Donnerstag, 31. März 2011

Sommer gerettet: The Weakerthans auf Tour

Meine Gebete wurden erhört, mein Sommer ist gerettet: The Weakerthans spielen ein paar Konzerte in Deutschland und Österreich.
Die Band um Ex-Propaghandi-Basser John K. Samson gehört zu meinen absoluten Faves, zu den fünf Bands, ohne die ich nicht existenzfähig wäre. Niemand beherrscht es besser, melancholisch-unsentimentale Texte mit diesen unausgelutschten Melodien zu verbinden.
Ihr Auftritt beim Southside 2008 war für mich das persönliche Festival-Highlight, John K. Samson solo im November 2009 im Zwölfzehn in Stuttgart nicht weniger beeindruckend. Ein Mann, seine Stimme und seine Gitarre manchmal braucht es nicht viel, um mich zum Heulen zu bringen. 
Es waren Glückstränen. 

Die aktuelle Live-CD/DVD "Live at the Burton Cummings  Theatre" habe ich für die Szene-Seite der Schwäbischen Zeitung am 13. April besprochen (siehe nebenan).

Jedenfalls, hier die Tourdaten: 

25.06. Rotterdam - Rotown
26.06. Amsterdam - Bitterzoet
28.06. Hamburg - Grünspan
29.06. Berlin - Lido
30.06. Bielefeld - Kamp
01.07. Dornstadt - Obstwiesenfestival
02.07. Duisburg - Traumzeitfestival
03.07. Feldkirch - Poolbar

Dortmund liebt die Foo Fighters

Ein irre dreinblickender Dave Grohl schaut uns vom aktuellen Cover des Musik-Magazins "Visions" entgegen. Die Foo Fighters haben es bei den Dortmundern zur Platte des Monats geschafft und liefern die Titelstory. So weit, so vorhersehbar.

Das Beste aus Fansicht: Auf der beiliegenden CD hören wir "Arlandria", Song Nr. 5 vom neuen Album "Wasting Light", das am 11. April erscheint. Das klingt vielversprechend. Nicht so rotzig und zerschossen wie "White Limo", aber bei weitem nicht so behäbig wie die Single "Wheels", die zwischen dem durchwachsenen "Echoes, Silence, Patience & Grace" und dem neuen Album stand. "Alandria" groovt ähnlich wie "Wind up" vom unerreichten "Colour and the shape" und vereint Melodie und Härte so wie man das gewohnt ist und liebgewonnen hat. "You and what army"....das brüllt sich gut und dürfte live knallen wie nichts Gutes.

Wenn die ersten Eindrücke stimmen, haben wir es bei "Wasting Light" mit dem besten Album seit dem unterschätzten "One by One" zu tun. So könnte sogar der Auftritt auf dem diesjährigen Southside ein echter Reißer werden. 2008 fand ich sie als Headliner erschreckend schwach. Zuviel Akustik-Spielereien, zuviel Solos, zu souveräne Show – Foo Fighters wirkten satt und unspontan wie die Whitesnake des Alternative Rock. Da dürfte diesmal mehr zu spüren sein. Die Foo Fighters haben wieder Bock auf Rock, so scheint es.

Eine ausführliche Besprechung von "Wasting Light" lest Ihr bald hier.

Update: Das amerikanische Musikmagazin Spin meldet online, dass es einen neuen  Höreindruck im Netz gibt: "Burning Bridges" rennt offene Ohren ein, geht nach vorne und zeigt Dave Gröhl, ähm, Grohl, in bester stimmlicher Verfassung.
Es wird immer besser. Kann nicht endlich VÖ-Tag sein?

Mittwoch, 30. März 2011

Hörtest: The Kills – Blood Pressures

Ob unsere Eltern solche Musik gemeint haben, als es hieß, Rock'n'Roll sei Teufelswerk? Hätten sie lieber die Volksmusik zum Beelzebub erklärt davon hätte man automatisch die Finger gelassen. Das hier hingegen macht süchtig und könnte unschuldige Musikliebhaber in diabolische Verführer verwandeln. 

Viele Indie-Jünger stehen ja total auf Zooey Deschanel ("500 Days of Summer"). Aber wenn es sich bei ihr und The Kills-Frontfrau Alison Mosshart um Schwestern handeln würde, wäre Zoey die liebe, unschuldige. Alison Mosshart hingegen wäre die düstere mit den zerfetzten Netzstrümpfen, die heimlich raucht, lieber Bier aus der Pulle als einen Cosmopolitan aus dem Cocktailglas trinkt und dabei stets so sexy wirkt, dass man für ihre Streiche auch den Ärger liebend gerne kassieren würde.

Nun also "Blood Pressures", das vierte Album des Duos (neben Sängerin Alison Mosshart unter dem Pseudonym "VV" spielt Jamie Hince alias "Hotel" mit). Und mein Gott, wie das rumpelt, dröhnt und drückt. Wer vermisst da noch die White Stripes , das andere Mann-Frau-Indie-Gespann? Deren Hymne "Seven Nation Army" war als Großtat in die Welt gesetzt und endete als Prollhymne für Fußballspiele. Zeit, abzutreten, auch wenn sie auf "Icky Thump" immer noch gut waren. Egal. The Kills sind würdige Erben.

"Future Starts Slow" zieht den Hörer ins Album, wirkt wie ein Tarantino-Alptraum in Blutrot und zwirbelt einem die twangenden Gitarrenriffs in die Hirnrinde, dass sie nicht mehr weichen wollen. Die bereits bekannte Single "Satellite" wälzt sich mit ihrem Totengräber-Groove vorwärts, während der Trauerchor Spalier steht. Bei "The Heart Is A Beating Drum" kommt man sich wie im Spukhaus vor, während die Poltergeister auf dem Dachboden Kapriolen schlagen. Nach dem Alarm schlagenden "Nail in my Coffin" das kurze Intermezzo "Wild Charms". Das Schöne: Auch in Albumhälfte zwei fällt es nicht ab, es bleibt gespenstisch und makaber. Beim tränenreichen "The Last Goodbye" kann man Alison Mosshart vor sich auf der kleinen Bühne eines verrauchten Klubs sehen, sich gegen den Mikrofonständer drückend, während sie diese verletztlichen Zeilen singt. Irgendwo zwischen Queens of the Stone Age ("You Don't Own the Road"), Blues-Brocken, Galeeren-Trommeln und Tanzbar-Charme haut einen der Analog-Sound des Albums in die Magengrube.
Auf seltsame Art ein schönes Gefühl.

Erster Eindruck: The Kills' neues Album im Stream

Am 1. April erscheint das neue Album "Blood Pressures" von The Kills.
Wie das amerikanische Musikmagazin Spin online verkündet, kann man das Album auf der Internetseite des Duos in voller Länge hören. Wenn ich jetzt nicht zur Arbeit müsste, würde ich mir das sofort verabreichen. Die Vorab-Single "Satellite" hat mich verdammt neugierig gemacht, dieser dräuende Trauerchor mit Trauerflor, der mit der Unaufhaltsamkeit einer Dampflok durch die Gehörgänge pflügt.
Euch viel Spaß beim Hören.

Rockt das Southside: Bandwettbewerb der SZene

"It's a long way to the top if you wanna Rock'n'Roll" wussten schon AC/DC. Weiterhelfen kann auf dem Weg nach oben kann ein Auftritt auf einem großen Festival. Die SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung, für die ich regelmäßig schreibe, ruft nun wieder zum Bandwettbewerb fürs Southside Festival auf.
In den vergangenen Jahren gelang es Bands aus der Region wie Lazuright, TOS oder Stepfather Fred, den Titel zu holen.
Wer mitmachen will, sollte seine Teilnahmeunterlagen bis 21. April abgegeben haben. Dazu gehört der ausgefüllte Teilnahmebogen, eine CD mit aktuellen Songs und Fotos. Aus den Bewerbungen wählt die SZene-Jury die interessantesten und vielversprechendsten Musiker aus, und lädt diese zum Bandwettbewerb ein. Am Samstag, 14. Mai, präsentieren sich die Finalisten in der Kulturhalle Abdera in Biberach und werden dann von Jury und Publikum gemeinsam bewertet. Wer gewinnt, darf dann beim Southside auf der Bühne stehen.

 
Dösende Fans auf dem Southside: Mit Euch wäre das
nicht passiert? Dann bewerbt Euch!      Foto: Drescher
Den Teilnahmebogen gibt's hier zum Runterladen. Mehr Infos zur Aktion gibt's an dieser Stelle.
Viel Erfolg!

Dienstag, 29. März 2011

Fertig mit Ferien: Neuer Song von Frank Turner

Der Urlaub ist beendet: Frank Turner hat am Dienstag über seinen Twitter-Kanal verkündet, dass es einen neuen Song online gibt. "I am Disappeared" geht noch weiter weg vom Folkpunk-Gebräu, das der "skinny half-arsed English country singer" bisher machte. Das Piano schielt beinah schon in Coldplay-Regionen, das Stück selber in die Rock-Ecke. Die ganz großen Stadien dürften bei solchen Songs nicht mehr fern sein, bei Rock am Ring und Rock im Park ist er ja schon zu sehen.

Frank Turner 2010 in Winterthur.             Foto: Ich
Auf seinem neuen Blog kündigt er auch die erste Single vom neuen Album "England Keep My Bones" an,  das hierzulande am 3. Juni erscheint: "Peggy sang the Blues" hat Frank Turner seiner Großmutter gewidmet, bald wissen wir, wie dieser Song klingt. Das Artwork zu "England Keep My Bones" kann man auf Frank Turners Facebook-Seite sehen.

Es gibt auch Neues von den Festivals: Frank Turner kann man nun auch noch bei Omas Teich (29. bis 30. Juli in Grossefehn/Ostfriesland), beim Taubertal (12. bis 14. August in Rothenburg ob der Tauber), auf dem Rocko del Schlacko (12. und 13. August in Püttlingen-Köllerbach) und beim Open Flair (11. bis 14. August in Eschwege) live erleben.


Konzert und Ausstellung für lau: ...Trail of Dead am Sonntag in Hamburg

Der "Pfad der Toten" führt nach Hamburg und er vereint Musik und Kunst: Die texanischen Indie-Ingenieure ...And You Will Know Us By The Trail of Dead spielen am Sonntag, 3. April, eine kostenlose Live-Show in Hamburg. Bevor sie die Bühne entern, eröffnen die Musik-Genies eine Ausstellung, in der die fantastischen Zeichnungen von Sänger und Gitarrist Conrad Keely zu sehen sind.

Laut der Promoagentur Pirate Smile machen ...Trail of Dead den Auftakt einer neuen Live-Reihe in Hamburg unter dem Titel "St. Pauli Sessions." Das gläserne "101/Studio" im Musikhaus "Karostar" soll dabei zur Bühne für exklusive Live-Auftritte werden.  Die Band um Conrad Keely und Jason Reece wird semi-akustische Versionen von aktuellen Songs und Klassikern spielen. Los geht's um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Wer die Live-Session in dem Radio- und Fernseh-Studio aus nächster Nähe sehen will, sollte früh da sein, um einen guten Platz zu ergattern. Wer Pech hat: Die Live-Session wird auch nach draußen übertragen, durch eine Glaswand hat man eine gute Sicht auf die Band.

Das Cover von "Tao of the Dead"
Und weil ...Trail of Dead nicht nur großartige Musik machen (wie ihr neues Album "Tao of the Dead" wieder einmal zeigt), sondern Sänger und Gitarrist Conrad Keely ein begnadeter Maler ist, wird vor dem Konzert eine Ausstellung mit Werken des Künstlers eröffnet. Bilder und Skizzen sind  in der Studio 101 Lounge zu sehen. Keelys Zeichenstil ist einzigartig, er zeichnet auch die Cover-Artworks der Band selbst (siehe Bild nebenan). Die Ausstellung wird um 15 Uhr eröffnet. 

Wer sein Navi füttern will, die Adresse lautet: Studio101 im Musikhaus Karostar, Neuer Kamp 32, 20357 Hamburg

Wer es nicht nach Hamburg schafft, hier die Tourdaten:

30.03.2011 DE Bielefeld Forum
31.03.2011 NL Amsterdam Melkweg w/ Rival Schools
01.04.2011 FR Paris La Maroquinerie w/ Rival Schools
02.04.2011 BE Brüssel AB Box w/ Rival Schools
04.04.2011 DK Arhus Voxhall w/ Rival Schools
05.04.2011 NO Oslo Rockefeller w/ Rival Schools
06.04.2011 SE Stockholm Debaser w/ Rival Schools
08.04.2011 DE Hamburg Übel & Gefährlich w/ Rival Schools
09.04.2011 DE Berlin Astra w/ Rival Schools
10.04.2011 AT Wien Arena w/ Rival Schools
11.04.2011 CH Zürich  Mascotte w/ Rival Schools
12.04.2011 DE München  Muffathalle w/ Rival Schools
13.04.2011 LU Luxemburg Rockal Club w/ Rival Schools
15.04.2011 UK London Electric Ballroom w/ Rival Schools
16.04.2011 UK Manchester Academy w/ Rival Schools
17.04.2011 UK Glasgow Garage w/ Rival Schools
18.04.2011 UK Birmingham Academy
19.04.2011 UK London Islington Academy

Montag, 28. März 2011

Ausverkauft: Alle wollen Laternen-Joe

Stell Dir vor, Die Ärzte spielen – und Du bist nicht dabei. Für mich und viele andere Konzertgänger traurige Realität.

Als letzte Woche bekannt wurde, dass Die Ärzte unter dem Namen "Laternen-Joe" auf Geheim-Tour gehen, war die Freude groß.

Dann die Realität am Montagmorgen: www.laternenjoe.de ist unerreichbar. Um 9 Uhr startete der Ticketverkauf - streng nach Regionen und Personen abgezählt - und es ging nichts mehr. Der Server muss unter dem Ansturm vieler DÄ-Fans offenbar in die Knie gegangen sein.
Als es wieder funktionierte, hieß es bei vielen "Keine Tickets in Deiner Region verfügbar". Verdammt!

Inzwischen sind alle Termine ausverkauft bis auf Pahlen (Stand: Montag, 19.30 Uhr). Absehbar? Durchaus. Ärgerlich? Nichtsdestotrotz. Ich hätte sie zum siebten Mal gesehen.Von BelaFarinRod kann ich nie genug bekommen.

Ach ja, diese Kleinanzeige schalte ich jetzt auf meinem Blog: Solventer Bieter zahlt gut für drei Tickets für Laternen Joe im Ulmer Roxy. Nennt mir Euren Preis. Nur ernstgemeinte Zuschriften.

Musikalische Grüße: Sag beim Abschied leise Mappus

Aus aktuellem Anlass gibt es heute die fünf schönsten Abschiedslieder. Finden Sie den Fehler?

1.) Bay City Rollers - Bye bye Baby: Ein wunderbarer Schmachtfetzen, bei dem die Zeit rückwärts zu laufen scheint.


2.) John Denver - Leaving on a jetplane: Ich bevorzuge das Cover von Me First and the Gimme Gimmes, aber das hier hat auch was.


3.) Wir sind Helden - Lass uns verschwinden: Und nun müsste es heißen: Wir waren Helden. Also nicht die Band.

4.) Die Toten Hosen - Schönen Gruß, auf Wiedersehen: Die Hymne für alle Schattenboxer. Campinos Armgymnastik ist herrlich.


5.) Smoke on the Water (Guttenberg Remix): "Gab's da überhaupt Noten?" Coolster Kommentar eines ARD-Kommentators ever.

Sonntag, 27. März 2011

Sonntags-Matinée: Die Entdeckung der Langsamkeit

Bob Dylan liegt in der Hängematte und bekommt Besuch von einem Country-Orchester. Aber weil die Quecksilbersäule 104 Grad Fahrenheit zeigt, jammt man die meiste Zeit äußerst dösig. Was jetzt nicht negativ gemeint ist. 

Im Gegenteil. "Smart Flesh", das jüngst erschienene vierte Album des Quartetts aus Rhode Island, kommt die meiste Zeit auf Samtpfoten daher und gibt einem dadurch so viel mehr. Fast könnte man bei der berauschenden Beruhigungswirkung des Openers "Ghost Woman Blues" oder des mehrstimmig gesungenen "Love and Altar" vergessen, wie opulent instrumentiert das ganze Album ist. Hier sind Alleskönner am Werk, die keine Gastmusiker brauchen, um Harmonium, Orgel, Flügelhorn oder Geige erklingen zu lassen. Dazwischen mischt sich auch mal das Rauschen eines Radios.

In den zurückgenommenen Momenten entfaltet das Album die größte Wucht, weil die Substanz so deutlich zu Tage tritt, dass man diese 48 Minuten für immer ins Herz schließen will. "Apothecary Love", dieses Stück Musik, dessen Text über eine flüchtige Liebe so folk-typisch ist, klingt wie eine bunte Lichterkette, die sich auf einem dunklen See wiederspiegelt. "Wire" lässt einen im Klassik-Konzertsaal mit einer Klarinette allein, die NASA-Technologin Jocie Adams dreimal eingespielt hat und sich überlagern lässt. Bei "Matter of Time" reichen die Stimme von Ben Knox Miller, ein Bass, ein Harmonium und eine Mundharmonika aus, um zu berühren, ein A-ha-Erlebnis auch "Burn": Im ersten Moment weiß man nicht, ob es eine singende Säge oder eine Operndiva ist, die sich da in die höchsten Höhen schwingt.

Und dann gibt es da noch "Boeing 737", diesen hymnischen Folkrock-Stampfer: Mit Pauken und Trompeten stürmt dieses Monument daher und erinnert an den 11. September und an den französischen Hochseil-Artist Philippe Petit, der 1974 zwischen den Zwillingstürmen des World Trade Centers auf einem Drahtseil spazieren ging. Der irische Autor Colum McCann hat Petits Drahtseilakt in seinem Roman "Die große Welt" verarbeitet. Aufgenommen wurde "Smart Flesh" übrigens zu großen Teilen in einer einsturzgefährdeten Halle einer früheren Pasta-Fabrik. Man meint, die Weite förmlich zu spüren.

Solange es Bands wie The Low Anthem gibt, braucht einem um den amerikanischen Indie-Folk nicht bange zu sein. Eine schöne Erkenntnis.

Samstag, 26. März 2011

Was mit Seele fürs Ohr: Eine Website, dem puren Song gewidmet

Den Griff ins Plattenregal kann nichts ersetzen. Das Gefühl, im Plattenladen die LPs zu durchstöbern, ist heute vielleicht schon ein Anachronismus. Mir geht nichts darüber. Ein Ohr versucht das Riff zuzuordnen, das im Hintergrund läuft, das andere lauscht dem Gespräch von Plattenverkäufer und fanatischem Sammler. Joey Cape, den man von Lagwagon, Bad Astronaut und Me First and the Gimme Gimmes kennt, hat dieses Gefühl in seinem Song "The Ramones are dead" treffend auf den Punkt gebracht. Downloads können nicht ansatzweise die Erfahrung ersetzen, ein Cover-Artwork zu bestaunen, eine LP aufzuklappen und eine Vinylplatte auf den Plattenteller zu balancieren.

Aber es gibt eine Seite, die verbindet den durchaus praktischen Nutzen von Downloads mit dem anheimelnden Gefühl richtiger Musik: http://www.daytrotter.com/


Rock Island: Postkarte um 1911. Quelle: Wikipedia
Das Konzept ist gleichermaßen simpel wie genial: Künstler, die auf einer US-Tour sind, machen Zwischenstopp in Rock Island, Illinois, und spielen im Studio The Horseshack alternative Versionen ihrer Songs ein. Diese meist aus vier Songs bestehenden Sessions kann man kostenlos im MP3-Format  runterladen, nachdem man sich registriert hat. Die Sessions sind das Herzstück der Seite, es sind inzwischen Hunderte. Darunter finden sich Namen wie The Hold Steady, Two Gallants, The Thermals, Alberta Cross, Iron and Wine, Social Distortion und viele andere.

Das Großartige ist, dass die alternativen Versionen spontaner wirken und dadurch manchmal mehr Seele haben als die regulären Album-Versionen. Drei Beispiele: Chuck Ragans "Cut 'em down", "Breaker" von Low und "The Air" von The Rural Alberta Advantage.

Wer auf Tonqualität Wert legt: Für ein paar Dollar kann man die Sessions einiger Musiker auch "lossless" herunterladen, also ohne Verluste durch Datenkomprimierung.

Ach ja: Wie liebevoll die Seite gemacht ist, zeigt sich auch bei den Illustrationen zu den Sessions. Die Künstler sehen so gut getroffen aus, obwohl der Zeichenstil stark vereinfacht.

Ein Besuch lohnt sich. Gut möglich, dass man viel Zeit auf der Strecke lässt.

Freitag, 25. März 2011

Top Five Videos: Mr. Lettermans Gespür für gute Musik

Keine Lust auf sinnlose Freitags-Comedy? Oliver Geissen und sein hohler Chartshow-Quark kann Dich mal?

Dann hab ich das Richtige. Diese Woche waren The Strokes, die vor einer Woche ihr neues Album veröffentlicht haben, zu Gast bei US-Latenight-Ledgende David Letterman. Sie präsentierten den beten Song von "Angles", der auf den Namen "Taken for a fool" hört.

Letterman und auch sein großartiger Kollege Conan O'Brien haben ein gutes Händchen für Musik, regelmäßig treten dort Musiker aus der Indie-Sparte oder der Punkrock-Fraktion auf.

Darum präsentiere ich Euch heute Abend meine Top Five Auftritte bei Letterman. 

1.) ...Trail of Dead - The Rest will follow: Dafür lässt sich Letterman himself die Stimme tiefer legen.


2.) The Gaslight Anthem - The '59 Sound: Der Song an sich, und das live im TV? Hierzulande undenkbar, solche Qualität im Fernsehen.



3.) The Hold Steady - Stuck between stations: Niemand kann schöner abspacken wie Sänger Craig Finn.


4.) Modest Mouse - Satellite Skin: Irgendwann wird Isaac Brock sein Mikro wohl auffressen.


5.) Against Me! - Stop: So wahr.


Donnerstag, 24. März 2011

"Laternen-Joe": Die Ärzte auf Geheim-Tour

Endlich ein Lebenszeichen: Die Ärzte gehen auf Tour – inkognito, mehr oder weniger. Auf ihrer Homepage www.bademeister.com empfehlen sie als Live-Tipp des Monats eine Band namens "Laternen-Joe".

Das Pressebild: Ähnlichkeiten?
Die Bandbiografie auf der Internetseite www.laternen-joe.de strotz vor DÄ-Humor, so heißt es da: "Damals wie heute ist die Band eine unerschöpfliche Quelle von Kraft und Energie für die ganze Welt und berührt die Herzen von Millionen Menschen, denen sie mit ihren schwermütigen und trotzdem hoffnungsvollen Liedern einen Weg zur Flucht aus dem oftmals so bitteren Alltag bieten."
Auch der Hinweise auf den "sympathischen neuen Musiker, der mit seiner eleganten Erscheinung vor allem die Millionen weiblicher Fans zu begeistern vermochte" ein deutlicher Hinweis auf Rod, der immer wieder als "der Neue in der Band" auf der Bühne begrüßt wird – auch 18 Jahre nach Eintritt in die Band noch.
Und: "Ich war noch niemals in Zwickau, Fürstenfeldbruck und Osterholz-Scharmbeck", singen Laternen-Joe jetzt". Noch Zweifel? Laternen Joe sollen aus Jack Laterne, Julia Laterne und Jealousy Laterne bestehen. Auch ein Blick ins Gästebuch der Seite bestätigt die Vermutungen.
Dann gibt es da noch den Song "Laternencharge" auf der Internetseite, der klingt wie im Proberaum viel Spaß gehabt.


Tickets für die Geheim-Tour gibt's ab Montag, 28. März, auf der Internetseite http://www.laternen-joe.de/tour.php. Karten seien personell limitiert und regional gebunden, heißt es da. Wer Tickets will, sollte schnell sein – bevor die Karten ausverkauft sind oder die Seite wegen Serverüberlastung unerreichbar ist.


18.4.2011 - Zwickau: Ballhaus Neue Welt
19.4.2011 - Fürstenfeldbruck: Stadtsaal
21.4.2011 - (A) Graz: Orpheum
23.4.2011 - (CH) Solothurn: Kofmehl
24.4.2011 - Kaiserslautern: Kammgarn
26.4.2011 - Ulm: Roxy
28.4.2011 - Pahlen: Eiderlandhalle
29.4.2011 - Osterholz-Scharmbeck: Stadthalle

Es ist nicht die erste Geheim-Tour von Die Ärzte:  Unter dem Namen "Nudo Tra I Cannibali" ("Nackt unter Kannibalen") gingen sie zum Beispiel im März 2003 auf Tour, nicht der einzige Live-Coup des Trios. Und offenbar auch nicht der letzte.

2011, die Highlights bisher: ...Trail of Dead - Tao of the Dead

"The more music you know, the less you own" hat einmal ein weiser Mann gesagt. Und das trifft das Problem des Musik-Nerds auf den Kopf: Je zahlreicher die Entdeckungen, desto vollgepackter das musikalische Jahr. 2011 macht es einem da nicht leichter als das vergangene.

An dieser Stelle lege ich Euch die nächsten Wochen meine bisherigen Favoriten ans Herz, die es am Ende des Jahres mit Sicherheit in meine Top-Liste schaffen werden.

Den Anfang machen And You Will Know Us By The Trail of Dead. Die Texaner haben mit "Tao of the Dead" ein Album vorgelegt, das ihrer Großtat "Worlds Apart" in Sachen Genie nacheifert. Für die Schwäbische Zeitung habe ich diese Platte etwas ausführlicher besprochen. Erschienen ist der Artikel am Dienstag, 8. Februar, auf der Szene-Seite.

Bisher wäre das eine Nummer eins in meiner Jahresliste. Wer will das toppen?

Mittwoch, 23. März 2011

Hörtest: Obits – Moody, Standard and Poor

Als ob The Vines die Kollegen The Strokes über den Haufen rennen, und The Who zwischendurch als School of Rock-Lehrkörper reinschauen. 
Wobei: Groß sind die Obits selbst. 

Erscheint am 1. April - und rockt.
Kein Schlaf bis Brooklyn: Wer hier nicht mit allen Gliedern zuckt, sollte mal einen Neurologen aufsuchen. Die New Yorker liefern einen Brocken ab, der mehr "High Voltage" ist als die letzten 20 Jahre AC/DC zusammen. Kein Wunder, hier sind keine Amateure am Werk. Gitarrist und Sänger Rick Froberg kennen Indie-Füchse von Bands wie Drive Like Jehu, auch den Rest seiner Lärmtruppe kann man nicht als unbeschriebene Blätter bezeichnen.

Nun also das zweite Album "Moody, Standard and Poor" (eine Anspielung auf die mächtigen Rating-Agenturen), das so derart zum Punkt kommt, als gäbe es keine Kommata. Gitarre einstöpseln, Amp anzerren, one two three four. Der Einstieg mit "You gotta lose" ist so berauschend, dass man nicht weiß, ob man sich mehr über die Gitarrenriffs oder die wuchtigen Arschtret-Drums freuen soll. Selten hat es mehr Spaß gemacht, sich von einer Platte so die Gehörgänge freipusten zu lassen. Impulsiv und unbeschwert, lässig und sexy wie es in den 60ern war. Auf das Intro von "I want Results" müssten die New Yorker Kollegen The Strokes neidisch sein. "Naked to the World" beschwört den Geist der Stones, "Everything looks better in the sun" ist ein Power-Blues mit angecrunchten Gitarren und bei "No Fly List" sind sogar bereits erwähnte AC/DC nicht weit.

Aber wie gesagt: Name Dropping hilft im Grunde nicht weiter. Man muss sich dieser Platte einfach ergeben. Nicht dass sie einem wirklich die Wahl ließe.

Dienstag, 22. März 2011

Nix für Bräute: Neues Video von De Staat

Klare Ansage: "I'll never marry you" heißt das neue Video der holländischen Weirdo-Rocker von De Staat. Ein Vorgeschmack auf das neue Album "Machinery", das am 1. April in den Regalen stehen wird. Die Hauptrolle in dem düsteren Clip spielen: eine strange Band, ihre wunderschönen Gitarren (Sekunde 7 bis 17) und jede Menge Bräute – wortwörtlich.

Der Song selbst klingt mit Kopfstimme und seinem beinah schon swingenden Rhythmus noch mehr nach den Queens of the Stone Age als die Stücke auf dem grandiosen Debüt "Wait for evolution", das vergangenes Jahr mit seinem kantigen Mix aus Alternative-Klängen und Kauz-Atmosphäre aufhorchen ließ.

Eine Kritik des Erstlings von mir ist am 20. April 2010 auf der Szene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen (siehe nebenan).
Gespannt, ob das Zweitwerk genauso begeistern kann.




Montag, 21. März 2011

Frank Turner bei Rock am Ring und Rock im Park

Eigentlich wollte sich der britische Punk-Country-Folk-Barde Frank Turner im Urlaub auch vom Internet verabschieden. Aber es geht eben nix mehr ohne. Vor gut einer Stunde verkündete er über Twitter, dass er nun doch einmal am Tag die Web-Abstinenz unterbricht. Die gute Nachricht für uns: Wer den Mann, der ohnehin permanent on the road ist, live sehen will: Bei Rock im Park (3. Juni) und Rock am Ring (4. Juni) wird er seine bierseligen Hymnen ins Publikum donnern. Sein neues Album "England keep my bones" kommt am 7. Juni, auf seinem Internet-Blog verkündet der Songwriter, dass seine Band inzwischen endlich einen Namen habe: The Sleeping Souls, das sind Frank Turner und seine Mitmusiker Ben Lloyd (git), Matt Nasir (keys), Tarrant Anderson (bass) und Nigel Powell (drums).

Frank Turner in Winterthur.    Foto: Drescher
Dass diese Besetzung perfekt ist, um eine schäumende Party zu entfachen, hab ich am 22. August vergangenen Jahres bei den Musikfestwochen in Winterthur erlebt (Schnappschuss nebenstehend). Frank Turner legt keinen Wert auf Rockstar-Brimborium, er ist so nah an den Fans wie kaum einer. Er beobachtet das Leben mit präzisem Blick, fasst seine Weisheiten in manchmal ironische, mitunter sentimentale, aber nie selbstmitleidige Texte. Und es ist einfach wahr: Wenn er in der Live-Hymne "I still believe" etwa singt "Now who'd have thought/that after all/something as simple as Rock'n'Roll would save us all?"

Erwähnenswert auch eine Anekdote, die Frank Turner in Winterthur erzählt hat: Er war bei einer Demo in London dabei. Die Polizei kesselte die Demonstranten ein. "Der Sinn des Ganzen: Sie lassen Dich nicht aufs Klos, und wenn Du dann irgendwo hin pinkelst, verknacken sie Dich deswegen." Dem Campfire-Punkrocker passierte etwas weit Schlimmeres: Er begegnete seiner Ex-Freundin. "And I said: Noooo, noooo, noooooooooo! Not you!" Die Bobbys wollten ihn trotzdem nicht rauslassen, Turner erklärte einem Polizisten die Lage. "Dann, aus dem nichts, schlug mich ein Beamter mit Wucht zu Boden und trug mich weg. Als wir außer Sichtweite waren, half er mir auf die Beine. Dann sah mir tief in die Augen und sagte: Lauf!"

Die Polizei – auch in England Dein Freund und Helfer.

Da kommt was auf uns zu: Dry the River

Im Grunde gilt die britische Pop-Postille NME als Revolverblatt, das im Wochen-Rhythmus neuen heißen Scheiß verkündet und Hypes mit einer kurzen Halbwertszeit erzeugt. Trotzdem lese ich das Magazin ganz gerne, bevorzugt wenn ich im Zug irgendwohin unterwegs bin, weil man es an Bahnhofskiosken eben kriegt.
Und vor kurzem haben sie einen Volltreffer gelandet. Da ist die Rede von Dry the River, einer Band aus London. Der NME schrieb, sie klängen wie Mumford & Sons mit mehr Punk.

Hört man sich den im Netz kursierende Song "New Ceremony" an, kommen einem noch andere Assoziationen in den Sinn. Das Stück klingt nach Okkervil River mit mehr Pomp, beginnt als Rock'n'Roll-Ballade, um dann in einen mächtigen Refrain zu branden. Indie-Folk, der mit seinen mehrstimmigen Gesängen, seinen Geigensprengseln und der Wehmut in Sänger Peter Liddles Stimme auch die Fans von Two Gallants und den Fleet Foxes einsammeln dürfte.


Die erste EP "The Bible Belt" haben sie in Eigenregie veröffentlicht. Das Debüt in voller Länge soll noch in diesem Jahr folgen.

Hier gibt "New Ceremony" als Download: http://www.nme.com/blog/index.php?blog=122&p=9725&more=1&c=1

Sonntag, 20. März 2011

Sonntags-Matinée: Beim Barte des Poeten!

Es ist schon jetzt eine der wichtigsten Platten des Jahres: Josh T. Pearsons "Last of the Country Gentlemen". So wuchtig, so zeitlos, so spärlich instrumentiert sind seine Songs, und so relevant. Der Texaner muss vermutlich auf Airplay verzichten, weil seine Lieder den Rahmen sprengen. Würde man kalauern wollen, man könnte sagen, seine Songs sind so lang wie sein Bart. Eine Platte für die Ewigkeit.

Ich habe dieses unbequeme Stück Musik für die Szene-Seite der Schwäbischen Zeitung besprochen, erschienen am 15. März.

Lest selbst.

Samstag, 19. März 2011

Neues Beatsteaks-Video zur Single "Cheap Comments"

Video, die zweite: Nicht nur Blackmail (siehe Post zuvor) haben ein neues Video raus.
Auch die Beatsteaks haben einen neuen Clip veröffentlicht: das Video zur neuen Single "Cheap Comments" (erscheint am 8. April). Im Gegensatz zum eher künstlerischen "Milk and Honey" haben die fünf Berliner diesmal ein selbstironisches Spaß-Video gedreht. Skelett-Kostüme, Alter Egos, alberne Choreographien, die Badsteaks übernehmen die Macht - dieser Humor müsste auch Freunde von OK Go-Videos anstecken.

"Cheap Comments" ist die zweite Single aus dem aktuellen Album "Boombox". Mit dieser Platte musste ich erst warm werden. Beim ersten Hören war ich nach dem grandiosen "Limbo Messiah" enttäuscht. "Boombox" ist für meine Begriffe einen Tick zu bemüht, es allen recht zu machen. Klar, die Beatsteaks waren nie eine typische Drei-Akkorde-Punkband, die auf der Stelle tritt. Trotzdem, Songs wie "Automatic" habe ich auf vergangenen Alben eigentlich nicht vermisst.

Nach inzwischen rund 30 Hördurchgängen ist Boombox zu einem guten Album geworden, das enorme Grower-Qualitäten hat. Gerade "Cheap Comments" explodiert irgendwann, aber auch "Access Adrenalin" mit seinen Modest-Mouse-Vibes und natürlich das alles über den Haufen rennende "Bullets from another dimension" sind Volltreffer.

Gerade diese beiden Titel haben es in Zürich nicht in die Setlist geschafft, wo ich die Band am 7. März gesehen habe. Das Konzert war trotzdem weltklasse. Der Mix aus neuen Stücken, Pflicht-Songs wie "Hand in Hand" oder Raritäten wie "Mietzi's Song" war stimmig, der Sound glockenklar und das Publikum bekam von Sänger Arnim ein Kompliment nach dem anderen. Luft-anhalt-Moment des Abends: Als Arnim auf die Galerie des Saales klettert, erst ein Bein über das Geländer schwingt, dann das andere, und sich aus drei Meter Höhe ins Publikum fallen lässt.

Fanboy schlägt wieder zu: Shirt muss sein.
P.S.: Weil mich meist nervt, wenn Leute auf Konzerten Fotos machen, gibt's hier nur einen Schnappschuss von den Trophäen: Konzertticket und T-Shirt. Leute, genießt doch mal die Musik – Ihr müsst nicht alles gleich live posten.

P.P.S.: "Cheap Comments" gibt's am Donnerstag, 7. April, live in der Harald Schmidt Show. Ab 22.45 Uhr auf ARD.

Freitag, 18. März 2011

Neues von Blackmail: Video zur Single "Deborah"

Der erste Eindruck zählt? Und wenn schon. Matthias Reetz, neuer Sänger von Koblenz' Finest, Blackmail, passt in die Band als hätte er nie etwas anderes gemacht. Dass das Verhältnis der Ebelhäuser-Brüder zum Vorgänger Aydo Abay nur noch ein sehr kühles zu sein schien, habe ich auch beim Konzert am 18. Oktober 2008 im Kulturladen in Konstanz so erlebt. Da standen Kollegen auf der Bühne, die Dienst nach Pflicht machen, keine Freunde, die Freude am Rocken haben, so der Eindruck. Keine Chemie, keine Kommunikation. Knappe acht Wochen später trennte sich die Band von ihrem Sänger.


Jetzt gibt es den ersten Eindruck des kommenden Albums "Anima Now", das am 29. April erscheint und dann selbstredend hier besprochen wird. Zur Vorab-Single "Deborah" liegt seit Donnerstag das offizielle Video vor. Ein Schwarzweißes Bandvideo, das kaum vom hymnisch-perlenden Song ablenkt. Und der passt. Der dräuende Ebelhäuser-Sound harmoniert perfekt mit Reetz's Stimme, die zwar vom Timbre an den Ex-Sänger Aydo Abay erinnert, aber nicht als billige Kopie gelten wird. Gut so.

Hörtest: The Strokes – Angles

Wenn es um die Strokes geht, bin ich Fanboy. Drum fühlt sich heute auch an wie Weihnachten und Geburtstag gleichzeitig: Das neue Album der New Yorker Indie-Rocker, "Angles" betitelt, steht in den Läden. Ich hatte schon Gelegenheit, das Ganze in voller Länge zu hören. Meine Rezension ist am Dienstag, 15. März, auf der Szene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Das will ich Euch natürlich nicht vorenthalten (siehe rechts).
Hätte ich noch etwas mehr Platz gehabt, ich hätte noch erwähnt, dass die 80er-Rinflüsse bei "Games" sehr offensichtlich werden. Das klingt nämlich schon fast etwas nach den norwegischen Pop-Rentnern A-ha. Die Strokes haben mal erwähnt, dass sie Fans von A-ha sind, insofern. Ach ja, und "Call me back" mit seiner zurückgenommenen Instrumentierung ist eine Kuscheldecke von Song, die einfach nur schön ist. Aber das hier soll keine Besprechung werden – die steht ja nebenan.

Donnerstag, 17. März 2011

Nachschub für das Festival vor meiner Haustür

Neue Bands fürs Southside bestätigt:  Neben den Indie-Rockern The Kills mit ihrer atemberaubenden Frontfrau Alison Mosshart und den Emo-Pionieren Jimmy Eat World freue ich mich riesig über Glasvegas, Tame Impala und Lykke Li.

Auf dem Billing stehen seit heute auch My Chemical Romance, Monster Magnet, Kashmir, Sum 41, I Blame Coco, Irie Révoltés, Young Rebel Set, The Vaccines, An Horse, Pulled Apart By Horses, Miles Kane, Yoav, Digitalism Live und A-Trak.

Jetzt fehlen mir persönlich noch The Low Anthem, Josh T. Pearson und The Weakerthans zum persönlichen Glück. Hoffen. 

Hörtest: Dropkick Murphys – Going out in style

Wie gerne wäre ich jetzt – genau in diesem Moment – in Boston. Am St. Patrick’s Day, dem Gedenktag des irischen Nationalheiligen, dreht die irischste aller US-Metropolen komplett durch. Der Boston River wird grün gefärbt, in den Pubs schäumt das Guinness – Party, wie sei sein soll. 

Genauso legendär sind die Konzerte, die die Dropkick Murphys an diesen Abenden geben. Heute Abend stehen die Celtic-Punks mit den Florida-Punkrockern Against Me!, Tommy & The Terrors und den Parkington Sisters auf der Bühne. Und mit „Going out in style“ haben sie eben den passenden Feier-Soundtrack von der Leine gelassen. War das Vorgänger-Album „The Meanest of Times“ (2007) noch der Tritt in die Eier, packt das Sextett Dich mit der aktuellen Platte eher an der Schulter und drückt Dir ein Pint in die Hand, um Dir ein „Let’s go“ ins Gesicht zu spuckbrüllen. 

Damit hatte man nicht unbedingt gerechnet, als „Memorial Day“ vorab auf rollingstone.com zu hören war. Das klang arg glattgebügelt. Ted Hutt an den Reglern, der vorher Gaslight Anthems Durchbruchs-Album „American Slang“ produziert hatte und auch schon für die etwas gemäßigteren Irish-Folk-Punks Flogging Molly gemischt hat – geht das gut? Oder sind die Kanten und die Ecken jetzt weg? Nein. Alles wie immer – nur diesmal eben wieder eine Spur gefälliger, verspielter und schunkeliger als zuvor. Da fordern sie zwar ganz unverhohlen „Hang ’em high“ oder „Take ’em down“, laden zur „Sunday Hardcore Matinee“ und besingen vergangene Zeiten wie in „1953“. Überhaupt liegt dem Album ein Konzept zugrunde, es dreht sich um die Erlebnisse des (fiktiven) irische Emigranten Cornelius Larkin. Zwischen den raubeinigen Momenten taucht eine sentimentaler Ballade wie „Cruel“ auf, dann schmeißt sich einem „Climbing on a chair“ an den Hals.

Es wird wohl alles beim Alten bleiben: Wer die Mixtur aus Punk-Riffs und Dudelsack-Klängen mag, findet hier Nachschub. Wer mit dem pathosschwangeren Krawallsound nichts anfangen kann, bleibt weiter draußen. Wie sehr die Murphys seit ihrem „The Departed“-Hit „Shipping up to Boston“ allerdings im Mainstream angekommen sind, zeigt sich auch an der Gästeliste: Bruce Springsteen höchstpersönlich greift bei „Peg o’ my heart“ zum Mikro, NoFX-Chef Fat Mike ist beim Husarenritt von Titelsong mit von der Partie. 
Everyone’s irish on St. Paddy’s.

Und wir sind drauf: die Geburtsstunde

Willkommen auf tinnitusattacks.com.
Es wird subjektiv. Es wird laut. Es werde Blog.
In erster Linie wird es hier um Musik gehen. Aber es kann auch mal ein gutes Buch oder ein schräger Film dazwischen rutschen.
Am St. Patrick's Day ist nicht nur der Chicago River grün. 


Aber seht selbst.
Raise your pint - it's St. Paddy's Day.

Euer
Daniel

P.S.: Dieses Blog startet am St. Patrick's Day. Was kann da wohl die erste Rezi sein? In wenigen Minuten wissen wir mehr...