Montag, 6. Juni 2011

Konzertkritik: ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead in Dublin

...And You Will Know Us By The Trail Of Dead.
Support: Jogging.
Whelans, Dublin (IRL), 25. Mai 2011.
Text und Fotos: Daniel Drescher

Am Merch-Stand verkaufen sie handsignierte Orginalzeichnungen von ...Trail of Dead-Sänger und Gitarrist Conrad Keely. Auf der Bühne verspricht die Bass-Drum - mit Keelys Kunst verziert - den richtigen Rumms für später. Von der letzten Reihe des Clubs bis zur Bühne sind es kaum zehn Meter. Das Whelans ist ein kleiner Indie-Club in Dublin, inklusive Pub und Bühne für Shows im intimen Rahmen. Guinness und die unfassbarste Band der Welt - was für eine Kombi. Danke, Rock-Gott, dass ich das erleben darf.

Als die Vorband "Jogging" die Bühne betritt, steht eine Handvoll Menschen vor der Bühne. Die erleben ein Trio, das offiziell Post-Hardcore macht und bereits mit Bands wie Pulled Apart By Horses und And So I Watch You From Afar auf der Bühne stand. Live hat der Sound der Iren auch einen Touch Stoner-Metal. Macht Laune, auf Dauer aber dösig.

Conrad Keely von ...Trail of Dead.
                                       Foto: Daniel Drescher
Mit dösig ist es vorbei, als die Indie-Institution um Conrad Keely und Jason Reece die Bretter entert. ...Trail of Dead steigen mit dem sperrigsten Stück vom aktuellen Album "Tao of the Dead" (Rezi dazu hier) ein, dem Quasi-Titel-Stück "Strange News From Another Planet". Obwohl das Songmonstrum eine gute Viertelstunde dauert, kommt keine Langweile auf. Keely singt wie ein junger Gott (was ja nicht bei jedem Gig so sein muss), die Instrumental-Parts sind wahnwitzig und fühlen sich an, als ob man mit Inlinern Achterbahn fahren würde. Die ersten vier Songs im Set stammen vom neuen Album, allerdings mit Abweichungen von der Setlist, die auf dem Bühnenboden klebt. Dann kommt der Klassiker "Worlds Apart" zu Ehren: "Will You Smile Again For Me" zerrocken sie so dermaßen, dass man Mühe hat, es zu identifizieren. So schnell kann man diesen Song spielen? Irre. Aber gut irre. Gleich "Caterwaul" hinterher, akuter Hüpf-Alarm. Auch hier wieder: Der pure Donnergroll rult. Die manchmal orchestrale Atmosphäre, die man von den Platten der Genies kennt, weicht live einer unbändigen Energie, die garagig-wütend und ungestüm entfesselt daherkommt. Kein Wunder, dass die Setlist die eher epischen Platten "So Divided" und "Century Of Self" komplett ignoriert - und mutig, weil auch diese ihre Fans haben. Die Meute - rund 300 - goutiert das hemmungslose Gedresche mit Freuden. Irgendwann wechselt Conrad Keely ans Schlagzeug, drischt sich dort die Finger wund, Jason Reece übernimmt Mikro und Gitarre.

Jason Reece von ...Trail of Dead.          Foto: Daniel Drescher
Auch die ersten beiden Alben "Madonna" und "Source Tags & Codes" kommen ausführlich zum Zuge. Vor allem im Zugabenteil gibt es dann nochmal auf die Mütze: "Mistakes & Regrets" reißt zu Freudenstürmen hin mit seiner grandios verbitterten Ex-Hommage: "If I could make a list/of my mistakes and regrets/I'd put your name on top/and every line after it."

Am Ende will Conrad Keely gar nicht mehr von der Bühne, spielt den Alleinunterhalter, während die anderen hinter der Bühne Handtücher und Bierdosen in Empfang nehmen. Wie formidabel, eine solch begnadete Band in solch intimem Rahmen zu sehen.

Auf dem Rückweg kommen wir an schicken Clubs vorbei. Spärlich bekleidete Mädels stehen sich die Beine in den Bauch, um in die Edeldisco zu kommen. Ihr armen Fehlgeleiteten, möchte man ihnen zurufen. ...Trail of Dead könnten Euch so viel mehr geben.

Mehr Fotos vom Konzert gibt's hier.

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