Mittwoch, 28. September 2011

Hörtest: Male Bonding - Endless Now

Lärm und Melodie gehen die perfekte Ehe ein: Male Bonding brettern auf „Endless Now“ durch ein Dutzend noisige Pop-Perlen. Sie dürfen die Braut jetzt küssen. Aber Vorsicht: Das könnte sie umhauen.

Oder andersrum: Fühlt sich an, als ob man zwölf Mal Schönheit erleben darf. Male Bonding schrauben den Punk-Anteil zugunsten von Shoegazing-Elementen runter, verlernen dabei aber das Rocken nicht und spielen so präzise auf den Punkt, dass einem die Freudentränen in den Hörgang sickern, wenn man – wie es sich für dieses Werk gehören würde – aufs Bett wirft und die Außenwelt aussperrt. Zuerst ballern einem die ersten drei Songs „Tame the Sun“, „Carrying“ und „Seems To Take Notice Now“ um die Ohren und bleiben jeweils unter der 3-Minuten-Grenze. Dann kommt das überragende „Bones“ direkt ausschweifend daher mit seinen 6:23. Bis dahin haben sich schon so viele Melodien im Hirn festgesetzt, dass andere Bands neidisch werden müssten. Unbeschwert klingt das und völlig losgelöst von aktuellen Trends – eine Band macht was sie will. Die Briten ziehen das ähnlich pop-lastig durch die The Pains of Being Pure At Heart, gehen aber eine Spur härter zu Werke. Nach den pfeilschnellen Noise-Kaskaden fällt das eineinhalbminütige „The Saddle“ mit Akustik-Gitarre und Streichern aus dem Rahmen, täuscht aber natürlich nur kurz. Die Musik fühlt sich an, als würde man an einem Sommertag übers Wasser sprinten, um dann in einen großen Pool aus sprudelnder Limonade zu fallen. Dem Dortmunder Musikmagazin Visions war das sogar die „Platte des Monats“ wert, aber sie haben im Grunde nicht übertrieben. Das drückt, das schraddelt, das setzt sich fest. Besser kann man diese Art von Musik kaum machen. 

"Endless Now" von Male Bonding ist am 2. September bei Sub Pop erschienen. Mehr unter www.myspace.com/malebonding

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