Mittwoch, 7. September 2011

Hörtest: 16 Horsepower - Yours, Truly

Streng christliche Erziehung mag nicht besonders populär sein. Dabei hat sie zumindest etwas Positives: Musiker, die sie genossen haben, klingen anders. Ob Josh T. Pearson oder die Kings of Leon – sowas prägt und Musiknerds in aller Welt profitieren davon. Auch bei 16 Horsepower: Mit „Yours, Truly“ legen die Alt.Country-Amerikaner eine posthume Werkschau vor, die nach Fegefeuer, Kasteiung und Askese klingt.

David Eugene Edwards - Mastermind und Sänger der 2005 aufgelösten 16 Horsepower - ist ein heulender Wolf auf einer mit kargen Banjoklängen gepflasterten Prärie, und über ihm hängt ein blutroter Mond, der nichts Gutes verheißt. Kein Wunder, wenn einen der „Black Soul Choir“ mit Heulen und Zähneklappern begrüßt in diesem eindrucksvollen Reigen voller verstörender Songschönheiten.

Vielleicht kamen 16 Horsepower damals mit ihrem „Gothic Country“ einfach etwas zu früh, denn den großen Erfolg hatten sie meines Wissens nach nie, auch wenn das Album „Sackcloth ’n’Ashes“ den Weg zu mehr Popularität ebnete. Vielleicht wären sie heutzutage größer rausgekommen.

Dann aber auch wieder wohl nicht – denn mit der unbeschwerten Folkfröhlichkeit von The Head and The Heart oder der koketten Melancholie der Fleet Foxes haben 16 Horsepower nichts gemeinsam. Zu depressiv tönt „American Wheeze“, dieses nervös leichenzuckende Stück Schauderpoesie. Zu düster muten die Texte des Trios generell an, das seine Fans im Internet abstimmen ließ, welche Songs auf die erste der beiden Platten gebannt werden sollen. Da ist das beinah schon grungige „Splinters“, das von Streichern zerfetzte „Cinder Alley“ oder das unsicher schunkelnde „Low Estate“, um nur einige zu nennen.

Verwunschen und spukig klingt das alles, aber dabei doch so schön, dass man über die die gespaltene Seele zu sinnieren beginnt, die sie verfasst haben muss. Edwards war ganz nah am Thema christliche Erziehung dran als Kind, als Jugendlicher. Das reflektiert er in seinen Songs, aber ohne Verbitterung. Die Band ist zwar seit sechs Jahren Geschichte, mit „Woven Hand“ macht Edwards aber ähnliche und gute Musik.

Platte Nummer zwei ist B-Seiten und Raritäten gewidmet, und man muss schon viel gesammelt und die Augen offen gehalten haben, um das alles bereits im Regal stehen zu haben. Ein Sammelsurium für Komplettisten, überlegt zusammengestellt und schön dargereicht. Und der nichts Gutes verheißende Mond, der sich als Eindruck aufdrängt, da ist der dann tatsächlich: Mit dem Cover von Creedence Clearwater Revivals „Bad Moon Rising“ verbeugen sich 16 Horsepower vor John Fogerty und Co.
Der Sommer ist vorbei – begrüßen wir den Herbst, den Soundtrack dazu haben wir soeben gekürt.


"Yours, Truly" von 16 Horsepower ist am 2. September bei Glitterhouse Records erschienen. Mehr zur Band unter www.myspace.com/16horses.

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