Freitag, 2. September 2011

Hörtest: The Static Age - In the City of Wandering Lights

Wer sagt eigentlich, dass in den Achtzigern alles schlecht war? Gut, Modern Talking und Spandex-Hosen haben uns das Jahrzehnt etwas versaut. Aber es gab auch New Wave, Post-Punk und somit Grund zum Optimismus. Wenn auch Letzteres nie das Thema dieser Musik war. The Static Age hört man die Achtziger an, aber vor allem sind sie eins: verdammt atmosphärisch. 

Mondlicht. Gegenlicht. Dämmerlicht. Ich hab Static Age jetzt bei allen Aggregatszuständen des Lichts gehört. Und es passt jedes Mal. Prima kann man sich von "Down To Your Canyons" in den rotweingetränkten arte-Schlaf wiegen lassen. Bestens kann man sich zu den Klängen von "Come Swimming" leicht überbelichtete Bilder eines Independent-Liebesfilms vorstellen. Und bestens passen die flächigen Keyboards von "Patience" zu der Stunde, wenn die Sonne versinkt und es dunkel wird. Früher schon mit Interpol und Hot Hot Heat auf Tour gewesen. Passt: Der Sound ist in manchen Momenten so melancholisch wie Interpol, manchmal so euphorisch wie Hot Hot Heat (man denke nur an "Pickin' it up"). Und damit ist der Sound der Band trotzdem noch nicht treffend beschrieben. Ein Fall für die Tanzfläche, ja manchmal, aber auch für die Stunden, wenn man allein sein will.

Die Band um Sänger und Gitarrist Andrew Paley sowie Basser Adam Meilleur verpackt ihre Songwriter-Künste in Lieder, deren Wirkung sich am besten unter dem Kopfhörer in einem dunklen Raum ergründen lässt. Dabei denkt man noch beim Opener "Wires" kurz, einen neuen The Kooks-Song vor sich zu haben, des Intro-Riffs wegen. Dann weckt eine Gitarrenfigur ganz kurz Erinnerungen an "The Invisible Touch" von Genesis - und dann kommt diese Stimme, die man gerne bei sich haben würde, wenn man beruhigt oder aufgebaut werden möchte. Andrew Paley pendelt zwischen samtig und kraftvoll, zwischen beschwörend und zupackend. Wie der Song in seinen nahezu fünf Minuten immer neue Wendungen nimmt, die Gitarrenfiguren verschnörkelt Wogen schlagen - eine Blaupause für den perfekten Song.

Und wenn dann in "Metropolis" noch diese dräuenden Bässe über einem zusammenschlagen, dass man denkt, die Nachtschwärze greifen zu können, ist man dieser Band aus Burlington, Vermont, eh schon verfallen. Und will diese düster schimmernde Stadt der umherschweifenden Lichter erkunden, immer und immer wieder.

"In The City Of Wanderung Lights" von The Static Age ist am 19. April 2011 bei Flix Records erschienen. Mehr auf der Internetseite der Band. Dort kann man auch in das Album reinhören und sich die i/o-EP gratis herunterladen.

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