Sonntag, 3. Dezember 2017

SZene-Hörtest: Kettcar - Ich vs. Wir


Die neue Kettcar ist schon ein paar Tage draußen, aber meine Besprechung möchte ich trotzdem noch nachreichen. In Bezug auf diese Band - eine der wichtigsten im Indie-Sektor - bin ich noch relativ frisch euphorisiert. Per Zufall von einem guten Freund (Hi Pit!) die "Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen" empfohlen bekommen und sofort begeistert gewesen. Und die neue Platte ist in meinen Ohren extrem intelligent getextet und auch musikalisch genau mein Ding.

Die Plattenkritik ist am 10. Oktober in der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick auf den Artikel könnt Ihr den Text lesen. Zur Not einfach in neuem Tab öffnen und dann vergrößern, Auflösung reicht wie immer.

Hier noch das Video zu  "Sommer '89 (Er schnitt Löcher in den Zaun)":

Montag, 20. November 2017

Hörtest: Iron Maiden - The Book of Souls - Live Chapter

Wem soll ich hier eigentlich was erzählen? Iron Maiden-Fans haben die neue Live-Scheibe vermutlich schon im Regal. Und wer die britische Heavy-Metal-Legende 2017 noch nicht in sein Herz geschlossen hat, bei dem ist vermutlich eh alles zu spät. Aber egal - "The Book of Souls: Live Chapter" ist ein Zeugnis der fantastischen Welttournee, auf der ich die Band beim Rockavaria in München erlebt habe (im Fotograben, Bilder unter diesem Link). Und nächstes Jahr sind sie wieder dort. Das war für mich die beste Nachricht der Woche. Grund genug, hier ein paar Zeilen zu schreiben.

Das Doppelalbum "The Book of Souls" gehört zu den besten Platten der britischen Heavy-Metal-Legende in der Bruce-returns-Phase. Gehörte 2015 auf jeden Fall zu meinen Top Ten Platten des
Jahres und rotiert immer noch regelmäßig - und man muss sagen, öfter als die meisten anderen Maiden-Scheiben seit "Brave New World". Allein schon der 18-minütige Titel "Empire of the Clouds" war zum Niederknien. Das ist auch der einzige Schönheitsfehler dieser Live-Vollbedienung: Der Song ist nicht dabei, denn die Band sagte ja selbst, dass es nahezu unmöglich sei, das Stück live zu bringen mit seinen orchestralen Passagen und den Bläsern und allem. Dafür sind mit "If Eternity Should Fail" und "Speed of Light" die beiden Opening-Kracher des Doppelschlags vertreten und eröffnen auch hier die bombastische Show. Was Maiden auch Jahrzehnte nach ihrer Gründung so relevant macht, ist die Tatsache, dass hier keine satten Rockrentner am Werk sind, die ihr Vermächtnis beschädigen. Maiden brennen, sie sind immer noch verdammt energiegeladen und das lassen sie ihre Fans bei jeder Show spüren. Dieser Live-Doppelpack dokumentiert genau das auf eindrucksvolle Art und Weise. Mitgeschnitten wurde dabei nicht eine einzelne Show, sondern 15 Songs wurden jeweils bei einem Gig der “The Book Of Souls”-World Tour mitgeschnitten. Die Tournee führte die Band 2016 und 2017 in 39 Länder auf sechs Kontinenten, zwei Millionen Fans kamen zu den Konzerten. 

Natürlich finden sich zwischen den schwerpunktmäßig vertretenen Stücken von "The Book of Souls" auch Klassiker aus der guten alten Zeit - und ebenso logisch ist, dass andere Klassiker fehlen. Denn wir reden hier nun mal über Iron fucking Maiden, und die haben nunmal so unfassbar viele Hits geschrieben, dass sie auch fünf Stunden live spielen könnten und immer noch Pflichtstoff fehlen würde. Luxusproblem. "Wrathchild", "Fear of The Dark", "Tue Number of the Beast" - wer andere Titel hören muss, dem seien die reichlich existierenden Live-Veröffentlichungen der vergangenen Jahre ans Herz gelegt.

Zwei kleine Kritikpunkte; Bei "Blood Brothers" wurde in der Ansage wohl ein "fucking" (oder ein anderer Kraftausdruck) rausgeschnitten, was soll sowas? Und: Es wird auch einen Konzertfilm geben, den kann man digital herunterladen. Ein netter Zug von einer milliardenschweren Rockstartruppe mit eigenem Flieger wäre gewesen, diesen auf DVD beizulegen oder als digitalen Download mit anzubieten - vor allem bei einem Preis von 23 Euro für die Doppel-CD in der Deluxe-Variante (was dann eben mehr Fotos im Booklet und ein Digipack im DVD-Format bedeutet). Ok, die Premiere des Konzertfilms konnte man im Netz gratis live streamen und die Videos stehen auch im Youtube-Kanal von Iron Maiden zum kostenlosen Anschauen parat. Wäre also wohl kein Problem gewesen. Lesenswert dafür das Vorwort von Maiden-Manager Rod Smallwood, in dem er die Geschehnisse der Tour mit viel Humor Revue passieren lässt.  

"The Book of Souls: Live Chapter" ist am 17. November via Parlophone erschienen. Hier seht Ihr noch "Fear of the Dark" aus dem Konzertfilm gleichen Namens.


Sonntag, 12. November 2017

Hörtest: The Weight - The Weight

Ein Debüt wie ein gut sitzende Lederjacke: robust, stilsicher, man fühlt sich wohl drin. The Weight dürften mit Studioalbum Nummer Eins bei ihrem auch bislang schon beeindruckenden Werdegang die nächste Stufe zünden. Heavy Rhythm & Roll nennen die vier Österreicher ihren Stil - und der rockt hart. 

Auch wenn scheinbar alle Welt gerade dank des (berechtigten) Netflix-Serienhypes "Stranger Things" in der 80er-Nostalgie schwebt: Lasst uns nicht vergessen, dass die Dekade von Neonfarben und Schulterpolstern musikalisch ziemlich gruselig sein konnte. Klar, einerseits gab es mit der New Wave of British Heavy Metal ziemlich viel fantastische Musik, aber die 80er sind eben auch Modern Talking und Konsorten. Für Rockfanatiker wie mich unerreicht bleiben in Punkto harter Gitarrenmusik die 70er.

The Weight dürften das ähnlich sehen und machen aus ihrer Vorliebe zu vergangenen Jahrzehnten  keinen Hehl. Wieso auch? Michael Boebel (Gitarre), Patrick Moosbrugger (Bass), Andreas Vetter (Schlagzeug) und Tobias Jussel (Gesang, Orgel, Piano) zeigen auf den Bühnen eine Spielfreude, die ansteckt. Mit ihrer EP "Keep Turning" konnten sie 2015 Fans wie Fachpresse überzeugen. In den vergangenen Jahren hat das Quartett unermüdlich getourt und Support-Slots für alte Helden wie Ten Years After oder Uriah Heep, aber auch neuere, stilistisch ähnlich gelagerte Bands wie Rival Sons oder Blues Pills gespielt. Mit dem selbstbetitelten Erstling ist The Weight nun eine beeindruckende Visitenkarte gelungen, die den Musikern weitere Türen öffnen dürfte.

Das das gut wird, spürt man schon beim Opener "Hard Way": Schnörkelloses Drum-Intro und dann gleich das erste Widerhaken-Gitarrenriff, über das sich der Gesang hinaufschwingt, während der Bass den Groove körperlich spürbar werden lässt. Runde Sache! Den zweiten Song "Trouble" kennt man schon, und falls nicht: unbedingt nachholen. Die Vorab-Single sorgte mit ihrem extrem aufwändigen Video für Begeisterungsstürme und wurde inzwischen über 367000 Mal bei Youtube geklickt (siehe unten). Eine sehr schöne Hommage an die Vorbilder der Band.

"Inside" kam mir von den Auftritten der Band bekannt vor, und mit seinen Klaviertupfern und dem dynamischen Stimmungswechsel ist der Song ein echtes Highlight der Platte. "Rich Man & Pride" ist eine Verbeugung vor dem Deltablues und nimmt schon mal das Tempo raus, bei "A Good Thing" gibt es dann eine Verschnaufpause mit vielen luftigen Passagen, in denen das Distortion-Pedal abkühlen darf. "Money Ain't For Keeping" gefällt mit Hammond-Orgel und ist mit 2:55 Minuten einer der kürzeren Songs auf dieser Platte. Mit dem fast neunminütigen "Hammer, Cross & Nail" folgt ein ausschweifendes Epos, bei dem sich bluesige Passagen mit imposanten Gitarrensoli abwechseln und bei dem sich die Band viel Zeit für instrumentale Spielereien nimmt. Noch improvisierter wirkt "Jam", das seinem Namen alle Ehre macht und bei dem man sich den Szenenapplaus förmlich dazudenken kann. "Get Some" donnert kompakt und auf den Punkt durch die Boxen, bevor "Plenty Of Nothing" mit mehrstimmigem Gesang und wärmendem Orgelsound nochmal alle Register zieht.

Die zehn musikalisch reichhaltigen Songs hat die Band selbst produziert, und auch mit der Gründung eines eigenen Labels signalisieren The Weight, dass sie konsequent ihr Ding durchziehen wollen. Kein Stück schielt auf Charterfolge und Airplay, wenn ein Song länger als fünf Minuten gehen muss, dann tut er das eben. Für den Mix konnte die Band Oliver Zülch (hat als Produzent unter anderem für Sportfreunde Stiller und Die Ärzte gearbeitet) und für das Mastering Martin Scheer (u.a. Bilderbuch) gewinnen. Der Weight-Train rollt unaufhaltsam. Nächster Halt: Oben. Nicht, dass sie jemals ganz unten gewesen wären.

"The Weight" von The Weight erscheint am 17. November 2017 via Heavy Rhythm & Roll Records. 

Mehr über The Weight auf Tinnitus Attacks: 
Konzertkritiken mit Fotos von den Auftritten beim Umsonst & Draußen in Weingarten 2016 und im Spielboden in Dornbirn 2015 sowie ein Bandporträt von 2015

Mehr Infos: www.theweightrock.com. 

Hier seht Ihr das Video zu Trouble:


Sonntag, 5. November 2017

SZene-Hörtest: Farin Urlaub - Berliner Schule (Fragwürdige Heimaufnahmen von 19834 bis 2013)

"Und manchmal da wünschst Du Dir ne Antimaterieschleuder". Wie wahr. Eine der Zeilen aus den jüngst veröffentlichten Demos von Farin Urlaub, die es auf kein regulär veröffentlichtes Studioalbum von Die Ärzte oder die Solo-Outputs von FU geschafft haben. Wie grandios dieser Einblick in das Kompositionsarchiv von FU ist, hab ich für die Schwäbische Zeitung aufgeschrieben. Die Besprechung ist vor 2 Wochen auf unserer Wochenend-Musikseite erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr meinen Text lesen.

Wer auf dem Blog noch mehr von Farin Urlaub sucht:

Interviews älteren Datums gibt es hier (2015), hier (2011) und hier (2006).

Sonntag, 22. Oktober 2017

Hörtest: Iron Chic - You Can't Stay Here

Das Jahr 2016 war einschneidend für die US-Punkrockband Iron Chic. Gitarrist Rob McAllister starb plötzlich und unerwartet und hinterließ seine Frau Marisa und seine Tochter Ramona. Auf ihrer neuen Platte "You Can't Stay Here" verarbeiten Frontmann und Sänger Jason Lubrano und seine Band den frühen Tod des Musikers - und versprühen dabei eine trotzig-positive Power, die das Leben feiert.

"You Can't Stay Safe / You Can't Stay Here": Wahre Worte, die Iron Chic im Quasi-Titelsong ihres neuen Albums "You Can't Stay Here" singen. Dass nichts ist, wie es bleibt, und es keine Option ist, sich im sicheren Rückzugsort einzurichten, gilt privat ebenso wie politisch. Jason Lubrano hat der Tod seines musikalischen Weggefährten geschockt. „Ich habe schon vorher mit Verlust umgehen müssen“, wird er im Presseinfo zitiert. „Mein Vater starb als ich 21 war, aber er war sehr krank und wir wussten, dass es kommen würde, so konnte ich es besser verarbeiten. Bei Rob war es anders, denn es war das erste Mal, dass ein enger Freund im selben Alter wie ich starb. Der Verlust von Rob durchdringt jeden Aspekt des Albums.“ Das schlägt sich besonders in den Texten nieder. "Be careful with what you love/Have faith in humanity" heißt es in dem Stück, und wie auch in den anderen Liedern sind die Lyrics keine prätentiös verklausulierten Angebertexte, sondern simpel gehaltene Formeln, die viel Wahrheit in sich tragen. 

Während die Texte von Songs wie "Invisible Ink" dabei sehr düster sind, wirkt die Musik wie ein Kontrast dazu. Iron Chic klingen lebensfroh und erinnern mit ihrem wuchtigen Sound und den extrem mitsingkompatiblen Harmonien mehr als einmal an die Donots. Das deutet sich bereits im Opener "A Headache With Pictures" an und zieht sich durchs ganze Album. Der Tod mahnt die Lebenden. Iron Chic vertonen das auf euphorisierende Weise. Gerade weil das Leben kurz ist.

"You Can't Stay Here" ist am 13. Oktober via Side One Dummy erschienen. Hier seht Ihr das Video zu "My Best Friend (Is A Nihilist)". 

Samstag, 7. Oktober 2017

Hörtest: Cold Reading - Sojourner

File under: Hat eine große Zukunft. Das Schweizer Quartett "Cold Reading" macht einen extrem souveränen Mix aus Post-Hardcore und Indie, der Emo und Pop atmet. Die neue EP "Sojourner" folgt auf das 2015er-Debüt "Fractures and Fragments" - und zeigt die Band als echte Hoffnungsträger in diesem Genre, dem ein paar neue Impulse nicht schaden könnten.

Noch bevor man genauer auf den Text des Openers hört, wird klar: Etwas ist im Umbruch, und das hier ist der Soundtrack dazu. Den Wunsch zum Neuanfang, zum Reboot der eigenen Biografie - dieses Gefühl ist hier unglaublich gut in Noten gegossen. "Books & Comfort" ist ein euphorisierender Hit, wie gemacht für die große Festivalbühne, aber gleichermaßen tauglich für die Indiedisco. Mike (Gesang & Keyboards), Chris (Gitarre und Gesang), Arthur (Bass und Gesang) und Marc (Schlagzeug) wirken auch auf dieser EP wie ein bestens aufeinander eingespieltes Team. Davon, dass sich die Band den Gesang aufteilt, profitiert der Sound in punkto Abwechslung.

Der Titeltrack lässt mit seinen flächigen Synthies in den ersten Sekunden Twin-Peaks-Feeling aufkommen und auch textlich sind durchaus Parallelen zu David Lynchs und Mark Frosts verstörendem Serienmeilenstein erkennbar (liegt aber vielleicht auch daran, dass ich immer noch ständig über die kürzlich zu Ende gegangene 3. Staffel nachdenke). Musikalisch gefällt der Song mit seinen cleanen Gitarrenfiguren und dem dramatischen Refrain.

"Roads and Peril" nimmt nach einem ruhigen Intro Fahrt auf und entwickelt sich zu einem von pulsierendem Bass angetriebenen Ohrwurm. "Scratches" lässt die EP dann mit sanfteren Tönen ausklingen, die Melancholie aufkommen lassen. Nicht nur, weil man der Band gern noch länger als 20 Minuten zugehört hätte. Aber wie gesagt: Da kommt sicher noch mehr.

"Soujourner" ist am 22. September via KROD Records als LP und digital erschienen. Mehr Infos gibt's auf der Internetseite der Band. Dort kann man die EP auch bestellen oder downloaden.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Konzertkritik: Dave Hause And The Mermaid in Lindau

Dave Hause And The Mermaid 
Frank Iero And The Patience 
The Homeless Gospel Choir
The Paceshifters
Club Vaudeville, Lindau
30. September 2017

Dave Hause.                Foto: Tinnitus Attacks
Die einzige Frage, die sich nach diesem Abend noch stellt: Warum erst 2017? Dave Hause passt perfekt in den Club Vaudeville, und es wird wohl auch nicht sein letztes Gastspiel in Lindau gewesen sein. Die Show, die der amerikanische Songwriter aus Philadelphia vor mehreren hundert Konzertgängern runterreißt, zeigt, warum Hause zu den Besten in der Punkrock-meets-Acoustic-Sparte zählt. Dave euphorisiert, schwelgt, leidet und ja, rockt, auf der Bühne, und nichts davon ist gekünstelt oder aufgesetzt. Fun Fact vorweg: Den ersten und letzten Song seines aktuellen 2017er-Albums "Bury Me In Philly" vertauscht er live, mit dem Titelstück "Bury Me In Philly" beginnt ein fantastischer Auftritt, der mit "With You" dann unglaublich energisch endet (und was dazwischen passiert, erzähl ich gleich noch). Wie Dave Hause da nochmal aufdreht, über die Bühne stürmt - man könnte ihm ewig dabei zusehen. Und der Song ist einfach so wahr. "Dance With Me We'll All Be Dead Soon" - seltener wurde das Memento Mori eindringlicher in Songform gegossen. Überhaupt würde man sich wünschen, dass mehr Künstler es machten wie Dave, dass sie etwas zu sagen hätten und imstande wären, so bedeutsame Songs we "We Could Be Kings" (vom 2013er-Album "Devour") zu schreiben, das auch an diesem Abend in Lindau zu den Glanzlichtern gehört. Die neuen Stücke reihen sich bestens ein, die Absage ans Zögern in "The Flinch" mit seinem Auf-geht's-Introriff etwa oder das wütende "Dirty Fucker", das - man ahnt es wegen des T-Shirts am Merchstand mit Trump-Konterfei - an diesem Abend dem 45. Präsidenten der Vereinigen Staaten (klingt das nicht immer noch unfassbar?) gewidmet ist. 

Kayleigh Goldsworthy.              Foto: Tinnitus Attacks
Natürlich kommt auch "The Mermaid" zum Zug, und Kayleigh Goldsworthy spielt dazu die Melodica. "The Mermaid" heißt ja auch die aktuelle Band, mit der Dave tourt, und diese Truppe harmoniert bestens. Goldworthy spielt abwechselnd Keyboard, Gitarre und Mandoline. Wie dankbar er für das gute Verhältnis zu seinem Bruder Tim ist, hat Dave mir dieses Jahr bereits im Interview erzählt. Tim wirkt auf mich introvertierter als Dave, setzt aber mit seinem Gitarrenspiel Akzente (und einmal an diesem Abend, ich weiß nicht mehr, bei welchem Song, gibt es sogar Triple-Gitarrenpower, was den Distortion-Junkie in mir extrem freut). Drummer Kevin Conroy guckt man ebenfalls gern zu, wenn er die Felle verdrischt und gemeinsam mit Basser Miles Bentley die rhythmische Fahrspur modelliert. Und noch ein Fun Fact: Die Meerjungfrau auf dem weißen Shirt unterscheidet sich von der Starbucks-Dame in zwei Punkten: Dollarzeichen statt Stern auf dem Kopf und ein böser statt ein lachender Mund. Nur falls sich jemand gefragt hat.  

Songtechnisch bleiben an diesem Abend kaum Wünsche offen. Bei "C'mon Kid" erschrickt man kurz, weil das mal "der" Hit von Dave war, das Ganze aber auch schon sechs Jahre her ist und die Zahl der fantastischen Stücke aus der Hause'schen Feder um ein ganzes Stück angewachsen ist. Und dabei war ja schon "Revelations" keine schwache Platte, wie Dave in Lindau dann unter anderem mit "Time Will Tell" und "Prague" untermauert. Ein großer Auftritt. 

Frank Iero.               Foto: Tinnitus Attacks 
Zuvor zeigte Frank Iero and the Patience (Patients?), dass Emo nicht tot ist. Ich fühle mich mehr als einmal an die 2013 zu Grabe getragenen My Chemical Romance erinnert, bei denen Iero früher die Rhythmusgitarre bediente, und lasse mich aufklären, dass in den USA Frank Iero der Headliner ist und Dave Hause sein Support. Vor dem Club hatten an diesem Tag eine Handvoll Hardcore-Fans aus den Niederlanden gecampt und warteten seit 9 Uhr morgens auf ihr Idol. Mein Fazit: Wird nicht mein neuer Lieblingsmusiker, ist aber definitiv unterhaltsam. 

Derek Zanetti.            Foto: Tinnitus Attacks
Wenig mitbekommen (aber immer noch mehr als von den verpassten Paceshifters) habe ich leider von The Homeless Gospel Choir, aber nachdem ich auf Youtube "Everyone" gesehen und gehört habe, finde ich das ziemlich schade. Derek Zanetti (grandioses Outfit!) ist mit seinen Protestsongs eine wichtige Stimme unserer Zeit. "I'm Not On MTV" steht auf den gelben Buttons mit dem brennenden Fernseher, die am Merchstand zu kriegen sind, wo Derek mich mit seiner supersympathischen Art noch mehr gewinnt als zuvor schon auf der Bühne. Wer braucht schon MTV? Diese Musikszene lebt doch sehr sehr gut - auch ohne Fernsehsender. 

Mehr Bilder vom Konzertabend in Lindau findet Ihr auf meiner Flickr-Seite. 
Einfach aufs Bild klicken: 


Dave Hause in Lindau