Montag, 17. Oktober 2011

Von Leidenschaft und Lieblingsbands: Label-Porträt Flix Records

Als es ganz schlimm war, hat er sich auch mal zwei Wochen lang von Toastbrot und Thunfisch ernährt. Nein, ein Vermögen hat Felix Willikonsky bisher nicht verdient mit seiner eigenen Plattenfirma Flix Records. Aber das ist auch nicht unbedingt das Ziel. „Ich brauche das nicht nur für mein Ego. Ich brauche das nicht um cool zu sein. Es geht eher um Leidenschaft“, sagt der 27-jährige Wahl-Wiener, der kürzlich aus Stuttgart in die österreichische Hauptstadt gezogen ist, wo er Theater-, Film- und Medienwissenschaften studiert.

So eine Tour macht ganz schön müde.              Foto: pr
In einer Zeit, in der die Labels wegsterben, ein eigenes gründen: gar keine Existenzängste? „Klar, ich wusste, dass die Musikindustrie in der Krise steckt.“ Für Felix war aber der berühmte Ausspruch „In jeder Krise liegt auch eine Chance“ keine Floskel, sondern Realität: „Viele Bands hatten auf einmal kein Label mehr. Ich habe das als Chance begriffen, Bands ein Zuhause zu geben, die ohne Plattenfirma dastehen.“


Seit 2007 existiert das Label. Im April 2007 erschien die erste Seven Inch. Die Band hieß „My Early Mustang“, ehemalige Mitglieder der Band Liquido, die mit „Narcotic“ einen Riesenhit hatten. Die Musiker hatte eben jenes Schicksal getroffen: „Nuclear Blast hatten My Early Mustang gedroppt. Viele Bands hatten das gleiche Schicksal“, erinnert sich Felix. Er nahm mit der Band Kontakt auf, ganz ehrlich und geraderaus: „Ich hab Ihnen gesagt, ich heiße Felix, ich hab ein Label, finde Euch klasse, ich zahl Euch die Platte, wenn ihr die Idee gut findet, könnt Ihr dabei sein“, sagt der junge Musik-Unternehmer. „Ich hatte keine Ahnung am Anfang und hab mich auch nicht als Teil der Musikindustrie gesehen, sondern als Person. Deshalb auch der Label-Name. Das bin nur ich.“ Die Motivation ist nicht nur die Musik an sich, Felix freut sich auch, wenn er Platten verpacken und verkaufen kann. Platten produzieren, die im Regal verstauben, dist ist nicht seine Sache.


Das Label ist auch ein Ausgleich und mehr als ein Job für Felix: „Ich hab mich vorher durch die Schule gequält, mehr schlecht als recht.“ Zweimal fiel Felix durch die 11te, nach der Schule er arbeitete mit behinderten Kindern, stand bei Daimler am Fließband: „Das war ganz gruselig“. Nach dem Abi fing er an Anglistik und Geschichte zu studieren, lernte dann seine Freundin kennen und ging nach Wien. Die Vergangenheit ist abgehakt, aber nicht vergessen: An "furchtbare Nebenjobs bei Rewe an der Kasse oder Heckenschneiden auf der Autobahn" erinnert sich Felix. Bevor das Label existierte, bewarb er sich auf Praktika bei anderen Labels. Er sprach Leute auf dem Merchstand an, fragte sie nach Tipps und um Hilfe. Dabei fand er Verbündete: „Jan von Yoyo Records hat damals gesagt: Bring Deine erste Seven Inch raus. Wir haben einen ganzen Abend telefoniert. Er hat mir eine To Do Liste an die Hand gegeben: Hol Dir das Formular. Dann das. Presswerke. Ich bin trotzdem auf die Schnauze gefallen.“ Es ging aber stetig bergauf: Als Felix das Label hatte, suchte er sich Nebenjobs im Musikbereich. "Das Ganze habe ich immer als Ausbildung gesehen.“

Felix auf Tour mit The Static Age am Merchstand. Foto: pr
Zu seinen absoluten Favoriten zählt Felix die amerikanische Post-Punk-Band „The Static Age“. Auch diese Band veröffentlicht inzwischen auf seinem Label. Der Traum jedes Musik-Nerds. „Das ist seit rund zehn Jahren meine absolute Lieblingsband. Für mich ist das schon komisch. Einerseits bin ich Fan und war schon mehrfach mit The Static Age auf Tour gegangen. Es ist kurios: Man betrinkt sich miteinander, man muss sich auf Augenhöhe begegnen. Aber ich muss auch mal mit ihnen schimpfen, den Boss heraushängen lassen.“ Auch The Static Age hatten ihren Major-Vertrag verloren und mussten nochmal von vorne anfangen. „Wir bauen alles nochmal von vorne auf. Die Jungs wussten: Wir wollen diese Schritte nochmal gehen.“


Auch die neue Seven Inch von Justin Sane, Sänger von Anti-Flag, ist auf Flix Records erschienen. Die Arbeit mit Justin Sane hat Flix Records viel genutzt. Finanziell wie in Sachen Reputation. Dabei ist der amerikanische Punksänger denkbar bescheiden: „Justin war mit seinem Gesang nicht so zufrieden und findet sich selber nicht so toll.“ Für Felix ist es eine Chance: „Das ist die erste Veröffentlichung von Justin seit neun Jahren. Unsere Namen stehen auf der Hülle. Das hat schon was. Die Songs hat er live bei sich im Schlafzimmer eingespielt, ich rief ihn an, dass ich am Montag die Songs brauche, er hat sie Sonntagabend aufgenommen. Es ist eine Momentaufnahme.“


Und wo soll die Reise hingehen? „Mein Traum waren immer The Static Age, wegen denen hab ich das gemacht. So einen Traum hab ich gar nicht mehr. Für die will ich einfach einen guten Job machen.“ Im Portfolio könnte er sich auch einen coolen Hiphop Act vorstellen oder Funk, Santigold, Pharell Williams oder Public Enemy. Und: „Mit Ice-T würde ich gerne mal was machen.“ Keine Scheuklappen, wenn es um Musik geht: Wenn es ehrlich ist, sollte man der Musik eine Chance geben, findet Felix "Im Endeffekt ist es nur Musik. Ob es Abba ist oder Ramones. Ich kann ja nicht wissen, ob Joey Ramone cooler war als die Tante von Abba.“ 

Die nächste Band, die auf Flix Records ihre nächste Platte veröffentlichen wird, sind MxPx. Ein weiterer Schritt auf dem Weg in die richtige Richtung. „Ich hab mir immer Ziele gesetzt. Das erste ganz große Ziel war: Die erste Tour organisieren, dann die erste gute Tour organisieren. Und so weiter: die erste Platte rausbringen, die erste Platte rausbringen, die sich verkauft. Es ist wichtig, den nächsten Schritt zu gehen, dass es größer wird. Mein Label soll auf jeden Fall immer größer werden.“ Auch wenn Geld nicht immer die erste Geige spielt: „Ich hab schon auch das Ziel, einen Chartrelease zu veröffentlichen und später auch mal Geld damit verdienen.“ Von Toastbrot und Thunfisch muss sich Felix mittlerweile denn auch nicht mehr ernähren - also, nicht ausschließlich. 
Und gleich gibt's hier noch ne Verlosung. 

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