Sonntag, 4. Dezember 2011

Sonntags-Matinée: Kevin Devine - Between the Concrete & Clouds

Treffen sich Nada Surf und Death Cab For Cutie im Wald, um den Kopf freizukriegen. So oder so ähnlich klingt das aktuelle Soloalbum von Kevin Devine. 

Wie passend, dass er kürzlich mit Nada Surf auf Tour war. Song Nummer zwei, „The First Hit“, zeigt die jubilierende Leichtigkeit, die deren Album „Lucky“ durchwehte. Auch in anderer Hinsicht kann man Parellelen ausmachen: Sehnsüchtig, melancholisch, aber trotzdem ermutigend; leichtfüßig, aber nicht oberflächlich ist es geworden. Und immer wieder ein Gedanke: Es ist schon erstaunlich, welche Songwritingkunst manche horten, die vielleicht niemals so im Rampenlicht stehen werden die andere, die nichts zu vermarkten haben außer ihr talentfreies Ego. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Trotz des Vergleichs mit Nada Surf ist diese  Platte nicht das Werk eines Epigonen, sondern das eines talentierten Songwriters.

Bei „Sleepwalking through my life“ wiegen sich die Bäume vom Cover im Walzertakt. Geradezu verstörend gut der Titelsong, in dem der Sänger und Gitarrist aus New York über Desillusion, Ängste und Lügen sinniert: „And every single time/that you opened your mouth/ someone elses lies came tumbling out“. Den Willen, die Dinge zu durchdringen und durch Reflektion mehr über die Welt zu erfahren, die uns umgibt, spürt man deutlich. 

Das wäre  aber nicht halb so eindrucksvoll, wenn Kevin Devine nicht so ein verdammt gutes Händchen für Melodien hätte, die unverbraucht sind („Wait out The Wreck“ und „A Story, A Sneak“) und die man nie wieder hergeben möchte. Der junge Songwriter und seine Band - „The Goddamn Band“ - schalten im richtigen Moment von perlenden Akustik-Gitarren um auf fuzzige Zerrgitarre, Mandoline und Keyboard-Streicher schleichen sich dezent dazwischen. Wenn Indie melodieverliebt und bittersüß ist, dann nennen wir das hier Indie. Auch leichte Grunge-Einflüsse meint man herauszuhören.  Allerdings interpretiert mit den Mitteln des Singer/Songwriters.

Ähnlich wärmend und nachdenklich wie die Weakerthans nimmt einem Kevin Devine die Angst vor dem Sonnenuntergang und den nachts aufziehenden Depri-Gedanken. Wer diese Platte liebt, der hat garantiert auch Zach Braffs liebenswertes Regiedebüt „Garden State“ im heimischen DVD-Schrank stehen. 

„Between the Concrete & Clouds“ von Kevin Devine ist am 23. September 2011 bei Arctic Rodeo Recordings erschienen. Mehr unter http://www.kevindevine.net/

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