Samstag, 25. Juni 2011

Hörtest: Flogging Molly - Speed of Darkness

Der irische Tanzflur braucht Abwechslung: Flogging Molly entdecken auf "Speed of Darkness" neue Rhythmen und Vielfalt. Will ja auch niemand immer nur Punkrock-Polka tanzen. Trotzdem würde man Flogging Molly auch mit Oropax und aus zehn Kilometern Entfernung erkennen. Ist ja auch gut so, schließlich macht sonst niemand so leidenschaftlichen Irish-Folk-Punkrock, der diesmal die Revolution ausruft und soziale Missstände geraderücken will. 


Als ob sie wie die Posaunen von Jericho Mauern zum Einstürzen bringen wollten, folgen in "Revolution" auf die Parole "Let the Revolution begin" die Blechbläser. Wow, so viel Neues in den ersten paar Minuten auf einer Flogging Molly Platte? Das soll jetzt nicht heißen, dass die Irisch-Amerikaner langweilig geworden sind. Es gab nur nicht so viel Überraschendes auf "Float", das jetzt auch schon wieder drei Jahre zurückliegt. Aber wenn man "Speed of Darkness" mit einem Wort charakterisieren müsste, dann würde es am ehesten das hier treffen: variabel. Das deutete sich schon an, als "Don't Shut 'Em Down" vorab veröffentlicht wurde. Ein Basslauf, ein Stampf-Rhythmus fernab jeglichen Polka-Gehüpfes, dazu ein anklagender Text, der sich darüber klar ist, dass der Aufstand in Griffweite ist, wenn alles den Bach runtergeht.

Bisher kannte man Flogging Molly ja eher als die romantisch-literarischen Folkpunks, während die Dropkick Murphys mit ihrem auf Krawall gebürsteten Sound eher die Arbeiterklasse-Anwälte waren. Aber unter anderem, weil Flogging Molly in Detroit anfgenommen haben, hat sie die Trostlosigkeit der Stadt inspiriert, sich mit Krise und Niedergang zu beschäftigen. Auch der Blick nach Irland zeigt ja nicht gerade überbordenden Wohlstand, insofern sind Flogging Molly nah am Thema und zeigen, dass sie das nicht kalt lässt. Zwischen den Protestrufen wie "Rise Up" gibt es Pub-taugliche Balladen, Violinen- und Akkordeon-Klänge, Piano-Tupfer, Pogues-Feeling (etwa in "The Cradle of Humandkind").

Dass die neuen Songs auch auf der Bühne funktionieren, hat man ja jüngst beim Southside erlebt. "Speed of Darkness" macht alle glücklich: Die Fans der ersten Stunde, die neu Dazugekommenen und die, die das live gutfanden und das manchmal fröhlich, manchmal nachdenkliche Werk dieser Band erst noch entdecken. Glückwunsch an Letztere, so es sie gibt: Ihr habt noch einige Stunden großartiger Musik vor Euch.

Alles, was ich auf Tinnitus Attacks bisher zu Flogging Molly geschrieben habe, findet Ihr unter diesem Label.

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