Montag, 13. Juni 2011

Hörtest: Anvil - Juggernaut of Justice

Das Leben war nicht immer fair zu Anvil. Jetzt wollen die Kanadier Gerechtigkeit. Klingt wie aus einem Filmtrailer. Doch die besten Geschichten schreibt das Leben immer noch selbst. Und Steve "Lips" Kudlow und Robb Reiner schreiben schnörkellose Metal-Hymnen, die in ihrer Schlichtheit grundsympathisch wirken. Man wünscht "Juggernaut of Justice" allen nur erdenklichen Erfolg auf dieser Erde. Nächstes Ziel: Weltherrschaft.

Im musikalischen Sinne, heißt das. Ein Blick auf das Plattencover reicht, um zu wissen, dass Anvil diesmal alle Bühnen dieser Welt im Sturm nehmen wollen: Da huldigt eine riesige Menschenmenge einem überdimensionalen Amboss, einer schwenkt eine Anvil-Flagge. Der "Juggernaut" (zu Deutsch "Götze"), das sind Anvil und sie wollen endlich die Anerkennung, die ihnen zusteht. Ach ja: Nebenbei teilt der Amboss auch noch das Meer. Moses, Götzen, Goldenes Kalb, da war doch was. Größenwahn? Nein. Man muss nur wissen, dass Anvil Anfang der 80er-Jahre vor Hunderttausenden spielten, heißesten Speed Metal fabrizierten - und dann irgendwie den Anschluss verpasst haben. Obwohl ja Metallica und Motörhead in den höchsten Tönen von Lips und Co. schwärmen. 2009 bannte Sacha Gervasi die wechselhafte Geschichte der Band auf Zelluloid (oder sowas). Das hatte was von "Spinal Tap", verkaufte seine Charaktere aber nie für ein paar billige Lacher. Zu schlimm war das, wenn sie in einem Club in Prag für einen Teller Gulasch spielen sollen. Oder zum "Monsters of Transylvania" etwas mehr als 100 Metaller kommen - statt versprochener 100 000. Sogar Headbanger weinen, wenn Lips' Schwester den Vorschuss fürs Album "This is Thirteen" vorstreckt.

"Seit der Veröffentlichung des Films stehen uns alle Türen offen, jetzt wollen wir musikalische Gerechtigkeit", sagt Kudlow. Und es ist schon so: Anvil können es. Lips schüttelt eimerweise arschcoole Riffs aus dem Ärmel, man höre nur die Kampfansage "Fukeneh!" oder das etwas nach Accept klingende "Running". Zwischen donnerkeilenden Songs wie "When All Hell Breaks Loose" und dem Titelstück verstecken sich episch schimmernde Hymnen wie "Turn it up" oder "The Ride". Das Tempo variiert, bei "New Orleans Voodoo" nehmen sie den Fuß ganz vom Gaspedal, ebenso bei den ersten Minuten der düsteren Ballade "Paranormal". Die Drums hämmern, bollern und hauen einem die Kauleiste zu Brei. Dieses Album hat alles, was Headbanger wollen. Man spürt, dass hier Metal-Junkies am Werk sind, für die Aufgeben keine Option ist. Genau darum geht es ja. Viele Fans sagen immer "Eure Musik hat mich durch eine echt harte Zeiten getragen". Anvil haben diese harten Zeiten erlebt - und sich mit ihrer Musik selbst durchgebracht. Kein Wunder, dass sie sich da noch ein kleines Experiment erlauben: "Swing Thing", ein abgefahrenes Jazz-Metal-Stück beendet die Platte. Das klingt alles nicht nach leidgeplagten 50ern, eher nach hungrigen Mittzwanzigern.

Produziert hat das Ganze Bob Marlette, der auch schon für Judas-Priest-Frontmann Rob Halford oder Provokations-Künstler Marilyn Manson an den Reglern saß. Aufgenommen wurde in den 606 Studios von Foo-Fighters-Aushängeschild Dave Grohl.

Wenn es noch Gerechtigkeit gibt, schaffen Anvil es noch. Die Umstände passen: Als Anvil ihre Karriere begannen, hätte wohl niemand damit gerechnet, dass Metal irgendwann im Feuilleton stattfinden würde und Dokus über Metal-Festivals oder Metal-Labels auf Filmfestivals laufen.

Völker dieser Welt - huldigt dem Amboss.


"Juggernaut of Justice" von Anvil erscheint am 17. Juni auf Steamhammer (im Vertrieb von SPV). Offizielle Bandpage: http://www.anvilmetal.com/

Live kann man die Band an diesen Terminen erleben:


17.06. Metal Town Festival - Gothenburg, SWE
18.06. Copenhell Festival - Copenhagen, DEN
19.06. Magnet Club - Berlin, GER
21.06. Corporation - Sheffield, UK
22.06. Manchester Academy 3 - Manchester, UK
23.06. Cathouse - Glasgow, IRE
24.06. Newcastle Academy 2 - Newcastle, UK
25.06. Rock City - Nottingham, UK
26.06. Graspop Festival - Dussel, BEL
28.06. Konzerthaus Schuur - Lucerne, SWI mit Dio Disciples
29.06. Magazzini Generali - Milan, ITA mit Dio Disciples
01.07. Heineken - Madrid, SPN mit Dio Disciples
02.07. Rockstar Live - Bilbao, SPN mit Dio Disciples
03.07. Bikini - Barcelona, SPN mit Dio Disciples
05.07. Rocktempel - Kerkrade, NL
06.07. Gleis 22 - Muenster, GER
08.07. Knust - Hamburg, GER
09.07. ColosSaal - Aschaffenburg, GER
10.07. Luxor - Köln, GER
11.07. Islington Academy - London, UK
12.07. Slade Rooms - Wolverhampton, UK

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen