Sonntag, 1. Mai 2011

Sonntags-Matinée: Schönheit hat viele Stimmen

Deine Stimme zählt. Wenn das wahr ist, könnten die Fleet Foxes die Realität verändern. Lebt Ihre Musik doch seit dem Debüt von ihrem mehrstimmigen Gesang. Und irgendwo verändert diese Musik die Realität auch. Sie lässt einen alles andere vergessen.

Ganz unschuldig sind die Fleet Foxes nicht am Folk-Revival, das uns zeigt, wie wichtig dieses Blockhüten-Feeling in einer von Smartphones dominierten Welt ist. Mit ihrem choral wirkenden Gesang haben sie etwas Eigenes geschaffen, was sie selbst als "baroque harmonic pop jam" bezeichnen. Ihr Debüt verzückte 2008 die Indie-Szene. Jetzt also der Hilflosigkeits-Blues. So hilflos klingt das aber ganz und gar nicht. "Montezuma" eröffnet den Reigen, und sofort ist das Gefühl wieder da. Weite, klare Luft, Schneegestöber, Sonnenlicht - man kann es förmlich fühlen. Kurios: Ich habe diese Gedanken, surfe auf die offizielle Seite der Band und sehe genau das als Video-Hintergrund. Die Seattle-Hippies machen Musik, die so vom gestern geprägt ist mit ihren Anklängen an Crosby, Stills, Nash & Young, und doch so perfekt zum heute passt. Eben, weil niemand ständig erreichbar sein und sein Leben im Rhythmus der Twitter-Updates leben will. "Bedouin Dress" könnte auch im Radio laufen - wenn man in den 60ern in einem chromblitzenden Chevy durch die Straßen rollt. "Sim Sala Bim" bringt einen mit den Gitarren zum Lächeln, das überragende "Battery Kinzie" haut einen völlig aus den Socken. Danke, dass wir das hören dürfen. "All the way home"? Ja, passt. Die Fleet Foxes hören ist, als ob man nach hause kommt - und der heiße Tee steht schon bereit. Und so geht das immer weiter, man könnte jeden Song einzeln aufzählen, wenn man die Anspieltipps aufreihen wollte. Jeder Song eine Offenbarung. Klar, im Kern ist das Pop. Hier geht es mal nicht um Abgründe, um Zerrissenheit, um die klassischen Rock'n'Roll-Themen. Muss es aber auch gar nicht immer. Bei den Fleet Foxes reicht es, dass sie Schönheit in Klänge fließen lassen. Für solche Musik wurde Vinyl geschaffen: um die Zeit zu überdauern, weil sie zeitlos ist.

"Helplessness Blues" von den Fleet Foxes ist am 29. April erschienen bei Cooperative Music, im Vertrieb von Universal. Hören kann man die Platte im Stream an dieser Stelle.

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