Sonntag, 10. Juli 2011

Sonntags-Matinée: William Elliott Whitmore – Field Songs

Kommt alle, die Ihr mühselig und beladen seid: Diese Songsammlung wird Euch Linderung verschaffen. Das hier ist nicht Pop. Das hier will mehr. Und erreicht sein Ziel genau durch das Gegenteil von „mehr“: die extreme Reduktion, die Konzentration auf das Wesentliche. Es gibt nicht viele, bei denen Stimme und Gitarre ausreichen, um einen zu überwältigen. 
William Elliott Whitmore kann das.

Es beginnt mit Vogelgezwitscher und dem Weckruf eines Hahns, dann schlägt der bärtige Barde das Banjo an. Klagend und melancholisch singt er von Sorgen, von harter Arbeit, vom Überleben. Es ist der Soundtrack einer Gegend, in der nicht Stempeluhren den Takt vorgeben, sondern Sonnenaufgang und Jahreszeiten. Zwei Instrumente nimmt man wahr in den „Field Songs“: Banjo und Gitarre. Den Rest erledigt William Elliott Whitmores unfassbar emotionsgeladene Stimme. Wie, der ist etwas über 30? So klingt einer, der schon seine Narben vom Leben davongetragen hat. Authentisch, dieses überstrapazierte Wort: hier trifft es ausnahmsweise zu. Wenn der Amerikaner von den Strapazen der Schufterei auf einer Farm singt, dann hat er das nicht irgendwo gelesen. Es ist autobiographisch: Er wird auf einer Farm am Mississippi geboren, arbeitet dort, lebt dort.

Man sollte mal die Kollegen von The Low Anthem fragen, ob er das nicht war, der bei „I'll take out your ashes“* vom genialen "Smart Flesh"-Album das Banjo gezupft hat, still im Eck sitzend, den Hut tief ins Gesicht  gezogen. Oder andersrum: Wenn man das Radio lautergedreht hätte, das die Indie-Folker da so raffiniert als Instrument eingesetzt haben, es wäre sicher William Elliott Whitmore gewesen, den man vernommen hätte. Zu diesen acht Songs sieht man Johnny Cash mit seinem Bruder Jack durch die Felder streunen wie in „Walk The Line“. „I'm just here for a little while“ singt Whitmore in „Everything gets done“. Seine Songs sind ein Memento Mori genauso wie Reflexion des Erlebten. Das spiegelt sich auch im Cover: Da sieht man das Thema der Platte, die Arbeit auf dem Feld. Es ist kein Cover, das schreit: „Kauf mich!“. Ein orangegelber Button mit Name und Plattentitel verleiht dem Schwarzweiß-Bild etwas Farbe. Es könnte auch das Buchcover von John Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“ sein. Eigentlich nebensächlich, aber trotzdem aussagekräftig.

So eindringlich zu wirken, nur mit Stimme und Gitarre, das schafft zur Zeit sonst nur Josh T. Pearson. Am Ende des Jahres sollten beide in den Bestenlisten ganz weit oben sein. Diese Musik bleibt. 

William Elliott Whitmores "Field Songs" sind am 8. Juli erschienen bei Anti-Records. Streamen kann man es im Moment bei Paste Magazine. Mehr zum Künstler:  www.williamelliottwhitmore.com. Eine großartigen Live-Auftritt aus dem Jahr 2009 bei "Later...with Jools Holland" zeigt das Video unten.


* Leider gibt es auf Youtube nicht das Original vom Album zu hören, aber man bekommt wenigstens einen Eindruck.

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