Gimme the music that causes tinnitus attacks. And, from time to time, that which cures it.
- Me, 2011

Samstag, 13. August 2016

Konzertkritik: Robert Plant in Meersburg

Was für ein Abend. Robert Plant in Meersburg.
Wer das Städtchen nicht kennt: Direkt am Bodensee gelegen, extrem idyllisch, im Sommer von Touristen überlaufen, im Winter ziemlich ausgestorben. Burg, Fähre, Neues Schloss. Nicht gerade der Ort, an dem Rockstars üblicherweise einen Tourstopp einlegen. Umso cooler, dass der frühere Sänger von Led Zeppelin dort sein einziges Deutschland-Konzert 2016 gespielt hat. Ich war für die Schwäbische Zeitung vor Ort. Meinen Artikel (erschienen am 4. August in der Schwäbischen Zeitung) könnt Ihr per Klick aufs Bild lesen. Seither rotieren die alten Zeppelin-Scheiben bei mir wieder rauf und runter.

Samstag, 30. Juli 2016

Blues Pills im SZene-Interview

Als ich damals in der Abizeitungs-Charakteristik mit dem Satz "Ich hab keinen einseitigen Musikgeschmack. Ich hör Heavy Metal, Speed Metal, Power Metal, Progressive Metal, Thrash Metal und Death Metal", fanden das manche Mitschüler urkomisch. Ich meinte es allerdings komplett ernst. Inzwischen seh ich das auch wieder so: Damit ich Musik grandios finde, braucht sie meist ein Grundgerüst namends Gitarre, Bass, Schlagzeug. Im Fall von Kraftklub darf etwas Sprechgesang dazukommen, Enter Shikari nehm ich ihre Electroeinflüsse nicht übel. Mit dem sogenannten Retrorock bekommt man mich allerdings auch. Ob Wolfmother oder die fantastischen Spiritual Beggars - diese Stilrichtung, die die 60er- und 70er evoziert, hat ihren Reiz. Die Blues Pills gehören für mich auch dazu. Heute ist mein Interview zum Album Nummer zwei in der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr es lesen.

Das Interview zum Debüt gibt es an dieser Stelle.

Samstag, 23. Juli 2016

Hörtest: The Thermals - We Disappear

Liebe Leser,

es war viel los. Der Juni vor allem war geprägt von Festivals, auf denen ich unterwegs war. Jetzt muss Tinnitus Attacks aber wieder mehr Priorität bekommen. Und zeittechnisch ist Samstag der bessere Tag zum Bloggen. Also in Zukunft eben heute. Und da in letzter Zeit ein paar Platten zu kurz gekommen sind, fangen wir gleich mal an mit dem Aufarbeiten von bereits erschienenen Alben, die ich bisher nicht besprechen konnte. Heute: The Thermals und ihre aktuelle Scheibe "We Disappear".

Vielleicht hatte ich es mit dieser Platte nicht ganz so eilig, weil sie mich nicht so umgehauen hat wie frühere Thermals-Alben. "We Disappear" ist gut, keine Frage - hat da aber das Problem, dass es schon eine ganze Reihe von Songs gibt, die sich in ihrer Machart eben kaum vom neuen Material unterschieden.

Was haben uns die Lo-Fi-Indierocker nicht schon für Glanztaten beschert. Das rohe und schrammelige "More Parts Per Million". Das energetische "Fuckin A". Das dystopische "The Body, The Blood The Machine". Alles wichtige Alben, die im Plattenschrank des indie-fixierten Musiknerds nicht fehlen sollten - und falls doch, zumindest mit guten Ausreden begründet. Auch "Now We Can See" und "Personal Life" waren richtig gut, und "Desperate Ground" ging in punkto Produktion wieder leicht zurück zu einem simpleren Sound.

Nun sind die Thermals schon länger an einem Punkt, an dem sie ihren Sound schon so gefestigt haben, dass es schwierig ist: Reine Wiederholung ist Stagnation, aber welche Variationen des Sounds könnte man sich denn auch vorstellen? Und wollte man überhaupt, dass Hutch Harris, Kathy Foster und Westin Gass anders klingen? Im Grunde machen sie ja alles richtig. Nur der ganz große Aha-Effekt, der stellt sich eben nicht mehr ein. Auch wenn zum Beispiel "Thinking Of You" ein paar ungewohnte Duo-Momente im Gesang bietet. Und auch der Einstieg ist mit "Into The Code" und "My Heart Went Cold" stark. Trotzdem: The Thermal kämpfen ein bisschen mit dem AC/DC-Syndrom. Und dass einem nicht jeden Tag Songperlen wie "Pillar Of Salt" einfallen, tja. Mir ist aber klar, dass ich hier auf einem hohen Niveau jammere.

"We Disappear" von The Thermals ist am 25. März via Saddle Creek erschienen. Wie "My Heart Went Cold" klingt, seht Ihr hier:

Freitag, 22. Juli 2016

In eigener Sache: Blog-Posts künftig am Samstag

Nochmal eine kleine Planänderung: Künftig ist Samstag Tinnitus-Attacks-Tag. Im Alltag hat sich gezeigt, dass es mit Arbeit und allem der Freitag unrealistisch ist. Also: Künftig gibt es den wöchentlichen Blog-Post einfach dann, wenn Ihr ausschlafen könnt. Bis morgen!

Freitag, 15. Juli 2016

Genießt The Hellacopters

Da ich heute ein bisschen herumreise, muss ich Euch mit einem kurzen Post alleine lassen. Aber wenn es dabei einen Auftritt der Hellacopters 1999 beim Bizarre Festival gibt, ist das doch auch ok oder? Nach dem Gig beim Sweden Rock Festival dieses Jahr und einer neuen (alten) Single bin ich gespannt, was die Zukunft bringt.

Ein Interview, das ich vor ein paar Jahren mit Nicke Andersson geführt habe, findet Ihr übrigens an dieser Stelle.

 

Freitag, 8. Juli 2016

SZene-Härtest: The Low Anthem - Eyeland

Ich muss mir etwas von der Seele reden. Es geht um die Enttäuschung des Jahres. The Low Anthem kriegen mich mit ihrer neuen Platte leider nicht. Ein klassischer Fall von Überambition. Schade.

Denn "Smart Flesh" war für mich eine der Platten des Jahres 2011. Der Song "Boeing 737" verwob sich mit meinem Bücherkonsum) und auch den Vorgänger "Oh My God Charlie Darwin" hab ich noch heiß und innig geliebt. Aber das hier? Sorry. Ich bin raus.

Eine Plattenkritik dazu ist am 22. Juni auf der SZeneseite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick aufs Bild könnt Ihr meine Meinung zu diesem Album lesen.


Freitag, 1. Juli 2016

Galerie der Klassiker: Iron Maiden - Brave New World

Was für ein Monat, was für Wochen, die hinter mir liegen. Rockavaria, Rock am Ring, Southside. Jedesmal Regen, zweimal Abbruch. Aber auch ein paar musikalische Eindrücke. In München beim Rockavaria wurde mir zum Beispiel wieder mal bewusst, wie fantastisch Iron Maiden eigentlich sind. Bruce Dickinson ist eine meiner Lieblingsstimmen aller Zeiten, und nebenbei fliegt der Teufelskerl noch ein Flugzeug, neben dem die Maschinen von Staatsmännern popelig aussehen

Aus diesem Anlass grabe ich heute tief in der Mottenkiste und bringe zum Vorschein: eine Plattenkritik zum 2000er-Album "Brave New World". Erschienen damals in unserer Schülerzeitung, den Thalamus. Was damals anders war: Es gab viel mehr Metal-Ignoranten. Wo Heavy Metal heute im Feuilleton stattfindet und Arte Dokus über Wacken sendet, stieß ich damals mit meinem missionarischen Eifer immer wieder auf verschlossene Ohren. Tja. Wer lag richtig? Genug geredet. So hab ich mich vor 16 Jahren über Iron Maidens Comeback ausgelassen: 

"Nicht eine zweite Platte habe ich in der letzten Zeit derartig gespannt erwartet wie den neuen Silberling der NWoBHM-Legende Iron Maiden. Tränen haben wir vergossen, Tränen des Glücks, als die Nachricht von der Rückkehr der verlorenen Söhne Adrian Smith (g.) und Sangesgott Bruce "Air Raid Siren" Dickinson (v.) uns erreichte. Was haben wir gebangt, dass der neue Longplayer ein Aufguss alter Chosen werden würde. Was haben wir gebetet, dass Maiden nicht dasselbe passiert wie Judas Priest mit ihrem "Jugulator"-Klogriff.

Spätestens jetzt darf er kommen - der freudige Aufschrei: "Brave New World" ist genau das Album geworden, das eigentlich nach "Seventh Son Of A Seventh Son" hätte kommen müssen. Maiden haben es tatsächlich geschafft, an ihre alten Heldentaten anzuknüpfen und einen würdigen Abschied des alten Jahrtausends einzuhämmern. Intelligenterweise haben die Eisernen Jungfrauen mit "The Wicker Man" zwar erstmal einen gutklassigen Song als Single und Opener ausgewählt, auf dem Album selbst steht aber genügend noch stärkeres Material, das den guten Eindruck dieser Auskopplung eindrucksvoll bestätigt: Da wäre zum einen das von ruhigen Gitarrenklängen eingeleitete "The Ghost Of The Navigator", eine atmosphärische Midtemponummer, die sich mit der Textzeile "Nothing's Real Until You Feel" in meinem Hirn eingenistet hat. Die von dezenten Streichern untermalte Semi-Ballade "Blood Brothers" mit Bruce' bardenhaftem Gesang und der dramatischen Steigerung. Der schnelle Nackenbrecher "The Mercenary" mit seinem eingängigen Refrain und den cleveren Breaks. Das auf einem typischen Adrian-Smith-Riff basierende "The Fallen Angel". Die absoluten auditiven Cumshots stellen allerdings die beiden zehnminütigen Epen "Dream Of Mirrors" (Ohrwurmrefrain) und "The Nomad" (Opus á la "Rime Of The Ancient Mariner" oder "Alexander The Great") dar. Auf Letzterem gibt es eine der unverkennbar besten Gesangsleistungen von Göttersohn Dickinson zu hören, die sich perfekt mit den orientalischen Einflüssen ergänzt, die das Stück zu einem der außergewöhnlichsten der zum Sextett gewachsenen Band machen. Mit "Out Of The Silent Planet" servieren Iron Maiden schließlich noch eine Mitsinghymne von derartiger "Run To The Hills"-Qualität, dass auch der schwächere Abschluss mit "The Thin Line Between Love and Hate" den ausgezeichneten Gesamteindruck nicht schmälern kann, den das Flaggschiff des britischen Heavy Metal anno 2000 auf den geneigten Hörer macht. Dafür dürfte auch die glasklare und bombenharte Produktion von Kevin Shirley nicht ganz unbedeutend sein. Gitarren, Gesang, Schlagzeug und Steve Harris' unverwechselbares Bassspiel stehen vollkommen gleichberechtigt und transparent nebeneinander. 

In Anbetracht all dieser Tatsachen kann ich euch diese Platte nur wärmstens ans Herz legen, die allen Nörglern und Zweiflern ("Die machen das doch nur wegen dem Geld") den Wind aus den Segeln nehmen dürfte. Die Spielfreude hört man hier an allen Ecken und Enden. In diesem Sinne: Up The Irons"! Man sieht sich auf den Metal-2000-Festivals!"

P.S.: Mir ist klar, dass eher Platten wie "The Number Of The Beast" in einer Klassiker-Galerie auftauchen könnten. Aber nur bei "Brave New World" weiß ich eben noch genau, wie ich damals in den Müller-Markt rannte am Erscheinungstag und die CD mit einem noch unbeschrifteten Preisschilddirekt vom Lieferwägelchen schnappte und dann in den tragbaren CD-Player einlegte, draußen vor dem Laden aufdrehte und sofort in diese Platte verliebt war. Und meistens sind es doch diese Erinnerungen, die Platten und Musik so bedeutsam für einen machen. Insofern.