Donnerstag, 17. März 2011

Hörtest: Dropkick Murphys – Going out in style

Wie gerne wäre ich jetzt – genau in diesem Moment – in Boston. Am St. Patrick’s Day, dem Gedenktag des irischen Nationalheiligen, dreht die irischste aller US-Metropolen komplett durch. Der Boston River wird grün gefärbt, in den Pubs schäumt das Guinness – Party, wie sei sein soll. 

Genauso legendär sind die Konzerte, die die Dropkick Murphys an diesen Abenden geben. Heute Abend stehen die Celtic-Punks mit den Florida-Punkrockern Against Me!, Tommy & The Terrors und den Parkington Sisters auf der Bühne. Und mit „Going out in style“ haben sie eben den passenden Feier-Soundtrack von der Leine gelassen. War das Vorgänger-Album „The Meanest of Times“ (2007) noch der Tritt in die Eier, packt das Sextett Dich mit der aktuellen Platte eher an der Schulter und drückt Dir ein Pint in die Hand, um Dir ein „Let’s go“ ins Gesicht zu spuckbrüllen. 

Damit hatte man nicht unbedingt gerechnet, als „Memorial Day“ vorab auf rollingstone.com zu hören war. Das klang arg glattgebügelt. Ted Hutt an den Reglern, der vorher Gaslight Anthems Durchbruchs-Album „American Slang“ produziert hatte und auch schon für die etwas gemäßigteren Irish-Folk-Punks Flogging Molly gemischt hat – geht das gut? Oder sind die Kanten und die Ecken jetzt weg? Nein. Alles wie immer – nur diesmal eben wieder eine Spur gefälliger, verspielter und schunkeliger als zuvor. Da fordern sie zwar ganz unverhohlen „Hang ’em high“ oder „Take ’em down“, laden zur „Sunday Hardcore Matinee“ und besingen vergangene Zeiten wie in „1953“. Überhaupt liegt dem Album ein Konzept zugrunde, es dreht sich um die Erlebnisse des (fiktiven) irische Emigranten Cornelius Larkin. Zwischen den raubeinigen Momenten taucht eine sentimentaler Ballade wie „Cruel“ auf, dann schmeißt sich einem „Climbing on a chair“ an den Hals.

Es wird wohl alles beim Alten bleiben: Wer die Mixtur aus Punk-Riffs und Dudelsack-Klängen mag, findet hier Nachschub. Wer mit dem pathosschwangeren Krawallsound nichts anfangen kann, bleibt weiter draußen. Wie sehr die Murphys seit ihrem „The Departed“-Hit „Shipping up to Boston“ allerdings im Mainstream angekommen sind, zeigt sich auch an der Gästeliste: Bruce Springsteen höchstpersönlich greift bei „Peg o’ my heart“ zum Mikro, NoFX-Chef Fat Mike ist beim Husarenritt von Titelsong mit von der Partie. 
Everyone’s irish on St. Paddy’s.

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