Mittwoch, 3. August 2011

Konzertkritik: Canned Heat am Kulturufer

Canned Heat
Großes Zelt, Kulturufer Friedrichshafen, 1. August 2011
Text und Fotos: Daniel Drescher

Vorbemerkung: Nein, keine Sorge. Das hier wird kein Classic-Rock-Blog. Auch wenn Canned Heat eigentlich nicht zu den klassischen Tinnitus Attacks-Themen zählen: Warum nicht was bloggen, wenn ich eh für die Zeitung dort war. 

Das einzig verbliebene Gründungsmitglied: Larry Taylor.


Kurt Cobain hätte es wohl nicht sonderlich gefallen. Dem Nirvana-Fronter, der 1994 den Freitod wählte,wird das Zitat zugeschrieben, das Grunge auf den Punkt bringt: "If you solo, you suck." Zu Deutsch: Wer soliert, nervt. Soli spielen die Altherren-Viererkette einige an diesem Abend. Mundharmonika-Solo? Check. Gitarren-Solo? Logisch. Drum-Solo? Gar nicht mal soo gut. Bass-Solo? Interessant. Aber der Reihe nach.

Gitarrist Harvey Mandel.


Canned Heat mobilisieren Fans jeglicher Altersklasse, man sieht Althippies mit schütterem Haar ebenso wie Rockabilly-Szenegänger neueren Baujahrs. Für mich waren Canned Heat immer die Band, die ich mal an irgend einem verregneten Wochenende auf 3sat gesehen habe, wie sie - noch mit einem inzwischen verstorbenen Sänger, meine ich - ihren riesigen Hit "On the road again" spielten. Oder eben auch die Band, die mit diesem Song und dem anderen Hit "Let's work together" auf der ersten Doppelkassette vertreten waren, die ich mein Eigen nannte, einem Bluessampler. Dass Canned Heat als Zugpferd dienten für ein Zeltfestival könnten, hab ich eher nicht gesehen. Ausverkauft war das Große Zelt jedenfalls nicht, aber die Fans sind da und wollen die Woodstock-Überlebenden rocken sehen.

Dale Spalding (vorne), im Hintergrund Larry Taylor.
Das tun Larry Taylor, Harvey Mandel, Adolfo de la Parra und Dalve Spalding auch. Allerdings mit angezogener Handbremse. Aktionsradius gleich Null, Mandel sitzt die meiste Zeit, auch sonst sind die alten Männer nicht besonders bewegungsfreudig. Das würde nichts ausmachen, wenn sie Spaß am Spiel hätten. Alles wirkt solide, die Mixtur aus Blues, Boogie und Country, die Songs, die Soli, das Zusammenspiel. Nur leider auch berechenbar und irgendwie fast lustlos. Da kann der Rolling Stone sie zehnmal in die Top 50 der wichtigsten Bands voten: Dieses zu Drei Viertel wiedervereinigte Woodstock-Lineup (Dale Spalding ist neu dabei) spielt, aber verausgabt sich nicht. Vor allem, als die Band, die 1969 bei Woodstock mit "Goin' up the Country" den Soundtrack zum Hippie-Happening lieferte, die Bühne nach nur einer Stunde verlässt, sieht man viele fragende Blicke. Für ein paar Zugaben kommen die Musiker nochmal auf die Bühne, aber um 21.31 Uhr ist endgültig Schicht. Schade für die Fans, die ein bisschen brauchen, um aufzutauen. "You can move", ruft ihnen Dale Spalding anfangs zu, weil manche wie festgenagelt dastehen. Als die Leute dann tanzen, ist Ende.

Klar, das hier ist Friedrichshafen und nicht Woodstock.
Aber etwas mehr Motivation hätte es dann schon sein dürfen.

Meine Konzertkritik aus der Schwäbischen Zeitung findet Ihr auf www.schwäbische.de

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