Sonntag, 24. Juli 2011

Sonntags-Matinée: Justin Sane - Life, Love, And The Pursuit Of Justice

Vorbemerkung. Eine Platte, die schon neun Jahre auf dem Buckel hat: Weil viele gar nicht wissen, dass es mal ein Solo-Album von Anti-Flags Justin Sane gab und weil der aktuelle Anlass "Tour im September" heißt, heute in der Sonntags-Matinée: "Life, Love, And The Pursuit of Justice."

Den Trendsetter kann sich Justin Sane wohl auf die Fahnen schreiben: Noch Jahre bevor Chuck Ragan und Frank Turner zur Akustikgitarre griffen, stellt der Anti-Flag-Sänger zwischen den Alben"Underground Network" und "Mobilize" seiner Hauptband solo etwas auf die Beine. Dabei entstehen Songskizzen, wie geschaffen für intime Club-Gigs. Oder anders gesagt: Lagerfeuer-Punkrocker, schafft Euch diese Songs drauf!

Wenn es um den Protestsong geht, beziehen sich ja im Grunde immer alle auf Bob Dylan. Und es ist ja auch so: Ein Mann und Gitarre, vielleicht noch eine Mundharmonika, das wirkt so grundehrlich, dass man gerne zuhört und die Faust in die Luft wirft. Insofern stehen die Punkrocker mit ihren Solo-Ausflügen in einer langen Tradition. Justin Sane hat mit seinem 2002er-Album "Life, Love, And The Pursuit of Justice" eine rohe schimmernde Perle der Protestsongs veröffentlicht, die neun Jahre nach ihrer Veröffentlichung nicht weniger beeindruckend und auch nicht weniger aktuell ist. Weil es inzwischen fast schon zum guten Ton gehört, die Stromgitarre mal wegzulegen, wenn man mit der Stammband ordentlich punkt, kommt Justin Sanes erste Tour durch deutschsprachige Länder zum richtigen Zeitpunkt.

Dabei ist seine Scheibe kein komplett akustisches Album: Die meiste Zeit schrammelt er mit einer angezerrten Klampfe simple, aber prägnante Riffs, die den Songs das ungeschliffene Flair von Straßenmusik verleihen. Gerade darin liegt der Reiz: Das hier sind Fragmente, maximal Songskizzen, aber so berückend getextet, dass man das Herzblut deutlich spürt, das darin steckt. Wenn der irisch-amerikanische 38-Jährige da singt "I'm thinking of a world where people wouldn't eff you for money" oder im sarkastischen "If it's good for the Economy I'm for it!" die Freie Marktwirtschaft bloßstellt, merkt man: Hier zählt die Botschaft, hier geht es um intelligente Kritik und ums selbstbestimmte Denken. Da wird die Kirche kritisiert ("Tommy Gun") oder die Diskriminierung Homosexueller ("Thanks For The Letter") thematisiert. Und über allem hängt die Frage: "Where has my Country gone", die auch ein Michael Moore in der Art gestellt hat. Der 11. September war noch nicht so lange her, als Justin Sane sein Album veröffentlicht hat.

Höhepunkt der Platte ist für mich das anrührende "On The Streets Tonight" mit der Zeile "there are nights when the sidewalks feel like home/and the bright street light is a chrystal chandelier/sipping a cup of coffee until the bakery opens / it storms/ then a fresh baked loaf of bread/then it's of to bed". Eine niedliche Vorstellung, wie ein Punkrocker da vor der Bäckerei wartet und sich dann über einen frischen Laib Brot freut. Der Song ist melodisch überragend und zeigt, dass es im Punkrock durchaus Songwriter gibt, die Green Day locker in die Tasche stecken. Gut, Justin Sane hat kein eigenes Musical. Aber dafür gibt's ja die Club-Tour im September. Man sieht sich dort.


Life, Love, And The Pursuit Of Justice von Justin Sane ist am 19. März 2002 bei A-F Records erschienen. Mehr unter http://www.justinsane.net/

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