Sonntag, 24. April 2011

Sonntags-Matinée: Der Soundtrack zur Auferstehung

Ganz schön lebendig klingt dieser Friedhof. Aber auch düster, bluesig und so schwer wie zentnerweise Friedhofserde. Wenn Tote wieder auferstehen, dann haben sie vielleicht Graveyards "Hisingen Blues" gehört. 

Das kommt also dabei raus, wenn Fastfood-Ketten in ihren Gratismagazinen über Musik schreiben: Im Heftchen einer großen Burger-Bräterei heißt es in der Rezension über diese Platte, die Band zitiere in ihrer Individualität viele andere Bands. Hä? Geht sowas? Weiter schreibt der Autor, die schwedische Rockband klinge uramerikanisch. Äh, nein. Was hier aus den Boxen strömt, tönt dermaßen nach den britischen Institutionen Led Zeppelin und Black Sabbath, dass 70er-Rock-Fans ihre helle Freude haben dürften. Zep meets Sabbath, da war doch mal was? Den australischen Rockern Wolfmother wurde dieser Sound auch attestiert, aber die haben sich mit ihrem Zweitling "Cosmic Egg" bekanntlich weitgehend selbst demontiert. Eine musikalische Druckwelle vom Ausmaß des Wolfmother-Debüts ist "Graveyard" nicht, aber die Schweden gehen auch ein wenig anders an die Sache heran, haben eher öfter den Blues als die dicke Rockhose an.

Mit dem Opener "Ain't Fit For Living" erwachen gleich Assoziationen an Robert Plant, stimmlich ist Joakim Nilsson da sehr nah dran. "No Good, Mr. Holden" schreibt augenzwinkernd die Legende vom "Backward Masking" fort, den unterschwelligen teuflischen Botschaften, die man nur beim rückwärts Abspielen hören soll. Apropos Satanisch: Bei Black Sabbath war es noch der Gehörnte himself, der den Menschen seine Hilfe anbot wie in "N.I.B." Das ist heute anders: Im Titelstück der Platte beschwört das Quartett den Stifter des Heavy Metals gleich mal selbst: "Oh Lucifer, Come Take My Hand". Ohne Deibel geht im Rock halt nix. Dabei haben die Musiker Hilfe von unten gar nicht nötig. Wer so unfassbar coole Songitel wie "Uncomfortably Numb" (Anspielung auf Pink Floyd) und "Ungrateful Are The Dead" (erklärt sich selbst) hat, spielt ganz weit vorne. Und dann stimmt eben auch noch die Songqualität. Ob treibend wie in "Buying Truth" oder bluesend wie bei "The Siren", alles passt wie der Deckel auf den Sarg. Herausragend: Das Instrumental "Longing", das mit seinem Morricone-mäßigen Pfeifen klingt wie der Soundtrack zu einem staubtrockenen Western, bei dem am Ende alle in der Holzkiste ein Stockwerk tiefer liegen.

Produziert hat das Ganze Don Alsterberg, der auch schon für The International Noise Conspiracy an den Reglern saß. Der Sound ist warm, transparent, aber auch voluminös und wuchtig. Im Booklet heißt es: "Vedervärdiga öro de ofördärvade". In einem Internetforum übersetzt ein User das mit "Die Abscheulichen sind die Unverfälschten." Da hat man es gerne abscheulich. Schweden bleibt guter Boden für großartigen Rock'n'Roll.

Graveyard, "Hisingen Blues" ist erschienen bei Nuclear Blast, im Vertrieb von Warner. Das Digi-Pack enthält den Bonustrack "Cooking Brew".
Mehr: www.myspace.com/graveyardsongs oder auf der offiziellen Bandpage www.facebook.com/graveyardofficial

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