Sonntag, 25. September 2011

Sonntags-Matinée: Little Barrie - King of the Waves

Kein Album, auf das man sehnsüchtig gewartet hat. Eher schon eines, was überraschend kommt. Und zwar nicht nur, was den Zeitpunkt angeht. Little Barrie krönen den „King of the Waves“ und bescheren uns ein kleines Platten-Juwel.

Klar, „Stand Your Ground“ war gut. Ich hatte die Platte schon im Schrank stehen, als ich im Berliner Plattenladen „Mr. Dead and Mrs. Free“ einen Flyer mit Empfehlungen das Hauses in die Hand bekam. Darauf stand unter anderem: Little Barries „Stand Your Ground“. Bestätigung für den protektionistischen Musik-Nerd. Fünf Jahre später kommt unverhofft „King of the Waves“ um die Ecke. Und was ist da los? Da hat aber jemand den Overdrive-Regler ganz schön weit nach rechts gedreht. Der Opener „Surf Hell“ brät uns fuzzig-bissige Gitarren über und macht seinem Namen alle Ehre. Der perfekte Sound für den coolen Auftritt mit gut geschmierter Tolle auf dem Tanzflur eines coolen Rockabilly-Schuppens. Dann wischen sie bei „How Come“ etwas den Dreck vom Effektgerät, aber die Songs bleiben souverän.

Erzähl mir nichts Neues, aber erzähl es mir so, dass ich es hören will: Diesen Retro-Ratschlag scheinen sich die englischen Rock-Epigonen zu Herzen genommen zu haben. Die Songs greifen die staubtrockene Blues-Coolness auf, die auch Vaughn-Songs innewohnte, lässig und soulig liefern die Briten den Soundtrack zum rauchig-versoffenen Abend ebenso wie zum Kater am nächsten Morgen. Der Surf-Einschlag zieht sich immer wieder elegant durch die Songs und macht „I Can't Wait“ zum beswingten Hörvergnügen. Und Barrie Cardogan mit seiner niedlich-näselnden Stimme passt so gar nicht zum coolen Sound, aber das ist schon wieder das Gute daran. Eine dreckige Stimme würde hier Klischeealarm auslösen. Selten hat eine Platte so Lust gemacht, die Songs live in einer runtergewirtschafteten Kaschemme auf der Bühne zu erleben. Auch Gitarristen werden ihre helle Freude an dem extrem gefälligen Geschrammel haben und sich über coole Effektspielereien freuen. Ach ja: Als Gastmusiker ist unter anderem Edwyn Collins zu hören.


„King of the Waves“ von Little Barrie ist am 29. Juli bei Bumpman Records erschienen. Offizielle Internetseite: www.littlebarrie.com

Live-Termine:

23. Oktober: Köln - Blue Shell
24. Oktober: Hamburg - Knust
25. Oktober: Berlin - Lido
26. Oktober: München - Kranhalle

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