Samstag, 9. Juli 2011

Galerie der Klassiker: Faith No More – King for a Day, Fool for a Lifetime

Intro, subjektiv und persönlich: Es war so ca. 1997, grob zwei Jahre nach Erscheinen dieses ungehobelten Musikbrockens. Die CD aus der Bücherei geliehen (Bares = Rares), auf Kassette überspielt und so lange im Walkman gehört, bis der unvermeidliche Bandsalat dem Hörvergnügen ein jähes Ende setzte. Und das im Urlaub, wo die Alternativen sich nicht gerade anbiederten. Dabei war ich süchtig nach dem melodieverliebten Songwriting, das von einer Sekunde zur anderen in völlig sickes Keif-Geschrubbe kippen konnte. Die Wiederentdeckung im Second-Hand-Plattenladen letzte Woche.

Schon möglich, dass in der Geschichtsschreibung der Musik „Angel Dust“ als das makellosere, „The Real Thing“ als das innovativere Faith No More-Album gilt. Für mich haben Billy Gould, Mike Bordin und Mike Patton ihren kreativen Zenit allerdings erst mit „King for a Day, Fool for a Lifetime“ erreicht. Da gibt es den wandlungsfähigen Rhtyhmuswechsler „Ricochet“, der gar mit Alice in Chains-artigen Mehrstimmen-Gesang flirtet, um dann in die typische FNM-Epik abzudriften. Da reibt man sich ob des seltsam entspannt swingenden „Evidence“ oder des tänzelnden „Caralho Voador“ die Ohren. „The Gentle Art of Making Enemies“ klingt wie ein Besuch in der Gummizelle: Mike Patton schmiert einem erst Honig ums Maul, dann brüllt er einen an. Überhaupt, dieser Vocal-Weirdo: Samtig, beschwörend, schmalzig kann er, aber auch überdreht, psychotisch, kaputt. Da spuckt er in „Digging The Grave“ Gift und Galle wie ein angeschossener Piranha. Ob Gitarrist Trey Spruance, der für Jim Martin kam, den Sicko-Spirit von Mr. Bungles, Pattons anderer Band zu der Zeit, mitgebracht hatte? Man weiß es nicht. Songperlen wie der fiebrige Titelsong oder das orchestrale „The Last To Know“ sind unvergessen. Ein so chaotisch-zerschrotetes Album mit einer Quasi-Gospel-Hymne wie „Just A Man“ zu beenden – das ist gewagt wie künstlerisch gleichermaßen.

Outro, subjektiv und persönlich: In dem Jahr, als ich diese Platte entdeckt habe, demontierten sich Faith No More mit ihrer vollmundig „Album Of The Year“ betitelten Platte dann leider etwas – obwohl „Ashes To Ashes“ und „Last Cup Of Sorrow“ nochmal aufhorchen ließen. 2009 zeigte sich beim Southside nochmal, wie sehr diese Band fehlt. Aber vielleicht besser so. Wer weiß, ob ein Reunion-Album an die Magie alter Glanztaten anknüpfen könnte. Eben: Lieber König für einen Tag als Narr, lebenslänglich.

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