Freitag, 19. August 2011

Hörtest: Atlas Losing Grip – State of Unrest

Skateboard abgestaubt, Iron Maiden-Shirt angezogen: Atlas Losing Grip beschwören mit „State of Unrest“ den melodischen Skate Punk der 90er. Zu dem Sound legt man sich doch liebend gerne auf die Fresse. Dann sieht es wenigstens episch aus, wenn jemand gerade zufällig mit der Cam draufhält. Don’t try this in your Wohnzimmer.

Atlas, das waren nicht nur diese Dinger im Erdkunde-Unterricht, die heute putzig überholt aussehen, wenn man die GUS-Staaten darin findet. Nein, Atlas ist in der griechischen Mythologie der Titan, der das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trägt. Dem alten Knaben scheint es nicht besonders zu gehen, wenn er den Grip verliert, wie im Bandnamen angedeutet. Kein Wunder, er muss ’ne Menge wuchten: „We carried the weight of the world on our shoulders“ heißt es in der ersten Zeile des Openers „Logic“, einer Hymne für Dawkins-Fans: Es ist egal, ob Gott den Menschen oder der Mensch Gott erschaffen hat, heißt es da, Nietzsches „Gott ist tot“-Zitat ist der Aufschrei im Refrain und die logische Forderung lautet: „Trade your prayer of salvation/for a logical solution!“ Da könnt Ihr gleich NoFX-Chef Fat Mike auf Eurer Skate-Tour abholen, der hat Spaß an sowas. Auch in „All In A Days Work“ kriegt die organisierte Religion eins auf den Sack, „Do What Thou Wilt Shall Be the Whole of the Law“ wird da das satanistische Credo zitiert. Kein Wunder: Hier ist eine Band am Start, deren Sänger Rodrigo Alfara früher mal bei den ebenfalls nicht unbeliebten Satanic Surfers das Mikro malträtierte. Dessen Stimme sorgt für Wiedererkennungswet, erinnert extrem an das Timbre eines Tim McIlrath (Rise Against) und passt bestens zum wuchtigen Sound der Band. Diese dicke Wand aus Gitarren, Bass und Schlagzeug hat Produzent Jason Livermore in Szene gesetzt, der auch schon für No Use For A Name und andere übliche Verdächtige am Mischpult saß. Die Platte springt einem direkt ins Gesicht mit ihrem Schmackes-Schallgrenzen-Mix.

Und wie das immer so ist bei dieser Art von Bands: Da schwingt auch eine gehörige Metalkante mit. Man höre nur mal „Contemplation“ mit seinen zweistimmigen Gitarrenleads. Schaut mal, Sum 41: So könntet Ihr klingen, wenn Ihr Euch Eier wachsen lassen würdet und die auf „All Killer, No Filler“ angedeutete Metal-Obsession nicht nur Verkaufsargument wäre. Diese Platte hat alles, was sich der Punkrock-Fan wünscht: Melodische Gitarrenschlachten, Hardcore-Momente, Shouts wie von einer Straßengang und deutliche Ansagen: „You can’t break me“ geht das dann, oder „I rise above“, oder auch „Rise on up from the underground“. Plakativ, ja. Peinlich, nein.
Eine echte Überraschung, so ein Punkrock-Juwel aus Schweden. Nicht weltbewegend, aber lecker.

„State of Unrest“ ist bereits am 27. Mai bei Black Star Foundation Records erschienen. Offizielle Webpräsenz: www.atlaslosinggrip.se

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