Sonntag, 18. Dezember 2011

Sonntags-Matinée: Wild Flag – Wild Flag

Vier Frauen zwischen Punkrock-Attitüde und 60ies-Charme: Wenn Wild Flag eine Dame wären, die den Ballsaal betritt, dann wäre das die im roten Kleid, der die Männer zu Füßen liegen und die anderen Frauen neidische Blicke zuwerfen.

Kein Wunder: Zielstrebig und geraderaus ist das weibliche Quartett. „Hands down we like, we love, we choose you“, heißt es da im Opener „Romance“, mit dem sie kürzlich auch David Letterman bezirzt haben. Klare Ansage. Die Strategie: Tanzen bis die Beine einknicken. „We dance to free ourselves from the room“ verkünden sie, und zu diesem Tanz gehören ein paar überzeugende Argumente.

Da wäre zum einen die Stimme von Carrie Brownstein, die zwischen dem spröden Charme von Velvet Undergrounds Nico, leicht psychotischem Amanda Palmer-Flair und dem Rotz-Faktor einer Brody Dalle (Distillers, Spinnerette) pendelt. Wie sich ihr exaltierter Gesang in „Endless Talk“ mit den schrammeligen Gitarren und den betont minimalistischen Orgel-Sounds aus der 60ies-Zeitmaschine messen, wow. Dann lassen sie mit „Short Version“ ein Epos vom Stapel, dessen Intro auch ein staubiges Duell auf der Main Street eines verlassenen Goldgräberdorfes illustrieren könnte. Das Fender Rhodes Jazzpiano tänzelt im treibenden „Future Crimes“ aufgeregt um die Gitarren und den Gesang herum und schraubt sich in Ohr und Gedächtnis. Solche Details verzieren so ziemlich jeden Song auf dem selbstbetitelten Album.

Doch es ist auch das Gesamtbild, das hier gefällt. Manche Bands machen Musik, weil sie sie ihre Rentenkasse aufbessern wollen. Das sind dann Zweckgemeinschaften, wo man sich halt auf Tour und im Studio trifft. Solche  Kollektive können niemals so lebendig klingen wie Wild Flag. Die Frauen kennen sich, haben vorher in Bands wie Sleater Kinney oder auch bei Stephen Malkmus and the Jicks gespielt. Die Platte wurde im Studio in Kalifornien live eingespielt, vom Gesang abgesehen. Der kann sich dafür voll über den Instrumenten austoben. Klingt, als ob man mit diesen Frauen viel Spaß haben könnte – aber nicht unbedingt Streit mit ihnen haben will.

„All bark, no bite, yeah I know“  singen sie da im bereits erwähnten „Endless Talk“. Diesen Vorwurf kann man Wild Flag nicht machen. Die bellen nicht nur, die haben auch Biss. 

Garagepunk al dente. Wie es sein muss.

„Wild Flag“ von Wild Flag ist am 21. Oktober bei Wichita Recordings erschienen. Mehr unter www.facebook.com/wildflag

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