Dienstag, 3. Mai 2011

Düster und großartig: Rigna Folk verbeugen sich vor der Nacht

Eigenständig und dunkel: Rigna Folk.                                        Foto: pr
Wenn Filmemacher eine düstere Atmosphäre schaffen wollen, haben es ihnen zwei Stilmittel in der Regel besonders angetan: Regen und Nacht. Die Ulmer Artrock-Band Rigna Folk fühlt sich zu beidem hingezogen - und beschwört mit ihren Songs die Atmosphäre des Film Noir. Bald könnte die Band beim Southside Festival auf der Bühne stehen.

Der Musik liegt ein Konzept zugrunde, das sich um das "Regenvolk" (das heißt Rigna Folk auf isländisch) dreht. Das Regenvolk besiedelt eine Parallelwelt, in der es ständig regnet. Eine weitere Konstante: Der Zeitgeist der 1930er-Jahre und eine neue politische Richtung, die Technokratie, herrschen dort. Die Welt besteht nur noch aus einer großen Stadt namens Astropolis. Ähnlich wie bei den US-Progressive-Rockern von Coheed and Cambria ist das Story-Konzept der Fixpunkt, um den sich die Musik und auch die Videos drehen. Rigna Folk, das sind Viktor Nordir (Gitarre, Gesang), Jens Schalle (Gitarre, Synth), Chriss Fakler (E-Bass) und Vlad Müller (Drums).


Jetzt hat sich das Quartett für den Bandwettbewerb der Schwäbischen Zeitung qualifiziert: Am Samstag, 14. Mai, steht die Band im Abdera in Biberach auf der Bühne (nähere Infos folgen) und kämpft mit den Bands Stereogain, Manarun, Neverhad und den Latin Loosers um einen Auftritt auf dem Southside Festival in Neuhausen ob Eck. Am Ende entscheidet das Publikum, wen es am Southside sehen will.

Seit März 2011 gibt es neues Material der Band: Die drei Songs umfassende Nox EP und ein dazugehöriges Video. Und was uns die Ulmer da bieten, klingt großartig. Unfassbar, wie da vier junge Kreativköpfe mit musikalischen Mitteln exakt das vertonen, was ihr Konzept ist: Nacht - so auch der lateinische Name des Titelsongs - und eben den Regen. Denn "Nox" klingt vor allem danach: Man muss nicht mal die Augen schließen, um sich in einem Auto auf einer nächtlichen Straße zu wähnen, während die Scheibenwischer mühsam den Regen von der Frontseite schieben. Die Gitarren flirren, dazu gesellt sich ein federleichtes Schlagzeug, Synth und Bass und der klagende Gesang. "Pablum" kombiniert Akustik-Gitarre uns Synthie-Sound auf elegante Weise und gemahnt trotz aller Reduziertheit gar an die Klanglandschaften von Blackmail. Ein klackernder Bass eröffnet "Nex", das allein von seinem Duell von Samples wie aus einem Filmdialog und den Instrumenten lebt.  Meist sagt man ja "Diese Band klingt wie diese und jene Band". Rigna Folk klingen nach Rigna Folk. In einer Zeit, in der alles schon mal da war und alles wiederkommt, eine ziemliche Leistung.

Nacht ("Nox") und Tod ("Nex") liegen nahe beieinander, nicht nur wortmäßig.Diese Band hat begriffen, warum es "Schlafes Bruder" heißt. Gebt solch goßartigen Musikern Preise, nicht den Knallchargen, die bei den Witz-Veranstaltungen wie Echo oder Comet auf der Bühne stehen!

Den Titeltrack der Nox EP kann man sich an dieser Stelle downloaden. Zum Videoclip geht es hier entlang.

Für das Video zu "Nox" zeichnet Sänger und Gitarrist Viktor Nordir verantwortlich. Tinnitus Attacks hat sich mit ihm unterhalten. Das Interview gibt es hier (oder einfach runterscrollen).

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