Mittwoch, 23. November 2011

Hörtest: Hello Piedpiper - Birdsongs = Warsounds

Hallo Rattenfänger! Das sind aber 14 schöne Songs, mit denen Du uns dazu bringst, Dir zu folgen. Zu solchen Klängen will man sich im Herbstlaub wälzen und den Nebel ignorieren oder sich die Decke fester um die Schultern legen, während man den Sonnenaufgang im Auge hat. Der Junge mit der Gitarre überzeugt auf „Birdsounds = Warsongs“ auf ganzer Linie.

Solange es Menschen wie Fabio Bacchet gibt, ist die Welt noch zu retten. Musik wie eine Kuscheldecke.  „Piedpiper“ heißt zu Deutsch Rattenfänger, aber dieser Songwriter muss nicht zu Tricks greifen, um Anhänger zu finden. Auf der Solo-Tour mit Justin Sane kennengelernt, und was soll man sagen: Die Platte musste mit. 

Im Mittelpunkt des Albums stehen Fabios sanft-schmeichelnde Stimme und die brillant klingende Gitarre – aber hier mischen auch noch ein paar andere Instrumente mit. Da wären unter anderem die Akkordeonklänge, die „Like the lion in the morning time“ veredeln, eine Melodica, die Mundharmonika in „Who told you so“, das Glockenspiel in „We're coming home for you“ - verspielte Details eines Gesamtkunstwerks, das sich zwischen Juno-Soundtrack und Dylan-Diskographie perfekt einfügt. Das ist Folk, ja ok, das ist wegen des sympathischen DIY-Ansatzes auch Indie, aber vor allem ist es mal eins: gute Musik.

In manchen Momenten klingt der Kölner Songwriter wie ein Zwillingsbruder des ebenfalls bei aller Melancholie umarmenden Weakerthans-Fronters John K. Samson, in „The Pawn that beats the drake“ etwa. Auch die wehmütige Stimmung eines Elliott Smith fängt der Sänger der deutschen Indie-Pop Band "Stereo Inn“ ein. Das Intro von „Life in Autarky“ erinnert mit seinem dezenten Boom-Chicka-Boom-Rhythmus gar an den unvergessenen Johnny Cash. Der unaufgeregte Fingerstyle, den Fabio Bacchet auf der Gitarre zeigt, steht den Songs gut zu Gesicht. Songs über Freiheit seien das, Freundschaft und Protest, sagt er über sich selber. Wenn man auf die Texte hört, entdeckt man einen Menschen, der ein Auge für Details und Beobachtungen hat, lieber idealistisch als zynisch ist und mit der Gitarre in der Hand mehr Herzen erreicht als viele andere Musiker, die auf Pomp und Getöse setzen. Quiet is the new loud, war da nicht mal was? Hier 14 neue Argumente, warum in der Ruhe durchaus Kraft liegt.

„Birdsongs = Warsounds“ ist als Eigenproduktion erschienen und enthält drei Songs des Demos „The grass is always greener“. Auf www.hellopiedpiper.com gibt’s mehr Infos und weiterführende Links. Vier Songs könnt Ihr Euch schon hier anhören, auf Facebook gibt's die Stücke als Gratis-Download.


1 Kommentar:

  1. War auf der Tour auch schon total begeistert und habe mir die CD gekauft :) Die Songs sind wirklich wunderschön.

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