Dienstag, 28. Juni 2011

Arcade Fire zeigen "Scenes from the Suburbs" online

                                                                                              Screenshot: Drescher
Gewalt ist allgegenwärtig in der Vorstadt. Die Jugendlichen bekommen sie vorgelebt. Aber was war vorher da? Das Militär oder die unbedachten Soft-Air-Attacken? "Scenes from the Suburbs" verstört einen, lässt Erinnerungen auftauchen und lächeln, wenn man sich wiedererkennt. Die kanadische Indie-Sensation Arcade Fire hat mit Regisseur Spoike Jonze ("Where the wild things are") den Film zur Musik geliefert. Und den kann man auf Mubi jetzt streamen. Auf dem 2010er-Album "The Suburbs" erinnerten sich Win Butler und Co. an Kindheit und Jugend im Kleinklein der amerikanischen Vorstadt. Es ging um verklärte Erinnerungen und darum, an Orte zurückzukehren, die einem als sicherer Hort der Zuflucht erschienen. Nach dem wuchtigen "Neon Bible" wirkte "The Suburbs" zunächst fast unspektakulär, aber der Reiz der Suburbia lag in der Subtilität. Nach einigen Durchläufen erschloss sich einem, worauf Arcade Fire hinauswollten. Ein großartiger Auftritt beim Southside (hier und hier mehr dazu) setzte dem Ganzen für mich die Krone auf.

Im Film bekommt das Suburbs-Sujet eine zusätzliche Dimension. Gewalt ist in dieser alternativen Realität allgegenwärtig in Form der Truppen, die Willkür und Übergriffe als legitimes Mittel ansehen. Da bekommt auch die Softair-Ballerei eine neue Dimension.Wie bei "Bowling for Columbine": Der amerikanische Mikrokosmos der Gewalt spiegelt sich in den Bombenabwürfen der Luftwaffe wieder - oder umgekehrt. Was war zuerst da? Huhn oder Ei? Spike Jonze flechtet in diese Prämisse, die über dem halbstündigen Film hängt wie ein düsterer Schatten, Szenen ein, die so ungestellt wirken, dass es fast wehtut. Wunderbare Jahre (Freundschaften) meets Edward mit den Scherenhänden (in punkto aufgeräumte Optik der Vorstadt) meets The Crazies (Militärherrschaft). Das Blödsinn reden, das Bromance-Motiv, das Auseinanderleben von Freunden - die Idylle ist zerbrechlich.

Aber seht selbst. Aber seid gewarnt: Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind durchaus beabsichtigt. Findet Ihr Euch wieder?

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