Sonntag, 7. August 2011

Sonntags-Matinée: Alkaline Trio - Damnesia

Nicht mehr ganz so schwarz: Wenn man Punkrock-Songs mit Hang zum Pop und morbiden Texten in Akustik-Gewänder kleidet, werden sie vielleicht ein bisschen radiokompatibler. Ihre düster schimmernde Aura verlieren die Songs des Alkaline Trio aber bei dieser Unplugged-Session nicht. Wäre ja auch schade drum. 

Wenn sie da von Löchern in der Brust singen, von Benzinkanistern und Streichhölzern, von obsessiver Liebe, Matt Skiba und Dan Adriano, will man sich am liebsten zehnmal hintereinander The Crow anschauen und siebenmal alles von Beaudelaire lesen. Man will lachen und heulen, sich über glückliche Momente freuen, fluchen, weil sie nicht konservierbar sind, und in einen Pool voller Tränen springen, um darin zu schwimmen. Borderline-Punkrock, diesmal aber stripped down to unplugged, oder so ähnlich. Alkaline Trio mögen durch ihre unglaublich catchy Melodien harmlos klingen, mancher kritisiert gar die poppigen Produktionen von Alben wie "Crimson" oder "Agony & Irony", doch die Lyrics haben es in sich. "This Could Be Love", diese rubinrot getönte Mörderballade, verliert nichts an Intensität in ihrer der verzerrten Gitarren beraubten Version, im Gegenteil. Das vielzitierte Kopfkino, da produziert es einen Horrorschocker. Die Fans durften sich die Songs aussuchen, bei denen das Trio die Akustikgitarren umhängt und unbeschwert drauf losrockt. Da wird "Mercy Me" zum entspannt klingen Gute-Laune-Song und "The American Scream" zur getragenen Piano-Hymne. Im Idealfall treten ja neue Facetten zutage, wenn Bands ihre Lieder nochmal neu interpretieren. Das ist Alkaline Trio gelungen. Ähnlich wie bei "Skin and Bones" von den Foo Fighters lassen sich die Songs (von allen wichtigen Alben sind Stücke vertreten) neu entdecken, offenbaren ungewohnte ruhige Seiten, ohne an Substanz zu verlieren.

Kaum aus dem Rahmen fällt da das Violent Femmes-Cover "I held her in my arms", das auch als Eigenkomposition durchgehen könnte, wenn man es nicht wüsste. An Bord sind auch zwei neue Stücke der Amerikaner. Die Bier-Hymne "Olde English 800" kokettiert mit Zeilen wie "You make my grey skies blue/I drink you daily as my liver's failing/but I don't give a fuck/ Olde English I'm in love with you." Ob man den Song bald im Werbefernsehen hören wird? Die zweite Neukomposition ist "I Remember A Rooftop", wiederum ein melancholisches Liebeslied. Das können sie einfach. Good Charlotte und Co: Lernt von diesen Vorbildern, wie man Punkrock und Pop zusammenbringt.

"Damnesia" von Alkaline Trio ist am 15. Juli 2011 erschienen bei Hassle Records. Mehr unter www.alkalinetrio.com

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