Dienstag, 6. Dezember 2011

Hörtest: The Black Keys – El Camino

Subjektive Vorbemerkung: Mit dem Video zu „10 A.M. Automatic“ vom „Rubber Factory“ Album entdeckt. Herrlich seltsam, vor allem wie die Securitys die Oma abdrängen. In Berlin selbige Platte erstanden. Überrascht, wie groß die Black Keys mit „Brothers“ schlagartig wurden. Die Freude überwiegt. Auch, weil „El Camino“ richtig gut ist. Richtig richtig gut. 

„Wer? Die Black Eyes Peas?“ Die Zeiten, in denen man solche Sprüche hörte, wenn man von diesem verwirrend coolen Duo hier erzählte, sind wohl definitiv vorbei. Wobei es Parallelen gibt: Dan Auerbach und Patrick Carney waren jetzt auch mal bei den Grammys – Fünfzehn Minuten waren sie dort, bekamen drei Trophäen. Guter Schnitt. Bedankt haben sie sich per Videobotschaft. Es ist nicht ihre Welt, sagen sie. Und trotzdem musste da erst Danger Mouse kommen, den man als Kreativkopf hinter Gnarls Barkley kennt, damit die Black Keys den kommerziellen Durchbruch schaffen. Er könnte für die Keys das werden, was Rick Rubin für Johnny Cash war. Das Album hieß „Brothers“ (2010), war mit einem sympathisch minimalistischen Artwork versehen und katapultierte die beiden Nerds in neue Dimensionen.

Nur ein Jahr später pulverisiert „El Camino“ sämtliche Zweifel: Ja, die hier sind gekommen, um zu bleiben. Erneut saß Danger Mouse an den Reglern. Und er scheint den beiden Sonderlingen zugeflüstert zu haben: „Jetzt fahren wir alles auf, was Krach macht.“ Wie der knarzigen Gitarre im Opener „Lonely Boy“ immer wieder kurz die Batterie versagt, die Drums drücken und die weiblichen Background-Vocals zusätzlichen Pomp aufs Tapet bringen – das ist groß. Dann drückt „Dead and Gone“ in der Sound-Zeitmaschine den „60er“-Knopf, auch hier wieder eine Dame als Gesangsverstärker und coole Soundgimmicks. Die gleißenden Synthies in „Gold on the Ceiling“ sollte man sich in den Wecker programmieren, um morgens stilvoll aus dem Bett zu fallen. Und was ist bei „Little Black Submarines“ los? Da erklimmen sie im unverzerrten Teil des Songs zuerst beinah den „Stairway to heaven“, um uns dann ein monströs erigiertes Gitarrenriff um die Ohren zu schlagen. Led Zeppelin-Gitarrenhexer Jimmy Page wäre stolz. Das ist nämlich das Schöne: Die Black Keys bleiben die Black Keys, auch mit ein paar mehr verkauften Platten. Und Dan Auerbach spielt Gitarre wie ein junger Gott. Authentisches Blues-Feeling, ruppige Rockraketen, gefühlvolle Licks – er kann es. Es kommt einem vor, als ob die Black Keys jetzt erst mit ihrem Album um die Ecke kommen, damit die Musikjournalisten ihre Bestenlisten nochmal durcheinanderwirbeln müssen, falls sie das Jahr schon als gelaufen betrachtet haben. Andererseits dürfte das Dan Auerbach und Patrick Carney leidlich egal sein.

Auch in der zweiten Plattenhälfte gehen die Ideen nicht aus. Klar: Auch auf den Platten vor „Brothers“ waren die Black Keys schon weltklasse. Jetzt tanzen halt auch die Black Eyed Peas-Fanfrauen dazu, weil der Sound glamouröser ist. Dass sie das nicht mehr als Duo auf die Bühne bringen können, ist auch klar (siehe Video unten). Aber wenn eine Band Erfolg hat, diesem aber nicht ihr Wesen opfert, ist das der Idealfall. Hier scheint genau das zuzutreffen. Nächstes Jahr gehen sie mit den Arctic Monkeys auf US-Tour. Bisher galten die Monkeys als Stars. Könnte aber sein, dass die Black Keys sie an die Wand spielen – zumal die „schwarzen Klaviertasten“ 2011 das bessere Album vorgelegt haben.

„El Camino“ von The Black Keys ist am 2. Dezember bei Nonesuch Records erschienen. Mehr unter  http://www.theblackkeys.com/
Den Auftritt bei Saturday Night Live kürzlich gibt's hier: 

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