Samstag, 20. August 2011

Konzertkritik: NoFX in Lindau

NoFX.
Support: The Flatliners, Strung Out.
Punkrock Holidays, Club Vaudeville, Lindau, 19. August.
Text und Fotos: Daniel Drescher

Die Bierbecher-Szene: Fat Mike von NoFX
Das waren wohl ein paar Becher zuviel: Wegen ein paar Nasen, die die Bühne mit Bierbechern bombardieren, ist Fat Mike gleich zu Beginn des NoFX-Auftritts in Lindau verstimmt. Er versucht's auf die deutliche Art, droht, weniger Songs für jeden Becher, der ihn trifft, zu spielen. Als das nicht funktioniert, bittet er höflich, den Blödsinn zu unterlassen. Den Werfern - sind sie betrunken, übermütig, beschränkt? - ist es egal. Immer wieder fliegen Becher im hohen Bogen auf die Bühne, manche sind halbvoll, Bierfontänen spritzen über Fat Mike und seine Band. Fat Mike, der Labelboss von Fat Wreck Chords und Initiator der "Rock Against Bush"-Kampagne,  ist sauer: "Thanks for ruining my evening". Seid ihr jetzt zufrieden? Die Becherwürfe werden bis zum Ende des Konzerts nicht aufhören. Dafür streichen NoFX kurzerhand ein paar Songs von ihrer Setlist, Linolium verpasst. Dankeschön. Um 21.48 Uhr stürmen Fat Mike, El Hefe, Eric Melvin und Erik Sandin von der Bühne. "Encore" rufen die Fans. Nichts zu machen. Die Bühne bleibt leer. Aber auch, weil die Stadt Lindau angeordnet hat, dass um 22 Uhr Ende sein muss. Trotzdem: Für NoFX ist der Auftritt ein Debakel, El Hefe twittert ausführlich dazu, erzählt, dass er "Arsch treten wollte". Auch NoFX-Manager Kent Jamieson meldet sich zu Wort und twittert ein Bild von Mike und Eric Melvin, die später noch mit der akustischen Gitarre ein paar Songs für die Fans spielen. Jamieson: "Mel and Mike play for asshole crowd by bus after worst show ever. Thanks to asshole crowd." Hier könnt Ihr das Bild sehen.

Tja, schade drum. NoFX mögen in ihren Live-Plattentiteln tiefstapeln ("They've actually gotten worse live"), sie sind eine Wucht. Ihr simpler, aber effizient gespielter Melo-Punkrock haut einem die Luft aus den Lungen, lässt einen spaßige oder politische Parolen mitgrölen und gehört mit zum Besten, was je aufgenommen wurde. Songs wie das seinem Namen alle Ehre machende "Blasphemy", das sägende "Seeing Double at The Triple Rock" oder das reggae-artige "Eat The Meek" zaubern einem ein breites Grinsen aufs Gesicht, egal, wie schlecht gelaunt man gerade sein mag.

Nah an den Fans: Jason Cruz, Strung Out.
Davor hämmern Strung Out, die ja ebenfalls bei Fat Wreck Chords unter Vertrag sind, den Fans ihre straighten Punkrock-Granaten um die Ohren. Sänger Jason Cruz fordert die Menge auf, sich zu bewegen, weil die Sommerhitze scheinbar etwas lähmend wirkt. Immerhin: Kurze Regen-Intermezzi trüben die Stimmung kaum. Glück für den Club Vaudeville: Das angekündigte Unwetter bleibt aus. Die Idee, ein Open Air mit eigener Bühne neben dem Club zu machen, ist gut. Punkrock Holidays im besten Sinne.


Großartig: Chris Cresswell, The Flatliners.
Die Überraschung des Abends sind The Flatliners (auch bei Fat Wreck Chords). Einer, der mit ihnen auf Tour ist, sagt über sie: "The best Punkrock since Against Me!" Und siehe da: Chris Cresswell könnte glatt als der jüngere Zwillingsbruder von Against Me!-Sänger Tom Gabel durchgehen. Ähnlich charismatisch und hingebungsvoll ist er auch: Solch überbordende Frontmann-Qualitäten hat längst nicht jeder Sänger.

Mehr Fotos findet Ihr auf der Facebook-Seite von Tinnitus Attacks



1 Kommentar:

  1. "Thanks to asshole crowd"

    Bitteschön, gerne wieder....Pappnasen, wenigstens hamm se Moron brothers gzockt.

    Außerdem, Fat Mike entpuppt sich als Lügner, habe mir eure Galerie bei Fressebuch angesehen, und siehe da auf der Set list steht weder stickin noch Bob....

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