Samstag, 26. März 2011

Was mit Seele fürs Ohr: Eine Website, dem puren Song gewidmet

Den Griff ins Plattenregal kann nichts ersetzen. Das Gefühl, im Plattenladen die LPs zu durchstöbern, ist heute vielleicht schon ein Anachronismus. Mir geht nichts darüber. Ein Ohr versucht das Riff zuzuordnen, das im Hintergrund läuft, das andere lauscht dem Gespräch von Plattenverkäufer und fanatischem Sammler. Joey Cape, den man von Lagwagon, Bad Astronaut und Me First and the Gimme Gimmes kennt, hat dieses Gefühl in seinem Song "The Ramones are dead" treffend auf den Punkt gebracht. Downloads können nicht ansatzweise die Erfahrung ersetzen, ein Cover-Artwork zu bestaunen, eine LP aufzuklappen und eine Vinylplatte auf den Plattenteller zu balancieren.

Aber es gibt eine Seite, die verbindet den durchaus praktischen Nutzen von Downloads mit dem anheimelnden Gefühl richtiger Musik: http://www.daytrotter.com/


Rock Island: Postkarte um 1911. Quelle: Wikipedia
Das Konzept ist gleichermaßen simpel wie genial: Künstler, die auf einer US-Tour sind, machen Zwischenstopp in Rock Island, Illinois, und spielen im Studio The Horseshack alternative Versionen ihrer Songs ein. Diese meist aus vier Songs bestehenden Sessions kann man kostenlos im MP3-Format  runterladen, nachdem man sich registriert hat. Die Sessions sind das Herzstück der Seite, es sind inzwischen Hunderte. Darunter finden sich Namen wie The Hold Steady, Two Gallants, The Thermals, Alberta Cross, Iron and Wine, Social Distortion und viele andere.

Das Großartige ist, dass die alternativen Versionen spontaner wirken und dadurch manchmal mehr Seele haben als die regulären Album-Versionen. Drei Beispiele: Chuck Ragans "Cut 'em down", "Breaker" von Low und "The Air" von The Rural Alberta Advantage.

Wer auf Tonqualität Wert legt: Für ein paar Dollar kann man die Sessions einiger Musiker auch "lossless" herunterladen, also ohne Verluste durch Datenkomprimierung.

Ach ja: Wie liebevoll die Seite gemacht ist, zeigt sich auch bei den Illustrationen zu den Sessions. Die Künstler sehen so gut getroffen aus, obwohl der Zeichenstil stark vereinfacht.

Ein Besuch lohnt sich. Gut möglich, dass man viel Zeit auf der Strecke lässt.

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