Sonntag, 6. November 2011

Sonntags-Matinée: La Dispute - Wildlife

Wenn ein Musikmagazin von einer Platte schwärmt, sie sei das wegweisende Nonplusultra überhaupt, ist das sympathisch fanboyig. Wenn das Magazin die Platte selbst rausbringt und diese dem Heft beilegt, riecht das für viele nach Eigen-PR. Am Ende egal. Denn "Wildlife" von La Dispute ist wirklich besonders.

Mein erster Gedanke: Das ist Hardcore? Warum sagt mir das denn niemand? Die ganzen Jahre halte ich muskelbepackten Prollcore für diese Gattung von Musik, finde vielleicht mal kurz einen Song von Hatebreed cool, würde mich im Zweifelsfall aber eher an Roger Mirets Disasters halten als an seine Agnostic Front. Und dann kommt die Dortmunder Visions-Crew und legt diesen fünf Jungspunden aus Michigan namens La Dispute die Zukunft des Hardcore in die Hände. Was ist dran am Hype?

Sagen wir mal so. Mir ist lange keine Platte mehr über den Weg gelaufen, die dermaßen eigen tönt, so konsequent, so durchdacht, so unbeliebig. Da plöngen erst die Gitarren, dann gesellt sich ein federndes Schlagzeug dazu. Und dann der Gesang: Exqueeze me? Baking Powder? Bitte wie? Jordan Dreyer klingt vom ersten Ton an überdreht, aber nicht auf die beknackte Art. Eher so wahnsinnig wie bei The Refused, mit denen La Dispute oft verglichen werden. Die permanent halbhysterische Note seines Gesangs wirkt dringlich, beschwörend, wir sollten ihm wohl zuhören. Und er hat etwas zu sagen. Texte, die nachdenklich und nicht mit der Parolenwalze plattgemacht wirken wie in "St. Paul Missionary Baptist Church Blues"; Geschichten, die sich tatsächlich so zugetragen haben wie in "King Park" - einen Durchlauf kann man locker schon mal dafür verwenden.

Weg vom Prollcore schiebt sich diese Platte auch durch ihren überaus cleveren Gebrauch von cleanen Gitarren: Man höre nur "Safer in the Forest/Love Song For Poor Michigan", wo man fast schon Bloc Party-artige Klänge inklusive kleiner Spielereien mit Glöckchen und Co. vernimmt. Intelligentes Songwriting, eine gute Portion Härte, unaufdringliche Melodien, die nicht sofort ins Ohr gehen, aber mit jedem Duchlauf wachsen - das sind La Dispute. Um Kommerz scheren sich die Fünf offenbar einen Scheiß, denn dieses Album hat Ecken und Kanten, biedert sich nicht an und macht alles richtig. Etwas Zeit sollte man aber investieren. Wenn einem der Gesang nicht zu anstrengend ist auf die Dauer.

"Wildlife" von La Dispute erscheint am 11. November bei No Sleep. Die Platte liegt der aktuellen Visions bei. Man bekommt sie aber auch bei den einschlägigen Internet-Plattenläden. Mehr unter www.ladisputemusic.com
Fun Fact: Wer sich das Video zu "Transparent Seas" von Make Do and Mend anschaut, sollte mal auf das Poster im Kinderzimmer achten.

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