Sledge musizieren. 15 Songs seien bereits geschrieben, davon sollen elf oder zwölf auf einem Album landen, das Produzent Ted Hutt (Flogging Molly, The Gaslight Anthem, Dropkick Murphys) mischen wird. Die Aufnahmen beginnen am 2. Mai.

Sieht weiter so aus, als ob 2011 ein großartiges Jahr für gute Musik ist.

Montag, 4. April 2011

Nachruf: Elektropunk is dead

Einer der klügsten Köpfe der Musikszene dankt ab: James Murphy hat vergangenen Samstag in New York das letzte Konzert mit seiner Elektropunk-Band LCD Soundsystem gegeben. Drei Stunden und 41 Minuten verdammte Musik-Geschichte. Der Rolling Stone hat den Konzertbericht und die Fotos - und wir, die nicht dabei waren, den Trauerflor an die Stereoanlage gepinnt.

Electro ist nie mein Ding gewesen, aber es gibt Musiker in fast jeder Stilrichtung, die ich schätze, weil sie etwas zu sagen haben. Ihre Musik erschöpft sich nicht in platten Phrasen, ihre Videos nicht in plumpem Arschgewackel. So einer war James Murphy. Der Apparat hinter dem Ganzen, das verlogene Business war ihm immer zuwider, daraus hat er auch in diversen Interviews nie einen Hehl gemacht.

Was war das für ein Auftritt, 2010 am Southside: Ich stand da und dachte nur: "Ach so, Elektro kann also rocken". Eine fordernde Erkenntnis für einen Gitarre-Bass-Schlagzeug-Bevorzuger. Die Show hatte etwas Triumphales, aber auch etwas Trauriges, weil da ja schon klar war, dass das im Mai erschienene "This is happening" das letzte Album ist. Aus diesem Anlass nebenan die Plattenkritik, die ich damals - kann man ja sagen - für die Szene-Seite der Schwäbischen Zeitung geschrieben habe.

Sonntag, 3. April 2011

Sonntags-Matinée: Abschied klang niemals schöner

Wer ist eigentlich diese Alberta? Diese Band hat sie im Namen, die New Yorker Kollegen von Alberta Cross auch. Ein ist klar: Sie klingt verdammt gut. Immer. Auch, wenn sie sich zur Abreise fertig macht, wie der Albumname andeutet. 

Aber im Ernst: The Rural Alberta Advantage kommen aus Kanada (wo es auch eine Provinz namens Alberta gibt...), und da scheint ein Nest zu sein, wenn es um folkigen Indierock mit melancholischen Momenten geht. Der kommt auf dem Zweitwerk "Departing" daher wie der perfekte Soundtrack zum Sommer - wären da nicht diese latent wehmütigen Piano-Tupfer, die sich gegen die oft hektischen Drums absetzen wie die Blinklichter der Sturmwarnung in einem aufgewühlten See. Sänger Nils Edenloff scheint manchmal den aufziehenden Sturm übertönen zu wollen mit seiner nasal-gepressten Stimme, bei "Stamp" etwa.

Doch der "Tornado" rumpelt dann eher, als dass er hinwegfegt. Ist ja auch gut so. The RAA machen nicht viel anders als auf dem gefeierten Debüt "Hometowns", aber warum auch? Wenn man bei "Barnes Yard" auf dem Holzboden der alten Scheune nebenan wild drauflostanzen möchte, liefert dieses Trio die Musik dazu, wenn man seine Holde dann nach der Party in den Schlaf wiegen will, kommt "Good Night" gerade gelegen.

Überhaupt wirkt "Departing" wie ein Konzeptalbum, die "Two Lovers" aus dem Opener lieben sich heftig, dann folgt der "Breakup". Was war da los? Wem gehören die Autolichter das Wagens, der einem da aus dem Nebel des Plattencovers entgegenfährt? Vielleicht wird man das in Interviews und Geschichten über die Band erfahren. Bis dahin leckt einem "Departing" die Wunden, lässt einen Vasen an die Wand werfen, und flüstert einem immer wieder zu, dass man nicht verzweifeln soll. Wie auch, wenn man solche Tröster hat?

Samstag, 2. April 2011

Hörtest: Foo Fighters - Wasting Light

Der Tiger beißt wieder: Die Foo Fighters finden auf  "Wasting Light" zu ihren Stärken zurück: Härte, Melodien, Dynamik. Die Ängste, nach der Tom-Petty-Tribute-Single "Wheels" würde die Band als Radiorock-Konsens-Schmonzes enden, werden von Gitarrenwänden und Dave - höhö - Gröhls  Stimmbändern weggeblasen. 


Als Metallica nach den Bieder-Rock-Alben "Load" und "Reload" für die Fans des ursprünglichen Sounds schon gestorben waren, kamen die Bay-Area-Metaller mit dem rohen Klumpen "St. Anger" um die Ecke. Ein zweifelsohne wichtiges Album, kathartisch in der Wirkung, aber umstritten im Sound. Die Foo Fighters waren nicht so sehr vom Kurs abgekommen, kriegen die Kurve jedoch gänzlich ohne Diskussionen: Sie haben das Album in Dave Grohls Garage eingespielt, klingen aber nicht wie mit dem Kassettenrekorder mitgeschnitten.

Der halbgare Kurs des für Foo-Verhältnisse schwachen Vorgängers "Echoes, Silence, Patience & Grace" weicht dem, was jeder rockbare Fan will: Im Wechsel mit der Gitarren-Keule aufs Maul, um dann tröstend von einer Widerhaken-Melodie in den Arm genommen zu werden. Der Opener "Bridge Burning" braucht nur wenige Sekungen, um den Raketenantrieb zu zünden, "These are my famous last words" keift Grohl einem entgegen. Das Gefühl stimmt, das Grungige der Anfangsphase ist dabei, das Ungestüme des Debüts, die Klasse von "Colour and the Shape", aber auch das melodieverliebte von "Nothing left to lose". Man höre nur "These Days", das zeigt, wie kongenial die Band das Wechselspiel von Härte und Zartheit, Zuckerbrot und Peitsche beherrscht. So muss das klingen. Ohrenschmeicheln, aber gleichzeitig frontal. Dave Grohl kann viel zu geil röhren, als dass er immer nur sanft säuseln müsste. Der Mann ist einfach ein teuflisch guter Musiker, nicht nur, wenn er seine Kumpels von Tenacious D in "The Pick of Destiny" zum Ton-Duell herausfordert.

Aber die Foo Fighters sind auf "Wasting light" nicht nur Dave Grohls Kopfgeburt. Der Rückkehrer Pat Smear tut dem Bandgefüge merklich gut, das Gaspedal ist merklich härter duchgetreten ("A Matter of Time") als zuletzt. Dreckig wie "White Limo", bitte diesen Kurs halten, Mr. Grohl. Kein Fehler, Butch Vig an die Regler zu setzen. Das Pulver ist nicht nach ein paar Songs verschossen, mit "Walk" spielt sich die Band zum Schluss nochmal in einen Rausch, der ein nie weichendes Grinsen zwischen die Ohren zaubert. Die Foo Fighters haben ihre Zähne wieder entdeckt. Und werden auch morgen noch kraftvoll zubeißen.

P.S.: Offiziell müssen wir uns ja noch bis nächsten Freitag gedulden, aber auf der Internetseite der Band kann man das Album schon im Stream hören.

Freitag, 1. April 2011

2011, die Highlights bisher: Social Distortion – Hard times and Nursery Rhymes

Aktueller Anlass my ass.

Weil Social Distortion mich geprägt haben wie keine zweite Band, weil Mike Ness mich gelehrt hat, dass Selbstmitleid wertlos ist, da die Biografie zu einem gehört wie der Name, einfach und verdammt nochmal weil, gibt es heute Abend eine Rezi vom neuen Album "Hard Times and Nursery Rhymes". Die Platte hat schon ein paar Wochen auf dem Buckel, und mancher mag den Bluesrock-Anteil zu hoch finden.

Egal. Mike Ness ist cool, charismatisch, Mike Ness darf alles.

Nebenan findet Ihr eine etwas ausführlichere Besprechung. Am 18. Januar erschienen auf der Szene-Seite der Schwäbischen Zeitung.

Filmkunst: Frank Turner in fünf Minuten

Porträt eines Getriebenen: Wie der Rolling Stone online berichtet, zeigt sich Frank Turner in einem Kurzfilm von seiner persönlichsten Seite. Der Regisseur James Henry hat in der Serie "Short Stories" einen fünfeinhalbminütigen Streifen kreiert, der Frank Turner auf Tour begleitet. Das Ganze ist sehr künstlerisch gedreht, kommt in reduziertem Schwarzweiß daher und wirkt dadurch umso intensiver. Frank Turner spricht über die Momente, in denen Touren zur Qual werden kann, über Momente, wenn man all sein Selbstvertrauen braucht und über seine Angst vor dem Tod.
Frank Turner, wie ich ihn
vergangenes Jahr in Winterthur
geknipst habe.
Prädikat: wertvoll.

Das neue Album des britischen Campfire-Punkrockers heißt "England Keep My Bones" und erscheint am 3. Juni. Den Song "I Am Dissapeared" gibt es übrigens beim NME inzwischen als Download.