Samstag, 2. April 2011

Hörtest: Foo Fighters - Wasting Light

Der Tiger beißt wieder: Die Foo Fighters finden auf  "Wasting Light" zu ihren Stärken zurück: Härte, Melodien, Dynamik. Die Ängste, nach der Tom-Petty-Tribute-Single "Wheels" würde die Band als Radiorock-Konsens-Schmonzes enden, werden von Gitarrenwänden und Dave - höhö - Gröhls  Stimmbändern weggeblasen. 


Als Metallica nach den Bieder-Rock-Alben "Load" und "Reload" für die Fans des ursprünglichen Sounds schon gestorben waren, kamen die Bay-Area-Metaller mit dem rohen Klumpen "St. Anger" um die Ecke. Ein zweifelsohne wichtiges Album, kathartisch in der Wirkung, aber umstritten im Sound. Die Foo Fighters waren nicht so sehr vom Kurs abgekommen, kriegen die Kurve jedoch gänzlich ohne Diskussionen: Sie haben das Album in Dave Grohls Garage eingespielt, klingen aber nicht wie mit dem Kassettenrekorder mitgeschnitten.

Der halbgare Kurs des für Foo-Verhältnisse schwachen Vorgängers "Echoes, Silence, Patience & Grace" weicht dem, was jeder rockbare Fan will: Im Wechsel mit der Gitarren-Keule aufs Maul, um dann tröstend von einer Widerhaken-Melodie in den Arm genommen zu werden. Der Opener "Bridge Burning" braucht nur wenige Sekungen, um den Raketenantrieb zu zünden, "These are my famous last words" keift Grohl einem entgegen. Das Gefühl stimmt, das Grungige der Anfangsphase ist dabei, das Ungestüme des Debüts, die Klasse von "Colour and the Shape", aber auch das melodieverliebte von "Nothing left to lose". Man höre nur "These Days", das zeigt, wie kongenial die Band das Wechselspiel von Härte und Zartheit, Zuckerbrot und Peitsche beherrscht. So muss das klingen. Ohrenschmeicheln, aber gleichzeitig frontal. Dave Grohl kann viel zu geil röhren, als dass er immer nur sanft säuseln müsste. Der Mann ist einfach ein teuflisch guter Musiker, nicht nur, wenn er seine Kumpels von Tenacious D in "The Pick of Destiny" zum Ton-Duell herausfordert.

Aber die Foo Fighters sind auf "Wasting light" nicht nur Dave Grohls Kopfgeburt. Der Rückkehrer Pat Smear tut dem Bandgefüge merklich gut, das Gaspedal ist merklich härter duchgetreten ("A Matter of Time") als zuletzt. Dreckig wie "White Limo", bitte diesen Kurs halten, Mr. Grohl. Kein Fehler, Butch Vig an die Regler zu setzen. Das Pulver ist nicht nach ein paar Songs verschossen, mit "Walk" spielt sich die Band zum Schluss nochmal in einen Rausch, der ein nie weichendes Grinsen zwischen die Ohren zaubert. Die Foo Fighters haben ihre Zähne wieder entdeckt. Und werden auch morgen noch kraftvoll zubeißen.

P.S.: Offiziell müssen wir uns ja noch bis nächsten Freitag gedulden, aber auf der Internetseite der Band kann man das Album schon im Stream hören.

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