Mittwoch, 30. März 2011

Hörtest: The Kills – Blood Pressures

Ob unsere Eltern solche Musik gemeint haben, als es hieß, Rock'n'Roll sei Teufelswerk? Hätten sie lieber die Volksmusik zum Beelzebub erklärt davon hätte man automatisch die Finger gelassen. Das hier hingegen macht süchtig und könnte unschuldige Musikliebhaber in diabolische Verführer verwandeln. 

Viele Indie-Jünger stehen ja total auf Zooey Deschanel ("500 Days of Summer"). Aber wenn es sich bei ihr und The Kills-Frontfrau Alison Mosshart um Schwestern handeln würde, wäre Zoey die liebe, unschuldige. Alison Mosshart hingegen wäre die düstere mit den zerfetzten Netzstrümpfen, die heimlich raucht, lieber Bier aus der Pulle als einen Cosmopolitan aus dem Cocktailglas trinkt und dabei stets so sexy wirkt, dass man für ihre Streiche auch den Ärger liebend gerne kassieren würde.

Nun also "Blood Pressures", das vierte Album des Duos (neben Sängerin Alison Mosshart unter dem Pseudonym "VV" spielt Jamie Hince alias "Hotel" mit). Und mein Gott, wie das rumpelt, dröhnt und drückt. Wer vermisst da noch die White Stripes , das andere Mann-Frau-Indie-Gespann? Deren Hymne "Seven Nation Army" war als Großtat in die Welt gesetzt und endete als Prollhymne für Fußballspiele. Zeit, abzutreten, auch wenn sie auf "Icky Thump" immer noch gut waren. Egal. The Kills sind würdige Erben.

"Future Starts Slow" zieht den Hörer ins Album, wirkt wie ein Tarantino-Alptraum in Blutrot und zwirbelt einem die twangenden Gitarrenriffs in die Hirnrinde, dass sie nicht mehr weichen wollen. Die bereits bekannte Single "Satellite" wälzt sich mit ihrem Totengräber-Groove vorwärts, während der Trauerchor Spalier steht. Bei "The Heart Is A Beating Drum" kommt man sich wie im Spukhaus vor, während die Poltergeister auf dem Dachboden Kapriolen schlagen. Nach dem Alarm schlagenden "Nail in my Coffin" das kurze Intermezzo "Wild Charms". Das Schöne: Auch in Albumhälfte zwei fällt es nicht ab, es bleibt gespenstisch und makaber. Beim tränenreichen "The Last Goodbye" kann man Alison Mosshart vor sich auf der kleinen Bühne eines verrauchten Klubs sehen, sich gegen den Mikrofonständer drückend, während sie diese verletztlichen Zeilen singt. Irgendwo zwischen Queens of the Stone Age ("You Don't Own the Road"), Blues-Brocken, Galeeren-Trommeln und Tanzbar-Charme haut einen der Analog-Sound des Albums in die Magengrube.
Auf seltsame Art ein schönes Gefühl.

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