Sonntag, 19. März 2017

Galerie der Klassiker: Foo Fighters - The Colour And The Shape

Wow. Am Freitag hat mein Blog seinen sechsten Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass gibt es hier heute einen weiteren Teil in der "Galerie der Klassiker". 

"Big Me" fand ich zum Totlachen, diesen so herrlich überdrehten Mentos-Tribute-Clip. Schon damals hab ich mir gedacht: Dieser Typ, der bei den Foo Fighters am Mikro steht, den würde ich unbedingt mal gern als Hauptdarsteller in einem Film sehen. Jahrzehnte später ist Dave Grohl zwar immer noch lieber hinterm Mikro als vor der Kamera und ich hab noch keinen Fiction-Spielfilm im Regal, in dem Dave auftrumpft, aber mit "Back And Forth" und "Sonic Highways" hab ich wenigstens einen Doku und eine Serie, in der man erleben kann, wie cool und einflussreich, aber auch menschlich und demütig dieser Musiker geblieben ist.

Jedenfalls: Wir schrieben das Jahr 1997, ich stand auf Heavy Metal, In Flames hatten mich ein Jahr zuvor mit "The Jester Race" umgehauen, meinen Orchesterkollegen hielt ich stolz "Lingua Mortis" von Rage unter die Nase und krähte "Seht Ihr, ich hör Metal und spiel Geige, das geht fantastisch zusammen, aber hallo!" Und eigentlich war ich ein Anhänger des - heute würde man sagen Narrativs, dass Grunge den Metal gekillt hat (was Tenacious D ja dann mit "The Metal" widerlegt haben). Die Foo Fighters konnte ich aber relativ unbefangen angehen, denn ich hatte zwar von Kurt Cobain gehört und mir war auch klar, dass er ein Mythos und eine Legende war, aber Dave Grohl war halt der Drummer und das wusst ich zwar vielleicht irgendwoher, aber es war mir damals noch ziemlich egal. Denn das Video zu "Monkey Wrench" hat mich umgehauen. Dieser Typ, der da mit dem Monsterschnauzer und dem Kinnbart in den Aufzug steigt, in dem dann eine Muzak-Version von "Big Me" läuft (wie eigenironisch, genial!) - ich wusste, dass ist jemand Besonderes.

Also musste die Single her, dann das Album. "The Colour And The Shape", so etwas hatte ich noch nicht gehört. Jeder Song war unfassbar gut. Das wuchtige "Hey, Johnny Park!" mit seinen dynamischen Wechseln zwischen cleanen Gitarren und ruhigen Passagen und den übermütigen Dezibel-Passagen. "My Poor Brain" mit seinem Bubblegum-Steroid-Kontrast. Es waren Stücke wie diese, die mich später in einem absoluten Nerdgespräch zur Überzeugung brachten, dass die Foo Fighters der Hulk wären, wenn Bands Superhelden wären. (Interpol mit "Our Love To Admire" und speziell der Opener "Pioneer To The Falls" hätte ich damals hingegen als Batman gesehen).

"Up In Arms" war auch eine grandiose Überraschung, weil auf der Single von "Monkey Wrench" nur eine Version war, in der der Song die ganze Zeit so ruhig ist wie am Anfang - hier aber explodiert das Stück nach nicht ganz einer Minute und dann kommt wieder dieser unwiderstehliche Punch, der mich an die Wand gepustet hat. Groß auch das triumphale "My Hero", Und anders als anderen Platten geht diesem Album nie die Puste aus. Da bäumt sich "February Stars" nach knapp drei Minuten auf, den Bandklassiker "Everlong" fand ich ursprünglich gar nicht soo besonders (ich glaube, das Video hat mich verstört). Und "Walking After You" wiegt einen dann in falsche Sicherheit, denn die akustische Ballade beendet das Album nicht, wie man meinen könnte, sondern "New Way Home" tut es. Hier ziehen die Foo Fighters wirklich nochmal alle Register und bringen einen Meilenstein nach Hause der auch 20 Jahre nach seinem Erscheinen unantastbar ist. Kaum eine Band hat mich in meinem Leben über einen so langen Zeitraum begleitet wie die Foo Fighters. Das Schöne daran ist, dass "The Color And The Shape" zwar ein Klassiker ist, die Band es aber mit ihren darauffolgenden Alben auch immer wieder geschafft hat, zu überraschen. Und "Wasting Light" war meiner Ansicht nach ein Album, das diesen Klassiker wenn nicht übertroffen, so zumindest das selbe Niveau erreicht hat.

"The Color And The Shape" ist am 20. Mai 1997 erschienen. Hier seht Ihr das Video zu "Monkey Wrench" in einer Live-Fassung bei David Letterman:

Sonntag, 5. März 2017

"Ich bin auf der Seite der Armen und der Arbeiter": Dave Hause im Interview

Wie ich mich 2012 in Dave Hause verliebt habe, das konntet Ihr hier ja kürzlich an dieser Stelle schon lesen, als ich "Bury Me In Philly" besprochen habe. Herzchen in den Augen hatte ich dieser Tage dann auch, als ich Dave interviewen konnte. Es war der Abend Show in Köln am vergangenen Mittwoch. Ein Telefonat über Familienbande, den unvermeidlichen Donald Trump und musikalische Einflüsse jenseits von Punkrock. 

Dave, Dein neues Album „Bury Me In Philly“ ist frisch veröffentlicht. Lass uns über die Entstehung dieser Platte sprechen. 

Es hat eine Weile gedauert, bis ich wusste, worüber ich für das neue Album schreiben sollte. Seit dem letzten Album, seit 2013, ist viel passiert. Auf „Devour“ ging es um das raue Erwachen, das Erwachsenwerden, die Diskrepanz zwischen den Versprechungen und Deinem tatsächlichen Leben, wenn Du erstmals 30 bist. Ich hatte eine Scheidung hinter mir, es war eine schwierige Platte. Aber nachdem die Platte erschienen war, stellte ich fest, dass ich ein internationales Publikum habe und dass mein Leben besser geworden ist. Ich traf eine wundervolle Frau und zog nach Kalifornien. Bis dahin habe ich über die Schwierigkeiten des Lebens geschrieben, jetzt knackten wir die Charts, die Zahl der Fans wuchs. Ich hatte Angst, ob die Leute etwas damit anfangen können, wenn ich jetzt positivere Songs schreibe. Das brauchte Zeit.

Dein Bruder Tim war an der Platte maßgeblich beteiligt, richtig?

Dave Hause und Chuck Ragan (@PSF 2013). 
Ja, das stimmt. Ich hab die neuen Songs meinem Bruder gezeigt, und er mochte die Stücke, in denen es um meinen Umzug Richtung Westen ging und die Ambivalenz dieses Wegs. Ich war zum Beispiel nicht sicher, ob ich dort reinpasse. Tim hat Songs wie „Bury Me in Philly“, „Without You“ und „Divine Lorraine“ sofort verstanden. Er war sehr begeistert davon und half mir etwa mit den Texten. Anfangs arbeitete ich noch mit einem anderen Produzenten zusammen, der mich mehr in Richtung Country bugsieren wollte. Das wollte ich aber nicht, ich wollte mir und meinen Wurzeln treu bleiben. Und das ist eben klassischer Rock’n’Roll, damit bin ich aufgewachsen, ich liebe diesen Sound noch immer. Also zeigten wir die Songs Eric Bazilian von The Hooters, mit dem ich mich angefreundet habe, und er war sehr angetan von den Liedern. Weil er die Platte mit uns aufnehmen wollte, wechselten wir den Produzenten und gingen zu Eric ins Studio in Philadelphia. Eric wiederum brachte William Wittmann als Koproduzenten mit ins Spiel, den man durch seine Arbeiten mit Cyndi Lauper kennt und der zum Beispiel „Say It Isn’t So“ von The Outfield poduziert hat. Als das Team stand, ging es dann sehr schnell.

Was ist das Thema auf „Bury Me In Philly“, welche Geschichten erzählt das Album? 

Ich versuche immer, Begegnungen wiederzuspiegeln und mit dem Herzen bei der Sache zu sein. Mache Dinge, über die sich singe, sind mir wirklich passiert, manche Stücke versuchen einfach, ein Gefühl auf den Punkt zu bringen.

Die Wahl des Produzenten ist eine Überraschung. Eric Bazilian und The Hooters kennt man vielleicht durch ihren 80er-Jahre-Radiohit „Johnny B“. Ist die Punkrockszene, der Du entstammst und die Dich nach wie vor feiert, musikalisch toleranter geworden? Es hätte früher sicher Fans gegeben, die mit seiner Handschrift auf dem Album nichts hätten anfangen können. 

Dave Hause und Dan Adriano (@PSF 2013). 
Ich habe schon das Gefühl, dass Rock-Einflüsse von den 1980er-Jahren bis zurück in die 1960er-Jahre inzwischen auch in den Punkrock Einzug gehalten haben. Denn das ist auch die Musik, mit der viele meiner gleichaltrigen Musikerkollegen aufgewachsen sind. Selbst wenn du Punkrock spielst, ist es unvermeidlich, dass Du zu den Grundlagen zurückkehrst, die Dich ursprünglich für Musik begeistert haben. Wenn es Bryan Adams und Tom Petty waren, dann werden diese Facetten irgendwann in Deiner Musik auftauchen, während Du Dich weiterentwickelst, und das muss man auch zulassen. Es ist ein authentischer Teil meiner musikalischen Identität und es wegzulassen, wäre verrückt. Es gibt so großartige Musik aus dieser Zeit. Ich wollte immer nur Musik machen, Punkrock sehe ich eher als Ethik, diese Furchtlosigkeit und das Do-it-yourself-Ding, das ist Punk für mich. Ich hab mich nie dafür interessiert, mich mit meiner Musik szenespezifischen Regeln zu unterwerfen. Ich kann mich da gut mit dem Ansatz identifizieren, den Joe Strummer (Frontmann von The Clash - Anm. d. Redaktion) hatte. Er spielte am Ende seines Lebens World Music. Und das hab ich vom Punkrock gelernt: offen und stürmisch zu sein.

Zumal es ja nicht einer gewissen Ironie entbehrt, wenn Punkrocker zwar ganz rebellisch sein wollen, aber bei ihrer Musik plötzlich sehr konservativ sind...

Ich habe immer ein Problem damit gehabt. Als ich angefangen habe Punk zu hören, habe ich das getan um zu rebellieren, denn ich ging auf eine christliche Schule. Aber dann waren im Punk da auch plötzlich all diese Regeln. Von meiner christlichen Erziehung habe ich nicht alles abgelehnt, sondern die besten Dinge übernommen. Ich meine, die Person Jesus ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie man als Mensch sein sollte. Aber Hölle, Verdammnis und ein rachsüchtiger Gott, das finde ich wahnsinnig. Beim Punkrock finde ich sehr cool, wenn Menschen sich dazu entscheiden, ihre Musik auf eigene Faust zu produzieren und sich nicht reinreden lassen. Aber ich möchte nicht dazu gezwungen sein, meine Jacke mit Killernieten zu versehen und nur noch zu brüllen und rasend schnell zu spielen. Für mich geht es darum, die besten Ideen zu finden, sich weiterzuentwickeln und etwas eigenes zu machen.

Zumal Szenegrenzen heute ja ohnehin durchlässiger geworden sind. 

Jeder, der heute professionell Musik macht, ist in der Regel an allen möglichen Stilen interessiert. Es ist uninteressant, nur eine Richtung zu haben. Die Vorlage für Rock’n’Roll, wenn es eine gab, waren die Beatles, und die waren auch von allen möglichen Sachen beeinflusst, wie man nach wie vor in Interviews mit Paul McCartney und Ringo Starr sehen kann. Diese Wildheit und Liebe zur Musik war seit jeher mein Antrieb. Ich bin nicht an Leuten interessiert, die mir sagen, wie ich etwas machen soll. Zum Beispiel wenn jemand mir sagt, ich soll langsamer spielen und mehr Nashville-Sound machen – was zum Geier, ich bin aus Philadelphia. Oder jemand sagt mir: Wenn Du in die Songwriting Hall Of Fame willst, musst Du das und das machen. Wenn ich da reinkomme, dann doch bitte nicht, weil ich mir ein Banjo aufschwatzen habe lassen. Das wäre konträr zu dem, was ich für richtig halte.

Nochmal zurück zu Deinem Bruder: Wie hat die Arbeit mit Tim auf Euer familiäres Verhältnis beeinflusst? Es ist ja etwas anderes, wenn man Feedback zu Musik und Texten von jemandem bekommt, der einem nahe steht, oder? 

Diese Erfahrungen gemeinsam zu machen, hat ganz klar unsere Beziehung positiv beeinflusst. Und umgekehrt wird durch diese Veränderung des Verhältnisses die kreative Arbeit angenehmer. Mein Bruder ist 15 Jahre jünger als ich. Es gibt keine Geschwisterrivalität, wie es sonst der Fall sein kann, wenn man ungefähr im gleichen Alter ist. Wir sind auch in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen. Es gab da eine große Kluft zwischen uns, und durch die Musik hat sich das geändert. Viele Unterschiede werden ausradiert, wenn Du zur Gitarre greifst und gemeinsam an Musik arbeitest. Es bringt die Leute zusammen und Tim hat einen sehr positiven Zugang zur Musik, er glaubt wirklich an sie und ist eher ein spiritueller Mensch. Ihm geht die Ganze Punkrock-Mentalität ab, er will einfach nur den bestmöglichen Song schreiben. Diese Freiheit ist sehr inspirierend.

In einem Interview hast du mir vor drei Jahren gesagt, dass dir das Buch „Der Gotteswahn“ von Richard Dawkins extrem geholfen hat, mit religiösen Schuldgefühlen und Ängsten umzugehen. Auf „Bury Me In Philly“ greifst du mit „Shaky Jesus“ erneut Motive des Glaubens zu verarbeiten. Um was geht es in dem Song genau? 

Dieser Song dreht sich um das Gefühl, das Du bekommst, wenn die Dinge gut laufen und Du eine falsche Vorstellung hast, warum das das so ist. Das ist sehr gefährlich für den Menschen. Wenn mich Jesus liebt, kann ich dann dies und jenes von ihm verlangen? Kann er meinen Song retten, vielleicht sogar mein Leben? Wenn man etwas verbessern will, sollte man selbst daran arbeiten und nicht auf jemanden warten.

Stichwort Ideologie und rechter Rand: Es heißt, Trumps Wahlsieg hätte Dich schwer getroffen. 

Ich war überzeugt davon, dass Trump keine Chance hat. Ich bin überzeugt davon, dass da im Hintergrund viele schmutzige Dinge gelaufen sind. Hillary Clinton bekam fast drei Millionen Stimmen mehr. Und die Art, wie das System funktioniert, ist wirklich dreckig. Das Ganze ist sehr entmutigend. Ich glaube an das Gute im Menschen und daran, dass wir gemeinsam viel erreichen können, dass wir Menschen mitnehmen können, denen es nicht so gut geht wie dir und mir. Ich bin auf der Seite der Armen und der Arbeiter. Trump ist ein klassischer Profitmacher. Und ein Typ, der Leuten einen Streich spielt, die das mit sich machen lassen. Du musst verantwortungsvoll mit den Menschen umgehen, die Dir folgen und die zu Dir aufsehen. Das tut Trump nicht, er ist der Typ, der andere abzockt um seine Macht zu erhalten. Wir Humanisten haben viel Arbeit vor uns, und auch in Europa sieht es düster aus, wenn man etwa Holland oder Frankreich nimmt. In Deutschland schlagt Ihr seit langer Zeit die Finsternis zurück, und das macht Ihr ziemlich gut.

Trump hat Unterstützer, die tatsächlich glauben, dass er für den „kleinen Mann“ einsteht, aber in seinem Kabinett sind etwa viele millionenschwere Unternehmer. Was wird passieren, wenn die Menschen erkennen, dass es ihm nicht um sie geht? 

Es gibt Menschen, die Trump noch blind folgen. Aber ich hoffe, dass die Menschen Widerstand leisten und sich für die Armen und die Arbeiter einsetzen. Ich weiß nicht, ob seine Unterstützer nicht zu stolz sein werden, um einen Fehler zuzugeben. Seine Umfragewerte sind wirklich schlecht, es läuft nicht gut für ihn. Was die Zukunft bringt, kann ich nicht voraussehen, aber ich sehe eine zunehmende Welle der Opposition gegen Trump und wofür er steht. Das ist nicht, wie Amerika sein sollte, und es gibt viele Menschen, die Gutes tun.

Du selbst hast Dich den Protesten am Wochenende nach der Amtseinführung angeschlossen. 

Ja, ich war beim „Love Over Hate“-Protest dabei und beim Frauenmarsch. Ich bin zwar jetzt mit dem neuen Album auf Tour, aber ich werde definitiv meinen Teil dazu beitragen, dagegenzuhalten.

Frank Turner hat einen neuen Song namens „Sand In The Gears“ veröffentlicht, der sich sehr kritisch mit Trump auseinandersetzt. Wird Trump auch Deine Musik prägen? 

Das ist wohl unvermeidlich. Es geht darum, immer mit dem Herzen zu schreiben. Und dieses Thema liegt mir sehr am Herzen. Insofern wird es seinen Weg in meine Texte und Musik finden. Über viele Aspekte davon habe ich bereits auf „Devour“ geschrieben, vielleicht war es einfach zu früh für Songs wie „The Great Depression“ und „We Could Be Kings“. Wir werden sehen. Obama war nicht perfekt. Er hat Dinge getan, die waren miserabel. Aber er hat auch viel Gutes bewirkt. Und mir kommt es so vor, als hätten wir unter ihm viele Schritte nach vorn gemacht und jetzt machen wir ein paar Schritte zurück. Aber wir werden wieder vorwärts gehen. Ich hoffe, dass es nicht das Ende des amerikanischen Experiments ist. Das wäre gruselig.

Du setzt Dich auf Deinem neuen Album auch mit Social Media und Smartphone-Nutzung auseinander, im Opener und im Titelsong. Du selbst nutzt soziale Medien stark, um mit Deinen Fans in Kontakt zu sein. Wie stehst Du zu dem Thema? 

Dave Hause beim Pirate Satellite Festival 2013. Von links:
Laura Jane Grace (damals noch Tom Gabel), Joe Ginsberg,
Chuck Ragan, Dave Hause, Jon Gaunt, Dan Adriano.
                                                Foto: Tinnitus Attacks
Ich denke, es ist wie mit jedem Werkzeug, das wir Menschen erfunden haben. Es kann für Gutes genauso genutzt werden wie für schlechte Zwecke. Für mich ist es sehr nützlich, etwa, wenn noch 100 Tickets für eine Show übrig sind. Oder wenn es darum geht, die Fans über eine neue Platte zu informieren. An Social Media kommt keiner vorbei, egal, wie ich darüber denke. Man muss eben vorsichtig damit sein. Ein Problem im Netz ist sicherlich der Narzissmus, und die meisten guten Dinge passieren meiner Ansicht nach erst, wenn man nicht nur auf sich selbst schaut, sondern andere Menschen wahrnimmt. Es ist gut, in die Natur zu kommen, in der Gegenwart liebender Menschen zu sein, es ist gut, nett zu sein. Und man muss für sich herausfinden, wie man es eben sinnvoll nutzt. Ich habe aber keine Theorie dazu, das wäre, als hätte ich eine Theorie über Autos. Wir kommen damit herum, aber wir verbrennen fossile Brennstoffe, es hat gute und schlechte Seiten.

Für Dich ist es auch eine Möglichkeit, mit der Familie in Kontakt zu bleiben während Du tourst, oder?

Ja, es ist super, wenn ich meine Freundin vermissen oder mit meinem Vater und meinen Schwestern sprechen will. Du kannst das Kind eben nicht mit dem Bade ausschütten.

Du bist mit Deiner Freundin nach Kalifornien gezogen. Willst Du bald Vater werden? 

Seit ich mit dem Trinken aufgehört habe und meine Verlobte getroffen habe, finde ich die Idee, Kinder zu haben, viel schöner als früher. Chuck Ragan ist vor ein paar Jahren Vater geworden und viele Gleichaltrige sind jetzt Eltern, Dan Adriano von Alkaline Trio etwa ist sehr glücklich mit seiner Familie. Ich kann mir gut vorstellen, dass das bald ein Thema für meine Verlobte und mich wird.

Du hast vorhin The Loved Ones erwähnt. Gibt es über die Reunion-Shows hinaus Pläne, etwa für ein neues Album mit der Band? 

Es gibt ein paar Songs, die sind härter als mein Solomaterial. Das könnte schon ein Album geben, aber das hängt auch vom Terminplan der anderen ab. Das letzte Mal wurde dann eben „Devour“ draus, weil wir nicht touren wollten. Ich will aber eigentlich kein Album aufnehmen und dann nicht damit touren. Denn dann nimmt todsicher niemand davon Notiz. Aber die zehn Shows mit der Band zu spielen, hat schon gereizt. Wenn die Jungs 100 Shows spielen wollen, dann wäre ich interessiert. Aber ich mag auch, was ich jetzt mache. The Loved Ones sind Geschichte. Ich hab inzwischen mehr Platten mit meinen Solosachen verkauft und mehr Konzerte als Solokünstler gespielt. Mein Bruder ist mit dabei, ich hab das Sagen, und The Loved Ones sind einfach Vergangenheit. Ich bin nicht an Nostalgie interessiert.

Gibt es Pläne, mal wieder eine Revival-Tour mit Chuck Ragan zu machen? 

Ja, wir wollen in den kommenden eineinhalb Jahren ein oder zwei Shows spielen, wohl auf Festivals. Chuck hat mir gerade gemailt, aber mehr kann ich noch nicht sagen.

Samstag, 18. Februar 2017

Hörtest: The Menzingers - After The Party

"Eins bleibt immer gleich, nach dem Feuerwerk wird aufgeräumt", hat ein weiser Mann namens Benjamin Griffey, besser bekannt als Casper, einmal gesagt (bzw gesungen, gerappt, gesprochen oder wie auch immer in "Nach der Demo ging's bergab" auf "Hinterland"). Auch die britischen Indierocker von Bloc Party widmeten sich auf "A Weekend in The City" dem Exzess und dem Kater danach. The Menzingers ziehen den Kreis noch etwas weiter: "After The Party" reflektiert das Älterwerden, das Erwachsenwerden - und wie man sich trotz aller Konventionen, die das Leben mit sich bringt, sein Ich bewahrt. 

"We're turning 30 now, and there's this idea that that's when real life comes on. In a way this album is us saying, 'We don't have to grow up or get boring — we can keep on having a good time doing what we love."
- Greg Barnett

Greg Barnett bei einem Auftritt in Lindau.
                                 Foto: Daniel Drescher/Tinnitus Attacks
Was The Menzingers ausmacht, ist die Kombination aus Melodien, die man nicht mehr abschütteln kann, und Texten, die prägnant und slogan-like (im Sinne von tätowierfähig) und zugleich tiefsinnig sind. "Waiting for your life to start then you die / Was your heart beating in the first place?" ist zum Beispiel so eine Textzeile, die sich in "House On Fire" findet. Ein Song als Memento Mori, als Mahnung, nicht zu zögern und abzuwarten. Das ist die Story auf "After The Party". Gleich im Opener "Tellin' Lies", wo sich die Frage stellt: "Where are we gonna go now that our twenties are over?" In der Tat, was? Wachstumsschmerz ist ein Thema, mit dem sich viele Bands auseinandersetzen, aber Greg Barnett und Tom May (die Stimmen der Band) packen es in Texte, die einfach gut erzählt sind. Das wird besonders auch in "Your Wild Years" deutlich. Die Rückkehr in ein Kinderzimmer, eingelagerte Erinnerungen in Schachteln, die Zeit, die vergeht. Und irgendwie ist das Leben immer wie ein langer Roadtrip, daher auch eine Referenz zu Jack Kerouac in "Lookers".

Daneben finden sich auch viele religiöse Anspielungen, am offensichtlichsten natürlich in "Bad Catholics", das vom Wiedersehen mit einer verflossenen Liebe bei einer Kirchenpicknick handelt. In "Boy Blue", wo es heißt "No Empty Seats In Eternity". Aber auch in "Black Mass": Da erzählen The Menzingers vom Aus einer Liebe, der Traualtar als Ort des Opfers, massig Interpretationsspielraum. Am Ende der Platte steht aber die Erkenntnis: "After The Party, It's Me And You." Aus dem egoistischen Ich der 20er wird das Wir, das Verantwortung für einen anderen Menschen übernimmt. Ein tröstlicher Gedanke.

Tom May beim Gig in  Lindau (Oktober 2016).
Foto: Daniel Drescher/Tinnitus Attacks
Und dann ist "After The Party" eben auch noch ein Album, das zwar fast schon poppige Melodien hat ("Charlie's Army"), aber eben auch immer den Distortion-Hammer schwingt, bevor es zu nett wird. "On The Impossible Past" war ein moderner Klassiker, es ist nicht zuviel gesagt, das 2010er-Album der Band so zu nennen. Songs wie "Burn After Writing" brannten sich nachhaltig ins musikalische Herz und Hirn ein, kein schwacher Song auf diesem Album. "After The Party" (mit einem grandiosen Cover versehen noch dazu ) kann bestehen neben dieser Platte und überflügelt seinen okayen Vorgänger "Rented World" deutlich.

Seinen Platz in den Bestenlisten der Punkrock-Szene dürfte "After The Party" jedenfalls schon sicher haben.

"After The Party" von The Menzingers ist am 3. Februar via Epitaph Europe erschienen. Hier seht Ihr das Video zu "Lookers". 

Sonntag, 5. Februar 2017

Hörtest: Dave Hause - Bury Me In Philly

Mit Dave Hause und mir, das war Liebe auf den ersten Blick. 2012 beim Pirate Satellite Festival in Stuttgart (das es ja leider nicht mehr gibt) stand Dave auf der Bühne, er war Teil des dreistündigen Akustik-Sets, bei dem auch Chuck Ragan, Tom Gabel (inzwischen besser bekannt als Laura Jane Grace) und Dan Adriano auftraten. Mir ging damals besonders "The Bridge" ins Ohr, das im E-Gitarren-Original von Dave Hause' Band "The Loved Ones" eingespielt wurde ("Build and Burn"). Also musste "Resolutions" her, das Soloalbum, alles von The Loved Ones, und "Devour" wurde dann natürlich überglücklich in die Arme geschlossen.

Das ist jetzt auch schon wieder über drei Jahre her. Und mit "Bury Me In Philly" löst Dave Hause alle Hoffnungen auf ein starkes Album ein. Die Reaktionen, die ich bisher gesehen habe, sind jedenfalls alle positiv und überschwänglich. Mit seinem hemdsärmeligen, ungekünstelten Heartland-Rock ist Dave Hause in seinem Element. Dabei macht er gar nicht viel anders als bei "Devour" (per Klick kommt Ihr zu einem Interview, das ich damals mit ihm geführt hab). Aber warum auch, denn auch auf dem Vorgänger war die Mischung aus Gitarrenpower mit Schub, Daves unverkennbarer Stimme, melancholischem Sinnieren und unpeinlichem Pathos der Marke Springsteen im Grunde perfekt. Wenn man an diesem Longplayer etwas kritisieren will, dann vielleicht, dass etwa "Shaky Jesus" ziemlich exakt so aufgebaut ist wie "The Great Depression" vom Vorgängeralbum und sich sogar die Gitarrenfiguren frappierend ähneln. Trotzdem - mir ist diese Beständigkeit lieber als eine erzwungene "Entwicklung", wie man sie bei anderen Musikern schon hat zu Blödsinn führen sehen. 

Stark an diesem Album ist seine Fähigkeit, dem Hörer Melodien ins Hirn zu setzen, die sich festsetzen und nicht wieder weichen wollen. Das geht beim Opener "With You" los, der mit seiner drastischen Textzeile "Dance With Me We'll All Be Dead Soon" geradezu gespenstisch gut in die aktuelle pessimistische Weltlage passt. Aber Dave wäre nicht Dave, wenn er damit nicht gleich einen Aufruf zum Zusammenhalten, zum Arschhochkriegen verbindet. Auch "The Flinch" schlägt in diese Kerbe. Die Botschaft: Kein Blick zurück, jeder weicht mal zurück, aber künftig gibt es kein Zurückweichen mehr. Mit Hymnen wie "My Mistake" macht Dave Hause Eindruck, hier treffen Haltung und musikalisches Talent aufeinander und es könnte sein, dass dem Musiker aus Philadelphia in Zukunft viel mehr Beachtung zuteil wird (und eben die, die er eigentlich verdient). Mit "Dirty Fucker" gibt es eine mistingkompatible Faustindielufthymne für die Konzerte, aber es gibt auch Momente wie in "Divine Lorraine", wenn es nach Pedal Steel klingt und man das American Songbook aufschlagen und Tom-Petty-Vibes den Raum fluten. 

Der Abschluss mit dem Titeltrack zeigt einen Dave Hause, der seine Herkunft nicht leugnet, sondern mit Stolz auf die Arbeitermetropole verweist, aus der er kommt. Schön, wie hier der Unterschied zu tumbem Patriotismus klar wird. Dave Hause ist jemand, der seine Wurzeln kennt, aber trotzdem in der Welt zuhause ist. Da, wo auch seine Fans sind. 

"Bury Me In Philly" ist am 3. Februar via Rise Records / ADA erschienen. Hier hört Ihr "The Flinch". Wer das ganze Album im Stream hören will: Bei Dyingscene geht das. 

Samstag, 28. Januar 2017

Hör- und Sehtest: Arcade Fire - The Reflektor Tapes

Arcade Fire sind bekannt für ihren Kopfkino-Indierock. Mit "The Reflektor Tapes" sind nun ein Dokumentarfilm und ein Konzertmitschnitt auf DVD und Blu-ray erschienen. Für Fans unverzichtbar, für Neueinsteiger geeignet - allerdings eher für den Gesamteindruck, nicht für den Aufbau von Indielexikon-Wissen. 

Eins vorweg: Wer sich von "The Reflektor Tapes" tatsächlich eine Dokumentation über das Entstehen des Doppelalbums "Reflektor" von 2013 erhofft, könnte hier enttäuscht werden. Regisseur Kahlil Joseph inszeniert den Film ganz anders, als man vielleicht erwartet hat. Es gibt zwar eingestreute Informationen, hier mal eine Einblendung, wann wir uns gerade wo befinden, dort ein Statement von Win Butler und Regine Chassagne, die sich ja nicht nur die Bühne, sondern auch das Leben als Ehepartner miteinander teilen. Aber es wirkt, als wollten Arcade Fire nicht zuviel preisgeben, Interpretationsspielräume offenlassen und sich nicht über die Maßen erklären. In einer Zeit, in der gefühlt jede zweite Band ihre eigene Doku über das nicht unbedingt relevanteste Album veröffentlicht, ist das ein gleichermaßen unkonventioneller wie bescheidener Ansatz.
Foto: Tinnitus Attacks

Trotzdem erfährt man etwas über die besondere Beziehung der Band zu Haiti, von wo Regine Chassagnes Eltern stammen. Und wenn man den Film dann mal gesehen hat, hört man die Platte mit ihren Percussion-Einflüssen und Gastmusikern aus dem Inselstaat ganz anders. Und es wird auch deutlich, wie sehr eine Reise nach Haiti Win Butler, den Frontmann der Band, geprägt haben. An der Hinwendung zu tanzbareren Rhythmen, elektronischen Versatzstücken auf "Reflektor" hat sich mancher Fan gestört. Doch hier wird deutlich, warum die Band ihren Klangkosmos erweitern wollte. 

Visuell ist "The Reflektor Tapes" trippig, rauschhaft und sehr künstlerisch gehalten. Auch damit ist der Film ganz anders als die typische Dokumentation, die von authentischen Bildern lebt. Aber es passt gut zum künstlerischen Ansatz der Band. Zudem lässt sich der Film so auch als Kunstwerk genießen, den man wohl öfters einlegen wird als eine Doku, in der endlos geredet wird. 

Auf der zweiten DVD findet sich ein Mitschnitt vom Auftritt im Earls Court in London 2014. Auch hier sind die Bilder eher träumerisch, sehr bunt und viel ästhetisierter als bei anderen Konzertmitschnitten. Klar, hier geht es ja auch nicht darum, einen Soli peitschenden Gitarrenhexer möglichst toll in Szene zu setzen. Arcade Fire waren schon immer eine Band, die den Konzertgänger visuell überwältigt und unheimlich viel fürs Auge bietet - ohne dabei an musikalischer Klasse zu sparen. Und wie sich hier emotionale Wahnsinnsabfahrten wie "No Cars Go" mit Discofizierten Songs a la "We Exist" zu einem großen Ganzen vermischen, ist stimmig.
Foto: Tinnitus Attacks

Als Extras gibt es auf DVD eins die Promo-Clips zu den Singles des Albums sowie einen Mitschnitt von "Afterlife" bei den Youtube-Award, auf DVD 2 die "Director's Cut Tracks". Insgesamt finden sich über vier Stunden Material auf den zwei DVDs, die in einem schön aufgemachten Pappschuber kommen. 

"The Reflektor Tapes" von Arcade Fire ist am 27. Januar via Universal auf DVD und Blu ray erschienen. 

Hier könnt Ihr Euch einen Eindruck verschaffen: 

Sonntag, 15. Januar 2017

"There's something increasingly revolutionary about writing and reading": My Interview with John K Samson

If you would have told the 27-year-old me that I would meet John K Samson in Winnipeg ten years later, I probably wouldn't have believed you. But this is exactly what happened eleven days ago in a small café in Winnipeg. The poet, writer, musician and former frontman of The Weakerthans and I met for an interview while the temperatures outside reached freezing -20. I couldn't be any happier about the fact that John took one hour of his time answering questions about "Winter Wheat", why he doesn't want a Weakerthans Reunion and how the Internet is altering all of our lives (pictures taken by the lovely Melanie Braith). So here is our conversation at full length: 

Hi John! Thanks for taking the time for this interview. I want to talk about the winter in Winnipeg and of course we have to talk about your new record. The album was made during a long Winnipeg winter. Can you tell me when the songs were written and how the recording was made? 

"Winter Wheat" is another unique record by John K Samson
(left, but not leaving, bad pun, I know).
The songs were written over a four-year period from 2012 to 2016. But a lot of them were written around this project called “For The Turnstiles” which was a piece with Winnipeg’s Contemporary Dancers about the Neil Young Album “On The Beach”. Five or six songs came together around this project and that provided the framework for the album. we began recording in early January last year. It was an interesting process. It kind of spread, I thought it would go much faster but it took a long time. It was basically me and Jason Tait sitting in his garage and trying to record. That’s how it started. Yeah, it was a difficult process in many ways. Both Jason and I were sort of struggling with mental health issues at the time that presented certain challenges. We worked two or three hours a day. That was all we could handle. That made it a longer process, but it also added to it, doing things deliberately and slower. This is a more personal record.

We’ll come back to your album later on. Let’s talk about Winnipeg for a bit. It’s my first time here, and I’ve got the impression that it takes more time to do things during these really cold months. It takes me ten minutes to layer up, for example…and you have to think about when you go outside in order to not wait at a bus stop for too long. How does the winter in Winnipeg affect you and your songwriting, but also other people here?

I think that is a really good point. I haven’t thought about it that way before. It slows time down. Everything has to be thought through. The implications of the weather have to be incorporated into everything you do. It creates spaces that perhaps – for me at least – I would not have in other climates. Once you’re inside, you stay inside. And I do feel that it isolates us, it’s very difficult for people to visit and to tour for example. Performers from away don’t come here as often in the winter so we have to invent our own entertainment for each other. I feel like that’s kind of how I started my music and how a lot of people here start. We need to entertain each other, we need to have an excuse to get together, to socialize – because it needs some fortitude to leave the house.

When we explored the city, I didn’t see any typical tourist souvenir shops. Would you say that Winnipeg is much more of an authentic city in comparison to more popular cities like Toronto or Vancouver? 

Still trying to understand this place: Even after all these years,
 John K Samson is bewildered by Winnipeg. 
Yeah, absolutely. I mean there are pockets or places like The Forks: That’s a place for people from away, but not for people living in Winnipeg. Most cities have many places like that -- to the point where cities have become entirely that. They become a parody of themselves in a way. I can certainly feel that in some cities the idea of the place is more important than the place itself. Winnipeg is different in this sense, more unique. It requires a certain determination.

Did you grow up in Winnipeg? 

Yeah, I’ve been here for 43 years now.

The city itself and Manitoba are an important topic of your work. Can you explain the fascination? 

It has something to do with still being quite bewildered by it and trying to understand this place, to come to terms with it. That is a huge part of it. I’m not sure…yeah…it's a good question. I feel like it’s also a lens that can be used to try and understand a lot of other things and other places as well. This place is on the margins, both geographically and culturally. I feel like it has a certain perspective that is valuable and useful.

It's similar in Germany: Berlin is a place that is so popular and people from all over the country move there to be cool, leaving smaller towns. The people that stay in their hometowns also have to create their own culture. But the provinces are often looked down upon.

"I believe that there is real power in the provinces",
says John K Samson. 
I believe that there is real power in the provinces. I feel like the culture increasingly is centralizing in a way that surprises me – since the Internet is supposed to be democratizing everything. But instead it feels like it’s pooling these sources of cultural authority in smaller and smaller places. So yeah, there is real power in small, independent media, which is, you know, what music comes down to.

You mentioned the Internet. One topic on “Winter Wheat” is our addiction to screens. When I wrote to you, I wrote a letter because you had a post on Facebook which said you don’t partake in social media anymore and if one wants to get in touch with you, they can send a letter. It was funny, because I wrote a draft and then copied the draft. Writing by hand felt like a new experience, it felt good. How has the decision to abandon social media affected your life? 

I don’t participate in it, but I feel like I’m still complicit and it still sort of defines me as it defines everyone. It’s weird because it goes on without us, it’s actually something that we can’t really escape. So to me it asks some interesting questions about who we are and about what we think community is. I think that community has to be physical, people sitting with one another and speaking. My decision wasn’t based on that, it was based on a gut feeling of anxiety. Social media gave me a fundamentally kind of uneasy feeling.

To be connected all the time, that you can be reached all time?

Yes, exactly. That connection really frightened me, I realized. And so when I stepped back from it, it helped. But it’s still something that I struggle with. Like I don’t want people to think that I’m somehow a role model. Because it's still something that troubles me. I try to figure it out. But I do feel like there's an addictive quality to it. That is very troubling to me.

In an interview with CBC you said that we are the last generation that experienced the time before the internet and the time after its invention. You also said there are things from that time before that we should save. 

Screens and notebooks - both important tools. 
I feel like that's true. I've been writing a lot of letters and short postcards since the record's come out. I find that a really powerful act, writing words on paper. The medium itself also alters what you say. That's an interesting problem, too.

You write poetry. Do you also write poetry that you don't use as lyrics for songs? 

Not really. Mostly, I cannibalize my poetry for my songs. I often write a poem and end up taking a line from it and using it in a song and then I feel like the poem doesn't stand on its own anymore.

So there are no poems that will be published in a book sometime later? 

No, I mean, I write really slowly and deliberately. So pretty much what you see is what there is. I think I write like 500 words a year.

Yeah, you said that in an interview, like three songs a year. And that you have to start from scratch with the songwriting. I can relate to that feeling, it's the same when I take photos: Everytime I think: Ok, what do I have to do? 

Yeah, trying to remember how. But do you have the same thing with journalism? You probably don't.

Me, trying to come up with a good question. 
Sometimes. When I write an article or when I have to come up with questions for an interview. 

I still admire journalists in that sense. They have to do that every day which I find dreadful.

It can be dreadful. But having a deadline is kind of a good thing. I have to deliver, so...

I find that really productive too. When I work with other writers I often give them deadlines. That does seem to help.

On your new album, you worked with Jason and Greg, your former band members from The Weakerthans. Could you imagine getting the band back together sometime in the future? 

Not really. I feel like it's altering, closing the focus a little bit. And making things more manageable. The Weakerthans were sort of getting away from me. It was a lot of work and I feel like having it under my own name makes it more manageable for me. It was a very natural process. Perhaps we will play together again one day...

But there are no current plans for that. 

No, no plans to do so. We play Weakerthans songs in our live sets. So I don't feel the need to do that. It's interesting what labels are. I understand it, but it's interesting to me that it doesn't feel like the same thing when you change the name.

But the people who know The Weakerthans will know the name John K Samson and buy the record, right? 

I don't know if that is necessarily true. There are people who know the band, but a lot of people don't understand how it's made. The labels become really important to people. I'm not sure what it all means. I find it all very puzzling. But I also feel like stepping back from the machine that was The Weakerthans...it was not a huge band, but narrowing and focussing the audience a bit has been helpful to me. I do feel like larger rooms don't interest me as much as smaller rooms. A smaller audience is just better for me. I'm just better as a performer and I get more out of it. This step committed that in a way. It focused my work.

Maybe it's also simpler to open up. The topics are very personal, and maybe that is easier with a smaller audience. 

I haven't thought of it that way, but that is exactly right. An intimacy has to be literal, I'm speaking about intimate things, so it should be directly to a room of people that can receive it.

And if you imagine the concerts that you go to as a fan: For me, the smaller venues always made for the best and most memorable gigs – and not the big stadium shows. 

Stadium shows wouldn't have happened with The Weakerthans. But it was still kind of larger than I wanted.

The Weakerthans and you are featured on pretty much every list of the most influential musicians. And also in Germany: You have so many fans there. 

That's sweet. I feel a certain connection to Germany because we started touring there before we started touring here. It is an important place for me.

Did the fans respond to the split? Music fans can often be demanding and give musicians a feeling of obligation, for example if you change the style. 

John K Samson is happy playing for smaller audiences. 
Weirdly, I do feel an obligation, but I kind of appreciate that obligation, for example to play old songs. I really like that, putting old songs in a set with new songs. It's an opportunity for them to interact together in a way I feel very grateful for. I'm with those people. I, for example, love Radiohead. Their guitar player is my favorite guitar player. And I wish he played more guitar. And there's some validity in feeling that. I can get on board with that.

On “Provincial” and on “Winter Wheat”, your wife Christine Fellows plays an important part in the music. How does being married to someone influence your collective creative process and vice versa – how does your music change your relationship? 

Our work has been braided together for the last decade at least. I feel like we're collaborators and everything that comes out of our house is a kind of joint project. It's hard for me to pars where her influence starts and where it ends. It's built into the work itself. I'm really lucky to have a creative partner as well as a life partner. It's really valuable.

I can imagine that her feedback on lyrics or music are more important than when it comes from another person. 

Yeah, and it's also more brutal. The editing process requires a certain amount of brutal honesty. I don't get that from anyone else. People are too kind if I show them things. They're like “Yeah, it's lovely” but what you really need as a writer is someone who says “Good try”. That's the worst words you can hear, “nice effort”. But you need people that keep pushing you until it's actually good. That's something that's rare and maybe part of our forced cheerfulness. That's also part of social media. People pretend to get along or the increase in exclamations marks. I use them all the time now and I never did. You have to force some kind of emotion into these forms so you're using emoticons. Ironically there's less honesty in our interaction. We need that as artists especially. We need complication. And I feel like so much of our culture flattens everything into the kind of love or hate.

Like or dislike.

Exactly...it's built into the language itself.

Interesting point. Social Media changes our language, the Internet changes the way people communicate – often not in a good way. 

That's true. And it leaks into the way we interact with each other which is why expression and the arts are so important. There's something increasingly revolutionary about writing and reading.

Should the arts include and reflect upon those topics or should it be like a stronghold against such new influences? 

I think it could be both. But I'm most interested in art that includes it, maybe doesn't embrace it. I feel like it's the question of our times, it's the big topic that we're all thinking about. When I speak to someone for longer than two minutes you come to this discussion about how they feel as an avatar and as a human being and how they interact, their problems with that. So I think it's unavoidable. We have to think about it and we have to make work about it. And I feel like the language itself, that's something I stumble over. These words become part of our vernacular. Some of them just don't sound right, they sound intrusive in a song. For example the word “dongle”. Is there a German word for it? If you're setting up your Powerpoint presentation the thing that goes into the computer. I mean, “dongle”, it's a horrible word. But if you say it enough, it becomes beautiful. So I use it in the song “Postdoc Blues”. When you're doing a powerpoint presentation, it's always the wrong dongle. I can't remember where, but I heard the word “cellphone” in a song and I was like “Uh, that's...”. Artists are weary of dating and locating themselves in their time. People want things to be timeless. But I feel like I don't. My favourite movie director Ingmar Bergman said he didn't expect his work to last at all. He wanted it to be like good furniture. It could be used and then thrown away. I feel the same thing. I think people are too concerned with dating themselves. It prevents us from actually engaging with our time. And that's what we should be doing, engaging with our time and place. That's why I'm interested in specifics and uniqueness in writing, descriptions. We're all in this troth of history, we can't see out from where we are. And that's ok, I guess.

We just watched “The Matrix”, and it's so strange how we thought back then “Wow, the new Nokia, what a modern phone” and today it's just nostalgia. 

It's important to experience what is beneath all our
technology: The physical community is what
really counts, says John K Samson.
(laughs) I know, so weird. When you think about the last 15 years...I was just writing something about Facebook and it's only been around for ten, eleven years now. The amount of change seems so unimaginable. And everyone says this about their own time, right? That it's so crazy and strange. It does seem like this whole idea of how microchips double in speed, what is the calculation, every 18 months or something? The capacity of our computational devices, there's a calculation about their increasing strength in ways that, like, until what, the  telegraph, 1850ies, 1830ies? Between antiquity and the telegraph, there was writing letters and speaking to each other like for 5000 years. Suddenly in the last 200 years...that's just nothing. I think about how the very art form I work in is entirely predicated on technology. I'm a recording artist, right? The recording technology has only been around for less than a hundred years. And my entire way of working circles around the center of this technology. Which is also why I feel like this idea of making things smaller is important to me. That direct interaction of me standing there playing the song at someone and then receiving it and giving something back is like...that's important to me. That connects us to actually to what is beneath all our technology.

If you play in front of an audience, you get something back, right? When you record in a studio, you're mostly alone. Isn't that playing into a void?

It's difficult, but there's also something interesting about that too. You're never alone, I'm never alone. It's always with other musicians. Even if it's just me, there's always someone, because I don't know how to do things with computers. There's always someone there assisting me. There's always a collaboration in some way. But it's true, sometimes it feels like a void, and I feel like there's a frightening doubtfulness that creeps into that. The way I used to work was more inclusive because what we used to do was: We would write songs and them play them in front of people and then record them. But almost noone does that anymore, because everyone is afraid of the devices in everyone’s hands, right? They're afraid of the process being interacted by people recording that and then having opinions on that before the fruition of the work is allowed. So I feel like that's discouraged them. People don't want to let the songs grow up in front of an audience. And I miss that. I miss performing songs and seeing what they do in a room and then reviving them.

When you have an idea for lyrics or a song, do you record it immediately or do you write it down? Or do you take the time for special songwriting sessions? 

I couldn't do it without recording devices. I use my phone now and before that I would use a cassette player and I constantly record little snatches and ideas. If I just had to remember it, it would be difficult for me. And I can't just write music.

So you catch the creativity on the spot. 

I guess. There's also something said about just sitting down and doing it. Labour, that's what it is. That's another thing that's lost in the modern understanding of modern writing. It's work, and it's useful, and it's exciting work.

Earlier on, you said that you like brutal honesty. You were a writer in residence at the University of Manitoba and you're a writer in residence at the Millenium Library at the moment. Now, in an interview you said that you get more out of that than the people presenting you their songs. In what ways? 

I like editing things. Every time you get to look into a creative process, it kind of subtly assists your own. Just in that sense that we're not alone. We're all engaged in the same struggle, that's powerful for me and I'm grateful for it. And also the things handed in are quite different from each other. It's also a political thing. I feel there shouldn't be a hierarchy of the arts. It's all the same work, whatever it is.

You went to Churchill and played a benefit concert in Churchill for the Hungry Bears Food Bank. Can you tell me about it?

It was fun, it was kind of a random thing. They approached us and it all fell together in a nice way. I always wanted to go there. It's difficult to get there from here. So I was glad to get there. It gave me more of a sense of the province. The ocean is up there, that's crazy.

It's not the only social project you've been doing. So I was wondering, what makes social activism so important to you? 

Being in a room with other people, that's what it's all about.
I don't make a distinction. It's all these things I enjoy, so it's a bit unfair to call it activism sometimes, you know? But I do feel I like situations where I meet people who I otherwise wouldn't meet. And I feel like I get a lot out of that. I work in prisons for example. Just outside of Winnipeg, I help run a book club in a prison here and then I'm part of a visiting program. And that again is more like, for me, I really love meeting people which I wouldn't encounter otherwise. Churchill was  like that, I normally couldn't get up there. And it was an example of the problems of capitalism and addressing them directly. It's a community which is under attack simply because the people who control the economy of the community have no direct investment. They're all investors from the United States. To me it seemed like such an obvious and fixable problem, and I wanted to bring attention to that. I feel like that's happening everywhere. And again, I feel like the Internet is actually contributing to that problem. It makes communities more diffuse. So yeah, always bringing the idea back to physical communities – I feel like that's everything I do, I want to come back to. Being in a room with other people.

You say it’s happening everywhere. So that means we don't have to sit and wait but everyone can do something about it, right? 

Yeah, that's true too.

It needs some motivation to get up, get out into the real world and not just sign an online petition. 

Yeah, and I feel like there's this danger of clicktivism. The exceptions of social media are wonderful. Idle No More, Black Lives Matter – the key to both of those things was, they were transposed to the real world. They brought people together in a physical place. That's the fundamental necessity that is too often overlooked.

You can listen to the current album by John K Samson, "Winter Wheat", here: