Samstag, 21. April 2018

SZene-Hörtest: A Perfect Circle - Eat The Elephant

In einer Welt, in der sich die Menschen mit CAPS LOCK gegenseitig niederbrüllen, ist es vielleicht wichtiger, seine Haltung mit leisen Tönen zu transportieren. Das neue Album von A Perfect Circle spart nicht mit Kritik an der Welt von heute - aber diese Kritik verpacken Maynard James Keenan und Billy Howerdel diesmal in Songs, die weniger Härte und dafür noch mehr Facettenreichtum haben. Und: Es ist das erste APC-Album seit 14 Jahren. Mich hat die Platte tierisch begeistert. Meine Besprechung des Albums ist heute auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen. Per Klick auf den Zeitungsartikel könnt Ihr die Rezension lesen.

Samstag, 14. April 2018

Hörtests: Rückkehrer in mehr oder weniger guter Form

Satanic Surfers - Back From Hell

Was für eine Rückkehr! Die Satanic Surfers zeigten sich in den vergangenen Jahren erst auf den Bühnen der Welt, dann gingen sie ins Studio, um dem Ende ihrer von 2007 bis 20015 währenden Bandpause auch neue Songs zu spendieren. Eine gute Entscheidung, denn mit "Back From Hell" präsentiert sich die schwedische Skatepunk-Legende in Höchstform. Wer sich nicht an der eindringlichen Stimme von Ropdrigo Alfaro satt hören konnte, war in den vergangenen Jahren auch mit Atlas Losing Grip bestens bedient. Trotzdem dürften sich viele Fans noch mehr über diese Reunion freuen. Wenn im Opener "The Usurper" die Twin-Gitarren röhren, fühlt sich das einfach richtig und richtig gut an. Die Reggae-Rhythmen in "Self-Medication", die Speed-Attacken in "Ain't No Ripper und die dynamischen Wechsel in "Madhouse" zeigen, dass die Band nichts von ihrer stürmischen und melodischen Art eingebüßt hat. Zehn Songs, 30 Minuten - kurz und intensiv ist dieses Comeback ausgefallen. Willkommen zurück.

(erschienen am 13. April via Regain Records)



++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Monster Magnet - Mindfucker 

Dave Wyndorf und seine Spacetrucker sind wieder da. Und sie haben zehn Songs mitgebracht, die Anhängern von breitwandigen Stonerockriffs ein Grinsekatzegrinsen aufs Gesicht zaubern werden. Sollte irgendjemand diese Zeilen lesen und beim Namen Monster Magnet nur an den 90er-Jahre-Hit "Space Lord" denken, empfehle ich dringend, alle Alben nach "Powertrip" nachzuholen. Und ganz speziell das 2013er Album "The Last Patrol". Das war ein majestätisches Spätwerk, das nicht nur psychedelischen Mummenschanz bot, sondern auch irgendwie Tiefe und Melancholie. "Mindfucker" erweckt schon dem Titel nach den Eindruck, dass es hier nicht übelst philosophisch zugehen wird. Erwartet auch keiner. Was man aber nicht unbedingt erwarten durfte und hier trotzdem geliefert wird, ist eine Souveränität, mit der die Truppe ihren überdimensionalen Rock hintrümmert. Die Gitarrenarbeit ist Oberliga und auch wenn die Zutaten vertraut klingen, wirkt hier nichts abgestanden, sondern mit einem positiven Punch versehen, der sich denn auch für eine Live-Ohrdruckwellenmassage empfiehlt.

(erschienen am 23. März via Napalm) 



++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Josh T. Pearson - The Straight Hits! 

Was für eine Neuerfindung. Wahrscheinlich dachte sich Josh T. Pearson, dass er in einer Welt voller bärtiger, melancholischer Songwriter eher herausstechen wird, wenn er nicht nur die Gesichtsbehaarung ablegt, sondern auch den düsteren Look gegen helle Klamotten und einen Cowboyhut tauscht. Das sind Äußerlichkeiten, klar, aber sie signalisieren eben auch einen musikalischen Kurswechsel. Wer das fantastische 2011er-Album "Last Of The Country Gentleman" wegen seiner atmosphärischen Dichte, seiner ehrlichen Verletzlichkeit und seiner wundervollen Morbidität stark fand, wird hier wohl enttäuscht werden. Songs wie "Give It To Me Straight" wirken wie Parodien, und Pearson sagt selbst, dass er Ballast abwerfen wollte. Doch diese radikale Wende wirkt arg bemüht, und man ist nicht sicher, was das hier eigentlich sein soll. Es gibt Momente, in denen das Genie durchblitzt, so etwa "Loved Straight To Hell", aber für den Mann, der mit seiner Band Lift To Experience 2001 für das Album "The Texas-Jerusalem Crossroads" als Songwriting-Größe verehrt wurde, ist das ein bisschen wenig.


Sonntag, 8. April 2018

Galerie der Klassiker: A Perfect Circle - Mer De Noms / Thirteenth Step

Die anstehende Veröffentlichung von "Eat The Elephant", dem ersten "richtigen" Studioalbum von A Perfect Circle seit 15 Jahren ("eMotive" von 2004 zähl ich als Coveralbum einfach mal nicht mit), wirft ihre Schatten voraus. Die bisher veröffentlichten Songs deuten auf ein großes Werk hin, das nicht nur Tool-Anhänger in die Arme schließen werden. Mir geht derzeit besonders "Disillusioned" nicht mehr aus dem Kopf, ein fast schon flehentlicher Appell an den durchschnittlichen Smartphonenutzer, sich von der Technik loszureißen und sich seiner Mitmenschen wieder bewusster zu werden. Das mag mancher als hängengebliebenes Opa-Genöle abtun (auf diesem Niveau wird der Song im Netz teilweise kritisiert), aber dass die Digitalisierung verdammt gefährliche Schattenseiten hat, dafür gibt es ziemlich viele Beispiele - man denke nur an den aktuellen Datenschutz-Skandal bei Facebook.

Als A Perfect Circle "Mer De Noms" vor 18 Jahren veröffentlichten, war ich kurz vor dem Abitur und schwelgte als Metalhead in Vorfreude auf das "Metal 2000", einem Indoor-Festival auf dem Maimarktgelände in Mannheim. Iron Maiden, Slayer, Motörhead, Dream Theater, Spiritual Beggars - ich war damals im siebten Himmel. Zwei Monate vor diesem Erlebnis stand "Mer De Noms" in den Regalen der CD-Händler und obwohl ich da noch extrem auf Doublebass, Heldentenöre und musikalische Fantasy-Welten stand, begeisterte mich das Album von Maynard James Keenan und Billy Howerdel nachhaltig. Das lag auch an Michael Rensen: Wenn er im RockHard Musik besprach, dann tat er das in einer bildhaften Sprache, die sich Klischees und Allgemeinplätze sparte. Die Texte sprachen zu mir. Über das Debüt von A Perfect Circle hatte Rensen in seiner Rezension Folgendes zu sagen: ""Mer de Noms" klingt wie ein nächtlicher Strandspaziergang am Rande einer pulsierenden Cyberspace-Metropole, wie ein farbenschillernder Dschungel-Trip im vierten Jahrtausend, wie ein Ausflug in jene Welten, die eigentlich einem Devin Townsend vorbehalten sind." Du hattest mich bei Cyberspace-Metropole. Es war die Mischung aus hartem Gitarrenstoff und atmosphärischer Klangweite, die mich an dieser Platte faszinierte. Das Gleißen des Openers "The Hollow", die hitzeflirrende Schwere von "Magdalena", die knurrende Wut von "Judith" - das waren die ersten Momente einer Platte, die auch fast 20 Jahre nach ihrer Veröffentlichung immer noch regelmäßig bei mir im CD-Spieler landet. Beim Video zu "Judith" führte übrigens David Fincher Regie, der 1999 mit "Fight Club" mein absoluter Lieblingsregisseur wurde.


Und hier noch ein fantastisches Drum-Cover von Judith:



2003 Jahre später hatte ich mein Abitur in der Tasche, den Zivildienst hinter mich gebracht, studierte und war kurz davor, mich Stück für Stück von traditionellem Heavy Metal abzuwenden und dafür punkigere und alternativere Klänge zu entdecken. "A Thirteenth Step" war eine willkommene Abwechslung von In Flames (die für mich 1999 mit "Colony" ihr letztes richtig gutes Album abgeliefert hatten), Blind Guardian (die mich 2002 mit "A Night At The Opera" auch nur bedingt hatten überzeugen können) und Nevermore (deren 2000er Album "Dead Heart In A Dead World" das letzte Album war, das ich richtig wahrgenommen habe). Wie groß war "Weak And Powerless" bitte? Wo Tool musikalisch und technisch immer überschäumten und wie ein unfassbar großes Mosaik wirkten, wirkte der Sound von A Perfect Circle sehniger und reduzierter - aber kaum weniger virtuos. Und mit düsteren Fieberträumen wie "The Noose" oder der völlig verstörenden Failure-Coverversion "The Nurse Who Loved Me" enthielt das Album starke Momente, die auch heute noch nachhallen. Das bedrohlich brodelnde Gitarrenbrett in "Pet" und das mit einem provokanten Video versehene "The Outsider" hinterließen ebenfalls bleibenden Eindruck bei mir.

Nun sind wir wieder 15 Jahre weiter. Die Welt scheint kein besserer Ort zu sein als damals. A Perfect Circle sind nicht stehengeblieben und haben etwas zu sagen. Ich freue mich darauf, ihnen zuzuhören.

Hier noch das Video zu "The Outsider":


 Und ein fantastisches Drumcover von "The Outsider":

Samstag, 31. März 2018

Three Days Grace im Interview

Als ich kürzlich die neue Single "The Mountain" von Three Days Grace in den Mails hatte, war mir schnell klar, dass ich das neue Album der kanadischen Alternativerocker besprechen will. Breitbeinige Gitarren und gefällige Melodien: Das passt meiner Stereoanlage bestens.

Und das Interviewangebot wollte ich mir auch nicht entgehen lassen. Kürzlich ist es erschienen. Abgedruckt in der Schwäbischen Zeitung am 17. März auf der SZeneseite. Per Klick aufs Bild könnt Ihr es lesen.

Samstag, 17. März 2018

Happy Birthday, Tinnitus Attacks!

Heute vor 7 Jahren ging es los: Am 17. März 2011 ging Tinnitus Attacks online. Mehr noch als der eigene Geburtstag veranschaulichen mir solche Daten immer wieder, wie schnell die Zeit vergeht.

Aus diesem Anlass beschenke ich mich heute mit meinen sieben Lieblingssongs von Steven Wilson und Porcupine Tree. Steven Wilson hat mich ja bei seinem Auftritt in Ravensburg kürzlich nachhaltig beeindruckt. Ich höre derzeit fast nichts anderes.

7.) Steven Wilson - Pariah ft. Ninet Tayeb

Inzwischen muss ich immer an den Trailer zum Videospiel "Last Day Of June" denken, wenn ich das Lied höre. So erhebend, so intensiv - und durch die Mitwirkung von Wilsons langjähriger musikalischen Weggefährtin Ninet Tayeb extrem gut.



6.) Steven Wilson - Detonation 

Leider kein Video, aber der Song wirft - wie eigentlich alle - ohnehin das Kopfkino an. Insofern: Augen zu, Kopfhörer drauf und gut ist.


5.) Steven Wilson - The Same Asylum As Before

Live warnte Steven Wilson: "In diesem Song benutze ich meine Kopfstimme." Understatement - denn der Song vom aktuellen Album "To The Bone" ist fantastisch. Ich hab kein offizielles Video dazu gefunden, aber dieses Gitarrencover fand ich auch ziemlich gut.



4.) Porcupine Tree - Lazarus 

Eigentlich könnte hier bei jedem Lied stehen, dass es mich emotional sehr mitgenommen hat. Bei diesem Lied hier war es aber eher so, dass es ein fast schon fröhlicher Moment inmitten sehr vieler melancholischer Stimmungen war.



3.) Porcupine Tree - Sleep Together

Der Refrain erinnert an die Beatles, aber so, als wären die vier Briten der IG Metal beigetreten. Hart, aber herzlich.




2.) Porcupine Tree - Arriving Somewhere But Not Here

Vom experimentellen Anfang über die lockeren Beats und das heftige Riffgewitter - dieser Song lässt einen darüber nachdenken, warum so viele Musiker so wenig Abwechslung in ihre Songs packen. Ganz groß.



1.) Steven Wilson - The Raven That Refused To Song

Eines der emotionalsten Musikstücke, die jemals geschrieben wurden. Mehr gibt's da nicht zu sagen.

Donnerstag, 15. März 2018

Konzertkritik: Donots in München

Die Donots in München: Mal wieder ein Beweis dafür, dass diese Band über die Jahre immer noch besser geworden ist und seit ihren deutschsprachigen Alben nochmal einen Euphorie-Spring gemacht hat. Mehr zu sagen, wäre meinen eigenen Nachbericht spoilern, also klickt doch einfach auf den Konzertkritik, die am Dienstag auf der SZene-Seite der Schwäbischen Zeitung erschienen ist. 

Ein paar Bilder mehr gibt's auf schwäbische.de

Montag, 5. März 2018

Fotogalerie: The Weight und Wolvespirit in Biberach

The Weight rocken hart - wie hier im Abdera.
Für The Weight könnte es derzeit kaum besser laufen. Seit der Veröffentlichung ihres Debüts werden die Österreicher von Fans wie Presse mit Lob überschüttet, das spektakuläre Video "Trouble" nähert sich bei Youtube unaufhaltsam der 500 000-Klicks-Marke und aktuell sind die vier Musiker für einen Amadeus Award nominiert. Was dem Quartett aber am wohl am meisten Spaß macht, sind ihre Konzerte. Das spürt man, wenn man sie wie jüngst am Samstagabend in Biberach auf der Bühne sieht. Im Abdera trumpften The Weight mit ihrem Heavy Rhythm & Roll auf. Derzeit läuft die Tour mit Wolvespirit, die ebenfalls mit harter Gitarrenmucke begeisterten.

Mehr Bilder von beiden Bands findet Ihr auf der Facebookseite von Tinnitus Attacks