Freitag, 18. November 2011

Hörtest: Clap Your Hands Twice - Homecoming

Das kommt davon, wenn man auf Frank Turner hört: Seinen Aufruf, die Sterne vom Himmel zu holen, sich eine Gitarre zu schnappen und loszulegen in seinem Song „Try this at home“ haben sich Clap Your Hands Twice zweifellos zu Herzen genommen. "Homecoming" gibt eindrucksvoll Zeugnis davon.

Statt die von Downloads und Plastikpüppchen dominierte Welt hinzunehmen oder zu resignieren, haben drei junge Musiker den - pardon - Arsch hochgekriegt und treten uns mit ihrem Punkrock gehörigst in selbigen. Und genau darum geht’s doch: Warum das Feld den anderen überlassen – zumal wenn man es derart drauf hat wie das Trio aus einem kleinen Dorf im Zollernalbkreis.

„Homecoming“ ist bereits ihr Album Nummer zwei (nach der "Hometown Blues EP"), brachte es im Dortmunder Musikmagazin „Visions“ gar zum „Demo des Monats“ und zeigt eine selbstbewusste Band, die beinah schon beängstigend souverän verinnerlicht hat, was gute Musik ausmacht. Schon dieses Riff, das uns im Opener „Nostalgia“ begrüßt: schnörkellos, aber nicht platt, eingängig, aber nicht abgenutzt. Und dann der Text: „I'd like to come back home see the place where I was born and the loved ones of those good old days“. Moment, seid Ihr für solche Töne nicht etwas zu jung? Wobei – man kann es auch vorausschauend nennen. Besser als 40-Jährige, die über ihre Teenagerspäße singen. In diese Puddle of Mudd sind die beiden Brüder Christian und Daniel Stumfol und Daniel Butz nicht gehüpft, gut so.

„Masquerade“ klingt dann wie an den roboterhaften Schweden-Riffs von Millencolin geschult, das steht den Jungs. „These Six Strings“ ist eine Liebeserklärung an die Gitarre, und wieder ein Text, der echt und unaufgesetzt wirkt. Der Titelsong braucht nur Akustikgitarre, Gesang und Mundharmonika, um zu begeistern und steht damit in einer Tradition, die von Dylan bis Turner reicht. Umso energischer brettert „Remember These Days“ davon, ein Highlight der Platte, das coole Gitarrenlicks zu bieten hat. Zwischendurch haben sie den „Hometown Blues“, und das Thema Heimat scheint ein roter Faden zu sein. Kein Wunder: Dass man nicht in einer Metropole leben muss, um relevante Musik zu machen, wissen wir nicht erst seit Get Well Soon oder Adam Turlas Blockhütten-Trip (aus dem dann das Murder By Death-Album „Good Morning Magpie“ entstanden ist). Gesang, Gitarren, Bass und Drums sind eine verwobene Einheit – alles richtig gemacht. Füller findet man keine. Darauf kann man aufbauen, ein schönes Gedankenspiel, wo Clap Your Hands Twice in ein paar Jahren wohl stehen, mit einer Plattenfirma im Rücken, die an sie glaubt. Andererseits: Respekt, wie sie es auch ohne Label-Unterstützung schaffen, ihren Weg durch die verwirrend komplexe Musiklandschaft des 3. Jahrtausends zu gehen. Ihre im Eigenvertrieb erhältliche Platte gibt’s für die Musik-Nerds auch auf weißem Vinyl, der Sound klingt viel besser als vieles, was man sonst von sogenannten Nachwuchsbands so hört.

Eine Platte, nach deren Genuss man die Songs live hören, dabei durchdrehen und sein Bier verschütten will. Kann doch eigentlich kein schöneres Kompliment geben.

„Homecoming“ von Clap Your Hands Twice ist am 29. April 2011 erschienen und über die Internetseite der Band erhältlich. Auf der Bandcamp-Seite des Trios kann man sich das Album auch gratis herunterladen. Aber Ihr kennt ja meine Meinung: Vinyl hält ewig und ist MP3s in jedem Fall vorzuziehen.

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