Sonntag, 30. Oktober 2011

Sonntags-Matinée: Samiam - Trips

„Trips“ nennen Samiam  ihr erstes richtiges Studioalbum seit fünf Jahren. Aber keine Sorge: Verdrogt ist hier nichts. Im Gegenteil: 13 Songs, die hellwach sind – und einem ebenfalls den Schlaf aus den Augen und den Ohren pusten.

Kurzes Gitarrenfeedback, Drums, Gesang: Samiam brauchen auf Trips nur wenige Sekunden, um klarzumachen, um was es hier geht. Kurz, knackig und prägnant – Punk ist nicht Prog, und warum soll man mehr als drei Minuten brauchen, wenn alles gesagt ist? Das eröffnende Trio „80 West“, „Cleaning Up The Mess“ und „September Holiday“ verbindet Melodien, Energie und dezente Härte zu einer genießbaren Melange. Die Gitarrenriffs scheinen allen Hobby-Strummern zuzurufen: „Das ist doch machbar, auch ohne 30 Stunden Übung“. Das Covermotiv – ein Elefant auf einem Mini-Motorroller, der über eine Skateboardrampe durch einen brennenden Reifen springen wird – trifft’s: Hier sind Schwergewichte am Werk, die wendig genug sind, um spektakuläre Ohrwürmer zu schreiben.

Aber ein bisschen mehr als poppig-punkig-lustige Songs, die auch als Soundtrack zu den vor ein paar Jahren trendigen Teenie-Komödien á la Road Trip taugen könnten, steckt dann schon dahinter. In „Demon“ schwingt ein Hauch von Dinosaur Jr. mit, mit „Over Now“ drücken sie wieder aufs Gaspedal. Hin und wieder schieben sich Moll-Akkorde zwischen die sonnendurchfluteten Songs, die Justin Beebout mit einer melancholischen Note in der Stimme singt. Dieses Timbre erinnert mich in manchen Momenten an André Kunze von den Koblenzern Earthbend.

Der Trick an „Trips“: Das mag simpel sein und es ist auch nicht neu – aber es kommt von Herzen. Auch wenn es nach Easy Listening klingt und dem Hörer denkbar einfach macht – wir haben es hier mit der Band zu tun, die mit ihrer Textzeile „I forgot how good it feels to be part of a spinning wheel“ (in „Dull“) das Verständnis von Szene-Zusammenhalt auf den Punkt gebracht hat. Wenn sich in „El Dorado“ langgezogene „Oh-hoos“ gegen Gitarren-Spuren stellen, hat man fast das Gefühl, dass sich Bloc Party hier den Punkrock-Anteil in ihrer Musik geliehen haben. Der größte Luxus, den man sich gönnt, sind mehrstimmige Chöre wie in „Did You Change“ mit seinen coolen Stakkato-Riffs.

Verspielt und doch schnörkellos: Samiam haben mit „Trips“, das übrigens im Studio von Green Day aufgenommen wurde, ein überzeugendes Argument abgeliefert, warum man von dieser Szenegröße etwas im Schrank stehen haben sollte.

„Trips“ von Samiam ist am 9. September bei Hopeless Records erschienen. Mehr unter www.samiamfancy.com und unter www.myspace.com/samiam
Das Album  streamt in voller Länge unter http://www.altpress.com/features/entry/exclusive_album_stream_samiams_trips

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