Freitag, 16. September 2011

Hörtest: Chuck Ragan - Covering Ground (+ Verlosung)

Zehn neue Hymnen, zehn mal zupackender Country-Folk-Sound mit Attitüde: Chuck Ragan macht auf „Covering Ground“ vieles richtig und alles mit unverfälschtem Urwuchs-Charme. Willkommen auf dem Country-Stomp, wo Karohemd und tätowierte Unterarme zum Dresscode gehören.

Es ist schon viel darüber geschrieben worden, dass es Twitter und Co. sind, iPhone und Tablets, die den Menschen nach einer einfacheren, ursprünglicheren Welt lechzen lassen. Und dass der Boom von indie-getriebenen Folk- und Country-Klängen daher rührt. Schon möglich, aber ist doch gut, wenn die Musik dabei so leidenschaftlich klingt. Murder by Death gehen in die Wildnis zum Songs schreiben und müssten mit Thoreaus „Walden“ ihre Bibel gefunden haben, die Fleet Foxes gehen noch ein paar Jahrzehnte weiter zurück.

Chuck Ragan schöpft aus verschiedenen musikalischen Quellen, ob Country, Bluegrass oder Blues. Seine Songs brennen das Feuer ab, das auch die Hot Water Music zum Brodeln bringt. So in etwa, als ob jemand ihm E-Gitarre und Verstärker geklaut hätte, er sich davon aber nicht leise kriegen lässt. „You Get What You Give“ zeigt diese blutig-rohen Stimmbänder einmal mehr in Hochform, aber es geht auch eine Spur leiser wie in „Wish on The Moon“. Noch mehr rücken die Instrumente diesmal zusammen, Geige und Kontrabass schieben sich in den Vordergrund. Das dürfte live noch ein Schauspiel werden auf der Revival Tour: Jon Gaunt an der Geige wirkte vergangenes Jahr beim Support-Gig für The Gaslight Anthem mit Chuck auf der Bühne wie ein Redneck-Trucker, dem man besser nicht zu nahe kommen wollte – und der dann Violinklänge mit Schmelz auspackt, dass jeder Folk-Fiddler neidisch wird. Joe Ginsberg gibt am Kontrabass den Rhythmus vor, und dass dieser Boom-Chicka-Boom-Stomp mächtig Dampf in der Hütte machen kann, wissen wir ja nicht erst seit „Walk The Line“, erfahren es aber mit „Nomad By Fate“ einmal mehr.

Der Song gibt auch thematisch die Route vor. Es geht unter anderem ums Reisen, um die unermüdlichen Touren, die Chuck Ragan hinter sich und vor sich hat, um den Abschied von zuhause („Right as Rain“) und um das Gefühl, von den geliebten Menschen weit entfernt zu sein, wenn man auf Tour ist. Daher auch der Titel „Covering Ground“. Die musikalische Entwicklung ist spürbar: Auf „Feast or Famine“ waren ein paar Songs toll, „Gold Country“ begeisterte über die volle Länge und die neue Platte steht dem in nichts nach, auch wenn manche Songidee nicht ganz so zwingend ausgefallen ist und natürlich der Exoten-Bonus weg ist. „Come Around“ mit seinem Geigenkreisel sticht heraus, aber auch „Meet You In The Middle“ mit Gastsänger Brian Fallon. Wie im Kino gilt hier übrigens: Bis zum Schluss sitzenbleiben lohnt sich. Nach „Lost and Found“ gibt es einen Hidden Track zu hören. Kann übrigens mal jemand Chuck Ragan und Flogging Molly zusammen auf Tour schicken? Die Herrschaften könnten sich Akkordeon und Geige gleich teilen – und strahlen diese grundehrliche Arbeiter-Aura aus, die das Ganze so genießbar macht. 


So eine Mini-Muha verlost
Tinnitus Attacks.     Foto: CC
Tinnitus Attacks verlost in Zusammenarbeit mit Side One Dummy zur Veröffentlichung von „Covering Ground“ eine Mini-Mundharmonika mit „Covering Ground“-Gravur. Schickt einfach eine Mail mit Eurer Anschrift an Tinnitus Attacks. Ihr müsst nur eine Frage beantworten: Was hat es mit dem Namen Hot Water Music auf sich? Unter den richtigen Antworten wird die Muha verlost. Der Gewinner wird benachrichtigt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist der 30. September 2011. UPDATE: Die Verlosung ist jetzt abgeschlossen.


Covering Ground von Chuck Ragan erscheint am heutigen Freitag bei Sideonedummy. Offizielle Internetseite: www.chuckraganmusic.com. Das Album streamt hier in voller Länge. 




Chuck Ragan "Covering Ground" Full Album Stream by SideOneDummy

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