Sonntag, 20. November 2011

Sonntags-Matinée: London Philharmonic Orchestra - The Greatest Video Game Music

Vorbemerkung: And now for something completely different: Ausnahmsweise mal was mit Orchester. Die Idee ist aber auch zu cool.

Mission Complete oder Game Over? Wenn eines der besten Orchester sich Musik aus Computerspielen vornimmt, lässt einen das aufhorchen - und wünschen, man hätte in der eigenen Orchester-Vergangenheit auch eher mal Wagner gegen Koji Kondo ausgetauscht.

Videos von japanischen Gitarrengenies, die auf zwei Gitarren "Super Mario Bros" zocken, gibt es auf Youtube zuhauf - und eben auch orchestrale Versionen von Computerspielmusik. Die Londoner Philharmonie serviert uns jetzt eine komplette Platte mit solchen Interpretationen. Profis, die sonst Mozart, Bach oder Beethoven spielen, nehmen sich die Musik unter anderem aus Ego-Shootern, Adventures und Action-Spielen vor.

Am besten funktioniert das natürlich, wenn die Ursprungsversion quakende 8-Bit-Piepsorgien waren. So wird aus Koji Kondos "Super Mario Bros Themes" ein Swing-Stück, das auch in George Gershwins "Amerikaner in Paris" prima reingepasst hätte. Auch das Tetris-Theme kommt seltsam verwandelt daher und könnte glatt als Variation eines Mozartschen Türkischen Marsches durchgehen. Oft liegt der Reiz der Kompositionen in diesen zusätzlichen Facetten, die die Orchestermusiker aus den Daddel-Soundtracks herauskitzeln. Man höre nur die Suite aus "Legend of Zelda", die eher nach Indiana Jones als nach Pixelmix tönt.

In anderen Momenten denkt man, den Soundtrack zu einem Actionfilm aufgelegt zu haben - was insofern nicht verwunderlich ist, als dass neuere Spiele-Kompositionen an sich bereits orchestral und bombastisch gehalten sind. Bei "Call of Duty" zeichnete ohnehin Hans Zimmer ("The Rock" und vieles vieles mehr) als Komponist verantwortlich. Aber auch bei diesen Stüclen hört man den Unterschied, wenn etwa das getragene "Final Fantasy"-Theme plötztlich nicht von Streichern aus der Retorte gespielt wird, sondern echte Musiker ihre Seele in das Spiel hineinlegen. "Avdenture Rising" gemahnt mit seinen Chören beinah an den "Herrn der Ringe", bei "Uncharted" verursachen die mehrstimmigen Blechbläser zentimeterdicke Gänsehaut. Weil in den vergangenen Jahr(zehnt)en Metal-Bands wie Rage oder Blind Guardian verzerrte Gitarren mit Orchesterklang gepaart haben, ertappt man sich in manchen Momenten, wie man auf den Einsatz der Stromgitarren wartet.
Einzig den Einsatz von Synthie-Drums hätte man sich bei "Grand Theft Auto" und "Metal Gear Solid" sparen können. Das pure Klassik-Feeling wird hier durch Effekte aufgebrochen, die nicht zur Atmosphäre beitragen.

Alles in allem ein gelungenes Experiment. Wenn jetzt noch andere Orchester diesem Beispiel folgen, dürfte man die Gamerfraktion vielleicht künftig öfter im Konzertsaal beggrüßen.

"The Greatest Video Game Music played by London Philharmonic Orchestra" erscheint am 25. November bei x 5 Music Group. Hier noch ein Eindruck in Videoform:

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