Dienstag, 3. Mai 2011

"Wir sind Träumer und Nachtschwärmer": Viktor Nordir von Rigna Folk im Interview

Viktor Nordir, Sänger und Gitarrist von Rigna Folk.                                Foto: pr

Rigna Folk sind eine der vielversprechendsten Bands des Landes. Im Interview mit Tinnitus Attacks-Blogger Daniel Drescher spricht Sänger und Gitarrist Viktor Nordir über die Musik, Einflüsse und Ziele.

Tinnitus Attacks: Wie entsteht ein Song bei Euch? Was kommt zuerst, Text oder Riffs/Musik?
Viktor Nordir: Musik und Melodien kommen sehr oft zuerst. Bei rifflastigen Songs machen die Riffs den Kern. Texte entstehen mitten im Kreativprozess, Instrumentalstücke aus Jams.

Tinnitus Attacks: Kannst Du ein bisschen von Dir erzählen? Wie alt bist Du, was machst Du beruflich? Und vor allem: Was sind Deine Lieblingsfilme und -bücher?
Viktor Nordir: Ich bin 23 und studiere Digital Media an der Hochschule Ulm. Meine Lieblingsbücher sind "1984" von George Orwell” und "Brave New World" von Aldous Huxley. Zu meinen Film-Favoriten zählen: Donnie Darko (der Soundtrack vor allem), China Town, Laura, Koyaanisqatsi und Sunset Blvd. 

Tinnitus Attacks: Kann man Dich als Frontmann oder Mastermind bezeichnen? Du scheinst Die Band immerhin stilistisch sehr zu prägen.
Viktor Nordir: Ich habe die Band 2008 gegründet, aber die Bezeichung Frontmann/Mastermind mag ich nicht, da ich die Teamarbeit sehr schätze. Früher war ich der alleinige Songwriter, aktuell gibt es immer mehr Kollektivkompositionen. Visuelles Erscheinungsbild und Pressearbeit sind meine Bereiche. Die Veranstaltungstechnik und Recording, Fahrzeugverleih/Orga und finanzielle Aspekte machen Chris, Jens und Vlad.

Tinnitus Attacks: Was macht Ihr alle neben der Musik?
Viktor Nordir: Jens Schalle (Gitarrist und Synth-Spieler) arbeitet in der Medientechnik. Vlad Müller (Drummer) studiert Medieninformatik. Und Chriss Fakler, unser Bassist, arbeitet im Sozialen Bereich.

Tinnitus Attacks: Ist es Euer Ziel, mal von der Musik leben zu können? Was bedeutet Euch Erfolg?
Viktor Nordir: Aus der unbehaglichen kommerziellen Perspektive: Wir machen Nischenmusik in einer Zeit des Internets. Gut für uns. Unsere Zielgruppe ist in einem Unterbereich von Indiemusik anzusiedeln. Genau diese Leute zu erreichen, bedarf es viel Eigenregie, Zeit und externer Promounterstützung. Die Promo und Marketing-Geschichte könnte man erst dann wirkungsvoll umsetzen. Eine richtig Breite Masse zu erreichen (aufgrund der speziellen Musik), als eine deutsche Band, ist utopisch. Es gab vereinzelt Äußerungen, das sich durch unser Alleinstellungsmerkmal große Vorteile ergeben, allerdings ausschließlich in der Indie/Prog-Sparte. Zu den Berufen: Es ist noch sehr viel Luft nach oben zeitlich. Mit externer Hilfe könnte man neben Studium und Beruf die Zielgruppe erreichen, bis zu 50 bis 80 Konzerte im Jahr spielen. Vor Augen führen wir uns immer wieder die Einstürzenden Neubauten und aktuell Get Well Soon, die ihre Nischenmusik zum Beruf gemacht haben. Wobei diese Künstler eher Kirchenmäuse sind.

Aus der künstlerische Perspektive, die uns so viel lieber ist: Unser Antrieb ist die Fantasie.Wir sind Träumer und nutzen jede Gelegenheit dazu, unsere Visionen und Ideen Realität werden zu lassen, denn wir können es. Wir haben das Glück, in Bereichen zu studieren und zu arbeiten, mit denen wir die Musik kombinieren und bereichern können. Wir legen großen Wert auf unsere Erfahrung und die Menschen, die uns unterstützen, denn nur zusammen mit der wachsenden Fangemeinde wächst auch Rigna Folk.


Tinnitus Attacks: Ihr bezieht Euch auf die 30er Jahre, die ja nicht gerade als positives Jahrzehnt in die Geschichtsbücher eingangen sind. Wieso die 30er? Habt Ihr Angst, dass Euch Leute, die sich nicht so sehr mit Euch beschäftigen, in eine bestimmte Ecke rücken?
Viktor Nordir: Bei uns geht um den Zeitgeist in den USA und dabei beziehen wir uns auf die Atmosphäre der amerikanischen Filme, die Kleidung der Menschen und die verschlossenen Charaktere. Die Technokratische Partei, die im Hintergrund eine wachsende Bedrohung versinnbildlicht, ist zurückzuführen auf George Orwells Roman "1984". Uns geht es um genau diese verstörende Atmosphäre in einer düsteren Welt. Das ist vor allem die Thematik des Konzeptalbums “Astropolis”.

Tinnitus Attacks: Was für ein Verhältnis hast Du zur Nacht? Eure Songs klingen sehr nach Nacht.
Viktor Nordir: Das Geheimnisvolle ist es wohl, was man seit der Kindheit mit der Nacht assoziiert. Das Unbekannte ist immer interessanter als das Bekannte. Ungewissheit ist meiner Ansicht nach ein großer Antrieb der Fantasie. Uns gefällt es, fiktive Geschichten zu erzählen, und nicht über das Leben wie es ist zu berichten. Nacht regt zum Träumen an. Das Leben lebt man tagsüber. Doch in der Nacht kommt dieser Zauber, diese Ruhe, dieses Unbehagliche... Wir sind in der Band allesamt Nachtschwärmer

Tinnitus Attacks: Welche Musiker inspirieren Dich/Euch?
Viktor Nordir: Pink Floyd, Radiohead, Sigur Rós, Depeche Mode, Nine Inch Nails, Mogwai und Porcupine Tree - diese Bands sind die definitive Schnittmenge unserer Band.

Tinnitus Attacks: Wird das Konzept immer Teil von Rigna Folk sein?
Viktor Nordir: Definitiv. Es wird wachsen, sich weiterentwickeln, mit Geschichten bereichert werden... Das ist unser Ding.

Mehr: www.rignafolk.de und www.myspace.com/rignafolk

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